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AUS, IT 1993
Originaltitel:Bad Boy Bubby
Länge:109:17 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Rolf de Heer
Buch:Rolf de Heer
Kamera:Ian Jones
Musik:Graham Tardif
SFX:Beverly Freeman
Darsteller:Nicholas Hope, Claire Benito, Ralph Cotterill, Carmel Johnson, Syd Brisbane, Nikki Price, Norman Kaye, Paul Philpot, Peter Monaghan, Natalie Carr, Rachael Huddy, Bridget Walters, Ullie Birve, Audine Leith, Lucia Mastrantone, Jip De Heer, James Ammitzboll, Grant Piro, Celine O'Leary, Dave Flannagan, Todd Telford, Alan Holy, Paul Simpson, Stephen Smooker
Vertrieb:Bildstörung
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:10.10.2008 (Kauf)



Inhalt
Seit 35 Jahren hält Mom ihren Sohn Bubby in der heruntergekommenen Ein-Zimmer-Wohnung unter Verschluss. Sie teilt Bad und Bett mit ihm und ist der einzige Mensch, den er kennt. Tagsüber allein gelassen und kaum fähig zu sprechen, kennt er weder Radio noch Fernseher und weiß nichts über den Rest der Welt jenseits der Tür. Als sein Vater nach all den Jahren überraschend wieder auftaucht, und auch wieder in Moms Bett zurückkehrt, kommt es zum Eklat. Nun steht Bubby vor der größten Herausforderung seines Lebens: dem Schritt über die Schwelle der eigenen Haustür. Es ist an der Zeit, sich die Welt da draußen anzusehen ...

