Zweifler hat Nachwuchsregisseur Timo Rose, der in regelmäßigen Abständen ein neues Low Budget-Werk veröffentlicht, vermutlich genug. Manchmal gelingt es ihm zumindest ein wenig, diese ruhig zu stellen - wenn auch nur für kurze Zeit.
"Ouzo, Stoff und Taschentücher" geht natürlich erstmal wieder in die fast schon obligatorische Gangster-Ecke - wie sollte es auch anders sein. Im Gegensatz zu den "Mutation"-Teilen versucht Rose hier aber eine Geschichte zu erzählen und die auch mal bekömmlich zu gestalten. Seine 2004er Produktion (in diesem Jahr scheint er ja mit "Lord Of The Undead" und "Rout City" besonders fleißig gewesen zu sein) bewegt sich sogar ein wenig in Richtung Episodenfilm, die zusammengehalten wird von einem Verhör, bei dem der Ganove Eddie von vornherein weiß, dass er das nicht mehr lebend verlassen wird. Also geht es neben ein paar Prügeln, die seine Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche lenken soll (Wo ist der Koffer mit den 2 Millionen?) relativ locker zu. Da wird mit den seltsamen Prügelburschen gekokst und Ouzo getrunken bis zum Abwinken, viele Zeit bleibt ihm ja nicht mehr, um sein Leben zu genießen. Seinem Gegenüber, ein äußerlich harmloser Mann mit butterweicher Stimme und extravaganten Anzug, tischt er also diverse Geschichten auf, die alle darauf hinspielen sollen, was sich denn nun beim Überfall auf den Unterweltboss Mac Ten zugetragen hat.
Und hier klaffen die einzelnen Episoden qualitativ sehr weit auseinander. Ein besonders ausgeklügeltes System, die einzelnen Erzählungen miteinander zu verkoppeln, hat das Skript nicht gefunden, also bitte keine Vergleiche mit einer Guy Ritchie-Gangsterkomödie erwarten. Umso wichtiger ist es, dass die Teile in sich funktionieren. Verallgemeinert ist das der Fall bei Szenen mit Thomas Kercmar als Mac Ten, der zwar Stereotypen in Rekordhöhe stapelt, aber immer eine unterhaltsame Performance abliefert. Besonders gut klappt das im sehr trashigen Teil, wenn Kercmar in die Rolle der Killerin Ming Lee schlüpft. Man stelle ihn sich vor mit weißem Top, schwarzer Perücke und Krawatte, wie er mit einem Schwertkampf seine Gegner unschädlich macht - ein Anblick für die Götter! Da fällt dann auch kaum noch die trottlige asiatische Kampfsportchoreografie auf, die aus einem mittelmäßigen Computerspiel stammen könnte. Besonders die zuckersüße Melodie, wenn er/sie dem Gegner den Kopf abschlägt, hat es mir angetan, haha.
Auch das Zusammenspiel von Andreas Pape, der am Stuhl gefesselt herausbekommt, dass seine Freundin (Anja Gebel) vor dem heißen Strip eine Ladung Bullensteroide zu sich genommen hat, ist ein paar Lacher wert, denn aus der heißen Nummer wird eine kleine Prügelorgie. Dann wäre da noch Rose selbst in der Rolle von Yamas, Eddies Gefährten beim geplanten Raub, der die Stimmung des Films dann wieder runterzieht. Sein länger währender Monolog über die Auswirkung von engen Slips auf das Kaufverhalten von Frauen zündet nicht richtig und geht auch viel zu lang. Da setzt er wieder zu sehr auf die coole Gangster-Schiene, die von vielen Zuschauern höchstens mit einem müden Lächeln honoriert wird, weil man Coolness in einem Film einfach nicht erzwingen kann.
"Ouzo, Stoff und Taschentücher" ist für mich ein Zwischenschritt: wesentlich unterhaltsamer und besser durchdacht als ein "Rigor Mortis" (aus dem die Hälfte des Casts importiert wurde), witziger als ein "Barricade", andererseits aber auch nicht so teuer umgesetzt und relativ blutleer. Seine Fans kann Rose also bedienen, zeigt er doch wieder seine typischen Markenzeichen. Das wird aber auch der Grund sein, warum er jene Independent-Fans, die sich nicht so richtig mit seinen Filmen anfreunden konnten, vermutlich hiermit noch nicht überzeugen kann.
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