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USA 2012
Originaltitel:Excision
Länge:81:03 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Richard Bates Jr.
Buch:Richard Bates Jr.
Kamera:Itay Gross
Musik:Steve Damstra II, Mads Heldtberg
Darsteller:AnnaLynne McCord, Traci Lords, Ariel Winter, Roger Bart, John Waters, Malcolm McDowell, Marlee Matlin, Matthew Gray Gubler, Jeremy Sumpter, Ray Wise, Molly McCook, Natalie Dreyfuss
Vertrieb:'84 Entertainment / MIG
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25 / DVD-9
Regionalcode:B/2
Bildformat:2,40:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1, Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Mediabook
Blu-ray-Start:10.05.2013 (Kauf)
Bonus:
  • 12-seitiges Booklet
Blu-ray: Hauptfilm
  • Audiokommentar mit dem Regisseur Richard Bates Jr. und der Schauspielerin Annalynne McCord
  • Trailer (2:17 Min., 1080p)
DVD: Hauptfilm
  • Hauptfilm (77:45 Min.)
  • Audiokommentar mit dem Regisseur Richard Bates Jr. und der Schauspielerin Annalynne McCord
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Bonusfilm: "Nightmares In Red, White And Blue (92:18 Min.)
"Du wirst es mir später danken" dürften so ziemlich alle Eltern dieser Welt schon einmal gesagt oder zumindest gedacht haben, wenn sie – meist in bester Absicht – etwas gegen den Willen ihrer Sprösslinge getan haben. Davon kann auch Außenseiterin Pauline ein Lied singen. Weder von ihrer dominanten Mutter Phyllis noch ihrem lethargischen Vater Bob erhält sie Unterstützung was ihren Wunsch betrifft, Medizin zu studieren. Im Gegenteil: Ständig nörgelt ihre Mutter an ihr herum, schickt sie zu Benimmseminaren oder in die Kirche zu Pastor William zum Zwangsbeichten. Und sie macht immer wieder deutlich, dass ihr die jüngere Tochter, die lungenkranke Grace, eigentlich das liebere Kind ist. Und wenn man ehrlich ist – ein bisschen kann man Paulines Eltern, ihre Lehrer und Mitschüler verstehen. Denn das Mädchen gibt sich nicht besonders viel Mühe zu gefallen. Und wenn ihre Mitmenschen wüssten, was in Pauline vorgeht, dann würden sie sicherlich einen noch größeren Bogen um sie machen.
Basierend auf seinem gleichnamigen 2008er Kurzfilm präsentiert Regisseur Richard Bates Jr. mit seinem Langfilm "Excision" für mich eine der positivsten Überraschungen des noch gar nicht sooo alten Filmjahres. Zumindest für Freunde des hartgesottenen Kinos. Im Gewand einer äußerst kruden Psychostudie und einer überragenden AnnaLyne McCord als Hauptfigur Pauline werden der Begriff "filmischer Zynismus" und auch der Zuschauer auf eine Probe gestellt. "Excision" wird natürlich wieder sehr polarisieren, ich hoffe aber, dass er viele Freunde findet. Er hätte es verdient.



Wie sehr Sehgewohnheiten strapaziert werden in diesem bildgewaltigen Werk um das Erwachsenwerden und die Verwirrung der Hormone in einem jungen Körper und wie dies in Filmbilder gepackt wird, ist erstaunlich und hat manchmal sogar suggestive Kraft. Was die soziopathische Pauline dabei in der Rebellion gegen ihre konservative Mutter und Familie, in dem Wunsch nach einem ersehnten Medizinstudium und vor allem in ihren abwechselnd freakigen und erotisch-grotesken Traumwelten und in der Realität erlebt, spottet jeder Beschreibung. Allen Akteuren kann man eine gute Leistung bescheinigen. Neben der überragenden AnnaLyne McCord kann auch Traci Lords als charakterfähige Schauspielerin als religiös-konservative Mutter brillieren. Alleine diese Besetzung - 100 Prozent konträr zu ihrem sonstigen Image - zeugt von einer guten Menge Sarkasmus, von dem es in "Excision" nur so wimmelt. Die äußerliche Verwandlung der sonst recht attraktiven Schauspielerin AnnaLyne McCord in den pickeligen Teenie Pauline ist nicht nur einer unglaublich guten Maske geschuldet, sie versteht es auch, diesen Look in jeder Szene durch ihre Haltung und Mimik perfekt zu unterstützen.



"Excision" ist zwar nicht perfekt, die Synchronisation ist nicht optimal, und es gibt auch ein paar flache Gags zu vermelden, hier und da wirkt eine Szene etwas vordergründig bemüht provokant und "shocking", aber das tritt in den Hintergrund eines sonst so vielschichtigen Filmes, der erfolgreich psychologisches Arthouse-Kino mit dem Exploitation- und Horror-Genre verknüpft. "Excision" ist aus meiner Sicht kein Blender in der Nutzung dieser diversen schockierenden Stilmittel, dafür ist er psychologisch zu komplex und erzeugt erfolgreich eine den Zuschauer verstörende Identifikation mit der Hauptfigur. Es wimmelt nur so von schrecklich schönen, ekelhaften Szenen und vor gröbsten Verletzungen, Köpfen am falschen Platz, und auch vor kleinen Ausweidungen wird nicht haltgemacht. Und so gibt es auch andere kleine Grenzüberschreitungen. Neben den kleinen, nicht selbstzweckhaften Splatterszenen gibt es auch - für einen US-Film recht ungewöhnlich - offene Sexszenen, und es findet sich sogar auch einmal eine kleine Nacktschnecke im Bild und fügt sich einfach als kurze realistische Einlage zu der Szene wie selbstverständlich hinzu.


