Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
JP 1965
Originaltitel:Furankenshutain tai chitei kaijû Baragon
Alternativtitel:Frankenstein Conquers the World
aka. Frankenstein Meets the Giant Devil Fish
aka. Frankenstein and the Giant Lizard
aka. Frankenstein vs. Baragon
aka. Frankenstein vs. the Giant Devil Fish
aka. Frankenstein vs. the Subterranean Monster
aka. Frankenstein vs. Godjirra
aka. Furankensuten to Baragon
Länge:Dt. Fassung: 83:20 Minuten (gekürzt) / Jp. Fassung: 89:20 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Ishirô Honda
Buch:Reuben Bercovitch, Takeshi Kimura, Jerry Sohl
Kamera:Hajime Koizumi
Musik:Akira Ifukube
SFX:Eiji Tsuburaya, Akira Watanabe, Fumio Nakadai, Teisho Arikawa, Sokei Tomioka
Darsteller:Tadao Takashima, Nick Adams, Kumi Mizuno, Yoshio Tsuchiya, Koji Furuhata, Kenichiro Kawaji, Haruo Nakajima, Jun Tazaki, Susumu Fujita, Takashi Shimura, Nobuo Nakamura, Keiko Sawai, Peter Mann
Vertrieb:Anolis
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:24.08.2007 (Kauf)



Inhalt
Während des 2. Weltkriegs wird das noch lebende Herz des Frankenstein-Ungeheuers von Deutschland nach Japan verschifft. Jahre später treffen die Wissenschaftler Dr. James Bowen (Nick Adams) und Dr. Sueko Togami (Kumi Mizuno) auf einen seltsamen, verunstalteten Jungen, der unaufhörlich wächst. Der gutmütige Gigant flüchtet schließlich und bleibt verschwunden. Als einige kleine Ortschaften verwüstet werden, gerät der Frankenstein-Riese in Verdacht - oder gibt es vielleicht gar ein zweites Ungeheuer?

Bild
Format2.35:1 (anamorph)
NormPAL
 Ei, sieht das Bild saftig und frisch aus, das hätte man gar nicht geglaubt. Zur Information: Der Film ist 1965 entstanden und japanischer Herkunft, was beides eher gegen gute Qualität spricht. Aber wie bereits bei anderen Toho-Filmen (man vergleiche die Godzilla-Reihe) ist die Aufarbeitung höchst gelungen. Zuerst einmal muss man sich mit ein paar Spinnweben und einem etwas schwächelnden Kontrast in der Titelsequenz zufrieden geben, die vermutlich von etwas weniger gut erhaltenem Kinomaterial stammt. Das fällt aber kaum auf, da das Geschehen im Hintergrund dunkel ist, so dass kaum Kratzer sichtbar sind und die Farben keine Abschwächung erfahren. Die folgenden Szenen entschädigen dann vollstens. Farben und Kontrast schwächeln zu keinem Zeitpunkt, Verschmutzungen sind ein kaum sichtbares Problem und lediglich das Rauschen bleibt in einigen Szenen zurück. Dieses wurde, wie man manchmal an Hintergründen erkennen kann, professionell in Zaum gehalten, ohne aber die Schärfe zu beeinflussen. Die ist zwar nicht unbedingt einem Film dieses Jahr vergleichbar, aber überraschend detailreich und sehr gut aufgelöst. Die Feinheiten werden nur abgebremst von der typisch weichen Beschaffenheit damaliger Filme, die höchstens im s/w-Gewand noch knackiger aussahen. Dass man ein Colortiming vorgenommen hat, wird in einigen Überblendungen sichtbar. Da scheint für etwa eine Sekunde schon mal das etwas ausgeblichene, originale Gewand des Films durch. Auch bei den Rückprojektionen sind qualitative Verluste erkennbar, die Farbe und Schärfe betreffen. Insgesamt bleib ich aber bei meiner anfänglichen Meinung, dass man hier alles richtig gemacht hat. Abzüge in der B-Note muss die Kompression einfahren, die nicht immer ganz sauber bleibt, da man das Bonusmaterial und die zwei Filmversionen zusammen auf eine DVD presste und kein Platz sparendes Seamless Branching anwenden konnte.
Wem übrigens die wenigen, qualitativ etwas abfallenden Szenen der deutschen Version missfallen, der darf auf die japanische Version umsteigen, die ebenso die deutsche Synchro enthält und an Alternativszenen, in denen keine Eindeutschung existiert, deutsche Untertitel bereithält.
 ++++/-

Ton
FormateDolby Digital 2.0 Mono
SpracheDeutsch, Japanisch
UntertitelDeutsch
 Nicht nur im deutschen Ton wird Deutsch gesprochen, auch im japanischen Original sind Stellen mit deutschen Wissenschaftlern oder Soldaten der Authentizität wegen in deutscher Sprache gehalten. Bis auf die anfänglichen 10 Sekunden, die laut Texttafeleinblendung nicht mehr existieren, sind sämtliche Stellen deutsch synchronisiert. Natürlich gilt das nicht für die alternativen Szenen der japanischen Fassung, für die aber deutsche Untertitel bereitstehen. Der Klang ist typisch für einen Monoton dieser Zeit. Die deutsche Spur enthält verhältnismäßig wenig Knistern, laute Töne neigen aber zum typischen Reißen, das trotzdem noch gering ausfällt. Der japanische Ton macht einen ähnlichen Eindruck und ist noch geringfügig heller, wobei beide einen gut verständlichen Eindruck machen.
 ++----

