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USA 1999
Originaltitel:Blair Witch Project, The
Länge:77:37 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Daniel Myrick, Eduardo Sánchez
Buch:Daniel Myrick, Eduardo Sánchez
Kamera:Neal Fredericks
Musik:Tony Cora
Darsteller:Heather Donahue, Joshua Leonard, Michael C. Williams, Bob Griffith, Jim King, Sandra Sánchez, Ed Swanson, Patricia DeCou
Vertrieb:Kinowelt
Norm:PAL
Regionalcode:2
DVD-Start:09.05.2000 (Kauf)



Inhalt
Am 21. Oktober 1994 brechen die drei Filmstudenten Heather Donahue, Michael Williams und Joshua Leonard in den Blackhill Forest in Maryland auf. Dort wollen sie einen Dokumentarfilm über eine legendäre Spukgestalt drehen, die sogenannte Hexe von Blair. Man hört nie wieder von ihnen ... Ein Jahr später wird ihr Filmmaterial gefunden. Die erhaltenen Filmaufnahmen sind ihr Vermächtnis. Sie zeigen die letzten Tage der Filmemacher, ihre quälende fünftägige Wanderung durch den undurchdringlichen Wald und die Grauen erregenden Vorgänge, die zu ihrem Verschwinden geführt haben ...

Bild
Format1,33:1 (Vollbild)
NormPAL
 99% des Films wurden mit einer Videokamera bzw. auf 16mm aufgenommen, sind also nur bedingt für eine Auswertung auf DVD vorbereitet. Gerade die Video-Aufnahmen, die den größten Löwenanteil übernehmen, zeigen die Schwächen des Aufnahmeprozesses, die man oft in Amateurproduktionen zu Gesicht bekommt. Neben deutlichen Farbabschwächungen, einem überhellenden Kontrast und einer im besten Falle durschnittlichen Schärfe fällt das Ghosting in Bewegungen auf, welches vermutlich aus der Halbbildaufnahme entstand, aber lang nicht so schlimm ist wie das, was man manchmal bei Filmen asiatischer Herkunft vorgesetzt bekommt. Letztlich sind die offensichtlichen Problemchen des Transfers im Original-Vollbild aber auch dessen Stärken, denn nur so wird verständlich, dass die Aufnahmen wirklich von einem Amateurfilm-Team im Zuge einer Dokumentation entstand. Die s/w-Aufnahmen der 16mm-Kamera besitzen eine subjektiv bessere Qualität, einfach weil die Farbmängel nun einem stilvollen Aussehen weichen.
 +++/--

Ton
FormateDolby Digital 5.1 (Deu), Dolby Surround (En)
SpracheDeutsch, Englisch
UntertitelDeutsch
 Mit einigen Raffinessen versehen und in echtem 5.1 abgemischt besitzt der deutsche Ton zwar einige Vorteile gegenüber dem Original, aber besser ist er dadurch auch nicht. Die Problematik lässt sich leicht erklären, denn "Blair Witch Project" ist keine Studioproduktion, sondern nahezu eine Dokumentation, die von den Tücken eines im realen Umfeld aufgenommenen Tons lebt. Das kommt im Deutschen nur bedingt zur Geltung, denn allein die Synchro lässt sich einfach nicht an den manchmal etwas verzerrenden und sich stellenweise ausblendenden Originalaufnahmen messen, die das Geschehen wesentlich intensiver vermitteln können. Das Surround-Vermögen im Original ist sehr schwach ausgeprägt und spielt fast keine Rolle. Dort setzt die deutsche 5.1-Version an, denn es wurden deutlich ein paar Effekte hinzugemischt, die dann Gebrauch von den hinteren Lautsprechern nehmen. Der Angriff im Zelt ist zum Beispiel etwas gewaltiger abgemischt als im Original, auch wenn "Blair Witch Project" die meiste Zeit über eine sehr direkte, schnörkellose Vertonung besitzt. Den Großteil muss deswegen der Center übernehmen, wobei es gut gelingt, die vielen kleinen Geräusche der Umgebung hervorzuheben und damit zu überzeugen. Aufrüttelnde Bass- oder Hochtonpassagen besitzt der Film ebenso wenig wie eine fordernde Dynamik, da alles möglichst "echt" klingen soll. Fans des Filmes bzw. des kleinen Genres, das der Film damals aufspannte, werden sich natürlich den O-Ton anhören (evtl. mit deutschen Untertiteln), der einfach ein wesentlich authentischeres Gefühl vermittelt - und darauf kommt es hier an!
 +++/--

