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D 1992
Originaltitel:Amoklauf
Länge:58:05 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Uwe Boll
Buch:Uwe Boll
Kamera:Richard Eckes
Musik:Uwe Spies
SFX:Catland Studio
Darsteller:Martin Armknecht, Christian Kahrmann, Susanne Leutenegger, Michael Rasmussen, Birgit Stein, Anja Niederfahrenhorst, Ralf Grobel, Josef Betzig, Roland Jankovsky, Veronika Caspers
Vertrieb:Cine Club
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:15.05.2009 (Kauf)



Inhalt
Ein gepflegter, konservativ-korrekt gekleideter Mann führt ein Leben in totaler Isolation. Während er in seinem Beruf als Kellner schweigend den Menschen dient, zieht er sich in seinem Privatleben zurück und flüchtet sich immer mehr in eine Welt voller Pornografie, Gier und Gewalt. Nach und nach verschwimmen Wirklichkeit und die im Film dargestellten Bilder immer mehr, bis er schließlich völlig den Bezug zur Realität verliert ...
Und was mit dem Mord im Affekt beginnt, endet schließlich im totalen Amoklauf.

Bild
Format1,66:1 (Letterbox)
NormPAL
 Bis auf kleinere Verschmutzungen zeigt die DVD ein sehr sauberes und für eine Independentproduktion auch ordentliches Bild. Produktionsbedingt müssen jedoch ein paar Abstriche gemacht werden, z.B. gering bei Kontrast und Farbgebung, die beide etwas kräftiger in Erscheinung treten könnten. Leichte Beeinträchtigungen entstehen in dunklen Szenen, denn dort werden Detailbereiche gelegentlich verschluckt. Für eine plastische Abzeichnung der Figuren ist dennoch gesorgt, lediglich der Hintergrund nimmt weichere Formen an, was auch auf Konturen zutrifft. Für eine Detailschwäche sorgt zudem die Kompression, die zwar keine großen Verpixelungen aufkommen lässt, aber eine Blockbewegung innerhalb homogener Flächen zulässt. Deshalb verschwinden auch mal feinere Details in Nahaufnahmen. Einen anamorphen Transfer gibt es zwar nicht, doch ist dies nicht weiter tragisch, da das Letterbox-Bild auch beim Aufzoomen beständig bleibt. Im Vergleich zu alten Auflagen ist die DVD von CineClub wirklich ein Quantensprung, der "Amoklauf" endlich in einer würdigen Qualität mit kleinen, produktionsbedingten Schwächen präsentiert.
 +++/--

Ton
FormateDolby Digital 2.0 (Stereo)
SpracheDeutsch
UntertitelDeutsch, Englisch, Französisch, Holländisch, Dänisch
 Viel Dialoge sind nicht vorhanden, wenn, sind sie aber von guter Qualität und zu jeder Zeit problemlos zu verstehen. Hauptsächlich wird Stimmung durch den verwendeten Score geschaffen, der über einen meist sauberen Klang verfügt. Lediglich beim Operettenstück sind dezente Verzerrungen beim Gesang feststellbar. Auch wirkt die Abmischung stets ausgeglichen ohne Überlagerungen. Im Ganzen also ein den Produktionsumständen entsprechender Stereoton. Diverse Untertitel sind vorhanden, wodurch "Amoklauf" auch im Ausland seine Käufer finden wird.
 +++---

Extras
Extras
  • Outtakes (6:54 Min.)
  • Uwe Boll Showreel (14:36 Min.)
  • Uwe Boll Pall Mall Spot (4:07 Min.)
  • Materialsichtung (2:25 Min.)
  • Hollywood-Talk (9:32 Min.)
  • Audiokommentar (Bild in Bild) (59:47 Min.)
  • Originaltrailer (1:11 Min.)
  • Trailer: Das erste Semester (1:43 Min.)
  • Hidden Feature (4:57 Min.)
  • Wendecover
VerpackungKeepCase im Schuber
 Die Jungs von CineClub haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um ansehnliches Bonusmaterial auf die Beine zu stellen. Ab zum deutschen Wohnsitz von Herrn Boll, in die tiefen Kellergewölben, wo nach brauchbarem Material gesucht und letztlich auch gefunden wurde. So dürfen tonlose, aber sehr seltene Outtakes bewundert werden, in denen der Regisseur einen kleinen Cameo gab, diese Szenen aus dem fertigen Film aber herausschnitt, da sie zum Endprodukt nicht mehr passten. Weiterhin gibt es den ebenfalls tonlosen Pall Mall Spot und ein Showreel, mit dem er sich als Regisseur vorstellte, und einige Ausschnitte aus seinen vier Erstwerken, die er zu einem Werbefilm für die Filmindustrie zusammenschnitt. Weiter geht es mit exklusivem Material, das in Zusammenarbeit mit Uwe Boll für die Special Edition aufgenommen wurde. Zum einen wird in dem kleinen Featurette Materialsichtung kurz die Jagd nach den begehrten Filmmastern gezeigt und im 10minütigen Hollywood-Talk darf Uwe vom wahren Gesicht der Glitzerfassade berichten. Den Höhepunkt stellt der Audiokommentar dar, der nicht wie üblich während des Films als Tonspur aktiviert wird, sondern als Bild im Bild-Feature separat anwählbar ist. Wer die Audiokommentare von Uwe Boll kennt, weiß, worauf er sich einlässt und so gibt es wissenswerte Hintergründe zur Produktion als auch einige Anekdoten. Wirklich witzig gestaltet sich Uwes Behauptung, die im Film zu sehenden Schlachthausszenen entstammen den Kölner Schlachtbetrieben, wo doch jeder Kenner der "Gesichter des Todes"-Filme deren wahren Ursprung kennen sollte. Man kann sich ja schließlich auch mal irren bei dem ganzen Output der letzten Jahre. Ein kleines Hidden Feature gibt es auch noch zu entdecken. Wer keine Lust aufs Suchen hat, kann ja einen Blick in unsere Rubrik werfen.
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Fazit
- "Manchmal ist ein Amoklauf die beste Art, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten." (Filmzitat)

