USA 1962
Originaltitel:Cape Fear
Länge:101:34 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:J. Lee Thompson
Buch:John D. MacDonald, James R. Webb
Kamera:Sam Leavitt
Musik:Bernard Herrmann
Darsteller:Robert Mitchum, Gregory Peck, Polly Bergen, Lori Martin, Martin Balsam, Jack Kruschen, Telly Savalas, Barrie Chase, Paul Comi, John McKee, Page Slattery, Ward Ramsey, Edward Platt, Will Wright
Vertrieb:Universal
Norm:PAL
Regionalcode:2,4
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 1.0
Sprache:Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel:Englisch, Französisch, Portugiesisch, Holländisch, Finnisch, Schwedisch, Norwegisch, Griechisch, Deutsch, Holländisch, Tschechisch, Polnisch, Türkisch, Ungarisch, Bulgarisch, Italienisch, Spanisch
Verpackung:KeepCase
Specials:
- The Making Of Cape Fear (27:59 Min.)
- Produktionsfotos (4:48 Min.)
- Kinotrailer (2:07 Min.)
- Produktionsnotizen (11 Seiten)
- Bio- und Filmografien:
- Gregory Peck (4 Seiten)
- Robert Mitchum (4 Seiten)
- Polly Bergen (4 Seiten)
- Lori Martin (3 Seiten)
- Martin Balsam (4 Seiten)
- Jack Kruschen (4 Seiten)
- Telly Savalas (4 Seiten)
- Berrie Chase (3 Seiten)
- J. Lee Thompson (4 Seiten)
- DVD-ROM-Teil
- DVD-Newsletter
"Cady ist ein wildes Tier und kein Mensch, also muss man ihn auch behandeln wie ein Tier." (Charles Sievers)
Basierend auf
John D. MacDonalds Roman "The Executioners" erschuf
J. Lee Thompson Anfang der 60er Jahre einen Thriller, der gleich zwei hervorragende Qualitäten ans Licht brachte: Zum einen ist
"Ein Köder für die Bestie" selbst ein Freudenfest des Nervenkitzels und zum anderen initiierte er knapp 30 Jahre später ein Remake (
"Cape Fear", so auch der Originaltitel der 1962er Verfilmung), welches nicht minder aufregend verarbeitet wurde.
Im Mittelpunkt dessen stehen zwei starke Hauptcharaktere, deren Zwist der Zuschauer intensiv miterleben darf.
Gregory Peck, der zusätzlich auf dem Produzentenstuhl Platz genommen hatte, nahm die Rolle des Anwaltes Sam Bowden an, nachdem er die des Bösewichtes ablehnte und diese praktisch an
Robert Mitchum weiterreichte. Beide damals bereits sehr erfolgreichen Darsteller sollten dem geneigten Zuschauer durch ihre vielfältigen Rollen, insbesondere in den 50er bis 70er Jahren, bekannt sein, aber ich denke, dass man sich besonders durch ihr Zusammenspiel in diesem
"Cape Fear" an sie zurückerinnern wird. So unterschiedlich sich ihre Moralvorstellungen in ihren Rollen auch offenbaren, bei beiden ist sich der Zuschauer schon bald durch die Intensität der Spielart gewiss, dass beide bis zum Äußersten gehen würden, um ihre Interessen zu verteidigen und durchzusetzen.
Während Sam sich als rechtschaffender Mensch in der Rolle des Bedrängten wiederfindet, wird Max eine gehörige Portion Bösartigkeit ins Drehbuch gelegt. Sicherlich entfalten sich beide Darsteller in ihren Rollen gleich gut, die des Max bietet aber wesentlich interessantere Züge. Max wird vorgestellt als kultivierter Lebemann, entpuppt sich aber schnell als abgesessener Gewaltverbrecher, der seine Rache an Sam in langen Zügen vorbereitet. Äußerlich hinterlässt er zwar einen unbescholtenen und gelassenen Eindruck, Mitchum versteht es aber prächtig, die Augen seinen Charakters dabei vor Hass nur so überquellen zu lassen. Zwar lässt sich auch von
De Niro behaupten, dass er Max im Remake die Fähigkeit verleiht, durch schiere Präsenz Angst zu verbreiten, nur meine ich, dass
Mitchum diese Eigenschaft weitaus subtiler zum Tragen bringt. Dieser Hass soll sich nicht etwa in körperlicher Gewalt entladen - dazu ist Max zu aalglatt und gerissen -, sondern soll seine Bestimmung in einem Psychospielchen finden, welches nur Anfangs harmlos erscheinen mag, schließlich bilden Max Gattin und seine Tochter genug Angriffsfläche, dieses Spiel auf einer höchst unfairen Spielwiese auszutragen.
Was
"Ein Köder für die Bestie" zum "must see" des Thriller-Fans macht, ist die lang vorbereitete Zuspitzung auf den Showdown und die Glaubwürdigkeit, mit der
Thompson seine Charaktere darstellt. So gerät Sam in eine prekäre Lage, in der ihm das Gesetz nicht helfen kann: Sein hartnäckiger Verfolger bleibt für die Polizei nicht greifbar, verhält sich aber mit Bedacht auffällig und selbst nachdem er ein Mädchen misshandelt, kann er nicht auf rechtlichem Wege zur Rechenschaft gezogen werden, da das Opfer unter der furchtbaren Angst vor Cadys Vergeltung nicht bereit ist auszusagen. Cady ist selbst mit finanzieller "Zuwendung" nicht beizukommen, schließlich handelt er aus schlichter Freude an der Genugtuung heraus, was ihn zu einem äußerst unberechenbaren Zeitgenossen macht. Das Thema, welches
"Ein Köder für die Bestie" hier anschneidet und sich zunutze macht, ist pikant und später selten derart packend umgesetzt worden: Was kann man gegen eine Person tun, die offensichtlich Schlimmes im Schilde führt, die sich aber nichts außer ihrer Anwesenheit nachweisen lässt.

