Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
D 2004
Originaltitel:Freakstars 3000
Länge:84:39 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 6 Jahre
Regie:Christoph Schlingensief
Buch:Christoph Schlingensief
Kamera:Meika Dresenkamp, Dirk Heuer
Musik:Uwe Schenk
Darsteller:Werner Brecht, Susanne Bredehöft, Ilse Garzaner, Mario Garzaner, Horst Gelonneck, Kerstin Graßmann, Irm Hermann, Brigitte Kausch, Christoph Schlingensief, Helga Stöwhase, Achim von Paczensky
Vertrieb:Filmgalerie 451
Norm:PAL
Regionalcode:0
DVD-Start:17.05.2004 (Kauf)



Inhalt
Hier kommt Schlingensiefs Version der Pro7-Show "Popstars": Singen, Tanzen, Luftgitarre - zwei Dutzend Teilnehmer werden unter den Augen einer gnadenlosen Jury durch einen Casting-Wettbewerb gejagt.

Bild
Format1,33:1 (Vollbild)
NormPAL
 Die Bildqualität ist für eine Dokumentation erstaunlich gut, besser sogar als man es beispielsweise von einer TV-Sendung gewohnt ist. Bei Farben und Kontrast sind keinerlei Probleme zu erwarten, da in tagheller Umgebung gefilmt wurde und man somit angenehme kräftige Tönungen erkennen kann. Das macht natürlich viel aus und spielt der ebenfalls gut gelungenen Detailzeichnung zu. Bei einem Film wäre natürlich die Tiefenschärfe stärker betont und das Hintergrundrauschen komplett eliminiert, das soll hier aber nicht stören. Die Kompression ist nicht ganz sauber und wie bereits erwähnt ist die Abgrenzung der Konturen etwas zu weich. Für diese Art von Film aber völlig ausreichend.
 ++++--

Ton
FormateDolby Digital 2.0 Surround
SpracheDeutsch
UntertitelEnglisch
 Auch beim Ton wird all das erreicht, was man sich wünscht. Die gut ausgerichteten Mikros sorgen dafür, dass die Verständlichkeit nie leidet und selbst bei den lauten Äußerungen einiger Freakstars kommt es nicht zu Übersteuerungen. Für einen runden Klang sorgen die Musikeinschübe, die scheinbar in Dolby Surround abgemischt wurden, und der Off-Kommentar. Weder ist der Klang zu spitz, noch zu dumpf, sondern scheint realistisch das wiederzugeben, was während der Dreharbeiten ablief. Dafür sind 3,5 Punkte gerechtfertigt, auch wenn es sonst keine Effekte zu hören gibt. Um englischen Zuschauern den Filmgenuss auch zu ermöglichen, sind englische Untertitel anwählbar. Klarerweise geht hier aber einiges unter, denn die Sprechenden nuscheln manchmal oder äußern sich mit kaum übersetzbarer Wortwahl.
 +++/--

Extras
Extras
  • Making Of (11:50 Min.)
  • Biografie Christoph Schlingensief (3 Seiten)
  • Zusätzliche Szenen:
    • Presseclub: Österreich & die Welt (3:12 Min.)
    • Christiansen 3000 (1:47 Min.)
    • Das Hitparade: Roy Black (1:54 Min.)
    • Vocal Coaching mit Irm Hermann (1:16 Min.)
    • Homeshopping "Brot" (0:50 Min.)
    • Interviews (15:14 Min.)
VerpackungKeepCase
 Schade, schade, schade, dass das Bonusmaterial nicht noch umfangreicher ist. Nach den zusätzlichen Szenen bestehend aus fingierten Shows, die es nicht in den Film geschafft haben und insbesondere den erweiterten Interviews, die einige schöne Momente beinhalten, giert man förmlich nach mehr Material. Ein schöner Einblick wird zusätzlich im Making Of geboten, dass einmal erweiterte Szenen zeigt, aber auch hinter die Kulissen geht, wo der Regisseur beispielsweise beim Schnitt beobachtet wird und einiges zu seinen Idee preisgibt. Wirklich interessiert hätte mich noch ein Audiokommentar, den es leider nicht gibt. Trotzdem schon sehr interessant soweit, denn der Bonusbereich macht den Film und seine Darsteller umso sympathischer.
 +++---

