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D 1987
Originaltitel:Nekromantik
Alternativtitel:NEKRomantik
aka. Nekuromantikku 1
Länge:68:22 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:strafrechtlich unbedenklich
Regie:Jörg Buttgereit
Buch:Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Kamera:Uwe Bohrer
Musik:Daktari Lorenz
SFX:Jörg Buttgereit, Daktari Lorenz, Franz Rodenkirchen
Darsteller:Daktari Lorenz, Beatrice Manowski, Harald Lundt, Colloseo Schulzendorf, Henri Boeck, Clemens Schwender, Jörg Buttgereit, Holger Suhr, Volker Hauptvogel, Harald Weis, Franz Rodenkirchen, Manfred O. Jelinski
Vertrieb:J & B
Norm:PAL
Regionalcode:0



Inhalt
Rob (Daktari Lorenz) arbeitet bei "Joe's Säuberungsaktion", spezialisiert auf Leichenbeseitigungen aller Art. Mit seiner Freundin Betty (Beatrice M.) teilt er nicht nur die Wohnung, sondern auch die Vorliebe für Tote. Welche Bereicherung, als Rob eines Tages einen zwar vermoderten, aber ziemlich vollständigen Leichnam mitbringt. Die sexuelle Erfüllung zu Dritt ist heftig, aber nicht von Dauer. Aus seinem Job gefeuert, wird Rob von Betty verlassen, die zudem noch den toten Liebhaber mitnimmt.

