USA 1939
Originaltitel:Mr. Smith goes to Washington
Alternativtitel:Frank Capra's Mr. Smith Goes to Washington
Länge:129:40 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ohne Altersbeschränkung
Regie:Frank Capra
Buch:Sidney Buchman
Kamera:Joseph Walker
Musik:Dimitri Tiomkin
SFX:Fred Jackman Jr.
Darsteller:Jean Arthur, James Stewart, Claude Rains, Edward Arnold, Guy Kibbee, Thomas Mitchell, Eugene Pallette, Beulah Bondi, H.B. Warner, Harry Carey, Astrid Allwyn, Ruth Donnelly
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:2.39:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 1.0 Mono (nur engl.), Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Italienisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch
Untertitel:Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Chinesisch, Griechisch, Koreanisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch, Thailändisch
Verpackung:SeastoneCase
Blu-ray-Start:04.12.2014 (Kauf)
Bonus:
  • Audiokommentar von Frank Capra Jr.
  • Frank Capra Jr. erinnert sich ... (11:51 Min., 480i)
  • Gespräche mit Frank Capra Jr.: Die goldenen Jahre (17:53 Min., 480i)
  • Frank Capra: Die Zusammenarbeit (19:20 Min., 480i)
  • Gespräche mit Frank Capra Jr.: Die Geschichte einer Familie (25:56 Min., 480i)
  • Frank Capra wie ich ihn kannte (13:05 Min., 480i)
  • Frank Capra's amerikanischer Traum (109:02 Min., 4080i)
  • Kinotrailer (1:43 Min., 1080p)
  • Internationaler Kinotrailer (3:55 Min., 1080p)
In Washington stirbt ein Senator, und ein Nachfolger soll so schnell wie möglich nominiert werden. Obwohl Medienmogul Jim Taylor einen Kandidaten vorsieht, der seine eigenen politischen Interesse vertritt, nominiert Gouverneur Hopper überraschend jemanden, den niemand im Visier hatte: Jefferson Smith. Doch dieser entdeckt mithilfe seiner Sekretärin Clarissa Saunders die üblen Intrigen und Machenschaften, die die Senatoren umgeben, und will ihre Pläne mit einer Marathonrede - einem sogenannten Filibuster - verhindern ...
Der gute alte amerikanische Patriotismus, das Loblied auf die amerikanische Demokratie und ihre Helden George Washington und Abraham Lincoln und natürlich die viel geliebte Pressefreiheit!!! Wer kann das noch hören angesichts Obama und Konsorten? Dazu noch verfilmt von Frank Capra, dem Meister der Tränendrüse und kitschigen Gefühle ...

Mr. Smith goes to WashingtonMr. Smith goes to WashingtonMr. Smith goes to Washington

Und Mr. Capra enttäuscht uns nicht. Er lässt uns gemeinsam mit den leuchtenden Kinderaugen des modernen Parzivals Jeff Smith (welch schöner Allerweltsname) das Capitol und den Obelisk bewundern und vor Abraham Lincolns Denkmal vor Ehrfurcht erschauern. Doch das ist nur der Rahmen für eine in ihrer Konsequenz fast atemberaubende Geschichte über persönliche Vorteilsnahme, Bestechlichkeit, Beeinflussung der Massen durch Unterbindung der Pressefreiheit, völlige Diffamierung einer Person und letztendlich Verrat an den schönen Ideen, die unzweifelhaft hinter den idealistischen Zielen der demokratischen Verfassung stehen. Und wer wollte behaupten, dass das nicht absolut aktuell ist?

