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D 1970
Originaltitel:Jonathan
Länge:96:49 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Hans W. Geissendörfer
Buch:Hans W. Geissendörfer, Bram Stoker
Kamera:Robby Müller
Musik:Roland Kovác
SFX:Peter Kraus
Darsteller:Thomas Astan, Arthur Brauss, Ilona Grübel, Hans-Dieter Jendreyko, Jürgen Jung, Paul Albert Krumm, Ilse Künkele, Eleonore Schminke, Oskar von Schab, Hertha von Walther, Henry Liposca, Christine Ratej
Vertrieb:Arthaus / Kinowelt
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:20.06.2008 (Kauf)



Inhalt
In einem abgelegenen Schloss werden Mitte des 19. Jahrhunderts Menschen von einem Vampirgrafen und seiner Gefolgschaft gefangen gehalten. Das ganze Land leidet unter der Unterdrückung der mordlustigen Blutsauger. Ein paar wagemutige Studenten und ihr Professor beschließen, der Schreckensherrschaft ein Ende zu setzen. Der junge Jonathan wird ausgesandt, um das Schloss der Untoten für einen Angriff auszukundschaften. Doch der dämonische Graf erwartet den Spion bereits ...

Bild
Format1,33:1 (Vollbild)
NormPAL
 Bildtechnisch ist die DVD solide ausgefallen, was in Anbetracht des Alters und der Seltenheit von "Jonathan" auch durchaus in Ordnung geht. Begleitet wird das Bild von einer leichten Körnung und einigen analogen Defekten, die aber niemals störende Ausmaße annehmen. Im Bereich der Schärfe wirkt der Transfer etwas weich, wobei sich das Bild letztendlich auf ein durchschnittliches Niveau einpendelt und besonders den Detailbereich nicht optimal wiedergibt. Auch der Kontrast hat kleinere Makel zu beklagen, wobei Detailbereiche eher selten verschluckt werden, der Schwarzwert hingegen sehr wechselhaft in Erscheinung tritt und immer wieder ins Gräuliche tendiert. Die Farbtöne wirken meist noch natürlich, fallen insgesamt jedoch etwas matt aus, was in einigen Szenen die Töne verfremdet. Auffälliger sind eher die immer wieder auftretenden Doppelkonturen, was aber zu keinen Beeinträchtigungen führt und auch die Kompression arbeitet meist unauffällig im Hintergrund.
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Ton
FormateDolby Digital 1.0 (Mono)
SpracheDeutsch
Untertitel-
 Der Monoton ist zwar nicht als perfekt zu bezeichnen, doch kann das Endergebnis zufrieden stellen, da es zu keinem Zeitpunkt zu Verständlichkeitsproblemen innerhalb der Dialogwiedergabe kommt. Dennoch sind altersbedingte Erscheinungen vorzufinden, was sich in einem leichten Hintergrundrauschen und Verzerrungen innerhalb des Hochtonbereichs widerspiegelt, welche in einigen Passagen des Films deutliche Ausmaße annehmen. Überlagerungen sind allerdings nicht vorhanden und das Mischungsverhältnis zwischen Dialogen, Musik und Geräusche klingt meist sehr homogen.
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Extras
Extras
  • Biographie Hans W. Geissendörfer (5 Texttafeln)
  • Hans W. Geissendörfer über Jonathan (32:14 Min.)
  • Trailershow:
    • Ediths Tagebuch (2:56 Min.)
    • Das rote Eichhörnchen (3:44 Min.)
    • Antikörper (1:38 Min.)
    • Shine a Light (2:19 Min.)
    • Lou Reed's Berlin (4:00 Min.)
    • Arthaus Collection (1:02 Min.)
    • Kinowelt TV (1:47 Min.)
VerpackungKeepCase