Denn Verbrechen lassen sich nicht präventiv bestrafen, erst in ihrer Ausführung oder gar im Nachhinein kann die Justiz eingreifen und geltende Gesetze anwenden.
Während andere Regisseure an dieser Stelle vielleicht die Geduld daran verlieren würden, Max Bedrohung wieder und wieder darzulegen und die Reaktionen von Sam aufzuzeigen, zieht
Thompson dabei von Minute zu Minute die Spannungsschraube fester an und löst sie durch an
Hitchcock angelehnte, kurze Horrorszenen für kurze Zeit wieder, um danach die nächste Gemeinheit parat zu halten. Die Darstellung von psychischer Gewaltanwendung spielt dabei keine größere Rolle, eine Vergewaltigung bleibt nur angedeutet und selbst im Schlussteil mag man die Milde belächeln, mit der der Film sich selbst hier entschärft. Der Filmfan wird dies dem Werk kaum zur Last legen, viel reizvoller für den Spannungsaufbau sind doch die Andeutungen. Beispielsweise Max' unheilvolle Blicke gegenüber Sams junger Tochter Nancy schneiden das Thema der sexuellen Kindesmisshandlung an, welches in den 60ern sicherlich für Skandale gesorgt hätte, wären diese Andeutungen so weit ausgebaut worden wie in
Scorseses knapp 30 Jahre später erfolgtem Remake.
Thompson erwähnt dies als eine der Stellen im Film, an denen er sich sichtlich einschränken musste, um unbeschadet durch die damaligen Zensurinstanzen gelangen zu können. Bei der Bildsprache aber hatte er freie Hand, wählte sogar die s/w-Aufnahmetechnik (Farbaufnahmen etablierten sich in den USA bereits Anfang der 50er Jahre), da sie ihm stimmiger erschien und nach aktueller Betrachtung auch grimmiger als ein farbiger Film erscheint. Natürlich kann das Original in einigen Belangen nicht mit der Neuverfilmung mithalten, beispielsweise wenn es darum geht, den Showdown auf dem Boot vor stürmischer Kulisse zu inszenieren.
Thompson witzelt darüber:
"Ich hätte einen Sturm haben können, ohne dass der Zensor mich davon abhält." Doch auch hier ist ihm ohne Einsatz großartiger Special Effects ein packendes Zusammenspiel der Charaktere gelungen, deren Nerven bis zum Äußersten gespannt sind. Somit sind Original als auch das inhaltlich fast identische Remake gleichermaßen eine Empfehlung wert, was man nur von wenigen dieser Konstellation behaupten kann.