Diverse Drahtzieher im amerikanischen Senat haben das Pech, dass einer der von ihnen beeinflussten Senatoren plötzlich stirbt. Unter der Aufsicht des Zeitungsmagnaten Jim Taylor (Edward Arnold) und mit Unterstützung seines verbündeten Senators Paine (Claude Rains) entscheiden sie sich für den Pfadfinderführer Smith (James Stewart) als neuen Senator. Der Mann ist so naiv und voller amerikanischer Ideale, dass sie es für ein Leichtes halten, ihn zu kontrollieren. Sie planen nämlich ein großes Geschäft, in dem sie einen Staudamm vom Senat beschließen lassen wollen. Das Land, welches dazu gebraucht wird, wurde schon von ihren Strohmännern aufgekauft. Jetzt darf möglichst nichts mehr schief gehen ...

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Interessant an Capras Vorgehen ist, dass jede Art der Idealisierung immer von allen anderen Personen als hinterwäldlerisch angesehen wird. Der moderne Mensch in der amerikanischen Großstadt 1939 ist ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der die Realitäten kennt und seine Illusionen verloren hat. Jedem geht es um seinen persönlichen Vorteil, und man versucht, so viel wie möglich vom großen Kuchen abzubekommen. Auch Clarissa Saunders (Jean Arthur) macht da keine Ausnahme. Sie soll Jeff bei seinem Abenteuer in Washington als seine Sekretärin begleiten und möglichst von Allem fernhalten, aber sie hat zuerst überhaupt keine Lust, den Babysitter zu spielen.
Capra unterliegt nicht dem Fehler, Jeff als eine Art Wunderknabe zu inkarnieren, der plötzlich das Geschäft der Politik in wenigen Augenblicken erlernt. Nein, Jeff wäre bis zum Schluss verloren, wenn er nicht die Unterstützung von Personen hätte, die die Spielregeln beherrschen, und selbst das scheint nicht zu reichen, denn der Gegner gibt keine Sekunde klein bei. Capra gelingt hier ein frühes Beispiel in einem populären und durchaus am damaligen Massengeschmack orientierten Film, beißende Kritik an politischen Verhältnissen zu üben. Und das mit einem bis zur letzten Sekunde geführten Spannungsbogen.

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Gerne wird solchen Filmen Kitsch oder Vereinfachung vorgeworfen, aber welchen deutschen Film hat es gegeben, der so deutlich Korruption im Parlament und Beeinflussung der Medien angeprangert hat? – Schon gar nicht im Jahr 1939, aber selbst später waren das – wenn überhaupt – sehr intellektuelle Filme, die kein großes Publikum angesprochen haben. Und Capra gelingt in diesem Film ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen den manchmal etwas kitschig anmutenden Texten von James Stewart und den schnoddrig lakonischen Ausführungen der herrlichen Jean Arthur.

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Es ist immer lobenswert, wenn alte Klassiker der 20er, 30er oder aber 40er ihren Weg auf ein digitales Medium finden, sei es auf DVD oder im besten Fall auf Blu-ray. Das dann auch mal ein Drama bei uns besprochen wird, ist in diesem Fall vor allem der Tatsache geschuldet, dass "Mr. Smith geht nach Washington" tatsächlich von einem 4K-Master stammt und aufwendig restauriert wurde. Etwas, was uns als Technikfans durchaus aufhorchen lässt, so dass wir in solchen Fällen dann auch gerne einmal über den Tellerrand hinweg schauen. Schließlich ist solche ein Aufbereitung eines Klassikers in der heutigen Zeit alles andere als üblich, und gerade die großen Majors gehen bei ihren Veröffentlichungen auf Nummer sicher und greifen auf vorhandene Master zurück. Nicht aber in diesem Fall, schließlich ist Frank Capra maßgeblich für den Erfolg des Multimillionenkonzerns mitverantwortlich.

