AUS 2005
Originaltitel:Wolf Creek
Länge:104:50 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Greg McLean
Buch:Greg McLean
Kamera:Will Gibson
Musik:Frank Tetaz
SFX:Charmaine Connelly, Rick Connelly
Darsteller:John Jarratt, Cassandra Magrath, Kestie Morassi, Nathan Phillips, Gordon Poole, Guy O'Donnell, Phil Stevenson, Geoff Revell, Andy McPhee, Aaron Sterns, Michael Moody, Andrew Reimer, Vicki Reimer, Isabella Reimer, David Rock
Vertrieb:Studiocanal / '84 Entertainment
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Mediabook
Blu-ray-Start:05.12.2014 (Kauf)
Bonus:
  • 16-seitiges Booklet von Kai Naumann
Disc 1: Blu-ray
  • Kinofassung in HD (99:23 Min., 1080p)
  • Audiokommentar von Greg McLean, Matt Hearn, Cassandra Magrath und Kestie Morat
  • Making Of (49:44 Min., 576i)
  • Geschnittene Szenen (6:00 Min., 576i)
  • TV Spots (1:04 Min., 576i)
  • Trailer:
    • Deutsch (2:08 Min., 576i)
    • Englisch (1:41 Min., 576i)
  • Wolf Creek 2 - Trailer (1:51 Min., 1080p)
  • Father's Day - Trailer (2:30 Min., 1080p)
Disc 2: DVD
  • Unrated-Version (100:32 Min.)
Disc 3: DVD
  • Kinofassung (94:17 Min.)
  • Audiokommentar von Greg McLean, Matt Hearn, Cassandra Magrath und Kestie Morassi
  • Trailer:
    • Deutsch (2:08 Min.)
    • Englisch (1:41 Min.)
  • Making of "Wolf Creek" (49:44 Min.)
  • Deleted Scenes (5:57 Min.):
    • Ben im Geschäft
    • Kristy und Ben im Bett
    • Liz steigt in den Schacht
  • TV Spots (1:02 Min.)
  • Fotogalerie (3:10 Min.)
  • Trailershow:
    • Mr. & Mrs. Smith (0:37 Min.)
    • Tristan und Isolde (2:20 Min.)
    • SAW 2 (1:24 Min.)
    • Pulse (0:50 Min.)
    • See no Evil (0:48 Min.)
    • The Fountain (2:17 Min.)
    • Chaos (1:44 Min.)
Kristy, Ben und Liz sind drei junge Leute an der sonnigen Westküste Australiens. Mit vollen Rucksäcken, viel Enthusiasmus und einem halbwegs fahrtüchtigen Ford Kombi starten sie in den Urlaub ihres Lebens: drei Wochen Outback-Tour im Wolf Creek Nationalpark. Der beginnt mit Sommerhitze, Abenteuer und Romantik, bis eines Abends das Auto nicht mehr anspringt. Die drei richten sich schon für eine dunkle Nacht ein, als Mick auftaucht. Der schrullige Mann bietet an, sie mit seinem Truck abzuschleppen und am nächsten Tag ihr Auto zu reparieren. Doch bei Sonnenaufgang wird klar, dass Mick sie nicht gehen lassen will. Niemals wieder ...
Betrachtet man "Wolf Creek" mit einigem zeitlichen Abstand und mit dem Wissen über die inhaltliche Diskussion zu dem australischen Newcomer-Film, so lassen sich einige signifikante Merkmale herausstellen.
Die Beurteilung der ersten Hälfte hängt stark vom Vorwissen über diesen Film und Horrorfilme allgemein ab sowie dem damit verbundenen beliebten Spiel, ständig vermeintliche Vorbilder nennen zu müssen. "Wolf Creek" wird kaum ein neutraler Gesichtspunkt zugewiesen, als ob nur Horrorfilm-gestählte Freaks sich diesen Film ansehen. Dabei sind gerade die ersten 50 Minuten verhältnismäßig einmalig in diesem Genre, da sie nicht einmal versteckte Hinweise auf die zukünftige Bedrohung zeigen. Einzig die kurze Einblendung zu Beginn über die große Anzahl vermisster Menschen, die diese Region bereisten, lässt schon die Gefahr ahnen. Ein wirklich realer Ansatz, betrachtet man die gerade aktuelle Diskussion über regelmäßig verschwindende Menschen auf Kreuzfahrtschiffen, der sich durch seine zurückhaltende Art völlig von sonstigen Einleitungen unterscheidet, bei der normalerweise schon mal ein kurzes Gewaltbeispiel für die zukünftige Bedrohung gezeigt wird.

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Ebenso ist die Anzahl von nur drei Hauptpersonen, die sich im Auto Richtung "Wolf Creek" - einem beeindruckenden Meteoritenkrater - begeben, eine Abkehr von üblichen Genre-Gewohnheiten, denn hier wird völlig auf das übliche "Bauernopfer" verzichtet, das problemlos abgeschlachtet werden kann, um den Hauptpersonen zu zeigen, was demnächst abgeht. Und genau aus diesen genannten Gründen, wäre es am besten, man wüsste nichts über diesen Film, denn dann erwischt einen die zweite Hälfte wirklich mit voller Wucht.