Extras
Extras
  • 20seitiges Booklet
DVD
  • Audiokommentar
  • Der Mann im Kostüm (30:59 Min.)
  • Trailer dt. (1:59 Min.)
  • Trailer jp. (2:16 Min.)
  • Trailer US (2:02 Min.)
  • Bildergalerie (6:35 Min.)
  • Filmprogramm (2:24 Min.)
  • Credits
  • 2 Hidden Features
Hörspiel-CD
  • Frankenstein in Hiroshima (47:02 Min.)
VerpackungSteelbook
 Auf diese Veröffentlichung hat Anolis lange hingearbeitet und man merkt es ihr an. Das Steelbook trägt ein schlichtes aber ansprechendes Artwork und birgt im Inneren die erste Überraschung: Das Booklet ist mit 20 Seiten über die Norm umfangreich ausgefallen und enthält neben s/w-Bildmaterial, einer Kapitelauflistung und Stabangaben ist ein langer Text des Berliner Künstlers Jörg Buttgereit enthalten, der eine Einordnung und einen Überblick über die Produktion und die Mitarbeiter daran schafft. Der leidenschaftliche Godzilla-Fan, der über dieses Thema auch ein Buch verfasst hat, besitzt nicht nur großes Hintergrundwissen über den Film, bestimmte Szenen, Darsteller oder kleine Anekdoten, sondern kann besonders durch seine lockere Vortragsweise überzeugen. Nebenbei versucht er, dem Zuhörer die japanische Kultur und die Hintergründe der Filmgeschehnisse näher zu bringen. Absolut gelungen! Das angesprochene Interview mit Haruo Nakajima, der laut eigenen Aussagen in über 30 Filmen das Monster spielte, ist etwa eine halbe Stunde lang und gibt einen wunderbaren Ausblick auf die damalige Zeit des Films in Japan. Wer übrigens glaubt, dass ein Mann, der sein Geld u.a. damit verdiente, im Gummikostüm durch phantastische Welten zu stapfen, nicht viel zu erzählen hat, der hat sich schwer getäuscht. Weiter geht es mit jeweils einem Trailer aus den Ländern Japan, USA und Deutschland und einer umfassenden Galerie mit nahezu 100 Bildern aus allen Bereichen der Produktion. Das Filmprogramm, sozusagen das damalige Werbeheftchen, bekommt eine gesonderte Behandlung und kann durch das Heranzoomen gut gelesen werden. Neben der Danksagung zu diesem Film enthält die DVD noch zwei Besonderheiten, die zwar versteckt sind, die aber so interessant ausfallen, dass sie mit in die Wertung einbezogen werden sollten. Das eine wäre die unverständlicherweise auf nicht mal 8 Minuten zusammengekürzte Super-8-Fassung des Filmes, die in s/w mit deutscher Synchro und festen englischen Untertiteln vorliegt. Es ist unglaublich, wie der Film im Vergleich zur Originalfassung aus dem Zusammenhang gerissen wird. Der komplette Vorspann entfällt und die Handlung setzt erst dort ein, wo man den Jungen das erste Mal einfängt. Wenig später ist man schon beim Endkamp angelangt. Dass ein paar Tonaussetzer auftreten, stört kaum und auch die Bildqualität ist vernünftig, wenn auch nicht vergleichbar mit jener der DVD-Fassung. Das andere Extra ist ein freier Kommentar des Filmwissenschaftlers und Autors Rolf Giesen, dessen manchmal etwas abschweifende Erzählungen mit 95 Minuten die Länge des Filmes sprengten, weswegen dieses Extra etwas versteckt und separat vor einem Standbild abgelegt wurde.

Aber das soll noch nicht alles sein, denn im Steelbook befindet sich noch ein weiterer Silberling, nämlich Jorg Buttgereits Hörspielproduktion "Frankenstein in Hiroshima", welches ganz offensichtlich von "Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht" inspiriert und vom WDR verwirklicht wurde. Dass man einfach so ein vollwertiges Hörspiel mit zur DVD bekommt, ist ungewöhnlich genug, aber dieses befindet sich zusätzlich in einer dünnen CD-Hülle und enthält ein aufklappbares Booklet mit Inhaltsangabe und Informationen zu Jörg Buttgereit. "Frankenstein in Hiroshima" bahnt sich leicht selbstironisch als Hommage an die asiatischen Monsterfilme der 60er Jahre an und besitzt eben jene Klangkulisse und musikalische Verarbeitung, wie man sie bei Filmen dieser Zeit wiederfinden würde. Die eigentliche Handlungsebene wird immer wieder von der trockenen Analyse eines Filmkritikers im Hintergrund unterbrochen, die zynisch die Charakteristika des Genres aufarbeitet. Später kommen Außerirdische hinzu und die Welle der Zerstörung wird wie bei einer Fußballradioübertragung euphorisch kommentiert. Ich find es toll, dass man mit dieser Edition nicht nur vor den Bildschirm gebannt ist, sondern auch etwas für die Ohren und zum Lesen bekommt, zumal das Hörspiel mit Top-Sprechern besetzt wurde.
 ++++/-

