Für eine erfolgreiche Action-Filmhommage müssen meiner Meinung nach (mindestens) folgende drei Dringe erfüllt sein:
- Der Regisseur kennt das Genre mit all seinen Unterarten nicht nur in- und auswendig, er verehrt und huldigt ihm auch, weil er ein absoluter Fan ist, dem nichts ferner liegt, als auf Kosten seiner "Jugendhelden" einen lieblosen Film herunterzukurbeln.
- Der Regisseur bzw. Produzent (hier beides in einem) kann über die anfängliche Euphorie eines Fans den Film mit witzigen Zitaten, filmischer Handfertigkeit und eigenen Ideen bereichern.
- Der Zuschauer hat sich selbst mit der Materie befasst und kennt Action-Filme nicht erst seit Michael Bay. Dadurch weiß er das Vorhaben des Regisseurs zu schätzen und erwartet keinen knochentrockenen Hochglanzbombast, sondern eine dreckige, vor Büchsenbier und Machos triefende Parodie.
Während Punkt 1 und 2 sicherlich erfüllt sind, liegt es letztlich am jeweiligen Rezipienten, ob "Lethal Force" bei ihm punkten kann. Als kleiner Zusatz muss man nämlich noch ein wenig Verständnis für Trash-Filme mitbringen, denn es werden nicht nur derbe Witze gerissen, sondern gegen Ende hin auch immer mehr und unrealistischer gesplattert, was den Mainstream-Gucker ziemlich schnell an seine Aufnahmegrenzen bringen wird. Es wird ohnehin viel auf überzogene Komik gesetzt in diesem ambitionierten Independent-Werk, das mit völlig überzogenen Figuren aufwartet und dadurch den Mangel an ordentlichen Schauspielern ausgleicht. Nicht nur der Schnitt kann aus der Vielzahl an Martial Arts-Szenen etwas machen, auch die Akteure zeigen Körperbeherrschung, wenn auch etwas durch den Schnitt getrickst wird. Dadurch gelingt es aber auch, schneller mit dem Film warm zu werden, denn Regisseur Alvin Ecarma hatte sicherlich nicht vor, einen ernsten Action-Film zu drehen, sondern ist auf leichte Unterhaltung aus. Ein düsterer Film würde allein an der Figur des (Anti-)Helden Savitch (Vorsicht, Wortwitz!) scheitern, der sich weder durch eine Prügelei, noch durch einen normalerweise tödlich endenden Sturz aus einem Parkhaus beeindrucken lässt. Es ist beinahe absurd, was der Mann übersteht, denn selbst nachdem seine Hände mit Messern durchstochen wurden und sein Kopf mehrfach ausführlich mit der Bohrmaschine Bekanntschaft gemacht hat, ist er nicht klein zu bekommen. Stattdessen zieht er weiterhin seine harte Bruce Lee-Show ab. Das passt durchaus zu seinem Gegenspieler, einem großkotzigen Gang-Chef, der dank Savitch nun im Rollstuhl sitzt und sich bitterböse an ihm rechen möchte. In seinem Haus tummelt sich das Mieseste, was der Exploitation- und Blaxploitation-Schlund jemals ausgespuckt hat, wobei jeder dieser Charaktere natürlich dermaßen übertrieben oder klischeehaft gestaltet ist, dass es eine wahre Freude für den Zuschauer wird, die jeweiligen Vorbilder zu erraten.
Langweilig wird "Lethal Force" nicht, denn auf Füllmaterial oder unnötige Storyelemente wurde verzichtet. Noch mehr als das, denn immer, wenn ruhige Momente angeschlagen werden sollen, zieht der Film diese durch klebrige Musik und völlig verquere Romantik wunderbar durch den Kakao, beispielsweise während dem rührseligen Vietnam-Rückblick.
Wer sich immer noch nichts richtiges unter "Lethal Force" vorstellen kann, der stelle sich "Operation Dance Sensation" mit etwas weniger Dialogen, dafür mehr Action und einem Schuss 70er/80er Genreatmosphäre vor, die Tarantino zuletzt mit seinem "Death Proof" vergeblich zu erreichen versuchte. Der Humor ist hier zwar nicht ganz so feinsinnig, aber auch das soll nicht stören, denn hier bekommt man immer noch einen ziemlich außergewöhnlichen, schwer unterhaltsamen Film geboten, der vergessen lässt, dass er vermutlich nur wenige zehntausend Dollar gekostet hat.
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