Das anamorphe Breitbild wurde wohl unter professioneller Aufsicht auf DVD gebracht. Verschmutzungen treten so selten auf, dass sie kaum wahr genommen werden und selbst das Rauschen wurde auf ordentlichem Wege eingedämmt. Es bleibt fein zurück, was mir aber wesentlich lieber ist, als wenn die Detailschärfe darunter zu leiden hätte. Diese ist altersgemäß auf einem guten bis teilweise sehr guten Niveau. Natürlich sind kleinere Details auf Gesichtern nicht mehr ganz so gut ersichtlich, insgesamt macht die DVD aber einen sehr plastischen Eindruck, weil vor allem die Konturen recht gut abgegrenzt sind, sieht man von etwas überscharf hervorblitzenden, feinen Linien ab. Störungen wie Nachzieher oder Ausfälle in der Kompression konnte man nicht beobachten und auch der Kontrast, ein sehr wichtiger Faktor in einem s/w-Film, vermittelt stets ein klares und

detailliertes Bild. Somit dürfte jeder Heimkinophile mit der visuellen Umsetzung dieses Meisterwerks mehr als zufrieden sein.
Überraschung beim Ton: Zwar gibt es in jeder Sprachvariante nur einen Monoton, die für den deutschen Sprachraum wichtigen Modi (also Englisch und Deutsch) verfügen aber über eine erfreuliche Klangqualität. Besonders der Originalton. Hier wurden einige Dialoge entweder neu aufgenommen oder hervorragend restauriert, so dass diese Passagen kaum 10 Jahre alt wirken. Sie besitzen dann ein erstaunliches Auflösungsvermögen und eine Klarheit, heben sich aber ein Stück zu viel von den qualitativ minderwertigeren Passagen ab, die immer mal wieder einwechseln. Beispielsweise ist das erste Gespräch zwischen Sam und Max auf dem Parkplatz wirklich brillant, der erste Satz in der gleichen Szene, bei der die Aufnahme etwas weiträumiger ausfällt, fällt dann aber leicht ab. Nichtsdestotrotz hat die englische Variante eine tolle Klangqualität, die in den Dialogen von der deutschen Synchro nicht ganz erreicht wird. Aber auch besteht kein Grund zur Klage, denn die Stimmen verzerren nur sehr wenig (aber kein Zischen, kein merkliches Rauschen), ein Manko, welches man bei einem 40 Jahre alten Film gern in Kauf nehmen wird, insgesamt ist diese Variante aber ein klein wenig leiser. Der Score ist in beiden Versionen sehr klar und nimmt das gesamte Frequenzband in Beschlag, was auch mal tiefe Basstöne hervorklingen lässt. Als weitere Anwahlmöglichkeiten stehen ein französischer, ein italienischer und ein spanischer Ton bereit, wobei diese alle nicht an den dt. und engl. Ton herankommen. Außerdem besitzt diese DVD Untertitel in 18 verschiedenen Sprachen, die sich direkt im Film anwählen lassen.


Das Making Of bietet zahlreiche Hintergründe zum Film an, da es von
Gregory Peck und
J. Lee Thompson gesprochen wird. Interessante Aspekte hierbei ist die Zensurproblematik, mit der der Film damals in den USA und in Großbritannien konfrontiert wurde, wie auch das Verhältnis des Regisseurs zum Remake. Ebenso gelungen ist die Galerie mit Produktionsfotos, welche kunstvoll Passagen aus dem Film mit Bildern verbindet und zum Ende hin Aushangfotos und weiteres Material zur Kinowerbung zeigt. Die Menuführung lies sich leider nicht auf Deutsch umschalten, so dass sowohl die Produktionsnotizen als auch die Biografien nur auf Englisch verfügbar sind. Der Trailer ist in Englisch (wie auch das Making Of wahlweise mit deutschem Untertitel) und weiterhin befindet sich ein DVD-ROM-Teil auf dieser Veröffentlichung mit ein paar Links und der Möglichkeit, sich in einen Newsletter einzutragen.


Was in vielen späteren Horrorfilmen so oft bemängelt wird, dass die Charaktere sich auf eigene Faust fern ab jedweder Möglichkeit von Hilfe bewegen, wird hier auf eine ganz andere Art praktiziert: Es scheint plausibel, dass Sam seine Familie schützen will, indem er zum Angriff übergeht. Ebenso nachvollziehbar ist der Grund, warum man sich dafür in eine eher abgelegene Gegend aussucht, die nicht viel mehr als ein Telefon zum nächsten Polizeirevier verbindet. Die beiden starken Hauptcharaktere werden den Zuschauer daher umso leichter in den Bann ihres psychopathischen Spiels ziehen können, welches hervorragend abgefilmt und mit einem unnachahmlichen Score von Bernhard Herrmann veredelt wird. Hier muss man einfach zugreifen, wenn man auf der Suche nach einem hervorragenden Thriller ist. Die DVD bietet erstaunlich gute Bildqualität, u.a. den Originalton und ein paar interessante Extras.