Fazit
Natürlich ist "Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht" auch ein wenig Trash, das suggeriert mindestens schon der einfältige deutsche Titel, aber er übertreibt es nicht dermaßen stark wie einige spätere Superhelden/Monster-Flicks, die sich von Beginn an der Lächerlichkeit preisgeben. Vielmehr wird eine handfeste, wenn auch höchst phantastische Geschichte dargeboten, die auf allerlei ernsten, teilweise sogar auf Grusel ausgelegten Elementen basiert und Themen wie die umweltschädliche Natur des Menschen klar in den Dialogen anspricht. Die japanische Mixtur aus europäischen Verfilmungen des Frankenstein und amerikanischen Verarbeitungen des King Kong-Mythos ist schon von Beginn an interessant, wenn beispielsweise Frankensteins unsterbliches Herz während des Krieges in einem deutschen Labor von den Nazis konfisziert und nach Japan gebracht wird, wo es unter dem Hiroshima-Atombombeninferno vermeintlich verloren geht. Doch rund 20 Jahre später taucht ein Junge mit seltsamen Affengesicht auf, der unaufhaltsam wächst und der eine seltsame Fähigkeit zur Regeneration besitzt. Trägt er etwa Frankensteins Herz in sich?
"Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht" ist gut portioniert aus der Einfachheit und Liebenswürdigkeit des B-Movies als auch aus der fesselnden Tricktechnik des apokalyptischen Kinos. Nachdem der Junge während eines Zwischenfalls entkam, fährt der Film eine Unmenge an heute vielleicht primitiven, aber immer noch toll aussehenden Ausstattungsteilen auf: Statt die Skyline einer Stadt abzufilmen, wird diese fast fotorealistisch abgemalt, statt nur auf Rückprojektionen zu setzen, die das Größenverhältnis filmisch machbar werden lassen, werden unzählige detaillierte Sets angefertigt, die manchmal den Eindruck machen, dass der Junge auf einer übergroßen Modelleisenbahnplatte herumtollt. Es ist wirklich großartig anzusehen, wie man Modelle von Häusern und Wäldern einbezieht, die mal nicht nur im Miniaturmaßstab angefertigt wurden, sondern die ein echtes Durchschreiten ermöglichen. Ganz nebenbei schafft die Charakterzeichnung jede Menge Bezugspunkte. Nicht nur unter den menschlichen Darstellern, denn auch (oder: gerade) den manchmal etwas aufbrausenden Riesenjungen kann man leicht sympathisch finden. Der bringt zwar einiges an Chaos in den Inselstaat, bindet sich aber frühzeitig an das Wissenschaftler-Duo, dass ihn als Menschen betrachtet und achtet, so dass später der Mithilfe im Kampf gegen einen Riesensaurier nicht mehr im Weg steht.
Die Gespräche über die Herkunft und die Entwicklung des Jungen sind zwar bremsend, aber auch wichtig für den Film, um dem Geschehen den pseudowissenschaftlichen Hintergrund zu verschaffen. Außerdem ist nach ruhigen Szenen umso aufregender, die beiden "Monster" durch die schön abgefilmte bzw. nachgebaute Landschaft Japans stapfen zu sehen und wie sie dabei Schutt und Asche hinterlassen. Langweilen wird sich dabei keiner, der für diese Art von Film etwas übrig hat. Besonders der ausgedehnte Endkampf vor brennender Kulisse hat es mir angetan, denn der ist auf seine Art spektakulär und realistisch. Letzteres bezieht sich darauf, dass man nicht sofort an in Gummikostümen herumtollende Stuntmen denken muss, die wie große Kinder herumtollen, sondern dass es schon ein Kampf geworden ist, der die monumentalen Kräfte der beiden Kreaturen gut zur Geltung bringt.

Die tolle Kameraarbeit und Kulissen erstrahlen nun auf der DVD im Steelbook in schönsten Farben und auch sonst bin ich höchst zufrieden mit dieser Produktion. Übrigens ist, wie Jörg Buttgereit es im Audiokommentar erwähnt, die deutsche DVD die erste Möglichkeit neben der Super-8-Rolle, den Film seit den 70er Jahren im Heimkino bewundern zu können. Dass es nun zu einer so tollen Auswertung gekommen ist, wird nicht nur Toho-Fans freuen, sondern hat auch mich als eher gemäßigten Japano-Monster-Gucker überrascht.



Bilder der DVD




Druckbare Version
NewsSex. Murder. Art. - Retrospektive Jörg Buttgereit vom 8. bis 28. Januar in Düsseldorf
Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht
Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht (Kaiju Classics)
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.