UK 1957
Originaltitel:Night of the Demon
Alternativtitel:Curse of the Demon Haunted
Länge:95:38 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Jacques Tourneur
Buch:Charles Bennett, Hal E. Chester
Kamera:Edward Scaife (als Ted Scaife)
Musik:Clifton Parker
SFX:George Blackwell, Wally Veevers
Darsteller:Dana Andrews, Peggy Cummins, Niall MacGinnis, Maurice Denham, Athene Seyler, Liam Redmond, Reginald Beckwith, Ewan Roberts, Peter Elliott, Rosamund Greenwood, Brian Wilde, Richard Leech
Vertrieb:Anolis
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:1,66:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover und Sammelschuber
Blu-ray-Start:26.02.2016 (Kauf)
Bonus:
  • 20-seitiges Booklet mit einem Text von uwe Sommerlad
  • Sammelschuber
Disc 1: Blu-ray
  • Amerikanische Kinofassung "Curse of the Demon" (81:35 Min., 1080p)
  • Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
  • Dokumentation: "Speak of the Devil" (20:02 Min., 1080p)
  • Super-8-Fassung (8:25 Min., 1080p)
  • Englischer Kinotrailer (2:15 Min., 1080p)
  • Braunschweiger Filmfest Programm (1:40 Min., 1080p)
  • Bildergalerie (0:53 Min., 1080p)
Disc 2: DVD
  • Hauptfilm in SD (91:49 Min.)
  • Amerikanische Kinofassung "Curse of the Demon" (78:20 Min.)
  • Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
  • Dokumentation: "Speak of the Devil" (19:14 Min.)
  • Super-8-Fassung (8:05 Min.)
  • Englischer Kinotrailer (2:09 Min.)
  • Braunschweiger Filmfest Programm (1:36 Min.)
  • Bildergalerie (0:51 Min.)
Der amerikanische Psychologe John Holden trifft in England ein, um dort mit einigen Kollegen die Aktivitäten eines Teufelskultes unter der Leitung des charismatischen angeblichen Hexenmeisters Karswell aufzudecken. Dort erfährt er, dass Professor Harrington, der an dem gleichen Projekt arbeitete, jüngst unter schrecklichen Umständen ums Leben gekommen ist. Obwohl Karswell ihn warnt, obwohl merkwürdige Vorfälle sich häufen und scheinbar jeder – einschließlich Harringtons hübscher Tochter – fürchtet, dass die Bedrohung sehr viel realer ist, als er es sich vorstellen kann, arbeitet Holden unbeirrbar weiter daran, Karswells Methoden der Massensuggestion zu entlarven. Derweil läuft gnadenlos die Frist ab, die Karswell ihm gewährt hat, bevor ihn das gleiche Schicksal ereilt wie seinen Kollegen Harrington ...
Im DVD/Blu-ray-Zeitalter hat sich schon so manche Perle, die selbst auf VHS einem großen Publikum nicht immer zugänglich war, der Käuferschaft erschlossen. Es gibt aber hier und da immer noch den einen oder anderen Klassiker, den man eben nicht an jeder Ecke präsentiert bekommt. Einer der wenigen, wirklich bedeutsamen Gruselfilme, die das noch betrifft, vor allem in Deutschland, ist Jacques Tourneurs "Night of the Demon", den es zwar in einer deutschen Fassung gab, um den sich aber niemand zu kümmern schien. Bis heute …

Das wir erst so spät in den Genuss kommen, ist um so bedauerlicher, da er einer der wenigen Gruselfilme ist, die das Prädikat auch wirklich verdient haben. Allerdings ist einem größeren Bekanntheitsgrad hinderlich, dass seine Produktion in eine Zeit fiel, in der kaum ähnliche Werke produziert wurden, sondern die Welt von mutierten Insekten und angriffslustigen Außerirdischen fasziniert war.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

