Was wäre möglich, wenn die Thailänder in ihren Filmen den Zuschauer ein wenig mehr fordern und ihn nicht jedes Element vorgekaut servieren würden? "Garuda" ist ein Beispiel für ein motiviertes, gelungenes und auch sehr unterhaltsames Werk, aber mehr kann ich nicht erkennen. Das mag sich negativ anhören, ist es aber nur in dem Hinblick, dass man mit dem Auslassen einiger pathetischer, höchst vorhersehbarer Momente dem Ding wirklich eine 1a-Leistung bescheinigen könnte. Denn wenn immer die Spannung pausiert, muss man schwer das Gehirn ausschalten, um von nervigen Dialogen und überreizten Slow-Motion-Sequenzen nicht den Spaß am Film zu verlieren. Mag sein, dass amerikanische Filme hier genauso dick auftragen, aber zumindest verstecken sie zu arge Konstruktionen besser.
Aber zurück zum Garuda, dem titelgebenden Flugwesen mit menschlichen Zügen, welches u.a. im thailändischen, königlichen Wappen zu finden ist. Daran mag es vielleicht auch liegen, dass die Figuren mehr als einmal kritisch den eigenen Nationalismus erörtern, was jedoch nie zu weit ausgebaut wird, um damit die Monster-Atmosphäre zu verscheuchen. Die ist wahrlich großartig in der dunklen, unterirdischen Höhle, die das seit Jahrtausenden schlafende, mordlüsterne Flügelvieh bisher beherbergte. Das Militär, das sehr erpicht darauf ist, den Vogel zu bergen, wird natürlich alsbald von diesem dezimiert - da helfen auch keine Söldner mit dicker Feuerpower. Die deutlich als CGI-Schöpfung erkennbare Kreatur spielt mit den Männern und der Frau, stürzt sich im Sturzflug auf sie und greift sich von Zeit zu Zeit einen. Für trashige Einschübe sorgen dann beispielsweise das Duell Vogel gegen Mann (nur bewaffnet mit einem magischen Messer) und der Schlaffie, den die junge Wissenschaftlerin mit sich herumschleppt und der keine wirkliche Funktion im Film hat - abgesehen davon, als Kanonenfutter zu enden. Der mächtig gewaltige Garuda kann später aus der Höhle über einen U-Bahnschacht entwischen und sich in die Lüfte schwingen, was das gesamte Militär in ihrer destruktiven Veranlagung auf den Tagesplan ruft und ein wenig an "American Monster" erinnert. Dort setzt dann zwar manchmal die Logik aus (Warum den Gegner nicht erledigen, wenn man die Möglichkeit hat? Warum tötet auf einmal eine einzige Kugel das riesige Wesen? Warum wird die Kralle nicht genutzt?), die Schauwerte stammen dank gelungener Effekte aber immer. Einen dezent trashigen Unterton besitzt "Garuda" natürlich, vielleicht schon des Themas wegens, vielleicht auch nur der Darsteller wegen.
"Garuda" bedeutet in diesem Falle "style over substance" und muss sich in Bezug auf das Skript und die leicht pathetisch veranlage Action-Inszenierung ein wenig Kritik gefallen lassen, ist aber dennoch ein mehr als gelungener, sehr kurzweiliger Action-Horror aus dem asiatischen Sektor, der mit einer Unmenge an (deutlich erkennbaren) Effekten und seinem mythologischen, kreuzgefährlichen Monster rasant zu Ende sein wird.
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