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ESP 1986
Originaltitel:Tras el cristal
Alternativtitel:Caged Glass
aka. In a Glass Cage
aka. Techo de Cristal, El
Länge:107:24 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Agustí Villaronga
Buch:Agustí Villaronga
Kamera:Jaume Peracaula
Musik:Javier Navarrete
Darsteller:Günter Meisner, David Sust, Marisa Paredes, Gisèle Echevarría, Imma Colomer, Josue Guasch, David Cuspinera, Ricardo Carcelero, Alberto Manzano
Vertrieb:Bildstörung
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:13.03.2008 (Kauf)



Inhalt
Ein ehemaliger KZ-Arzt, der in einem Konzentrationslager schreckliche Versuche an Kindern durchgeführt hat, taucht nach Ende des Krieges mit seiner Familie in Spanien unter. Als seine dunklen Triebe ihn einholen und er auch dort beginnt, kleine Jungen zu missbrauchen und zu töten, stürzt er sich aus Verzweiflung von einem Dach. Völlig gelähmt und nur noch von einer eisernen Lunge am Leben gehalten lebt Klaus seitdem zu Hause und wird von seiner Frau Griselda und der gemeinsamen Tochter Rena gepflegt. Eines Tages verschafft sich ein junger Mann völlig überraschend Zutritt zu Klaus' Zimmer und bietet ihm seine Dienste als Krankenpfleger an. Obwohl Griselda strikt dagegen ist besteht Klaus seltsamerweise auf seine Anstellung. Kurz darauf beginnt Angelo ein perfides Spiel mit seinem Patienten, geprägt von Demütigungen aber auch von Zuneigung. Immer mehr dominiert der Junge das Geschehen im Haus. Getrieben von einer Mischung aus Faszination und Abscheu wird seine Beziehung zu Klaus bald zur Besessenheit. Als Klaus erkennt, wie es um Angelo steht, ist es bereits zu spät. Er kann nur noch hilflos mit ansehen, wie Angelo zunehmen die Kontrolle verliert ...

Bild
Format1,85:1 (anamorph)
NormPAL
 Trotz des Alters ist es schon fast unglaublich, welch hochwertigen Transfer Bildstörung zur Verfügung stand. Nun erübrigt sich auch die Frage nach den ständigen Terminverschiebungen, denn beim Betrachten von "Im Glaskäfig" wird schnell deutlich, dass sich die Neuabtastung des Originalnegativs, die für die Verspätung sorgte, mehr als gelohnt hat. Sehr detailreich zeigt sich das Bild und kann demnach wirklich mit einer sehr guten Schärfe punkten, die in allen Bereichen überzeugt. Selbst die kleinste Feinheit ist zu erkennen, was besonders bei größeren Diagonalen gut zur Geltung kommt. Gleiches gilt für den Kontrast, der sich in hellen als auch in dunklen Bildbereichen absolut ausgewogen zeigt und zu keinem Zeitpunkt Details beeinträchtigt. Die Farben wirken stets natürlich, doch dominieren meist kühle Töne, um die kalte Atmosphäre des Films perfekt zu unterstreichen. Gelegentlich ist ein dezentes Rauschen bemerkbar, das aber nur bei sehr genauer Betrachtung wahrgenommen wird. Zudem ist der Transfer sehr sauber, nur sehr selten sind kleinere analoge Defekte auszumachen. Auch die Kompression kann sehr gefallen, die ruhig im Hintergrund ihre Arbeit verrichtet und dafür sorgt, dass das Bild sehr ruhig erscheint. Wirklich toll, was aus dem verwendeten Master alles herausgeholt wurde.
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Ton
FormateDolby Digital 2.0 (Stereo)
SpracheSpanisch
UntertitelDeutsch
 Eine deutsche Synchronfassung wurde zu "Im Glaskäfig" nie hergestellt. Da sich dies aus heutiger Sicht auch nicht mehr rentieren würde extra für die DVD eine Synchronisation zu erstellen, beließ man es von Seiten des Anbieters bei der spanischen Originalfassung, zu der gut leserliche deutsche Untertitel angeboten werden. Wie auch schon das Bild, kann auch die akustische Seite der DVD völlig überzeugen, denn man bekommt eine voluminöse Tonspur geboten. Neben einer wirklich sehr guten Dynamik überzeugt ein sauberes Klangbild, das durch ein perfektes Mischungsverhältnis zwischen Dialogen, Score und Effekten entsteht. Bei genauem Hinhören fällt in sehr ruhigen Szenen minimales Rauschen auf, doch kann dies nichts mehr an der Bewertung ändern, denn dafür ist das natürliche Klangbild mit der einwandfreien Verständlichkeit einfach zu gut.
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Extras
Extras
  • Audiokommentar mit Regisseur Agustí Villaronga
  • Interview mit Regisseur Agustí Villaronga (28:30 Min.)
  • Originaltrailer (2:28 Min.)
  • Bildergalerie (5:09 Min.)
  • Storyboard-Film Vergleich (10:56 Min.)
  • Alternativer Anfang im Storyboard (0:30 Min.)
  • 16-seitiges Booklet mit Liner Notes
VerpackungKeepCase im Schuber
 Bei den Extras hat sich Bildstörung redlich Mühe gegeben, was allein schon der exklusive Audiokommentar mit Regisseur Agustí Villaronga beweist. Löblicherweise gibt es deutsche Untertitel für den Audiokommentar, was heutzutage leider kein Standard ist. So darf man sich über sehr viele Informationen und Fakten zum Film freuen. Einige der Themen werden nochmals in einem knapp 30minütigen Interview aufgerollt. So erfährt man mehr über die Skandale, die "Im Glaskäfig" hervorrief oder über die Darsteller und die Arbeit mit den Kindern. Hinzu kommt noch eine Bildergalerie, die ebenfalls durch Agustí Villaronga kommentiert wird, was meines Erachtens sehr gelungen ist, da man so endlich mehr über die verwendeten Fotos erfährt. Ein alternativer Anfang liegt als Storyboard vor und zudem wird ein Vergleich anhand einer Szene zwischen Storyboard und Film gemacht. Für das restliche Bonusmaterial stehen im Übrigen ebenfalls deutsche Untertitel optional zur Verfügung. Wer sich noch weiteres Wissen über den Film aneignen möchte, kann dies mittels eines 16seitigen Booklets tun, das eine kleine Analyse von Marcus Stiglegger und einen Text von Agustí Villaronga enthält.
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Fazit
Nur selten schafft es ein Film, mich nach dem Ende verstört zurückzulassen. Im Fall von "Im Glaskäfig" ist dies Regisseur Agustí Villaronga, der hiermit sein Debüt abliefert, gelungen. Ein wirklich kontroverses Stück Zelluloid das kein Tabu scheut: Nationalsozialismus, Homoerotik, Pädophilie und Folter. Doch trotz dieser brisanten Themen versteht es Villaronga, den Film behutsam umzusetzen, ohne einen billigen Exploitationbeitrag abzuliefern.