Fazit
Ich muss doch hier mal sehr die Lanze brechen, die spitzen Zungen etwas beschneiden, mal fachmännische Worte zu "Freakstars 3000" aussprechen. Jeder hat so seine selbsternannte Aufgabe im Leben: Der eine dreht Filme (über Behinderte), der andere schaut Filme (nach der Arbeit mit Behinderten). In diesem Fall inszeniert Christoph Schlingensief eine Art "Deutschland sucht den Superstar" mit Behinderten, mein alter Ego als gelernter Heilerzeihungspfleger und langjähriger Kenner von behinderten Menschen schaut sich mit einem unterhaltenden, als auch einem argwöhnischen Auge das bunte Treiben an.

Schlingensief mag provokant sein, sein Stil experimentell und politisierend, jedoch in diesem Fall definitiv sehr human und an den Menschen appellierend. Sozusagen ein Appell, mehr nachzudenken: Was schaut man sich eigentlich an? Lieber Menschen, die vielleicht mit der Chance, einmal im Leben im Fernsehen aufzutreten und vielleicht eine gewisse Zeit in den Medien zu sein, ohne wirklich etwas geleistet zu haben und oder gar wirklich mit Herzblut dabei zu sein, nicht richtig umgehen können? Oder aber Menschen, die alles geben, wirklich Energie geladen bei der Sache sind und Spaß daran haben? Man schaut meist ersteren Schwachsinn im TV, doch die wahren Talente, die drängen sich nicht auf, die werden gefunden und finden meist selbst keine Beachtung. Für dieses in manchen Augen provokante Vorhaben bzw. Experiment namens "DSDS mit Behinderten" gab Schlingensief ein Casting in einem Behindertenwohnheim in Berlin vor, bei dem zahlreiche mehr oder weniger stark behinderte Menschen aus der Umgebung teilnahmen. Doch das Casting ist nur ein lange Weg zum ersten Auftritt des sich immer weiter heraus kristallisierenden Teams der verschiedenen Persönlichkeiten.

Dabei werden Gesangsproben geboten, szenische Darbietung oder Enthusiasmus sind aber auch Kriterien für eine Aufnahme in die nächste Runde. Schlingensief geht hierbei sehr behutsam vor und kann dank einfühlsam-humorvoller Weise auch manche Absage gut herüber bringen. In eben jenen Szenen sieht man, dass die Behinderten so etwas weitaus weniger tragisch nehmen als wir "Normalen", dafür aber auch Euphorie viel echter auf den Zuschauer wirkt. Eine interessante Auswahl bildet letztendlich die Band: Besonders nett ist Mario, der österreichische Daniel K.. Dieser lässt das Original weit hinter sich und stellt eigentlich auch den einzig markanten "Bezug" zur Original-Show dar. Trotzdem wird jeder hier gleichberechtigt behandelt und im Doku-Stil manche Schicksale geschildert, Empfindungen ob des (Nicht-)Weiterkommens, Probleme beim Band-Zusammenhalt oder andere persönliche Angelegenheiten der interessanten Kandidaten vorgestellt.

Dabei ist Schlingensiefs Stil überhaupt nicht plakativ. Eine Verballhornung, eine Diskriminierung, eine Zur-Schau-Stellung findet absolut nicht statt, was man vielleicht erst versteht, wenn man "Freakstars 3000" wirklich selbst gesehen hat. Schlingensief steckt viel Liebe in sein Projekt und bemüht seine Darsteller ebenfalls großherzig. Den Spaß, den diese haben, überträgt sich vollends auf den Zuschauer! Dass diese Gefühle echt sind, das kann ich bestätigen - jeder Tag ein Erlebnis! Kunterbunt, lebenswert - wie es einem jeden gebührt ...



Bilder der DVD




Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.