Bild
Format1,33:1 (Vollbild)
NormPAL
 Das Super-8-Material kann kaum anders, als den Film wie einen frühen Amateurfilm aussehen lassen. Dafür ist die damals im Heimvideo- und Experimentalfilm verwurzelte Technik zu charakteristisch, als dass man das 20 Jahre später durch eine Aufarbeitung verdecken könnte. Wirklich schlecht sieht die DVD im originalen Vollbild aber nicht aus, vielleicht auch, weil man nichts anderes vermutet. Die im Bestfalle durchschnittliche Schärfe- und Lichtaufnahme resultiert aus einer Vielzahl an sehr nahen Kameraperspektiven und einem düsteren Bild, in dem die Schatten schnell übergreifen. Auch die Farben sind typisch reduziert, so dass rotes Blut stets etwas dreckig ausfällt. Dem Zuschauer soll das recht sein, denn auch die stellenweise auftretenden Verschmutzungen (die meisten Szenen sind sauber) und das körnige Rauschen gehören zur Untergrund-Atmosphäre von "Nekromantik". Wer allerdings eine superduper Aufarbeitung erwartet hat, die mit über das Maß des Produktionsstandards hinausgehenden Farb- und Schärfewerten aufwartet, der wird enttäuscht sein. Aber das hat sicherlich keiner ...
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Ton
FormateDolby Digital 2.0
SpracheDeutsch
UntertitelEnglisch, Spanisch, Italienisch, Französisch
 Ganz so sauber wie im Hauptmenu klingt der Score nicht mehr, insgesamt sind hier aber die wenigsten Verzerrungen festzustellen. Wie bei einigen Textpassagen (z.B. Joe von Joes Säuberungsdienst) ist der Ton bereits etwas angematscht, lässt aber keine Verzerrungen im Hochtonbereich zu. Der Score sorgt dafür, dass der gesamte Ton etwas an Bandbreite gewinnt, die Herkunft des Materials lässt sich aber nicht ganz verleugnen. Rauschen hört man nur wenig, dafür ist der Ton (vermutlich wegen der nötigen Nachsynchro) an einigen Stellen aber auch etwas steril. Die "Special European Version" heißt so, weil sie Untertitel für alle wichtigen europäischen Fremdsprachen dabei hat, was für einen Nischenfilm wie diesen keine schlechte Leistung ist. Für deutsche Untertitel ist dagegen nicht gesorgt, vermutlich, weil a) die Verständlichkeit der Tonqualität hoch genug ist und b) der Film auch ohne das Verständnis der wenigen Dialoge funktioniert, solange man zumindest den Score verfolgt, dem da schon ein wesentlich größerer Stellenwert beigemessen wird.
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Extras
Extras
  • 8seitiges Booklet
  • Audiokommentar dt.
  • Audiokommentar engl.
  • Die Premiere (2:43 Min.)
  • Making Of Nekromantik (12:20 Min.)
  • Featurette (11:30 Min.)
  • Bildergalerie (9:59 Min.)
  • Kurzfilm "Gazorra" (7:34 Min.)
  • Filmographie (7 Seiten)
  • Trailer (8:28 Min.):
    • Nekromantik
    • Nekromantik 2
    • Corpsefucking Art
    • Der Todesking
    • Schramm
    • Hot Love
VerpackungKeepCase
 Der Film ist gleich in mehreren Fassungen auf DVD erschienen. Der Blood Pictures-DVD wurde später die "Special European Edition" hinterhergeschoben, die als Neuauflage ein geringfügig anderes Bonusmaterial aufweist, aber auch limitiert auf 111 Stück inkl. Soundtrack-CD erschienen ist. Außerdem gab es zum 20jährigen Jubiläum des Filmes noch eine ebenfalls limitierte Auflage in einer großen Videohülle, der allerlei Gimmicks beilagen.
Beim Bonusmaterial der DVD ähneln sich die Discs aber. Hier vorgestellt sei die Neuauflage der "Special European Edition". Das stilvolle Menu ist ordentlich vollgepackt mit Extras. Die DVD besitzt zwei Audiokommentare, in welchen jeweils Jörg Buttgereit spricht. Mangels Untertitel wird vermutlich vor allem der erste dem deutschsprachigen Publikum Zugang zum Film gewähren. Der Regisseur erzählt mit leicht selbstironischen Unterton von seinem Film, was aus den Leuten von damals so geworden ist und wie bestimmte Effekte entstanden. Nicht selten kommt er auf Zufälle oder Unfälle zu sprechen, auf die er nach der langen Zeit mehr oder weniger stolz ist. Dass nicht alles geplant war, zeigt der Kommentar bei der Traumsequenz gegen Schluss, bei der Buttgereit scherzt, dass er demjenigen ein Bier ausgibt, der die Bedeutung der Szene erklären kann. Bei Kommentar Nummer 2, der einige Zeit vor dem Kommentar 1 für die US-DVD von Barrel Entertainment entstand, steht Co-Autor Franz Rodenkirchen zur Seite, der zusammen mit Buttgereit ähnliche Dinge erzählt wie im ersten Kommentar. Dieser Kommentar ist dann allerdings für den ausländischen Markt gedacht, was die Überschneidungen in den Erzählungen erklärt.
Besonders interessant fand ich beim weiteren Material die 1988 aufgenommene Premierenkurzdokumentation, die nicht nur die Macher des Films festhält, sondern auch die Reaktionen des Publikums. Auch das nachfolgende Making Of besteht aus Material der damaligen Zeit und verbindet die Entstehung einiger Szenen (auch mehrere Takes) mit Bildergalerien, Aufnahmen aus Radiointerviews und jeder Menge Spaß beim Dreh. Das "Featurette" entstand offensichtlich viele Jahre nach dem Dreh. Hier klärt Jörg Buttgereit ein wenig über die Entstehungsgeschichte, die Vermarktung, die Darsteller und die Leute hinter den Kulissen des Films auf. Dabei kommen ein paar witzige bis prekäre Situationen ans Tageslicht, z.B. der Beinahebeschlagnahmung der Filmrollen auf einer Vorführung in Skandinavien oder der unglückliche Umstand, dass sich die beiden Hauptdarsteller nicht wirklich gut leiden konnten, was für die Streitszene ausgenutzt wurde. Ein ganz besonderes Extra ist Frühwerk "Gazorra", das offensichtlich dem japanischen Monsterfilm huldigt. Das ziemlich hässliche Riesenviech greift hier grunzenderweise eine kleine Stadt an, nachdem Panzer es nicht aufhalten konnten. Während es die "Stadt" (ein langsam abfackelndes Modellbauset) angreift, plant in einem Untergrundbunker der befehlshabende Heerführer (Herr Buttgereit persönlich) die nächsten Züge gegen das unaufhaltsame Monstrum. Natürlich brennen dem Militär irgendwann die Sicherungen durch und der "Riesenkampfroboter" wird dem vorzeitlichen Ungetüm gegenüber gestellt. Das Stop-Motion-Spektakel offenbart dabei Qualitäten, die so manchem Katastrophenfilm längst abhanden gekommen sind - fehlen eigentlich nur noch die panischen Menschenmassen aus Japanern, die immer wieder das Wort des Monsters schreien. Den Abschluss machen eine Filmografie zum Regisseur und ein paar Trailer, in denen man sich einige der genannten Titel gleich anschauen kann. Im 8seitigen Booklet gibt es eine Übersicht über (einstmals) erhältliches Merchandise zum Film und es sind mehrere Schriftstücke abgedruckt, die die schwierige Akzeptanz des Films bei den Behörden dokumentiert. Auf Seite 2 scheint die britische Zollbehörde mit der Ladung "Nekromantik" nicht einverstanden zu sein und ab Seite 4 ist der Briefverkehr mit der BPjS vermerkt, der den Indizierungsversuch beschreibt. Auf deren Schreiben folgt eine gepfefferte Antwort, der die damals Verantwortlichen der BPjS als das hinstellt, was sie in diesem Verfahren waren: dumm.
 +++/--

