1972, als es den Hammer Studios aufgrund inhaltlicher Stagnation längst nicht mehr so gut ging, durften mal wieder die beiden Zugpferde Peter Cushing und Christopher Lee in ihren Paraderollen als Vampirjäger und Gejagter ran, um für eine vergnügliche Filmvorstellung zu sorgen. Dabei treffen diesmal Welten aufeinander, denn nach klassischem Auftakt im 19. Jahrhundert, bei dem gleich die Charaktere beider Darstellergrößen ins Gras beißen, findet man sich in den 70ern des 20. Jahrhunderts wieder, wo eine Hippie-Party ganz zum Verdruss des Establishments rockt. Während also auf der einen Seite der Lifestyle dieser Zeit mit entsprechender Mode und packendem Score gewürdigt wird, was keineswegs als Anbiederung an die Moderne verstanden sein soll, dringt auf der anderen der typische Gothic-Horror mit Nebelmaschine, hypnotisierendem Vampirblick und alten Schlössern (hier: eine "entweihte" Kirche kurz vorm Abriss) durch. Man mag nicht glauben, wie gut diese Gegensätzlichkeiten miteinander funktionieren, selbst wenn sich im Endkampf Lee und Cushing im klassischen Set gegenüberstehen und ein aufwühlender, fast "funky" Score die Situation untermalt. Wie gewohnt werden blutige Details nicht ausgespart, auch wenn Hammer bis dato bereits wesentlich Mark erschütterndere Werke hervorgebracht hatte, und der Rest mit einer Prise Erotik gewürzt (achtet auf den Zielpunkt der Kamera!). Dass sich daraus nicht mehr entwickeln kann, ist wohl der Einfallslosigkeit des Drehbuchs zuzuschreiben, die nicht mehr zu bieten hat, als den Vampirmythos in die 70er zu verlegen und dort eine wenig aufregende Geschichte daraus zu bauen, die leider keine einzige Wendung zu bieten hat, die nicht zum Standardrepertoire des Genres gehören würde. Auch die Screentime von Lee ist etwas zu kurz, er steht wohl eher im Hintergrund, kann aber spätestens im Showdown mit blutrot unterlaufenen Augen wieder für Stimmung sorgen. Besonders angetan haben es mir die reizvollen Kameraansichten, die die oft farbig ausgeleuchteten Sets gern im verkanteten oder aufschauenden Blickwinkel aufnehmen.
Nicht selten platziert Hammer selbstreflexive Dialoge oder Elemente in "Dracula jagt Mini-Mädchen", die nun rückblickend Interpretationen über die Situation des britischen Studios zu dieser Zeit zulassen: Das rüpelhafte Wildern der jungen Wilden im Haus der Reichen zu Beginn mag eine Parallele zu Hammer darstellen, die sich durch ihre Vorreiterrolle in Sachen blutigem, teils exploitativen Horror nicht immer beliebt machten. Der Umbruch im Genre wird an anderer Stelle aufgegriffen, wenn immer wieder mal von noch brutaleren Ritualmorden in den Staaten die Rede ist - ein Ausblick auf die US-Horrorwelle der 70er Jahre, die Hammer so sehr zu schaffen machte?
Für Fans der britischen Horror-Schmiede sind sowohl der Film als auch die DVD eine klare Empfehlung, auch wenn Ersteres nicht den bleibenden Eindruck von früheren Werken hinterlassen kann und Letztere mit Bonusmaterial geizt. Ganz davon abgesehen, ein weiterer Kaufgrund: Caroline Munroe gibt einfach ne leckere Figur ab, in diesem Film wie in jedem anderen ...
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