Mit Uwe Boll ist es wie mit der Bild-Zeitung: Keiner gibt zu, ihr Beachtung zu schenken und doch jeder weiß Bescheid. Obwohl Boll ein Regisseur ist, der Filmfreunde mit seinen Werken polarisiert, kann man ihm nicht absprechen, dass er sein Handwerk versteht. Aus meiner Sicht sind Bolls Filme perfekte Unterhaltung, denen ein Schubergewisser Trashfaktor in den meisten Fällen anhaftet. Etwas anders steht es um Bolls Frühwerk "Amoklauf", der weniger Spielfilm als Experimentalfilm ist und über den psychischen und physischen Verfall eines Menschen handelt, denn da schlägt er einen völlig anderen Weg ein, als man es von seinen amerikanischen Produktionen gewohnt ist.

Der Film beginnt mit der Tötung einer Frau, die auf dem Fahrrad durch die Felder fährt: Ein Mann stürzt sich auf sie und sticht ihr mehrmals mit einem Messer in den Bauch. Warum oder weshalb das geschieht, werden wir nicht erfahren. Lediglich die von der Außenwelt isolierte und sterile Wohnung des Täters versucht etwas von dessem Leben zu berichten. Er ist Kellner von Beruf und wenn er nicht dieser Tätigkeit nachgeht, sieht er immer wieder dieselbe Folge einer TV-Spielshow an, die er mit seinem Videorekorder aufgenommen hat. Gelegentliche Abwechslung verschaffen ihm Mondo- oder Pornofilme. Ein langweiliger Alltag, den dieser Mann für sich gewählt hat, der nicht durch Freunde und andere Möglichkeit, der Einsamkeit zu entrinnen, durchbrochen wird. Lediglich durch Mord an Unschuldigen gerät er mit der Außenwelt in Berührung und kann so seinem vereinsamten Leben entfliehen, das bedingt ist durch irgendein prägendes Ereignis in der Vergangenheit. Einen Ausweg scheint es nur über einen Amoklauf zu geben. Ohne Reue und mit einer ausdruckslosen Mimik glaubt er seinem Ziel von Tag zu Tag näher zu kommen.

Seiner Zeit war Boll mit "Amoklauf" voraus, denn 1992 war es sicherlich nicht absehbar, dass öffentliche Bluttaten einmal das Tagesgeschehen bestimmen würden, wie es seit einigen Jahren leider durch Ereignisse an einigen Schulen der Fall ist. Was wirklich hinter den Gewalttaten steckt, wird wie auch im wirklichen Leben nicht nach außen getragen. Statt aber mit Scheinmotiven (Computerspiele, Gewaltvideos, Schießsport) aufzuwarten, die die wirklichen Ursachen nicht ergründen können, versucht Boll mittels immer wieder eingespielter, kleiner Zwischensequenzen die Hintergründe für das irrational anmutende Verhalten des Mörders und dessen grausame Taten anzudeuten: vergangene Ereignisse und auch die triste Gegenwart scheinen Auslöser des Täters zu sein, der gleichzeitig Opfer ist. Genau genommen ist es schwer, diesen Film zu beschreiben, da er hauptsächlich die Alltagssituation des Hauptcharakters betrachtet, also vielen belanglosen Szenen, die im Kontext aber gar nicht so belanglos sind. Dadurch wird "Amoklauf" wirklich schwer verdauliche Kost, für die man sich Zeit nehmen sollte.



Bilder der DVD




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Amoklauf
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