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BE, D, FR 1971
Originaltitel:Lèvres rouges, Les
Alternativtitel:Blut auf den Lippen
aka. Solo für einen Vampir
aka. Blut an den Lippen
aka. Blut auf den Lippen
aka. Blood on the Lips
aka. Children of the Night
aka. Daughters of Darkness
aka. Promise of Red Lips, The
aka. Red Lips, The
aka. Redness of the Lips, The
aka. Rouge aux Lèvres, La
aka. Vestale di Satana, La
aka. Erzebeth
Länge:99:58 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Harry Kümel
Buch:Pierre Drouot, Harry Kümel, Jean Ferry, Manfred R. Köhler
Kamera:Eduard van der Enden
Musik:François de Roubaix
SFX:Eugene Hendrickx
Darsteller:Delphine Seyrig, Danielle Ouimet, John Karlen, Andrea Rau, Paul Esser, Georges Jamin, Joris Collet, Fons Rademakers
Vertrieb:Bildstörung
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25 / DVD-9
Regionalcode:B
Bildformat:1,66:1
Tonformat:Linear PCM 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase mit Schuber
Blu-ray-Start:10.05.2013 (Kauf)
Bonus:
  • 16-seitiges Booklet
Disc 1 (Blu-ray):
  • Deutschsprachiger Audiokommentar mit Regisseur Harry Krümel
Disc 2 (Bonus-DVD):
  • Deutsche Kinofassung (85:29 Min.)
  • Interview mit Harry Krümel
    • Die Anfänge (9:20 Min.)
    • Monsieur Hawarden bis Malpertuis (15:15 Min.)
    • Die Restaurierung von Blut an den Lippen (3:10 Min.)
  • Bildergalerie mit Audiokommentar des Regisseurs (16:14 Min.)
  • Deutsche Aushangfotos (1:42 Min.)
  • US-Kinotrailer (2:04 Min.)
  • US Radiowerbung (2:06 Min.)
  • US Titelsong (1:56 Min.)
  • Trailershow:
    • Possession (2:37 Min.)
    • La Bête - Die Bestie (1:41 Min.)
    • Overlord (2:45 Min.)
    • Das 10. Opfer (2:25 Min.)
    • Henry - Portrait of a Serial Killer (1:46 Min.)
Stephan und Valerie sind auf der Hochzeitsreise. Da sie ihr Schiff verpassen, übernachten sie in einem einsamen Hotel in Ostende. Dort machen sie die schicksalhafte Bekanntschaft mit einem merkwürdigen, exzentrischen Pärchen: Die ungarische Gräfin Bathory und ihre devote Begleiterin Ilona Harczy. Stephan fällt der bezaubernden Ilona zum Opfer, ohne zu wissen, dass sie ein Vampir ist. Unterdessen kümmert sich die Gräfin um die schöne Valerie, um sie auf Ilonas Nachfolge vorzubereiten. Als Stephan die Situation erkennt, ist es für beide zu spät ...
Mit "Blut an den Lippen" hat das Label Bildstörung einmal mehr einen absoluten Volltreffer gelandet, offenbart sich doch einer der wohl außergewöhnlichsten Beiträge des europäischen Vampirfilms. Außergewöhnlich gestaltet sich die hier erzählte Geschichte allein durch die Tatsache, dass Regisseur Harry Kümel eigentlich auf sämtliche ansonsten übliche Klischees verzichtet hat, die Filme dieser Art ansonsten beinhalten. Keine Kruzifixe, Knoblauch oder sonstige üblichen Dinge sind hier zu sehen. Stattdessen präsentiert sich eine extrem gelungene Mischung aus Drama, Horror und Erotik, die insbesondere durch ihre brillante Optik zu überzeugen weiß. Diese ist anscheinend vollkommen bewusst äußerst kühl gehalten, was in jenen Passagen zu erkennen ist, die sich in dem fast leerstehenden Luxus-Hotel abspielen. Dadurch erhält das Ganze einen unglaublich nüchternen, um nicht zu sagen sterilen Anstrich, was ganz augenscheinlich hauptsächlich für eine extrem beklemmende Atmosphäre sorgt, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht und wie ein bleierner Mantel auf den Schultern des Zuschauers liegt.


