Ich erinnere sehr genau daran, wie in meinem Freundeskreis das Gerücht von einem übermäßig brutalen Film die Runde machte. Allein der Titel "Blutgericht in Texas" schien auf ein ultraderbes Werk hinzuweisen. Ein weiteres mal kam ich mit dem Titel in Berührung, als ich mir das katastrophale "Lexikon des Horrorfilms" von Ronald M. Hahn und Volker Jansen zulegte, in dem von einem wahren Schundwerk bestehend aus Brutalitäten die Rede war. Ziemlich schnell fand ich heraus, dass dieser Film zudem in Deutschland verboten wurde und die Möglichkeit einer Sichtung sich in Grenzen halten würde. Manchmal braucht es aber nur etwas Zeit und Glück und so kam der Tag als ich die Chance erhielt mir diesen mittlerweile legendären Tobe Hooper-Film anzusehen. Das, was ich sah, war auf den ersten Blick sehr ernüchternd, denn die blutige Brutalität, die ihm nachgesagt wurde, konnte ich nicht vorfinden. Stattdessen bekam ich einen sehr düsteren und fast schon einzigartigen Film präsentiert, der wirklich ein Meilenstein im Horrorgenre ist. Im Nachhinein fand ich heraus, dass diejenigen in meinem damaligen Freundeskreis, die von dem Titel sprachen, den Film selbst nie wirklich zu Gesicht bekamen und ebenfalls nur über Dritte vom "Blutgericht in Texas" hörten. Auch das "Lexikon des Horrorfilms" stellte sich als große Pleite heraus, denn lediglich die Auflistung diverser Namen war wirklich interessant, die Texte zu erwähnten Filmen waren es nicht wert, gelesen zu werden.
Nun aber zum Film selbst, der statt übermäßigem Goregehalt auf eine nihilistische und bedrohliche Atmosphäre setzt. Was Hooper schuf, ist wirklich einzigartig, denn bedingt durch die Geräuschkulisse, der Kameraführung und der Kulisse bekomt man wahrlich ein herausragendes Ereignis geboten. Dabei gibt sich die Grundgeschichte sehr einfach: fünf junge Leute, zwei Frauen und drei Männer, befinden sich auf der Durchreise. Unterwegs nehmen sie einen Anhalter mit, der sich schon nach kurzer Zeit als krankhafter Psycho herausstellt. Nachdem er den am Rollstuhl gefesselten Franklin mit einem Messer attackierte, können sie den Anhalter in einem Handgemenge aus dem Auto werfen - der Grundstein für ein perfides Psychospiel ist also gelegt. Nachdem dem Reiseunternehmen in der Weite von Texas der Sprit ausgegangen ist und sich die Gruppe nach Hilfe umsieht, erreichen zwei der fünf ein einsames, etwas heruntergekommenes Landhaus, in dem sie mit Leatherface und seiner degenerierten Familie Bekantschaft machen. Als die beiden nicht wieder zurückkehren, begibt sich auch der Rest der Gruppe auf den Weg, um ihre Freunde zu finden. Aus dieser Suche wird jedoch ein Odyssee in die Abgründe der Menschlichkeit ...
Zwar ist "Blutgericht in Texas" nicht mit Goreeffekten bestückt, doch eines ist Hoopers Film definitiv: kompromisslos und hart! Vieles geschieht nur im Hintergrund oder als Schatten angedeutet; der Zuschauer darf sich selbst die Schrecken ausmalen, die da angedeutet werden. Der Psychotrip geht an die Substanz, denn der Betrachter leidet förmlich mit, wenn es den Protagonisten an den Kragen geht. Die ersten vier davon sind nicht mehr als einfaches "Schlachtvieh" in diesem Film, der (bzw. die) fünften wird allerdings größere Aufmerksamkeit zuteil: Sie bekommt die volle Härte des psychischen Spielchens zu spüren.
Gekonnt setzt Hooper das Drehbuch, das er zusammen mit Kim Henkel schrieb, auf 16mm um. Ohne Längen lässt er die 80 Minuten konstant spannend und nervenzerreißend auf sein Publikum los. Selbst die gemächliche Einstimmung lässt bereits erahnen wie sehr kurze Zeit später die Spannungsschraube angezogen wird. Zwar ist die 1974er Produktion heut schon etwas angestaubt und im Vergleich zum Gore-Spektakel, welches das 2003er Remake vom Stapel ließ, relativ harmlos, doch die dreckige und verstörende Atmosphäre des Originals wurde später nur selten noch erreicht.
Daraus resultiert zurecht ein Genre-Klassiker, der mit dieser Jubiläumsedition für das Heimkino perfektioniert wurde. Besser als in diesem auf 5000 Stück limitierten DigiPak wird "Blutgericht in Texas" bzw. "The Texas Chainsaw Massacre" vorerst nicht aussehen. Leider muss man dieses gute Stück noch bei unseren Nachbarn in Österreich erwerben, da Hoopers Meisterwerk in Deutschland immer noch beschlagnahmt ist. Vorsorglich wurde zumindest schon mal unter SPIO/JK-Kriterien geprüft, und diese bescheinigten den Film "Keine schwere Jugendgefährdung". Bleibt also abzuwarten, ob auch der deutsche Kunde in den Genuss dieser Veröffentlichung kommen wird. Ansonsten heißt es eben importieren. Grandioser Film und eine grandiose Veröffentlichung - ein echtes Geschenk an die Fans!
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