Als 75th Anniversary-Edition und Auftakt einer Capra-Collection liefert Sony Pictures außerordentliche Arbeit ab. Das in 1,37:1 vorliegende, MPEG-4 kodierte HD-Bild kann die Graustufen nicht nur vorbildlich herausarbeiten und besticht durch sein ausgewogenes, nahezu perfektes Kontrastverhältnis. Auch die Schärfe kann für einen Film aus dem Jahre 1939 vollends überzeugen. Zwar darf der Zuschauer keine übermäßige Detailvielfallt erwarten, tendenziell erscheinen Nahaufnahmen von Gesichtern sogar etwas weich, doch die Gesamtschärfe des Bildes ist beeindruckend. Konturen werden sauber gezeichnet, es gibt kein Anzeichen von einer Nachschärfung, und gerade in den Totalen der Gerichtssequenzen sehen wir erst einmal den Vorteil einer 4K-Abtastung. Man muss natürlich erwähnen, dass das 4K-Master auf 1080p herunter gerechnet wurde, umso interessanter wäre es, "Mr. Smith geht nach Washington" in seiner "vollen" Pracht zu bestaunen. Bis es aber soweit ist, werden wir uns noch eine ganze Weile in Geduld üben müssen. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn was hier an Plastizität und Tiefenwirkung erzeugt wird, ist für einen Film aus den späten 30er Jahren umwerfend. Teilweise neigt das Gezeigte sogar dazu, eine gewisse Dreidimensionalität zu erzeugen, ohne dass der Charme dieses Klassikers verloren geht. Hinzu kommt ein ruhiger Bildstand, und nur selten treten Helligkeitsschwankungen auf. Auch das Encoding hat Sony im Griff, und es zeigen sich keine Kompressionsartefakte. Das Filmkorn ist permanent, aber im geringen Maße zu sehen und scheint weitgehend unbearbeitet. Was ebenfalls positiv auffällt: Es sind keine Defekte, Laufstreifen und Verschmutzungen auszumachen. Selten haben wir einen über 70 Jahre alten Film getestet, der in solch einem guten Zustand ist.

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(Klickt auf die einzelnen Bilder, um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)


Auch die deutsche Tonspur wurde sehr gut aufbereitet. Wir sprechen hier von der alten deutschen TV-Synchronisation, die mit einer korrekten Tonhöhe in Mono aufgespielt und auf die beiden Frontkanäle gelegt wurde. Dialoge werden klar und sauber wiedergegeben. Keine Spur von störendem Hintergrundrauschen, und die Abmischung klingt weder dumpf noch blechern. Auch die Höhen werden gut wiedergegeben und brechen selten etwas aus, was für ein leichtes Zwischen in der Stimmwiedergabe sorgt. Nebengeräusche und Musik werden natürlich dargestellt, weshalb man sagen kann, dass wir es mit einem sehr guten Mono-Mix zu tun haben. Die englische Sprachfassung liegt zwar in DTS-HD Master Audio vor, steuert allerdings nur den Center an. Der Mix klingt klar und gut verständlich, was natürlich in Anbetracht des Alters gesehen werden muss. Störendes Rauschen oder Defekte sind nicht herauszuhören, und Umgebungsgeräusche sowie die Musik werden dem Alter entsprechend dargestellt. Wer keine Vergleiche mit aktuellen Produktionen stellt, wird auch hier mehr als positiv überrascht sein. Absolut unverständlich ist das Fehlen deutscher Untertitel. Während neben den englischen Untertiteln sogar griechische und thailändische ihren Weg auf die Disc gefunden haben, wurden die deutschen einfach "vergessen". Auf der DVD-Version waren sie noch vorhanden, weshalb es eine Leichtigkeit gewesen wäre, diese auch auf die Blu-ray zu bannen. Somit schauen Hörgeschädigte in die Röhre. Sehr unschön.