Extras
Extras
  • 4seitiges Booklet
  • Audiokommentar
  • DVD-ROM-Teil mit Computerspiel
  • Interview mit Daniel Myrick und Eduardo Sánchez (11:47 Min.)
  • Neu entdecktes Filmmaterial (5:07 Min.)
  • Dokumentation: "Curse Of The Blair Witch" (43:35 Min.)
  • Filminfos:
    • Produktionsnotizen (14 Seiten)
    • Der Mythos (13 Seiten)
  • Trailer:
    • Existenz (1:59 Min.)
    • Chucky und seine Braut (1:27 Min.)
    • Der talentierte Mr. Ripley (2:43 Min.)
VerpackungKeepCase
 Bei der Erarbeitung der DVD hat sich Kinowelt nicht lumpen lassen - zumindest beim vom PC erreichbaren Teil. Mal etwas anderes ist nämlich das kleine Flash-Spiel auf der Disc, bei dem man durch das Sichtfeld einer Kamera das alte Haus inspiziert. Dort stößt man auf allerlei Informationen zur Hexe, zu den drei Verlorengegangenen und somit wird die Geschichte auf wunderbare Weise weitergesponnen. Durch die Musikeinspielungen und unheimliche Geräusche wird zudem eine tolle Atmosphäre erreicht.
Auch der Audiokommentar ist eine lustige Angelegenheit mit den Produzenten Robin Cowie, Gregg Hale und Michael Monello sowie den beiden Autoren bzw. Regisseuren Daniel Myrick und Eduardo Sánchez. Es geht hier vor allem um den Spaß in der Runde und nicht so sehr, jede Einstellung zu erklären, was im Geplapper eh untergehen würde. Leider fehlen deutsche Untertitel. Mit den beiden Hauptverantwortlichen Myrick und Sanchez wurde auf einem Filmfestival auch ein lockeres Interview geführt. Bevor die beiden die ihnen überreichte McDonalds-Tüte plündern, erzählen sie viel, wie ihre Zusammenarbeit entstand und - das dürfte eines der interessantesten Fakten des Films sein - wie man mittels der Webseite die Idee zu einem Mysterium entwickelten, dass sich irgendwann als Promotionsmaschine erwies. Das neu entdeckte Filmmaterial ist unspektakulär und enthält lediglich eine längere Szene, die im Zelt gedreht wurde, als noch alle drei Protagonisten beieinander waren. Dort wird darüber diskutiert, was da draußen auf sie lauern könnte: vielleicht Hippie-Kommunen, die in den 60ern im Wald gehaust haben und noch immer dort existieren? *lach*
Ganz besonders interessant ist aber die Dokumentation, die kaum etwas gemein hat mit üblichen Retrospektiven auf einen Film. Stattdessen handelt es sich dabei um eine Dokumentation, die das rätselhafte Verschwinden des dreiköpfigen Filmteams im Wald zum Thema hat. Wer "Blair Witch Project" vorher noch nicht gesehen hat - und es sieht so aus, als ob diese Doku vor dem eigentlichen Film als Anheizer erschien -, der wird den sehr authentischen Interviews und den jeweiligen Nachrufen sicherlich auf dem Leim gehen. Neben Angehörigen werden Polizeikräfte und Radionews zitiert, aber auch Historiker bis hin zu einem Hexer dürfen sich einbringen. Das klingt zwar ein wenig lächerlich, ist es aber ganz und gar nicht, weil die dreiviertel Stunde Spielzeit wie eine sehr gute "X-Factor"-Folge aufgebaut ist, nur dass man kaum noch erkennt, dass hier alles fingiert ist. Die Texttafeln unter "Filminfos" verstärken den Eindruck noch, dass man es mit einem außergewöhnlichen, weil sehr unkonventionellen Film zu tun hat. Im Gegensatz zum Audiokommentar bieten die restlichen Extras deutsche Untertitel und sind in eine stimmungsvolle Menuführung verpackt.
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Fazit
Man kann von dem Hype rund um diese Pseudo-Dokumentation halten was man will, letztendlich zählt nur die eigene Erfahrung im Kino/Fernsehsessel.
Natürlich ist es uns lang und breit um die Ohren geschlagen worden, wie gut die Legende von der Hexe von Blair im Internet eingeschlagen und wie gut konstruiert dieser Mythos Wirkung gezeigt hat. Doch als Film, noch dazu im Original, lässt er doch einiges zu wünschen übrig. Dabei krankt er weniger an der Idee und ihrer Durchführung und weist auch durchaus gute Darsteller aus, die, größtenteils völlig unbekannt, tatsächlich einen beachtlichen Eindruck machen. Es zeigt schon Wirkung, das angebliche Schicksal dreier Studenten nachzuverfolgen, die spurlos verschwunden sind und deren Videomaterial man jetzt wiederentdeckt hat. Doch es beschleicht einen das Gefühl, dass einige gute Sequenzen aus den Aufnahmen gar nicht den Sprung in die Endfassung geschafft haben.