Tourneur war auf dem Gebiet des Horrors nicht unbeleckt, im Gegenteil, er hatte bis Mitte der 40er Jahre eine ganze Reihe von Gruselfilmen für Val Lewton inszeniert und dabei Meilensteine wie "Katzenmenschen" oder "Ich folgte einem Zombie" erschaffen, die auch heute noch ihr Publikum durch die düstere, unheimliche Stimmung und die schattig durchkomponierten Bilder begeistern. Danach hatte Tourneur sich dem "Film Noir" und Thrillern sowie Abenteuerfilmen zugewandt, doch in gewisser Weise stand ihm ein Meisterstück noch bevor. Dies bot sich mittels der Verfilmung einer der berühmten Geistergeschichten des britischen Kirchenfachmanns Montague Rhode James, der in den ersten drei Jahrzehnten des Jahrhunderts wie nebenbei zu seiner Lehrtätigkeit drei Dutzend Geistergeschichten veröffentlicht hatte, die auch heute noch von Rang und Namen sind, allein verfilmt wurde bis damals kaum eine davon.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

Zu James berühmtesten Werken zählt sicherlich die Vorlage für "Night of the Demon", nämlich "Casting the Runes" oder "Drei Monate Frist", die Geschichte eines Literaturprofessors, der das Werk eines Satanisten verreißt und sich damit dessen Zorn zuzieht. Der finstere Autor übergibt ihm unbemerkt ein Papier mit Runen und legt so eine Fluch auf den Professor, der sich zunehmend verfolgt sieht und seltsame Botschaften bekommt. Um dem Schicksal seines Vorgängers zu entgehen, muß er dann das Pergament zurückgeben, was natürlich nicht im Sinne des Absenders ist, der sich zu schützen weiß. James Geschichte findet sich im großen Ganzen in diesem Film wieder, auch wenn gewisse Nuancen verändert wurden und das alles zu einer eher konventionellen Konstruktion zusammengebaut wurde. Allerdings beruhen die Veränderungen zum Teil auch auf dem Einfluß des Produzent Hal E.Chester, der sich in die meisten seiner Filme einzubringen versuchte und auch hier den Autor Charles Bennett beeinflußte.

So ist nun hier ein Amerikaner ein Ziel des Fluchs, ein Enthüller von Scharlatanen zu Besuch auf einem Kongress in London, der nach dem Ableben eines Kollegen dessen Tochter kennenlernt und ebenfalls in Besitz des Pergaments kommt und die Folgen spürt. Obwohl man auf eine konventionelle Liebesgeschichte verzichtete, pfropfte man dem Geschehen noch eine Nebenhandlung auf, nach der die Runen auch in Stonehenge zu besichtigen waren und schon für einen einfachen Farmer zum Verhängnis wurden, der sich in einem katatonischen Zustand befindet, während er auf seine Mordanklage wartet.
Der Kern der Story bleibt jedoch enthalten: der kantige Dana Andrews gibt den ewigen Zweifler, dessen Wahrnehmung zunehmend außer Kontrolle gerät und der bemüht ist, alles rational zu erklären. John Holden kehrt trotz gegenteiliger Anzeichen immer wieder zu seiner alten Position zurück, während die Tochter des ersten Opfers hier die Gläubige ist. Der Widerpart ist der sinistre Karswell, mit ungemeiner Finesse und gebremster Hinterhältigkeit gespielt von Niall MacGinnis, der mit seiner alten Mutter auf einem Landsitz residiert und der scheinbar aus dem Nichts ein Gewitter ausbrechen lassen kann.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

Tourneur ist in Hochform in diesem Werk, er schafft eine stete, diffuse Stimmung der Bedrohung, die aus dem Nichts zu kommen scheint und zitiert noch einmal sein großartiges Licht- und Schattenspiel aus "Katzenmenschen". Immer wieder wird die Handlung durch Szenen der Verunsicherung durchbrochen: das Gewitter, das aus dem Nichts ein Kinderfest zerstört; ein aus dem Nichts erscheinender Leopard; Andrews, der sich in labyrinthartigen Hotelfluren mit identischen Türen verirrt, seine flimmernde Wahrnehmung, als ihm das Pergament überreicht wird, nicht zuletzt die versuchte "Flucht des Pergaments", als er es schließlich entdeckt. Selbst eine alberne Sequenz wie die ungewollte Seance gewinnt durch die Stimme des ersten Opfers, wie er die letzten Sekunden seines Lebens rekapituliert: "It’s in the Trees. It’s coming ..." schreit die Stimme, ein Zitat, das Geschichte machte.

