Nach langer Zeit des Wartens erlebt nun auch der Kannibalenfilm eine Wiedergeburt auf der Leinwand. Vorweg: das Ergebnis kann sich sehen lassen, ist aber weit entfernt von der Urmentalität eines Umberto Lenzi oder Ruggero Deodato. Letzterer, bekannt durch die Mutter aller Kannibalenfilme Cannibal Holocaust, stand offensichtlich auch Pate für die Grundidee von "Welcome to the Jungle", so der Originaltitel von "Cannibals". Wie auch bei "Cannibal Holocaust" zieht es eine Gruppe junger Leute in den Dschungel von Papua Neuguinea. Ihr Ziel ist, den Verbleib von Michael Rockefeller zu klären, der 1961 nach Abschluss seines Studiums eine Reise nach Papua Neuguinea machte, um die Ureinwohner zu erforschen. Somit wird die fiktive Geschichte von Jonathan Hensleigh mit einem realen Hintergrund in Verbindung gebracht. Über den tatsächlichen Verbleib von Michael Rockefeller ranken sich unzählige Mythen, welche, sollten die Umstände wirklich geklärt worden sein, vom Rockefeller-Imperium der Öffentlichkeit vorenthalten werden.
Für seinen Film entschied sich Hensleigh für Handkameras, wie sie auch schon als Film im Film bei "Cannibal Holocaust" benutzt wurden. Bei "Cannibals" hingegen wurde der ganze Film quasi in der Ego-Perspektive gefilmt, wie es schon bei "Blair Witch Projekt" der Fall war. Was anfangs ein wenig nach Urlaubsvideo ausschaut, entwickelt sich dann recht schnell zu einer cleveren Idee, wenn man als Zuschauer in die Rollen der Protagonisten schlüpft und alles aus einer anderen Perspektive zu sehen bekommt. Man ist gezwungenermaßen Teil von Mandi, Colby, Mikey und Bijou auf ihren Trip durch den Dschungel. Und entgegen einer Hexe wie in "Blair Witch" bekommen es die vier mit Kannibalen zu tun. Diese tauchen allerdings erst recht spät auf, was aber kein großes Problem darstellt, da Hensleigh es versteht, eine ansprechende Abenteuer-Atmosphäre zu schaffen, die durch ihren Look und des fehlenden Scores Authentizität verliehen bekommt. Das Problem der Protagonisten, auf sich allein gestellt zu sein und die hierbei entstehenden Konflikte innerhalb der Gruppe sind der Hauptteil der Geschichte. Sind die Kannibalen dann zur Stelle, dürfen sie auch für ein paar gelungene Effekte herhalten, die aber harmlos ausgefallen sind im Vergleich zu dem, was Genre-Vertreter aus Italien in diesem Bereich bereits auffuhren. Wer alles überlebt oder auch nicht, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, jedoch hat sich der Regisseur einen gelungenen Schlussgag einfallen lassen, der den gesamten Film ein wenig auf den Kopf stellt und damit eine etwas andere Interpretation des realen Rockefellers zu erzählen vermag, die vielleicht auch gar nicht so unmöglich erscheint.
Das groß angekündigte Revival ist "Cannibals" zwar nicht geworden, aber ein "Mondo Cannibale" war dazumal auch kein "Cannibal Holocaust". In diesem Sinne kann man mit einem ansprechenden Dschungel-Abenteuer vorlieb nehmen, das gegen Ende noch einen überraschenden Gewaltfaktor zu bieten hat.
Die DVD von Galileo präsentiert den auf DV gedrehten Film in einer sehr ansprechenden, qualitativen Umsetzung. Einziger Wermutstropfen ist das fehlende Bonusmaterial.
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