Bild
Format2,35:1 (anamorph)
NormPAL
 "Bad Boy Bubby" gehört zu einer Art von Filmen, bei denen ein kontraststarkes Bild aufgrund der meist düsteren Inszenierung ein sehr wichtiger Faktor ist. Der vorliegende Transfer der DVD aus dem Hause Bildstörung kann durchaus mit solch einem Kontrast erfreuen, der stets ausgewogen erscheint und demnach auch selbst in sehr dunklen Bildbereichen keine Probleme mit der Wiedergabe feiner Details hat. Die Schärfe ist gelungen und erfreut mit guten bis sehr guten Werten, welche auch feinere Strukturen ordentlich wiedergeben, wobei es auch schwächere Bereiche gibt, die zwar niemals unscharf werden, aber in ihrer Intensität ein wenig abfallen. Dies dürfte u.a. an dem doch deutlichen Bildrauschen liegen, welches gelegentlich zu einem Grieseln führt, aber letztendlich keine weiteren problematischen Ausmaßen annimmt. Die Farben wirken stets natürlich, wenn auch stilbedingt etwas reduziert. Ansonsten ist das Bild frei von Defekten oder Verschmutzungen, lediglich der Kontrast sorgt in einigen wenigen Szenen für eine dezente Unruhe.
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Ton
FormateDolby Digital 2.0 (Deu, En), Dolby Digital 5.1 (En), Headphone-Surround (En)
SpracheDeutsch, Englisch
UntertitelDeutsch
 Die deutsche Synchronisation in ihrer Dolby Digital 2.0-Abmischung weiß auf Anhieb zu gefallen und schafft es, die surreale Atmosphäre des Films zu bewahren. Die Dialoge werden natürlich und zu jeder Zeit gut verständlich wiedergegeben, ohne dass es zu Überlagerungen kommt. Auffällig ist nur ein leichtes Rauschen im Hintergrund, wodurch aber keine Beeinträchtigungen entstehen. Der englische Originalton liegt in drei Variationen vor: Zum einen in einer ordentlichen 5.1-Abmischung, die allerdings sehr frontlastig klingt, aber zumindest durch die Verteilung des Score auf die Rears bedingt etwas Räumlichkeit aufkommen lässt. Die zweite Variante ist die Stereospur, die deutlich zurückhaltender klingt, jedoch wie auch der 5.1-Track sehr sauber und ohne Beeinträchtigungen wiedergegeben wird. Als dritte Abmischung gibt es noch einen extra für Kopfhörer erstellten Headphone-Surroundsound, der allerdings mangels Testequipment nicht in die Bewertung einfließt.
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Extras
Extras
DVD 1:
  • Audiokommentar von Rolf de Heer und Nicholas Hope
  • Originaltrailer (1:54 Min.)
  • Fassung mit Simulation der Anfangssequenz im ursprünglich geplanten Bildformat 1,33:1
DVD 2:
  • "Christ kid, you're a weirdo": Interview mit Rolf de Heer (52:14 Min.)
  • "Being Bubby": Interview mit Nicholas Hope (34:49 Min.)
  • "Popcorn Taxi Q&A": Question & Answer mit Nicholas Hope (26:20 Min.)
  • Kurzfilm: "Confessor Caressor" (18:14 Min.)
  • Photo-Gallerie (2:12 Min.)
  • "Bildstörung"-Trailer:
    • Marquis (0:44 Min.)
    • Im Glaskäfig (2:19 Min.)
VerpackungKeepCase im Schuber
 Um einen möglichst guten Überblick über Rolf de Heers Film zu bekommen, wurde das Bonusmaterial zusammen mit dem Regisseur erstellt, was in der vorliegenden Fassung für zwei randvolle DVDs sorgt. Befindet sich aufgrund der diversen Tonspuren und der Bildqualität lediglich der Audiokommentar von Rolf de Heer und Hauptdarsteller Nicholas Hope, sowie eine alternative Anfangssequenz in 1,33:1 - die in dieser Form das vom Regisseur gewünschte Format darstellt - auf der ersten DVD, bekommt man die volle Bandbreite der Extras auf der zweiten DVD geliefert. Neben Interviews mit Rolf de Heer und Nicholas Hope gibt es eine Bildergalerie und den Kurzfilm "Confessor Caressor", der den Grundstein für die Zusammenarbeit von Rolf de Heer und Nicholas Hope legte, welcher die Rolle des Bubby zugeteilt bekam, nachdem der ursprüngliche Darsteller nicht mehr zur Verfügung stand. Als wirkliche Fundgrube für Filminteressierte erweisen sich die Interviews, die mit vielen Tatsachen und Ansichten zu "Bad Boy Bubby" voll gestopft sind: Welche Schwierigkeiten aufgrund des geringen Budgets entstanden, warum man über 20 Kameramänner für den Film benötigte und was es mit dem ominösen subjektiven Mikro auf sich hat, das man Nicholas Hope unter die Perücke installierte. Löblicherweise wurden alle Extras mit deutschen Untertiteln versehen, was besonders beim Audiokommentar erfreut und leider immer noch nicht zum Standard deutscher Veröffentlichungen geworden ist. Die Trailer zu Interner Link"Marquis" und Interner Link"Im Glaskäfig" beenden schließlich die Bonus-DVD und lassen einen gut informierten Zuschauer zurück, der den Film möglicherweise nun mit anderen Augen betrachtet.
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Fazit
Mit "Bad Boy Bubby" veröffentlicht das noch junge Label Bildstörung das Frühwerk von Rolf de Heer, der durch sein gelungenes Psychospiel Interner Link"Alexandra's Project" aus dem Jahre 2003 auch in Deutschland etwas Aufmerksamkeit erregen konnte. Der 1993 entstandene "Bad Boy Bubby" stellt die Filmwelt so richtig auf den Kopf, denn man darf von einem echten Meilenstein reden, der durch seine nihilistische Inszenierung seiner Zeit deutlich voraus war und eigentlich immer noch ist. Gerade in Zeiten, in denen die Medien solch grauenhafte Taten wie im Fall Josef Fritzel oder Natascha Kampusch aufrollen, hinterlässt Rolf de Heers Film einen faden Beigeschmack, der zum Nachdenken anregt. Der Zuschauer wird auf einen Horrortrip in die menschlichen Abgründe mitgenommen, die aufzeigen, wie man ein Leben zerstören kann.

