Wenn
Chuck Parello seinem Film schon in Anlehnung an
McNaughtons 1986er Serienkiller-Meisterwerk die Betitelung
"Henry - Portrait Of A Serial Killer Part 2" verleiht, dann muss er sich auch den Vergleich dazu gefallen lassen. Die Parallelen fallen vortrefflich ins Auge,
Parello versucht seine Geschichte aber leicht zu variieren und das grob als "Remake" einzuordnende Werk damit eigenständiger zu gestalten. Nun, in beiden geht es natürlich um eine schmutzige Schilderung der Begebenheiten um den bekannten Serienmörder
Henry Lee Lucas, beide beziehen sich aber nur auf einen kurzen Ausschnitt dessen Reise des Schreckens durch die Vereinigten Staaten, der aber ähnlich verläuft.
Wo
McNaughton bereits vom Wahrheitsgehalt abwich, um der Atmosphäre und Erzähldichte auf die Sprünge zu helfen, modifiziert
Parello die Handlung abermals, so dass für mich nicht mehr klar zu erkennen ist, an welchen Zeitraum des Lebens von Henry sich dieser Ausschnitt hier bindet. Es wird ihm auch hier wieder ein Charakter zur Seite gestellt, der ihn aufnimmt, sich bei sich wohnen lässt und zusammen mit ihm auf Mördertour geht, nur heißt dieser diesmal nicht
Otis Toole, sondern Kai. Die Ähnlichkeiten sind natürlich verblüffend, denn die Charakterisierung könnte in Teilen durchaus auf Otis zutreffen, selbst den Nebenhandlungsstrang um Kais Nichte Louisa könnte man mit
Becky Powell in Verbindung setzen. Henry erwähnt aber im Film, dass Becky bereits gestorben ist, vollführt somit die Verbindung vom ersten Film zu

diesem Teil und lässt die Möglichkeiten zu einer realen Einordnung verschwindend gering werden. Am ehesten läuft es wohl auf die zweifelhafte "Hand Of Death"-Episode hinaus, einer Sekte, der
Lucas und
Toole einige Zeit lang zugehörig sein sollten und verschiedene Auftragsmorde für diese erledigten.
Das alles mag wenig zu sagen haben für einen "Horrorfilm", es wird aber schon eins deutlich:
McNaughton inszenierte einen ambitionierten B-Movie, bei dem der Charakter Henry im Mittelpunkt stand,
Parello schafft es nur noch zu einem schlichten B-Movie, der die Hauptperson als Aufhänger für ein paar oder minder unterhaltsame Minuten nimmt und von dessen Popularität (im Sinne von Bekanntheitsgrad, man verstehe mich bitte nicht falsch) profitiert, sein Werk aber auch unter jedem x-beliebig anderen Titel hätte herausbringen können.
Dabei versucht er sich ebenso an der dreckigen, kalten Darstellung des Lebens von Henry im "white trash"-Milieu, der ausgehungert durch die Straßen zieht, nach Arbeit sucht und plötzlich in Otis (=Kai) einen guten Freund findet, mit dem zusammen er Gewaltverbrechen verübt. Für die Rolle des Henry fand sich hier der zurückhaltende agierende, ruhige
Neil Giuntoli, dessen unterkühlte, emotionslose Art vorerst interessant wirkt. Doch in denjenigen Szenen, in denen Henry wutentbrannt aus sich herauskommt, überchargiert Neil ein wenig, beispielsweise bei der kaltblütigen Hinrichtung des Scheibenputzers. Der Mann zieht dabei wirklich ein Gesicht, als würde er sagen wollen "Ich bin soooo böse!". Nötig ist das, denn der wenig bedrohlich wirkende
Giuntoli erreicht weder Körpergröße noch Ausstrahlung seines Vorgängers
Michael Rooker, der eine wesentlich intensivere Vorstellung abgab. Für die anderen Darsteller kann ich weder eine gute noch schlechte Bewertung abgeben, hier liegt nicht wirklich was im Argen, außer dass man manche Dialoge vielleicht ein wenig zu platt konstruiert hat. Sowohl Kai als auch seiner saftig-blonden Frau Cricket und der bereits erwähnten Louisa macht es kaum Mühe, die niedergeschlagene Stimmung in ihren Rollen umzusetzen (ich bin kein Fachmann, aber bedarf es dazu viel?), durch besonders mitreißende Stimmungen fällt aber keiner auf.
Die gibt es ohnehin nur selten, denn die mit fortlaufender Spielzeit immer blutiger werdenden Morde (zweifelhafter Höhepunkt: Einem Mann wird der Kopf komplett abgeschnitten) sind nicht ganz so morbid in Szene gesetzt wie beim Vorgänger. Es reicht aber, um den Zuschauer abermals zu verstören, wenn man der schockierenden Ermordung von zwei Jugendlichen beiwohnt, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren, oder vorgezeigt bekommt, mit welcher Arglosigkeit das Gespann des Abends wahllos ihnen fremde Menschen verprügelt, nur um sich abzureagieren. Der Schockeffekt tritt hierbei vor die psychologische Eindringlichkeit des ersten Teils, was wohl auch daran liegen mag, dass nicht mehr der pseudodokumentarische Stil Verwendung fand, sondern ein reiner Spielfilm konzipiert wurde.
Im Vergleich zum ersten
"Henry" hat sich kaum was Positives beim Bild getan. Die Farbgebung hat sich gebessert, ist aber immer etwas schwach, weil auch der Kontrast zu dunkle Bilder abzeichnet und eine gerade mal befriedigende Detailzeichnung zulässt (Grau- statt Schwarzwerte). Besonders die Detailschärfe ist mangelhaft - und zwar durchweg. Sie verliert in Bewegungen sogar noch etwas an Qualität, da hier die Konturen nachziehen. Von einem klaren Bild kann man also zu keinem Zeitpunkt sprechen, Fehler gibt es weniger zu betrachten. Die Kompression verhält sich dabei recht seltsam. Im Bildlauf gesehen pumpt sie leicht durch Artefakte bedingte Bildbewegungen. Schaut man sich das Geschehen mal in Zeitlupe an, sieht man, dass sich heftig verrauschte und Artefakt behaftete Bilder mit weichen, aber trotzdem blockigen Einzelbildern