Für mich ist "Excision" eine Hommage an den großen John Waters (u. a. "Pink Flamingos", "Polyester", "Hairspray", Interner Link"Serial Mom") und wirkt wie ein Werk von ihm mit der Technik und den Produktionsmitteln von heute realisiert. Wahrscheinlich kennen ihn leider nur 5 Prozent der Seher dieses Filmes. In seiner Zeit der Midnight-Movies in den 70ern, die oft jahrelange in den Nachtvorstellungen in New York am Broadway liefen, wäre "Excision" ein Anwärter auf einen ebensolchen Dauerbrenner gewesen. Wenn auch in ganz anderem Kontext ...


'84 Entertainment veröffentlicht ein RePack der MIG-2-Disc-Edition und sticht deren Veröffentlichung optisch aus. Das dieser Rezension vorliegende, auf 1000 Stück limitierte Mediabook bietet technisch zwar die selbe Qualität, doch die Aufmachung des Mediabooks darf als Blickfang bezeichnet werden und würde bei Fans des Filmes sogar einen Neukauf rechtfertigen. Schließlich ist die Covergestaltung der 2-Disc-Edition von MIG eine Zumutung. Des Weiteren enthält diese limitierte Edition noch ein 12-seitiges Booklet mit einem informativen Text zum Film.

Beim 1080p-Bild darf man von einer hervorragenden Schärfe sprechen. Der digital gedreht Film zeigt als HD-Transfer feinste Details noch fast tadellos, beschränkt sich dabei niemals nur auf Close-Ups, sondern offenbart selbst in Totalen eine herausragende Tiefenwirkung, weist saubere Konturen auf und erzielt eine plastische Wirkung. Der Kontrast arbeitet ausgewogen und trumpft mit einem satten Schwarzwert auf, der keine Details untergehen lässt. Die Farben sind kräftig und lassen den roten Lebenssaft sehr realistisch und natürlich über den Bildschirm spritzen. Die stilistischen Verfremdungen sorgen weder beim Kontrast noch bei den Farben für grobe Ausreißer. Die Kompression arbeitet zudem sauber, und es gibt kein digitales Rauschen. Lediglich leichte Banding-Artefakte, welche sich nie im penetranten Ausmaß zeigen, sind auszumachen. Damit lässt sich aber leben.

"Excision" ist ein sehr dialoglastiger Film, wodurch sich das Geschehen weitgehend im Frontbereich abspielt. Richtige Surround-Aktivität darf man nicht erwarten, dafür werden die Effektkanäle einfach zu gering und kraftlos angesteuert. Es geschieht sehr selten, dass sich Effekte und Score aus der durchaus breiten und kräftigen Stereofront lösen und eine dezent räumliche Atmosphäre erzeugen.
Im Fall von "Excision" ist dies aber nur halb so schlimm. Dafür werden Dialoge sehr gut ausbalanciert und klar und deutlich wiedergegeben. Der englischsprachige Mix ist dem deutschen Pendant sehr ähnlich, klingt insgesamt aber etwas natürlicher und nicht so steril und studiolastig wie die deutsche Synchronisation. Deutsche Untertitel lassen sich optional hinzuschalten. Des Weiteren gibt es noch eine alternative deutsche Stereotonspur, die eigentlich unnötig war.


(Klickt auf die einzelnen Bilder, um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)

Die limitierte 2-Disc-Collector's-Edition enthält neben dem Hauptfilm auf Blu-ray noch eine DVD mit dem Film sowie weiteres Bonusmaterial. Auf der Blu-ray und der DVD befindet sich jeweils ein Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Richard Bates Jr. und Hauptdarstellerin AnnaLynne McCord, ohne deutsche Untertitel. Dennoch ein hörenswerter Kommentar, bei dem vor allem der Regisseur mit sehr vielen Hintergrundinformationen aufwartet, wodurch er niemals langweilig wird. Ebenfalls befinden sich auf beiden Discs noch Trailer zum Hauptfilm und zu weiteren Titeln von MIG.
Auf der DVD gibt es noch eine Bildergalerie sowie die sehenswerte Dokumentation "Nightmares in Red, White and Blue". Der 92-minütige Dokumentarfilm befasst sich mit der Geschichte des amerikanischen Horrorfilms und zeigt eine Menge Ausschnitte und zahlreiche Interviews. Das alles wurde mit einem deutschen Voice-Over-Kommentar versehen. Untertitel beim Bonusmaterial gibt es nicht.


"Excision" legt es auch auf diesen Kultstatus an, denn mit u. a. Malcolm McDowell ("Clockwork Orange"), Traci Lords (weltbekannte Porno-Ikone der 80er), Ray Wise (Interner Link"Twin Peaks") und dem bereits genannten John Waters hat der Film schon mal entsprechende Zutaten parat. Perfekterweise hat John Waters natürlich auch eine kleine Rolle als Priester im Film. Somit kann "Excision" nicht nur hundertprozentiig für alle Freunde des gepflegten Horrors und der "Kino Kontrovers"-Ästhetik empfohlen werden, es ist mehr ein Pflichtprogramm!

Auch wenn das auf 1000 Stück limitierte Mediabook "nur" ein RePack ist, ist es optisch ein Hingucker und unterstreicht die Qualität des Filmes. Das FSK-Logo ist auf einem Beiblatt gedruckt, welches auf der Rückseite ein alternatives Covermotiv mit der Limitierungsnummer zeigt.


Film+++++/
Bild+++++-
Ton++++--
Bonus++/---


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