In diesem Zusammenhang wird auch zu wenig die Figur des Mick Taylor beleuchtet, die hier eine ungewöhnliche Seite aufweist. Versucht man, seine Person aus Sicht der drei in Not geratenen Protagonisten zu betrachten, so kann man nicht umhin, zuzugeben, dass man auch mit ihm gefahren wäre. Mick sieht zwar nicht übertrieben gepflegt aus (was in dieser Gegend wahrscheinlich eher auffällig wäre), aber sonst macht er einen absolut jovialen und lockeren Eindruck. In keiner Sekunde übt er Druck aus oder versucht, mit irgendwelchen Geschichten Ängste zu erzeugen - man hat sogar das Gefühl, dass die drei durchaus auch anders entscheiden könnten, so relaxt wirkt er. Im Gegensatz zu den Rednecks aus der Kneipe ist er geradezu sympathisch, erst mit der fortschreitenden Begegnung und als sie schon in seiner "Werkstatt" angekommen sind, spürt man die unterschwelligen Aggressionen.

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Trotzdem - und hier liegt eine weitere Stärke dieser Figur - bleibt er, selbst wenn er seine mörderischen Aktivitäten ausübt, sich selbst treu. Es findet keineswegs eine 180-Grad-Wendung des Charakters statt, sondern man spürt, dass oft nur Nuancen notwendig sind, um aus einem freundlich scheinenden, einen sadistisch agierenden Menschen zu machen. Und der Fakt, dass hier Regisseur Greg McLean gar nicht erst versucht, psychologische Hintergründe für sein Verhalten herbei zu zaubern (wie zum Beispiel in Interner Link"Wrong Turn"), macht die Sache noch realistischer. Betrachtet man hingegen die genannten angeblichen Vorbilder, so sind hier die Massenmörder schon aus riesiger Entfernung zu erkennen, und jeder, der diese auch nur bis zur nächsten Hausecke begleitet, kann nur völlig zugedröhnt sein. So ist der Vorwurf an die Figur Mick Taylor, sie wäre wenig beeindruckend, eine Verkennung der Tatsache, dass gerade die Bedrohung hinter der scheinbaren Normalität besonders furchterregend ist - ein vordergründiger Horror, ausgelöst durch einen besonders grässlichen Anblick, wird hier nicht geboten.

So kann man McLean für seinen Mut, zuerst ein einfachen Road-Movie zu schildern, der in ruhigem Tempo und normalster Art und Weise abläuft, nur bewundern. Wie sehr man sich mit Kristy, Ben und Liz identifiziert, ist Geschmackssache, aber sie wirken völlig natürlich, und es entstehen auch keinerlei übertriebene Dramen oder sonstige Zuspitzungen. Allerdings gelingt es McLean sehr schön, die unendliche Weite und Einsamkeit dieser Region in Australien einzufangen, und schon das allein ist beeindruckend, ähnlich wie man schon Ängste entwickelt, wenn man zu weit auf das Meer hinaus schwimmt und den Boden nicht mehr sieht. Menschen brauchen einen verlässlichen Maßstab, und der verliert sich in der Weite der australischen Landschaft.

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Wer allerdings auf Action wartet oder irgendwelche Krüppelwesen, die heischend durchs Off marschieren, wird enttäuscht. Es bedarf tatsächlich eines offenen Geistes für Atmosphäre und auf die Rückbesinnung eigener verborgener Ängste, um die steigende Spannung zu spüren. Die zweite Hälfte, die sich dem eigentlichen Horror widmet, verdeutlicht dann, dass es auf diesem Gebiet schwieriger ist, die bekannten Vorbilder um Innovationen oder wenigstens Variationen zu erweitern. Einmal in Gang gebracht, wird die Spirale der Gewalt immer weiter hochgedreht. Überraschend dabei ist die durchgehend kompromisslose Art, mit der die Vorgänge dargestellt werden, ebenso wie die Unendlichkeit der Umgebung kaum Hilfe für Ortsunkundige verspricht und damit eine absolute Hoffnungslosigkeit vermittelt. Positiv ist auch zu bemerken, dass die drei Protagonisten nicht plötzlich über sich hinaus wachsen oder überdurchschnittliche Kräfte entwickeln - im Gegenteil, sie wirken teilweise so kraft- und hilflos, dass man fast Mitleid entwickelt angesichts des überlegen agierenden Mick Taylor.

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Nachdem Studiocanal (damals noch Kinowelt) "Wolf Creek" im Jahr 2007 lediglich auf DVD veröffentlichte, während es in anderen Ländern auch HD-Varianten gab, musste der deutsche Fan ganze sieben Jahre und einen Interner Linkzweiten Teil warten, bis man sich dazu entschied, Mick Taylor auch hierzulande in HD morden zu lassen. Man darf '84 Entertainment dankbar sein, dass McLeans Backwood-Slasher in Zusammenarbeit mit Studiocanal mit einer neuen Veröffentlichung gewürdigt wird. Veröffentlicht wird der Film in einem 3-Disc-Set im Mediabook und enthält neben der bekannten Kinofassung endlich auch die Unrated-Version in HD.