abwechseln. Die schlimmste Nachricht zuletzt: Schaut man sich den Trailer im Widescreen-Format an, wird man bemerken, dass der Hauptfilm keine Open Matte-Version ist, sondern aus einem Pan&Scan-Verfahren entstand, dem es am linken und rechten Rand oft an Bildinformationen fehlt. Dies wird weniger dadurch deutlich, dass etwas Personen gänzlich im Off stehen, dafür wirken die Widescreen-Bilder des Trailers aber auch wesentlich offener.
Auch hier werden wieder ein recht unnützer Dolby Digital 5.1EX mit zusätzlichem Backkanal und ein DTS 5.1-Ton angefertigt, wobei beide zwar ein ordentliches Klangbild bieten, aber wenig für die Surround-Lautsprecher tun. Im Vergleich dazu ist die englische Dolby Surround-Spur sogar eine räumliche Wohltat, hier wird wenigstens die Musik in angemessener Lautstärke von den Rears wiedergegeben. Die Dialogverständlichkeit ist in beiden Sprachen gut, die deutsche Version hallt leicht, dafür ist die Englische minimal verrauschter, aber auch klarer in der Klangumgebung und es stehen deutsche Untertitel zur Anwahl bereit. Der DTS-Ton ist im Vergleich zu DD5.1 mal wieder nur etwas lauter, bringt also keinerlei Vorteile.


Das Menu wurde für diese DVD nett animiert und man wird durch die Kammern einer Leichenkammer geführt. Thematisch wertvoll ist auch die Animation im Hauptmenu, die sämtliche Morde aneinander reiht und in der linken unteren Ecke eine Art "death counter" anzeigt. Davon bekommt man anscheinend längere Versionen zu Gesicht, was das als Interview versteckte Making Of weiter beweist: Der Film wurde offensichtlich in vielen Mordszenen um explizite Details erleichtert, möglicherweise schon im US-Verleih, um ein R-Rating zu erreichen. Gut, einige Effekte erweisen sich als billig, andere hätten dem Gorehound sicherlich Genüge getan. Zwischendrin kommen die u.a. die beiden Hauptdarsteller zu Wort, es werden Aufnahmen vom Set gezeigt und im Speziellen wird auf die abschließende Hausexplosion eingegangen, auf die man anscheinend mächtig stolz gewesen sein muss - gemessen an der Gewichtung im Making Of. Für die Interessierten liegen Biografien der Darsteller bereit, besonderes Augenmerk hat aber die 11seitige Biografie von
Henry Lee Lucas verdient. In 5 Goofs werden einleitend per Texttafel die Filmfehler erläutert und anschließend per Minisequenz gezeigt - eine gute Sache. Weiterhin gibt es fast 10 Trailer (einen zum Film) und einen DVD-ROM-Part. Dieser enthält einen lausigen Screensaver (Bilder werden viel zu stark aufgezoomt und sehen daher scheußlich aus), aber auch eine interessante Bildergalerie von
Lucas, Toole und
Powell und eine Hand voll Links zu themenrelevanten Seiten im Internet. Eine ganz gute Leistung für einen B-Film mit leichten Schnitzern in der Qualität, beispielsweise deutlich hörbar beim blechern verzerrenden Soundtrack in der Menuführung.
Nicht nur der richtige Hauptdarsteller fehlt hier, auch die rohe, unmenschliche Atmosphäre erreicht der unter dem Titel
"Henry - Mask Of Sanity" veröffentlichte Streifen nicht ganz. Wenn man die Vergleiche aber mal zur Seite nimmt, erwartet uns ein düsterer B-Movie mit allem was dazu gehört, sei es die kompakte Geschichte, ein gewisses Maß an expliziten Gewaltdarstellungen oder auch ein wenig Action. Mann hätte es sehr viel billiger und schlimmer angehen können, denke ich, viele der extrem negativen Meinungen über dieses Werk halte ich daher auch für überzogen. Die deutsche DVD hat mal wieder ein unterdurchschnittliches Bild, was wirklich schade ist. Zumindest die Ton- und Bonusausstattung stimmt einigermaßen.