So kommt der Internetmythos rund um die Hexe, die unheimlichen Ereignisse und die Massenmorde viel zu kurz, bloße Interviewschnipsel mit den Stadtbewohnern am Anfang des Materials verwirren den webunkundigen Zuschauer noch mehr, als das sie ihm einen Leitfaden mit auf den Weg geben. Auch später, während des Irrmarsches durch die zugegeben spukige Waldlandschaft, bleibt man auf seinen Erwartungen sitzen. Die drei Darsteller präsentieren zwar beeindruckende Portraits psychisch vollkommen überlasteter Wanderer, liefern aber keine Erklärung dafür, wie intelligente, gut ausgerüstete junge Leute so schnell die Fassung und die Hoffnung verlieren können. Die drei verwandeln sich dank des Zusammenschnitts in Rekordzeit in wimmernde bzw. aufeinander losgehende Nervenbündel, die letztendlich nichts anderes verdient haben, als sich auf ewig zu verlaufen. Auch die aufgenommenen Effekte sind nur wegen der Unausweichlichkeit der Protagonistenschicksale beeindruckend, ansonsten sind die Holzbasteleien wenig gruselig, die nächtlichen Töne kaum angstfördernd, die Panik der Darsteller leicht übertrieben.
Darüber hinaus wird niemals eine Erklärung für die gezeigten Phänomene angeboten, wirkt das Ganze doch mehr wie ein Streich einer Gruppe Dörfler oder das perfide Spiel eines intelligenten Psychopathen, was die ständigen Diskussionen über die Hexe ad absurdum führt. Zuschauer, die gerne gezeigt haben möchten, was wirklich vor sich geht/ging, sind hier auf dem falschen Kanal. Raten ist stattdessen angesagt, endlich ein Film, über den man sich totdiskutieren kann.
Zum Glück dreht er dann gegen Ende die Spekulationsspirale voll auf und presst dem Zuschauer in den letzten Szenen in der Hausruine wirkliche Aufmerksamkeit ab, wenn das weinerliche Muffegehen der drei nicht schon jegliches Interesse abgetötet hat. Tatsächlich würde ich den Film allein wegen der letzten Sequenzen noch einmal sehen, doch reicht die Abschlussmontage nicht für einen Gang in die Videothek. Damit steht der Film relativ haltlos irgendwo in der Luft, ein interessantes, aber sinnloses Filmwerk, dass unabhängig vom Internet sich selbst nie genügen kann. Als Experiment spende ich jedoch trotzdem gebührenden Beifall, kann mich eines "Ja? Und? Was nu?" im Anschluss nicht erwehren. Durchschnittskinogänger wird der Film natürlich tief erschüttert haben (oder unsäglich genervt), Horrorfans (gerade die jüngeren) werden zumeist von den Socken sein, weil atmosphärischer Horror heute eher eine Seltenheit ist.

Ich jedoch, nach breit gefächerten Erfahrungen mit der gesamten Horrorfilmgeschichte, schätze unter dem Strich mehr den zweiten Film, der zwar im Negativhype unterging, an dem man aber besser herumnagen kann, was Spekulationen angeht. Darüber hinaus informiert er wesentlich besser über den Umfang der gesamten Legende. Natürlich hat auch er seine Schwächen (sogar eklatante, siehe Review), doch wenigstens habe ich nicht das Gefühl, einem Hype mit auf den Leim gegangen zu sein. The Great Blair Witch Swindle - bedingt genießbar.



Bilder der DVD




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Blair Witch 2
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