Ein ehemaliger KZ-Arzt befindet sich mit seiner Familie im Exil in Spanien. Einst führte er schreckliche Versuche an kleinen Jungen durch, um sich an deren Qualen zu ergötzen. Als ihm auch im Exil seine dunklen Triebe und sexuellen Übergriffe gegenüber Jungen überkommen, versucht er sich das Leben zu nehmen. Er überlebt, muss fortan aber sein Leben gelähmt in der Eisernen Lunge verbringen. Lediglich seine Frau und die kleine Tochter stehen ihm zur Seite. Eines Tages gelangt ein junger Mann in die abgeschiedene Villa und bietet seinen Dienst als Krankenpfleger an. Bald entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen dem jungen Mann und dem ehemaligen Arzt. Scheinbar steckt mehr hinter dem plötzlichen Auftauchen des Jungen, denn der erste Mord ereignet sich alsbald ...

Man muss "Im Glaskäfig" gesehen haben, denn die von Agustí Villaronga geschaffene Stimmung ist beinah unerträglich. Kammerspielartig wird man ein Teil der Protagonisten rund um einen perfiden Plan, dessen Ausmaß erst in den letzten Minuten begriffen wird. In kalten Bildern werden die Gräuel der Vergangenheit auf die Gegenwart projiziert und der Zuschauer ist daheim im Sessel gefangen in einem Sog des Bösen, dem er nicht entfliehen kann. Villaronga berichtet einmal in drastischen Worten aus der NS-Zeit, um wenig später die Worte in Bilder zu fassen, die aus den Taten des Krankenpflegers Angelos resultieren, denn was der Arzt im Konzentrationslager erlebte, soll nun eine Wiederholung erfahren. Für den Zuschauer wird es gleichzeitig immer schwieriger, zwischen Opfer und Täter zu unterscheiden. Die Sympathien zum Arzt werden bereits in den ersten Filmminuten gekappt, wenn dieser mit einem getöteten Jungen zu sehen ist. Auch von Angelo geht von der erste Minute seines Auftauchens eine Boshaftigkeit aus, die es unmöglich macht, Sympathie für ihn zu hegen. Man mag zwar Mitleid haben mit dem ehemaligen KZ-Arzt haben, wenn dieser regungslos in seinem Lebenserhaltungsapparat liegt und dem, was nun kommen mag, hilflos ausgeliefert ist, aber die im Verlauf der Geschichte offenbarten Verbrechen, die er an Kinder begang, lassen ihn recht schnell wieder zum Antagonisten werden. Demnach ist "Im Glaskäfig" wie eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Es gelingt der Regie sehr gut, psychologische Grausamkeit in den Film einzubinden, die eine unglaubliche Kälte beim Zuschauer kreiert. Ständig muss man sich fragen, wie ein Mensch, selbst wenn er nur fiktiver Natur sein sollte, so grausam sein kann bzw. konnte. Wenn dann das große Geheimnis um Angelo gelüfte wird, stellt sich eine weitere Frage: Wie weit kann die Ursache die Wirkung rechtfertigen?
Agustí Villarongas Werk ist damit alles andere als ein leicht verdaulicher Film geworden, der menschliche Abgründe auftut. Es ist eine deprimierende Charakterstudie um gescheiterte Existenzen und dennoch ein grandioser Film, der gesehen werden sollte und eine Wunde in der menschlichen Psyche hinterlässt.



Bilder der DVD




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