"Wolf Creek" wurde seinerzeit mit einer Sony HDW-F900 inszeniert und nachträglich auf 35mm konvertiert, konnte aber bereits auf DVD mit einer ansehnlichen Bildqualität aufwarten. Das ändert sich in der HD-Version nicht. Die höhere Auflösung offenbart nur minimal mehr Details, hinterlässt dafür aber einen plastischeren Gesamteindruck. Das dezente, aber sichtbare Bildrauschen lässt das Gezeigte weitgehend filmisch wirken, wobei die digitale Herkunft nicht verleugnet werden kann. Besonders in High Definition fällt der günstige Produktionsstandard verstärkt auf, was den Genuss allerdings nicht sonderlich schmälert. Optisch wurde der Film natürlich etwas angepasst, was der Atmosphäre zugute kommt. Man darf von einer natürlichen Farbgebung sprechen. Der Kontrast arbeitet ebenfalls ausgewogen und zeigt einen sehr guten Schwarzwert. Der Zuschauer kann mit der HD-Präsentation durchweg zufrieden sein. Selbst die Kompression arbeitet endlich sauber im Hintergrund, während die DVD damit einige Probleme hatte. Die befindet sich übrigens ebenfalls im 3-Disc-Set als reines Repack, zusätzlich zu einer DVD-Version der Unrated-Fassung.

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(Klickt auf die einzelnen Bilder, um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)


Die Soundabmischung wurde gegenüber der alten Auflage nicht verbessert. Zwar liegen beide Tonspuren jetzt im HD-Mehrkanalton vor, was aber eher eine reine Formsache ist und dem Mix keine bessere Räumlichkeit beschert. Die Effektkanäle hätten mehr zum Einsatz kommen müssen, selbst wenn es nur für Umgebungsgeräusche oder Musikstücke gewesen wäre. Insgesamt darf man zwar von einem dynamischen und im letzten Drittel äußerst basslastigen Mix sprechen, doch es fehlt eindeutig an Präzission und Direktionalität. Dialoge sind sehr gut zu verstehen, wobei die Studio-Herkunft bei der deutschen Synchronisation unüberhörbar ist. Da überzeugt der Originalton deutlich mehr. Dieser klingt dem deutschen Mix sehr ähnlich, bietet allerdings eine bessere Balance zwischen Nebengeräuschen und Dialogen. Letztere klingen zudem wesentlich natürlich, und Mike Taylors Psychospielchen sollte ohnehin im Original genossen werden. Deutsche Untertitel sind optional.

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Das Bonusmaterial ist nahezu identisch mit der DVD-Auflage. Lediglich die Bildergalerie fehlt auf der Blu-ray, kann bei Bedarf aber mittels beiliegender DVD betrachtet werden. Es wäre allerdings ein Leichtes gewesen, diese auch auf die Blu-ray zu pressen. Der Audiokommentar ist leider nur auf der Kinofassung enthalten, aber zumindest wurde er deutsch untertitelt. Hier kommen der Regisseur Greg McLean und die Darsteller Matt Hearn, Cassandra Magrath und Kestie Morat zu Wort und bieten einen aufschlussreichen Einblick in die Entstehung des Films. Neben Trailern und TV-Spots zum Film enthält die Disc noch drei geschnittene Szenen sowie ein fast 50-minütiges Making-of, welches ebenfalls umfangreich auf die Produktion von "Wolf Creek" eingeht. Abschließend enthält die Blu-ray noch Trailer zu Interner Link"Wolf Creek 2" und "Father's Day", die im Gegensatz zum Rest in hochauflösender Qualität vorliegen. Das auf 3000 Stück limitierte Mediabook enthält einen Buchteil mit einem lesenswerten Text von Kai Naumann.

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"Wolf Creek" ist ein sich geschickt an realen Ereignissen orientierender Horror-Film, der sehr lange eine ruhige Geschichte über einen Road-Trip dreier junger Menschen in Australien schildert, der vor allem durch seine atmosphärische Dichte Spannung erzeugt. Gerade diese erste Hälfte lässt den Film aus dem genreüblichen Einerlei herausragen, während die dann folgende Action auch Standardansprüche befriedigt.
Insgesamt ein sehenswerter Film, der überzeugend Ängste davor vermittelt, sich alleine in eine Umgebung zu begeben, die weder Halt noch Vertrautheit vermittelt - im Grunde die klassische tiefenpsychologische Warnung vor dem Anderssein. Das Mediabook ist für Fans des Film sicherlich eine lohnende Anschaffung. Eine günstigere Amaray-Version gibt es leider nicht.


Film++++/-
Bild++++/-
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