Größter Diskussionspunkt des Films ist und bleibt das Auftauchen des Dämons an sich, der in lediglich zwei Szenen überhaupt auftaucht. Angeblich wollte Tourneur den Dämon nie zeigen und die Erscheinung wird Chesters Einfluß zugeschrieben, aber das scheint Legende zu sein. Und es wäre auch schade gewesen, denn gerade die beiden Auftritte des Höllenwesens gehören zum Besten, was das Horrorkino zu bieten hat. Zunächst erscheint aus dem Nichts in der Höhe eine Licht- und Feuerwolke, aus der sich langsam die herangleitende Silhouette des geflügelten Dämons schält, der fast nur aus Maul und Hörnern zu bestehen scheint. Unerbittlich nähert es sich seinem Opfer, das sich beim zweiten Mal zwischen der Hölle und einem heranrasenden Zug befindet, der die gleichen Begleiterscheinungen (Heulen und Dampf) mit sich führt. Dazwischen ist der Film nicht so optisch eindeutig und gerade diese Gegensätze geben ihm seine besondere Qualität.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

Sicher, nichts ist ohne Makel. Der Handlungsstrang um den Farmer ist letztendlich bedeutungsarm und wurde für den US-Release dann auch aus dem Film gekürzt (der so 14 Minuten kürzer, aber auch straffer wurde), was sich insofern nicht schlecht anfühlt, als das Andrews nicht unbedingt die beste Besetzung für John Holden war. Zu reserviert und zu ruhig nimmt er sich der unheimlichen Vorfälle an, die Mimik begrenzt und doch eher poltrig wie in den Filmen der schwarzen Serie, die ihn zum Star machten. Wirklicher Zeitdruck (die drei Monate Frist der Geschichte werden im Film zu zwei Wochen und der größte Teil entfällt auf die letzten 48 Stunden) kommt durch das Bremsen Andrews leider nicht auf, nur die optisch beeindruckenden atmosphärischen Sequenzen retten den Film auf Klassikergebiet. Das und die Leistung von MacGinnis, der eine wirklich beeindruckende Erscheinung abgibt. So gibt es mit "Night of the Demon" für Genreliebhaber eine Menge zu entdecken, viele kleine spektakuläre und gruslige Kleinigkeiten, die sich zu einen düsteren, geschlossenen Ganzen komprimieren.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

"Der Fluch des Dämonen" stellt der Auftrag zur "Die Rache der Galerie des Grauens", der dritten Staffel der beliebten Anolis-Reihe dar. Besser kann man die Galerie nicht weiterführen, denn mit einer Veröffentlichung dieses Titels hat nun wirklich niemand mehr gerechnet. Ausgeliefert in einer DVD-KeepCase, gibt es ein FSK-Wendecover, ein 20-seitiges Booklet sowie die HD- und SD-Version des Films. Aber sprechen wir erst einmal über die Blu-ray und den HD-Transfer. Dieser kann sich sehen lassen und zeigt das Bild im Format von 1,66:1, kodiert als MPEG-4. Das Schwarzweißbild bietet einen gute Kontrastwert und kann helle als auch dunkle Bildbereiche sauber differenzieren. Nur selten überstrahlen helle Bildbereiche etwas – störend ist dies aber nicht. Die Schärfe ist auf einem guten Niveau und kann mit einer ordentlich Detaildarstellung aufwarten. Vor allem Nahaufnahmen profitieren vom HD-Transfer und heben die BD deutlich von der DVD-Variante ab. In Bewegungen schlägt sich das Bild auch tapfer, zeigt in Außenaufnahmen aber hin und wieder leichte Unschärfen. Dafür zeigt sich das Bild gerade in Innenaufnahmen angenehm plastisch und bietet saubere und knackige Konturen. Leiglich die Kompression könnte ein Spur sauberer arbeiten, was man anhand der Screeshots sieht. Ansonsten treten nur selten Defekte auf und auch der Bildstand erweist sich als angenehm ruhig.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen
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(Klickt auf die einzelnen Bilder, um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)