Fazit
Der 1987 entstandene "Nekromantik" darf sich immer noch zu den bekanntesten Underground-Exporten aus Deutschland zählen, wenn es um den extremen Film geht. Über die kontroverse Thematik und ihre sicherlich hervorragend in Effekten verarbeitete Umsetzung sollte man sich aber fragen, was dem Berliner Filmteam und ihrer No Budget-Produktion dieses Ruhm einbrachte, denn für Effektkunst allein ist die deutsche Amateur-Szene mehr oder weniger bekannt.
Zum einen sieht "Nekromantik" nicht unbedingt nach einer Super8-Produktion aus, sondern überzeugt handwerklich durch gezielte Einstellungen, Kamerafahrten, filmreife Schnitte und Darsteller, die, auch wenn sie Laien sind, versuchen, die Sache ernsthaft und ambitioniert rüberzubringen. Zum anderen waren sich die damals noch jungen Drehbuchautoren der Wirkung ihres Films bewusst und forcieren die Thematik ohne Übertreibung, heizen die Diskussion um die Grenzen eines Filmes nicht nur mit klebrigen Leichenteilen und verstörenden Umgang mit dem Tod an, sondern reflektieren bereits im Film auf die damalige deutsche Zensurpolitik (vor der der Film auch in vielen anderen Ländern nicht verschont blieb) und die Wirkung von Gewalt auf den Menschen. Dafür lässt Buttgereit den Zuschauer die Psyche seiner Figuren ohne viele Dialoge erkunden und verstärkt damit das unangenehme Gefühl für den Zuschauer, der haut- und realitätsnahen Aufnahmen der Kamera folgt und dem effektiven Score ausgeliefert ist, dessen Stimmung übergangslos von unbedenklichen, beinahe fröhlichen Töne in die krude Atmosphäre umschwenkt, die "Nekromantik" so besonders macht. Auf den Zuschauer, der wegen der glibbrigen Tierorgane, der schmierig verrottenden Leiche (ein perfekter Nachbau) oder aber schon vom Anblick der blutig verschmierten Badewanne schockiert ist, wird gleichzeitig angezogen von diesen abstoßenden Szenen. Als Beispiel seien jene Passagen genannt, in denen das Pärchen sich im Bett mit dem wirklich unappetitlich verwesenden Toten vergnügt. Der Gedanke daran ist widerwärtig, die Bilder und besonders die süßlich säuselnde Klaviermusik aber suggerieren einen völlig gegensätzlichen Eindruck, der das Konzept von Tod und Liebe so brillant aufarbeitet wie kaum ein anderer Film. Darüber hinaus gelingt es immer wieder, den auf Effekt-Horror-Fan vor den Kopf zu stoßen, wenn sich Bilder einer Obduktion mit der Schlachtung eines Hasen verbinden, oder wenn das Essen eines Steaks in den Gegenschnitt gesetzt wird mit der langsam zerfließenden Haut der Leiche, deren Absonderungen auf Auffangtellern landen - wer sich ansatzweise vorstellen möchte, welchen Ekel Vegetarier beim Anblick von zubereitetem Tierfleisch fühlen, dem sei diese Szenenabfolge empfohlen.
Abgesehen von ein paar trashigen Szenen, für die u.a. Regisseur Buttgereit als Nebendarsteller mitverantwortlich ist, bemüht sich der Film, keinen typischen Serienkiller-Stoff mit einem übergeschnappten Mörder zu inszenieren, sondern seine Morbidität und Krankhaftigkeit aus der scheinbaren Normalität des Protagonisten Robert zu beziehen. In gewisser Weise sind seine Handlung- und Denkweisen weit weniger abwegig als die der meisten Filmmörder, was "Nekromantik" umso unangenehmer macht. Denn Robert ist introvertiert, einfach und doch einem Trieb verfallen, der durch die (verständliche) Inakzeptanz in unserer Gesellschaft zwangsweise in sein Verderben führt.



Bilder der DVD




Druckbare Version
NewsSex. Murder. Art. - Retrospektive Jörg Buttgereit vom 8. bis 28. Januar in Düsseldorf
"Nekromantik" - Media Target bringt HD-Neuauflage
Nekromantik
Nekromantik
Nekromantik (Special Collector's Edition)
IMDb.com OFDb.de (Nekromantik)
OFDb.de (Gazorra - Die Bestie aus dem Erdinnern)



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