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BE, FR, IT 2007
Originaltitel:Ex Drummer
Länge:100:44 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Koen Mortier
Buch:Herman Brusselmans, Koen Mortier
Kamera:Glynn Speeckaert
Musik:Flip Kowlier, Millionaire u.a.
SFX:Bert Deruyck
Darsteller:Dries Van Hegen, Norman Baert, Gunter Lamoot, Sam Louwyck, François Beukelaers, Bernadette Damman, Joris Van Der Speeten, Nancy Denijs, Nomie Visser, Dolores Bouckaert, Wim Willaert, Barbara Callewaert, Jan Hammenecker, Vinnie Bonduwe, Chantal Wannyn, Tristan Versteven, Sebastien Dewaele
Vertrieb:Legend Films
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:13.02.2008 (Verleih) / 31.03.2008 (Kauf)



Inhalt
Dries, erfolgreicher Autor und Berufszyniker, steht vor der Herausforderung seines Lebens: Für drei abgewrackte Existenzen aus dem tiefsten Sumpf der belgischen Provinz soll er den Schlagzeuger in einer Punkrock-Band geben. Fanziniert von Dreck und Elend, willigt Dries ein und wird zum Mitglied der "Feminists".
Fortan ist er immer dabei: im Proberaum auf dem Bauernhof von Jans Eltern, wo die Mutter den kranken Vater per Zwangsjacke ans Bett fesselt, im blutigen Apartment von Koen, der nur Lust empfindet, wenn er Frauen misshandelt, und in dem verkommenen Loch, in dem Ivans Frau auf der Couch vor sich hindämmert und das schreiende Baby mit Haschisch ruhig stellt.
Dries ist ein Beobachter, der die Verkommenheit der Welt in sich hineinsaugt und abends heimkehrt in seine Designerloft hoch über den Dächern von Oostende, wo ihn seine hübsche Frau und manchmal auch eine Gespielin erwarten. Wie ein Gott steigt er immer wieder hinunter in den Sündenpful, kommentiert, manipuliert, intrigiert ... bis er sich schließlich selbst als mythischer Erlöser wähnt, der die Welt um ihre Übel erleichert. Die Katastrophe ist unaufhaltsam und endet in einem grausamen Blutbad.

Bild
Format1,78:1 (anamorph)
NormPAL
 Das Milieu des Filmes spiegelt sich folgerichtig im Bild wieder, das es zwar im anamorphen Format gibt, aber eben nicht als Hochglanzprodukt. Die Umgebung von "Ex Drummer" ist schmutzig und finster, weswegen auch der Kontrast sich eingrenzt, Gesichter in Schatten versinken und insgesamt die Ausleuchtung eher schlecht ist. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, denn das verdeutlicht die hoffnungslose Stimmung. Deswegen rauscht das Bild auch ein wenig, zeigt eher triste Farben und ist auch nur durchschnittlich scharf. Als störend empfindet man aber nichts davon. Wäre beispielsweise die Schärfe besser, würde es wieder zu sehr aussehen wie eine Dokumentation - und das möchte "Ex Drummer" nicht sein. Die Kompression zeigt selbst in den sehr schnell geschnittenen Musikszenen keine Schwächen.
 +++/--

Ton
FormateDolby Digital 5.1 (Deu, Fl), DTS 5.1 (Deu)
SpracheDeutsch, Flämisch
UntertitelDeutsch für Hörgeschädigte
 Seltsam, aber der DTS-Ton klingt trotz einiger Passagen, in denen man es heraushören sollte, genauso wie der Dolby Digital-Ton. Z.B. gibt es ein paar Musikstücke mit klar herausgearbeiteten Basslinien oder die wummernde Szene im Club, bei der man (sogar besser als es live oftmals möglich ist) ziemlich gut die Bassdrum-Schläge und das tiefe Kratzen der Gitarre vernehmen kann, durch DTS wird das aber nicht noch verstärkt. Gleichzeitig sind die längere Handlungspassage im Club und auch die Aufnahmen im Proberaum die Momente, in denen man auch einmal die hinteren Lautsprecher wahrnimmt, die sich sonst wegen der Dialoglastigkeit zurückziehen und lediglich dem Score etwas Platz machen. Gegenüber dem Originalton ist die deutsche Version ein klein wenig anders gestimmt, vermutlich, weil bei einer der beiden Versionen der PAL-Speedup auch für den Ton übernommen wurde, während bei der anderen der Kinoton richtig angepasst wurde. Der Klang ist aber bei beiden ziemlich gut, die Synchro hervorragend und es kommt zu keinen Geräuschproblemen. Man kann also sagen, "Ex Drummer" klingt auf DVD wie ein richtiger Film, nur eben unspektakulärer was Effekte angeht. Gerade die Musikszenen überzeugen aber, und das ist das Wichtigste.
 ++++--