Im Fokus der Ereignisse stehen in der Hauptsache die beiden frisch Vermählten Stephan und Valerie, die sich im Prinzip noch gar nicht richtig kennen und ziemlich überhastet geheiratet haben. Während Valerie eine lebenslustige, junge Frau zu sein scheint, brechen bei ihrem Gatten doch äußerst schnell Aggressionen durch, die sich auch im Liebesspiel der beiden Eheleute niederschlagen. Zudem lässt Stephan auch ein seltsames Interesse an den Frauenmorden erkennen, die innerhalb kürzester Zeit in der belgischen Stadt Brügge stattfinden und auf die man sich keinen Reim machen kann.
Als dann noch die ungarische Gräfin Bathory mit ihrer angeblichen Sekretärin Ilona im Hotel einzieht, entwickelt sich eine ganz eigenartige Beziehung zwischen den vier Hauptfiguren. Lediglich Valerie spürt von Anfang an, dass etwas sehr Unheimliches von den beiden Frauen ausgeht, während Stephan sich, ohne es eigentlich zu bemerken, äußerst schnell im Bann der zwei Frauen befindet. Würde man die Inhaltsangabe des Filmes nicht kennen, wüsste man im Prinzip gar nicht, dass es sich hier um weibliche Vampire handelt. Harry Kümel hat es nämlich erstklassig verstanden, die eigentliche Thematik seiner Geschichte eher hintergründig darzustellen.


Es mag sich eventuell etwas seltsam anhören, doch gerade aus diesem Aspekt bezieht das Werk seine eigentliche Stärke, fokussiert sich das Ganze doch hauptsächlich auf die Beziehung zwischen den ungleichen Paaren und spielt dabei mit sexuellen Andeutungen, die streckenweise auch unglaublich gut ins Bild gesetzt wurden. Es ist eben diese einzigartige Mischung, die "Blut an den Lippen" etwas sehr Außergewöhnliches verleiht. Hinzu kommt die schon erwähnte Optik, die trotz der von ihr ausgehenden Kälte unglaublich ästhetische Züge erkennen lässt. Es sollte also jedem klar sein, dass man hier keinen Vampir-Beitrag im üblichen Sinne zu sehen bekommt, denn diese europäische Produktion hat im Prinzip überhaupt nichts mit dem modernen Vampirfilm und auch so gut wie nichts mit dem klassischen Stoff gemeinsam. Vielmehr entpuppt sich eine auf sehr angenehme Art abweichende Story, die aber dennoch auf jeden Fall dem Sub-Genre zuzuordnen ist. Neben den schon aufgezählten Stärken sollte man auch noch das hervorragende Schauspiel der Akteure nicht unerwähnt lassen, denn sämtliche Darsteller geben eine gelungene Kostprobe ihres Könnens zum Besten.


Insgesamt gesehen, kann man hier von einem mehr als gelungenen Beitrag sprechen, der für manch einen Fan des Genres sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen dürfte. Denn das Abweichen von sämtlichen ansonsten gebotenen Zutaten mag für viele Leute zu ungewohnt sein. Doch insbesondere in diesem Aspekt offenbart sich die ganz große Stärke eines Filmes, der stilistisch gesehen in die absolute Oberliga einzuordnen ist. Großartige Action oder blutrünstige Passagen darf man hier nicht erwarten, aber das hätte den herausragenden Gesamteindruck auch eher zerstört, als dass es dem Szenario gut zu Gesicht gestanden hätte.


