Anders Thomas Jensens "Adams Äpfel" dürfte wohl eine der besten Filmveröffentlichungen im Jahre 2007 sein und darf gerne als echter Geheimtipp verstanden werden. Denn die Komödie, die den Kampf zwischen Gut und Böse schildert, hat alles, was einen wahrlich guten Film ausmacht. Erzählt wird die Geschichte vom Neo-Nazi Adam (Ulrich Thomsen), der frisch aus dem Gefängnis entlassen in die Obhut des Gemeindepfarrers (Mads Mikkelsen) gerät, der in seiner Kirche ein Rehabilitationszentrum für Kriminelle eingerichtet hat. Ivan, so der Name des Gottesdieners, ist davon überzeugt, dass es nur Gutes im Menschen gibt und versucht die Kriminellen auf den richtigen Weg zu führen. Damit dies gelingt, muss sich Adam zuerst ein Ziel setzen: eine Aufgabe, die den Erfolg zum Ende der Therapie krönt. Durch einen dummen Wortwitz von Adam einigen sich die beiden darauf, dass Adam einen Apfelkuchen backen muss. Hierfür benötigt er natürlich Äpfel, die am Baum im Kirchengarten wachsen. Also wird ihm quasi als zweite Aufgabe das Pflegen des Baumes aufs Auge gedrückt. Neben ihm befinden sich noch drei weitere Gesellen in der Obhut des Priesters. Sarah (Paprika Steen) etwas abgewrackt, schwanger und alkoholabhängig, ist die Frau im Bunde. Dazu gesellen sich noch Gunnar (Nicolas Bro), ein ehemaliger Tennisspieler, der ebenfalls ein Alkoholproblem hat und zudem ein Vergewaltiger und Kleptomane ist, und Khalid (Ali Kazim) ein islamitischer Tankstellenräuber mit terroristischen Ambitionen. Dieser Umgang erschwert Adams Lebensweise ungemein und wird durch die positive Lebenseinstellung des Pastors noch verschlimmert. Auch eine höhere Macht scheint mit dem Geschehen auf Erden nicht sonderlich zufrieden zu sein und setzt alles daran, der Mission Apfelkuchen zu schaden.
Durch den Storyaufbau merkt man schon, auf welche Achterbahnfahrt sich der Zuschauer begibt, doch das hier Beschriebene ist nur ein Bruchstück von dem, was Regisseur Jensen an Ideen parat hält. Dass hierbei auch eine gewisse Unkorrektheit zu tage gefördert wird, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Die Verbindung zur Kirche und das Zitieren biblischer Elemente in Verbindung mit dem nationalsozialistischen Gedankengut oder das zwanghafte Zusammenleben eines Skins mit einem muslimischen Mitmenschen innerhalb einer kirchlichen Gemeinschaft wurde perfekt ausgearbeitet. Vor allem liegt dies an der Charakterisierung der Rollen, da jede für sich über Eigenheiten verfügt. Für den Zuschauer entsteht nun das Problem, dass man den Film nicht als Nebenbeschäftigung ansehen kann, da er verstanden werden will. Solche Rollen können nicht mit beliebigen Darstellern besetzt werden, sondern man muss genau darauf achten, ob der jeweilige Charakter auch zum Darsteller passt. Jensen hat aber alles richtig gemacht und besetzte die Rollen mit einer Güteklasse dänischer Charakterdarsteller, denn mit ihnen steht oder fällt die Umsetzung des Drehbuches. Neben dem Humor fehlt es aber auch nicht an ernsten Momenten, in denen sich der Zuschauer dann fragt, ob er lachen oder weinen soll. Eine tiefgründige Dramatik reicht sich mit rabenschwarzem Humor die Hand. Darin versteckt Jensen zudem noch eine Botschaft, die es dann zu entdecken gibt. Dennoch sei aber auch etwas gewarnt, denn es wird vor nichts und niemanden halt gemacht. Jeder bekommt sein Fett weg und jeder Charakter hat auch Eigenarten, die jeder Zuschauer irgendwo in sich selber wieder finden wird. Wenn ich als Autor dieses Textes nach einen negativen Aspekt in diesem Film suche, werde ich ihn in "Adams Äpfel" nicht finden, denn alles wirkt durchdacht und erlaubt sich keine Fehler. Dieser Meinung waren wohl auch die Besucher des NIFFF 2006, die "Adams Äpfel" mit dem Publikumspreis auszeichneten.
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