Extras
Extras
  • 20seitiges Booklet
DVD:
  • Ex Director: The Making Of "Ex Drummer" (31:37 Min.)
  • Videoclip "De Grotste Lul Van't Stad" (2:58 Min.)
  • "Oh Brother" - Musik für die "Feminists" von "Millionaire" (2:51 Min.)
  • "Overdo Hykers" - Die Band, die es nicht in den Film schaffte (2:08 Min.)
  • Kurzfilm "A Hard Days Work" (12:16 Min.)
  • Kurzfilm "Ana Temnei" (8:55 Min.)
  • Originaltrailer (1:26 Min.)
  • Dt. Trailer (1:25 Min.)
CD:
  1. Lightning Bolt - 2 Morro Morro Land
  2. Madensuyu - Papa Bear
  3. An Pierlé & WHite Velvet - Need You Know
  4. The Tritones - Chagrin De La Mer
  5. Mogwai - Hunted By A Freak
  6. The Experimental Tropic Blues Band - Mexico Dream Blues
  7. Flip Kowlier - De Grotste Lul Van't Stad
  8. Millionaire - Mongoloid
  9. Isis - Grinning Mouths
  10. Arno - Een Boeket Met Pisseblommen
  11. Augusta Natinal Golfclub - People In Paris
  12. Mel Dune - Time Hangs Heavy On Your Hands
  13. Ghinzu - Blow
  14. Funeral Dress - Hello From The Underground
  15. Blutch - Moving Ground
  16. Millionaire - Deep Fish
VerpackungKeepCase
 Ein Film wie "Ex Drummer" wäre vermutlich nicht "echt" genug, wenn sich nicht auch um den Dreh einige Skandälchen ranken würden. Die interviewten Darsteller und Menschen hinter der Kamera motzen sich deswegen die gesamte Zeit über im Making Of an. Es ist von schwerer Unzufriedenheit und Geldschwierigkeiten die Rede, davon, dass einige den Job hinschmeißen wollen und an anderer Stelle versucht die Verantwortliche des halbstündigen Making Ofs jene am Telefon zu erreichen, die vor Drehbeginn bereits aus dem Film ausgestiegen sind und nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden wollen. Falls das alles nur gespielt sein sollte, ist es das ziemlich gut. Außerdem darf man sich zu Beginn anhören, wie die belgische Filmförderung die Produktion mehrfach ablehnt und wie einige Darsteller sich beim Casting lächerlich machen. Über die Frühwerke des Regisseurs kann man sich mittels der zwei Kurzfilme eine Meinung bilden. "A Hard Day's Work" ist nicht nur wegen des Hauptdarstellers "Ex Drummer" sehr nah. "Ana Temnei" geht als pathologischer Film im doppelten Sinne die schockiernden Aspekte des Mediums etwas anders an und ist schon zu künstlerisch ausgestaltet, um "nebenbei" angeschaut zu werden.
Welchen großen Stellenwert die Musik im Film besitzt, wurde mir erst klar, nachdem ich mir die beiliegende CD mit dem Soundtrack angehört habe. Es passiert mir selten, dass ich ein Stück nach dem ersten Anschauen bereits der jeweiligen Szene zuordnen kann. Auch beim restlichen Bonusmaterial steht die Musik mit drei Clips an vorderster Stelle. Sämtliche Extras wurden natürlich deutsch untertitelt und Trailer gibt es ebenfalls. Ein Audiokommentar wird zwar nicht geboten und es gibt auch sonst keine weiteren Einblicke in die Persönlichkeiten hinter und vor der Kamera, aber zumindest ein umfangreiches Booklet mit Texten zum Film, dessen Macher und den Resonanzen inkl. einem Interview mit dem Regisseur liegt bei.
 +++/--

Fazit
"Wenn du noch leidest,
Zeig' nicht deine Qual.
Dein Leben kommt nach Geilheit -
Du hast nur diese Wahl!"
(Totenmond - Achtung Panzer)