 Die Extras bestehen aus einer nicht vollständigen Biographie über Hans W. Geissendörfer und einem sehr informativen halbstündigen Interview mit ihm, in dem er über seinen Werdegang und die Probleme bei der Entstehung von "Jonathan" berichtet. So wollten z.B. die Japaner den Film nur lizensieren, wenn Geissendörfer seinen Film wesentlich blutiger gestaltet, was er demnach auch tat. Diverse Trailer aus der Arthaus Collection sind weiterer Bestandteil des Bonusmaterials.
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Fazit
Hans W. Geissendörfer assoziiert man meist mit "Lindenstraße". Und genau dieser Mann, der die erste deutsche Seifenoper ins Leben gerufen hat, kann gerade in den 60ern und 70ern einige Kinoproduktionen für sich verbuchen. Eine seiner seltensten Regiearbeiten ist der 1970 entstandene "Jonathan", der auch Geissendörfers einzigster Ausflug in das Horrorgenre ist (wobei mitunter auch die "Lindenstraße" für viele der reinste Horror ist). Aber zurück mit einen Zeitsprung ins Jahr 1970, das Jahr von "Jonathan".
Nicht zu unrecht ist die Entscheidung im Hause Kinowelt ausgefallen, den Film über das Arthaus-Unterlabel zu veröffentlichen, denn trotz seiner Einpassung ins Horrorgenre ist Geissendörfers Film bei weitem mehr. Gerade Filmkritiker, die das Genre meist hassten, lobten "Jonathan" aufgrund seiner Andersartigkeit in den höchsten Tönen. Dies liegt vor allem daran, dass Geissendörfer eine deutliche Botschaft in seinem Film vermittelt, die nicht erst in die Handlung interpretiert werden muss. Der ganze Film bewegt sich auf politischer Ebene, die die 60er Jahre in Deutschland widerspiegelt. Der Studentenaufstand und die Unterdrückung des Kapitalismus sind Themen der Geschichte. Zudem ist "Jonathan" eine Abrechnung mit dem Leben in der Kommune und der freien Liebe. Dafür treten die Vampire in die Rollen der Kapitalisten und die aufständigen Bauern in die Rollen der Studenten. Diese Punkte sind alle nett verpackt in eine Vampirgeschichte mit deutlichen Anleihen an Bram Stokers "Dracula", was Geissendörfer aber auch beabsichtigte und seinen Film mit vielen Zitaten und ganzen Szenenabläufen füllte. Welche Schreckensgestalt, wenn nicht der Vampir, hätte den Kapitalismus besser ein Gesicht geben können? Die Blutsauger aus dem Film symbolisieren die echten Blutsauger der Gesellschaft. Von der politischen Sicht einmal abgesehen ist "Jonathan" aber auch ein gelungener Horrorfilm geworden, der deutliche Kunstformen annimmt, was neben Geissendörfer auch seinem Kameramann Robby Müller zu verdanken ist. Dieser verstand es, Schauerromantik durch langsame Kamerafahrten zu erschaffen.
Etwas ungewöhnlich gestaltet sich aber das Auftauchen der Kinder der Nacht, da sich Geissendörfer in seiner Version der Vampire nicht an gängige Klischees hielt und es den Vampiren auch ermöglicht, bei Tage ihre Opfer zu suchen, ebenso wie es der Kapitalismus tat. So gelang Geissendörfer eine gekonnter Verbindung von Horror- mit dem Autorenfilm (z.B. eines Fassbinders). Diese Mischung ist nicht unbedingt jedermanns Sache, doch auch Filmfreunde, die dem Autorenfilm gewöhnlich nicht viel abgewinnen können, werden gut unterhalten. Zudem ist "Jonathan" mit vielen blutigen Momenten ausgestattet und das wenige Budget, das Geissendörfer zur Verfügung stand, ist dem Film nicht anzumerken. Er lässt "Jonathan" nach deutlich mehr aussehen, als er gekostet hat. Eine gelungene Wiederentdeckung eines sehr seltenen Films, denn außer zur Kinopremiere und gelegentlichen TV-Ausstrahlungen war die Möglichkeit eher gering, auf "Jonathan" aufmerksam zu werden.



Bilder der DVD




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