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Dafür wurde das Bonusmaterial komplett untertitelt, ja selbst der Audiokommentar mit Frank Capras Sohn, Frank Capra Jr.. Der Kommentar bietet einen informativen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Films. Capra Jr. geht auf die Hintergründe der Produktion sowie die budgetbedingten Schwierigkeiten ein. Er erzählt über die Dreharbeiten, seinen Vater und liefert am Ende eine sehr schöne und spannende Retrospektive ab, die keine Sekunde langweilig wird. In der 11-minütigen Doku "Frank Capra Jr. erinnert sich an ..." geht Capras Sohn noch mal auf die Entstehung ein, spricht über die Suche nach der passenden Location in Washington, über Hauptdarsteller Jean Arthur, gibt interessante Einblicke in die frühen Jahre von Columbia Pictures und durchleuchtet kurz das Ende des Films. In Gespräche mit Frank Capra Jr.: Die goldenen Jahre wird ein Blick auf die "goldenen Jahre" Hollywoods geworfen. Der Zuschauer erfährt mehr über Frank Capras Karriere und lauscht seinem Sohn abermals gespannt zu. Alles wird unterlegt mit seltenem Bildmaterial.

Die nächsten fast 20 Minuten mit dem Titel "Frank Capra: Die Zusammenarbeit" geben erneut einen Rückblick auf Capras Leben und Karriere. Der Zuschauer erfährt u. a. mehr über seine Arbeit als Regisseur, über seine Beziehung zu den Schauspielern sowie über die Menschen, die seine Werke beeinflussten und im Laufe seiner Karriere mit ihm zusammengearbeitet haben. "Gespräche mit Frank Capra Jr.: Die Geschichte einer Familie" ist die nächste Doku, die mit 26 Minuten einen Blick auf das Familienleben - samt Einwanderung - der Familie Capra gibt. Der Junior erzählt dabei u. a. über seine eigene Kindheit, über die arbeiten seines Vaters und wie diese die Filmwelt prägten. Wenn man es genau nimmt, hätte man diese und die anderen Dokumentationen zu einer großen zusammenführen können, jedoch gibt es nur wenige bis gar keine Dopplungen. "Frank Capra wie ich ihn kannte" gehört 13 Minuten lang Jeanine Basinger, der Kuratorin des Frank Capra Archives an der Wesleyan University. Sie teilt ihre Erinnerungen an den berühmten Filmemacher, bevor mit der fast 2-stündigen Dokumentation "Frank Capras amerikanischer Traum" der Höhepunkt des Bonusmaterials erreicht wird. Ron Howard gewährt dem Zuschauer einen sehr intimen Einblick in das Leben und in die Filme des Regisseurs und kann neben Filmausschnitten und Archivaufnahmen mit einer Vielzahl von Interview-Segmenten berühmter Regisseure, Darsteller und Produzenten aufwarten. Darunter befinden sich Namen wie Oliver Stone, John Milius, Michael Keaton, Angela Lansbury, Martin Scorsese und Garry Marshall. Abgerundet wird das umfangreiche Bonusmaterial mit zwei Kinotrailern. Diese sind auch die einzigen Extras, die in hochauflösender Qualität vorliegen.

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Aus der heutigen Sicht hat man Schwierigkeiten mit der Naivität und dem fatalistischen Idealismus des Jeff Smith. Aber da verhalten wir uns nicht anders als die von Capra beschriebenen Personen im Washingtoner Politikbetrieb des Jahres 1939 – es hat sich wenig verändert. Dass Capra 1939 eine Person wie Mr. Smith als leuchtende Hoffnung für die amerikanische Demokratie herausstellt, wer wollte ihm das verdenken? - Schon gar nicht, wenn es in einer solchen mitreißenden Art geschieht. Die 75th Anniversary-Edition macht ihren Namen alle Ehre. Bis auf die fehlenden deutschen Untertitel und das Fehlen eines FSK-Wendecovers, gibt es hier nichts zu bemängeln. Besser sah "Mr. Smith geht nach Washington" noch nie aus. Es ist äußerst schade, dass nicht jeder Klassiker solch eine Veröffentlichung erfährt.


Film+++++/
Bild+++++-
Ton++/---
Bonus+++++/



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