Bubby ist 35 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter in einem heruntergekommenen Kellerverlies. Eigentlich ist er ein Gefangener, denn er ist eingesperrt in dem Glauben, dass die Außenwelt verseucht ist und lediglich die Möglichkeit besteht mittels Gasmaske für kurze Zeit Erledigungen durchzuführen. So wird er sein bestehendes Leben von seiner dominanten Mutter ohne Fremdeinflüsse erzogen, die ihn wäscht, rasiert und zu ihrem Liebesbediensteten auserkoren hat. Durch diese Erzeihung ist im kein normales Leben vergönnt. Auch vermag er lediglich Wortfetzen nachzusprechen oder Tiere zu imitieren. Gerade die von seiner Mutter mitgebrachte Katze hat es ihm angetan, wodurch er sich eine katzenhafte Art aneignet.

Zu viel sollte man nicht von der Geschichte berichten, außer dass er seinem Gefängnis entkommen kann, doch in der Außenwelt einige Schwierigkeiten hat, sich zu integrieren. Man sollte sich auf diesen außergewöhnlichen Film einlassen, der es versteht mit den Gefühlen des Zuschauers zu spielen. Auch wenn sich der Inhalt etwas abstrus darstellt, wird die komplette Vorgehensweise in allen ihren Facetten so realistisch aufgezeigt, als ob diese Geschichte ein Teil unserer Gesellschaft ist. Besonders die Leistung von Nicholas Hope als Bubby ist oscarreif und man fragt sich, warum er diesen nicht erhielt oder zumindest nominiert wurde. Dieses Lob gebührt auch den weiteren Darstellern, die ihre Rollen sehr glaubhaft in Szene setzen und eine exzellente Darbietung geben. Thematisch wird es sicherlich genug Leute geben, die mit dem Film und seinen Tabubrüchen ihre Probleme haben: Gerade Bereiche wie Inzest, Tierquälerei oder Vergewaltigung werden sehr offen geschildert. Im Fall der Tierquälerei rief dies diverse Schutzorganisationen auf den Plan, möglicherweise sogar zu recht, wenn auch Rolf de Heer den genauen Sachverhalt in dem auf der Bonus-DVD enthaltenen Interview erläutert und somit richtig stellt. Auch wenn vieles sehr intensiv und krass dargestellt wird, muss man "Bad Boy Bubby" ein gutes Timing für die verschiedensten Gefühlsregungen attestieren. So ertappt man sich immer wieder beim Schmunzeln, um dann wieder gerührt dem doch hilflosen Bubby auf seiner Reise durch die Großstadt zu folgen. Dieses Wechselbad der Emotionen habe ich zuvor lediglich bei dem wundervollen Interner Link"Memories of Matsuko" gespürt, der aber einen völlig anderen Weg als "Bad Boy Bubby" einschlägt. Über 10 Jahre hatte Rolf de Heer Ideen für seinen Film gesammelt, wodurch eine Menge an irrwitzigen Momenten entstanden, die sich in vielen Fällen tatsächlich ergeben haben und als eine unterschwellige Botschaft an das Leben verstanden werden wollen. Zwar wird Bubby niemals ein normales Leben führen können, dafür stehen ihm seine autistischen Züge im Weg, doch gelingt es de Heer einen gelungenen Umschwung in die Story einzubauen, indem er Bubby aus seinem dunklen Gefängnis befreit und ihn in die schillernde Metropole der Großstadt schickt. Hierdurch schafft man es als Zuschauer der tristen Diabolik des abgeschotteten Raums zu entkommen. Doch vergessen kann man nicht, was dem eigentlich hilflosen Bubby angetan wurde. Besonderer Filmhöhepunkt ist Bubbys Treffen mit der Rockband, die ihn mit ihm auf Tour nimmt, wo Bubby die Erlebnisse seiner vorangegangenen 35 Lebensjahre verarbeiten kann. Jeder Freund guter Unterhaltung ist bei "Bad Boy Bubby" richtig aufgehoben und wird mit einem Film belohnt, der es ermöglicht, dass die eigenen Gefühle in einem Karussell herumgewirbelt werden. Dank Rolf de Heer und Nicholas Hope ist wirklich ganz großes Kino entstanden, wenn es auch stellenweise für Zartbesaitet schwer verdaulich ist.



Bilder der DVD




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