Für die Veröffentlichung in der "Drop Out"-Reihe griff Bildstörung nicht auf ein altes HD-Master zurück, sondern ließ ein Interpositiv, welches Regisseur Harry Kümel aus der Insolvenzmasse eines der Produzenten kaufte, von Group of Pictures in Köln aufwendig restaurieren und stellt somit alle bisherigen Veröffentlichungen von "Blut and den Lippen" weltweit in den Schatten. Im Originalformat von 1,66:1 vorliegend, überzeugt der neue HD-Transfer nahezu in allen Bereichen. Zuallererst fällt die sehr hohe Detailzeichnung auf, obwohl nur geringfügig nachgeschärft wurde. Noch nie sah der Film so scharf und detailliert aus wie hier. Kümel überwachte den HD-Transfer und verzichtete dabei auf den Einsatz von Rauschfiltern oder anderen digitalen Bildverbesserungen, wodurch dem Zuschauer ein feines und analoges Filmkorn präsentiert wird. Schmutz und Defekte wurden ebenfalls bei der Restauration entfernt. Einzig die Farben ließ er per digitaler Korrektur bearbeiten, was dem Regisseur sehr wichtig war, um den Film die Farbgebung zu spendieren, die er schon immer haben wollte. Die nun kräftige Farbpalette sowie die eingesetzten Farbfilter passen hervorragend zum Film und erinnern zum Teil an die frühen Werke eines Mario Bava oder Dario Argento. Der Kontrast wurde leicht überhöht, was ebenfalls der Atmosphäre zugutekommt, ohne dabei, trotz des satten Schwarzwertes, Details zu verschlucken. Einziges Manko ist das sichtbare Banding bei Farbübergängen, ein Resultat der Kontrast- und Farbfilter. Damit kann man aber leben. Ansonsten zeigt sich das Bild frei von Kompressionsartefakten und lässt auf ein hervorragendes Encoding schließen.




(Klickt auf die einzelnen Bilder, um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)


Die beiden Tonspuren liegen jeweils in Linear PCM 2.0 Mono vor und können in Anbetracht des Alters gefallen. Hintergrundrauschen oder Störungen sind eine Seltenheit, und auch die Dialoge sind in beiden Sprachfassungen hervorragend zu verstehen bzw. verzerren nur selten im Hochtonbereich. Insgesamt präsentiert sich beiden Tonspuren klar und verständlich. Besonders die deutsche Synchronisation klingt sauber aufgeräumt und kaum dumpf. Deutsche Untertitel sind vorhanden.

Der Audiokommentar mit Regisseur Harry Kümel zählt zu einen der besten, die wir in letzter Zeit hören konnten. Der Belgier bemüht sich, ordentlich Deutsch zu sprechen, was ihm auch gut gelingt und den Kommentar umso sympathischer werden lässt. Kümel geht ausführlich auf die Produktion und die Entstehungsgeschichte ein und bietet reichlich Hintergrundinformationen und Anekdoten zur den Darstellern. Dem Set liegt noch eine Bonus-DVD bei, auf der sich die leicht gekürzte und etwas anders geschnittene deutsche Kinofassung befindet. Weiterhin enthält die Disc ein 30-minütiges Interview mit Regisseur Harry Kümel, welches in drei Segmente unterteilt wurde. Kümel spricht über die Anfänge und wichtigsten Momente seiner Karriere und geht besonders ausführlich auf die Restauration von "Blut an den Lippen" ein. Die 17 Minuten an Bildergalerien werden vom Regisseur zudem kommentiert, und er weiß ein paar Anekdoten zum Besten zu geben.


Abgeschlossen wird das Bonusmaterial mit einer Galerie der deutschen Aushangfotos, dem US-Kinotrailer, dem US-Titelsong sowie der US-Radiowerbung. Auf der Disc selbst befindet sich noch eine Trailershow mit weiteren Titeln aus dem Hause Bildstörung. Ausgeliefert wird die Edition trotz Blu-ray im durchsichtigen KeepCase. Das DVD-Cover ist auf beiden Seiten eine Fotokollage und kann gewendet werden. Das eigentliche Cover-Motiv liegt in Form eines Schubers bei. Das FSK-Logo befindet sich auf einem gesonderten Deckblatt, welches einfach zu entfernen ist. Das 16 Seiten umfassende Booklet beinhaltet ein Essay zum Film von Paul Poet sowie einen Artikel über Harry Kümel von Björn Eichstädt.


Man kann einmal mehr von einer grandiosen Veröffentlichung von Bildstörung sprechen, denn auch wenn es den Film schon vorher (in deutlich schlechterer Qualität) auf DVD gab, ist diese Neuerscheinung einmal mehr mit etlichem Bonusmaterial versehen und wurde liebevoll digital restauriert. Eine Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall, ist für Fans des Films ohnehin Pflicht und stellt weltweit die beste Veröffentlichung dieses Klassikers dar.


Film+++++-
Bild+++++/
Ton+++/--
Bonus++++--


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Blut an den Lippen
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