Die "Generation doof" ist in aller Munde, da kam im letzten Jahr der mit Begeisterung aufgenommene "Ex Drummer" mit seiner kontroversen Thematik im Spielfilmformat genau richtig. Allein die Stilistik des Filmes, die mich wie vieles andere auch an Interner Link"Trainspotting" erinnert, dürfte ausgereicht haben, um so manchem Zuschauer als Gesprächsthema zu dienen. Beispielsweise der versiffte Koen ist nicht nur im übertragenen Sinne ein gewalttätiger Choleriker, der schnell an die Decke geht, die Kamera zeigt ihn sogar, wie er dort lebt; die Figuren werden in einer sich rückwärts abspielenden Sequenz vorgestellt (was dafür sorgen soll, dass sich der Zuschauer gleich ein wenig mehr mit diesen beschäftigt); die schnitt- und handlungstechnische Verbindung von Sex und Gewalt stilisiert die Protagonisten und Antagonisten zu unbändigen Tieren, die die Grundsätze von moralischen Handlungen längst hinter sich gelassen haben; die Übergänge von realen Welt in Phantasiegebilde, die der Veranschaulichung dienen sollen, aber auf den Zuschauer ziemlich seltsam erscheinen müssen. Oder kurz zusammengefasst: "Ex Drummer" wirft bereits in den ersten paar Minuten mehr unschöne Themen auf, als es so mancher Film vertragen könnte.

Dabei ist er ein harter Brocken, der Gewalt, Asozialität, Drogenmissbrauch, Vergewaltigung und Alkoholismus thematisiert, dem Zuschauer aber selbst die Wahl lässt, ob er die Figuren als arme Verlierer oder als Arschlöcher annimmt. Das Erschreckende daran ist, dass man der Handlung, so vulgär sie auch vorgetragen wird, einen starken Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Da gehen ziemlich schräge Sachen ab, z.B. dass Jans Vater ans Bett gefesselt ist, dass Koen Jans ziemlich unattraktive Mutter vögelt, sich aber irgendwas dabei wegholt und irgendwann Blut pisst oder auch die gesamte Rahmenhandlung um jenen Großkotz, der wegen seines riesigen Gemächts immer nur "Dicker Schwanz" genannt wird.
Falsch liegt man allerdings, wenn man meint, damit wären die gesamten, reißerischen "Qualitäten" des Filmes abgedeckt und es würde somit leicht fallen, ihn auf Schundniveau zu reduzieren. Falsch, weil "Ex Drummer" nicht nur schockieren will (u.a. mit Fremden- und Schwulenfeindlichkeiten) oder zur Unerhaltung die niederen Instinkte anspricht, sondern weil noch ein sehr interessanter Charakter bereitgehalten wird, dessen Rolle erst zum Ende hin richtig klar wird: der Autor Dries. Der kommt aus finanziell besser gestellten Kreisen, hat sich irgendwie von diesem Abschaum weggearbeitet und scheint der einzige Normale innerhalb der Gruppe zu sein. Dass er aber nicht nur hilft, sondern auch manipuliert und bereits frühzeitig auf eine Lösung des "Problems" hinarbeitet, wird dem Zuschauer nicht so schnell klar sein. Der Film bezieht in den Momenten, die Dries in seiner ursprünglichen Umgebung zeigen, auch eine interessante Position, die Dries' Taten nicht etwa gutheißt, sondern dessen Doppelmoral entlarvt.

Beeindruckende, sehr ungewöhnliche und mutige Schilderung sozialer Sprengstoffe, die fast zu unterhaltsam inszeniert ist, dafür aber umso mehr nachhallt. Noch mehr als Interner Link"Trainspotting" verbindet "Ex Drummer" die Gefühle von Niedergeschlagenheit, Ekel und bitterböser Ironie - wie ein schlimmer, morgendlicher Kater, der sich nur langsam dadurch lüftet, dass man sich am Elend der anderen Zechkumpanen erheitert, obwohl man genau weiß, dass man eigentlich selbst nichts zu lachen haben sollte. Das hohe Ansehen, das diese belgische Produktion bei Filmfans genießt, kann ich nur unterstreichen und jedem empfehlen: Seht euch "Ex Drummer" an, oder ihr habt wirklich was verpasst!



Bilder der DVD




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NewsAlle Infos zum 21. Fantasy Filmfest
IMDb.com OFDb.de (Ana Temnei)
IMDb.com OFDb.de (Hard Day's Work, A)
IMDb.com OFDb.de (Ex Drummer)



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