Die deutsche Synchronfassung klingt ebenfalls sehr gut. Der Mono-Mix bietet keinerlei Störungen und wirklich stets klar und verständlich. Das kaum wahrnehmbare Hintergrundrauschen kann getrost ignoriert werden. Dialoge werden vorbildlich wiedergeben und es gibt kaum Übersteuerungen im Hochtonbereich. Im direkten Vergleich mit dem Originalton merkt man zwar, dass der deutsche Ton lauter abgemischt wurde und mehr nach Studio klingt, doch dafür wirkt der englische Mono-Mix blechern und kratzig. Vor allem die Dialoge klingen deutlich weniger sauber und verzerren häufig. Hier hat also der deutsche Ton die Nase vorne, auch wenn der Originalton vom Prinzip den Vorteil der natürlicheren Abmischung zwischen Nebengeräusche, Dialoge und Musik hat. Die damals gekürzte Szenen liegen im Originalton vor und werden mit deutschen Untertiteln wiedergegeben. Optional lassen sich noch Untertitel für den kompletten Film einschalten.

Kommen wir jetzt aber noch einmal zum Bonusmaterial, welches auf der DVD als auch auf der BD identisch sind. Neben der Langfassung des Films, enthält das Set auch die knapp 15 Minuten kürzer US-Fassung, die eine Vielzahl an wichtigen Szenen vermissen lässt. Als Bonus eine nette Beigabe, auch wenn man sich diese Fassung wohl eher nicht anschauen wird. Für den Hauptfilm gibt es dann auch wieder ein Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, die in gewohnter Manier ihr filmhistorisches Wissen mit dem Zuhörer teilen. Pflicht ist hier auch die 20-minütige Dokumentation: "Speak of the Devil", welches Deutsch untertitelt wurde und einen schönen Einblick in die Entstehung des Films bietet. Wer Angst hat, die 20 Minuten kratzen nur an der Oberfläche, dem sei gesagt, dass der Informationsgehalt enorm hoch ausfällt und keine Fragen mehr unbeantwortet lässt. Abschließend enthält die Edition noch den Original-Trailer, eine kleine aber feine Bildergalerie, eine Slideshow des Braunschweiger Filmfest-Programms sowie eine 8-minütige Super-8-Fassung des Films. Hinzu kommt das, bereits erwähnte, 20-seitige Booklet mit reichlich Bildmaterial und einem lesenswerten Text von Uwe Sommerlad, der nochmal die Entstehungsgeschichte es Film eingeht.

Der Fluch des DämonenDer Fluch des DämonenDer Fluch des Dämonen

Mit der Veröffentlichung von "Der Fluch des Dämonen" füllt Anolis eine große Lücke in der Sammlung von Filmfans auf der ganzen Welt. Dieser Klassiker ist nicht nur ein imposanter Einstieg in die dritte Staffel der "Galerie des Grauens"-Reihe, sondern auch eine HD-Weltpremiere mit der wohl keiner mehr wirklich gerechnet hätte (das spanische Bootleg zählen wir mal nicht mit). Wie immer liebevoll umgesetzt, darf "Der Fluch des Dämonen" in keinem gut sortiertem Regal fehlen.
Die Erstauflage erschien mit Sammelschuber für neun weitere Titel und war innerhalb weniger Stunden beim Hersteller ausverkauft. Selbst die Zweitauflage (die nur wenige Wochen später kam) ist bei Anolis nicht mehr zu bekommen, weshalb man beim Händler seines Vertrauens nicht mehr allzu lange warten sollte.


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