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D, FR, CH, ESP 1958
Originaltitel:Es geschah am hellichten Tag
Alternativtitel:aka. Cebo, El
aka. It Happened in Broad Daylight
aka. Ça s'est passé en plein jour
Länge:99:18 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Ladislao Vajda
Buch:Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda
Kamera:Heinrich Gärtner
Musik:Bruno Canfora
Darsteller:Heinz Rühmann, Sigfrit Steiner, Siegfried Lowitz, Michel Simon, Heinrich Gretler, Gert Fröbe, Berta Drews, Ewald Balser, Maria Rosa Salgado, Anita von Ow, Barbara Haller, Emil Hegetschweiler
Vertrieb:Universum Film
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:DTS-HD Master Audio 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Audiodeskription für Sehbehinderte
Untertitel:Deutsch für Hörgeschädigte
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:12.10.2012 (Kauf)
Bonus:
  • Hi-Def exklusiv: BD-Live
  • Trailershow:
    • Heinz Rühmann Collection (2:15 Min., 576i)
    • Das Herz der Königin (2:54 Min., 576i)
    • M - Eine Stadt sucht einen Mörder (2:31 Min., 1080p)
    • Der blaue Engel (2:46 Min., 576i)
    • La Dolce Vita (2:14 Min., 576i)
    • Fantomas (3:10 Min., 576i)
    • Mädchen in Uniform (1:55 Min., 576i)
Auch wenn Friedrich Dürrenmatt seine überarbeitete Fassung "Das Versprechen" erst nach seinem Drehbuch zu "Es geschah am hellichten Tag" schrieb, so wurde seine veränderte Sichtweise zu dem Stoff zunehmend zum Maßstab für die Kritik an Ladislao Vajdas Film. Während die filmische Umsetzung dem Betrachter zum Schluss noch den Glauben an die Beherrschbarkeit des Problems ließ, war davon in Dürrenmatts Roman nichts mehr übrig geblieben.


Durch die Konsequenz, die "Das Versprechen" auszeichnet, gerieten die Aspekte, die von Seiten der Produktion vorgesehen wurden (weswegen sie von Dürrenmatt als Anpassung an den Publikumsgeschmack abgelehnt wurden), zunehmend in die Kritik. Sean Penns Umsetzung von 2001 konzentrierte sich im Gegensatz dazu - trotz aller interpretatorischen Freiheit - auf Dürrenmatts Untertitel "Requiem auf den Kriminalroman" und betonte dessen unbequemen Gedanken. Sein sperriger Film wurde entsprechend deutlich weniger vom Publikum angenommen als das Original von 1958.


Tatsächlich lag Vajdas größter Schachzug darin, Heinz Rühmann die Rolle des Oberleutnant Dr. Matthäi spielen zu lassen. Der unsympathische Charakter dieser Rolle entspricht ganz der Dürrenmattchen Intention in seiner ausschließlich dem Intellekt untergeordneten Vorgehensweise. Auch im Fanatismus in der Verfolgung eines Verbrechers, im Verzicht auf ein Privatleben und in der Rücksichtslosigkeit gegenüber Menschenleben bei der Verfolgung seiner Ziele, wird hier ein Charakter entworfen, der Ende der 50er Jahre als kritischer Gegenentwurf zum idealisierten Bild des Kriminalkommissars von singulärer Bedeutung war. Es ist nicht das Ende, das das Publikum wieder mit dem Hauptdarsteller versöhnte und ihm den Glauben an die Polizeiarbeit zurückgab, sondern Heinz Rühmanns Darstellung. Einem Anderen wäre es gar nicht bis zu der abschließenden Szene gefolgt.


Interessanterweise wird seit Vajdas Film betont, wie gut Rühmann auch in einer ernsten Rolle überzeugen konnte. Dabei wird übersehen, dass Rühmanns Stärke nie in der reinen Komik lag, sondern in der Ausgestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Nur dadurch, dass Rühmann hier ganz Rühmann bleibt, wird der Figur die Härte genommen. Als er zu Beginn an den Tatort gerufen wird, wo das tote Mädchen gefunden wurde, und im Dorfgasthof den Hausierer Jacquier (Michel Simon) vor der tobenden Menge, die ihn lynchen will, schützen muss, gelingt Rühmann genau die Mischung aus selbstbewusster Positionierung der eigenen Macht und diplomatischem Geschick, die die Situation rettet. Dadurch nivelliert Rühmann den Unterschied zwischen dem Großstadtmenschen und den Dorfbewohnern und nicht ohne Grund gibt Vajda dem von Matthäi düpierten Bürgermeister des Ortes, der die Selbstjustiz nicht verhindern wollte, später die Gelegenheit, sich zumindest sprachlich zu revanchieren. Damit betont er einerseits dessen Uneinsichtigkeit, andererseits aber auch die Verletzlichkeit des Dr. Matthäi, der dessen Beleidigung unwidersprochen hinnimmt.


Besonders beeindruckend ist das in der Szene zu erkennen, die als Schlüsselszene für den gesamten Film gelten kann, als Matthäi den Eltern des toten Kindes die Schreckensnachricht überbringt. Nach außen hin bleiben die Beteiligten alle ruhig, aber die Sprachlosigkeit lässt erst die Unfassbarkeit des Geschehenen erkennen. Die Bitte der Mutter an Matthäi, den Verbrecher zu fassen und sein Versprechen dies zu tun, sind weit weg vom Austausch von Floskeln und lassen die darin verborgene Verpflichtung sofort erkennen. Trotz aller Intellektualität und Selbstbewusstsein, die in der Figur des Polizeioffiziers liegt, vermeidet Rühmann gleichzeitig jede Arroganz.


Für diese Eigenschaft steht Siegfried Lowitz als Leutnant Heinzi, der Matthäis Position nach dessen Ausscheiden aus dem Polizeidienst übernimmt. Heinzi hält Jacquier dank einiger Indizien für den Mörder und versucht ihn, mit einem knallharten Polizeiverhör zu einem Geständnis zu bringen. In seiner Hilflosigkeit wendet sich Jacquier an Matthäi. Dass dieser sich allein mit ihm unterhält und auch an dessen Unschuld glaubt, kann trotz der freundlichen Worte nicht übersehen lassen, dass Matthäi sich nicht ernsthaft für ihn einsetzt. Viel zu sehr bleibt er den Hierarchien und Gesetzen treu, als dass er ein Wagnis einginge. Jacquiers Selbstmord, den die Polizei zudem noch als Bestätigung ihrer Theorie ansieht, wird ihm vom Publikum dennoch nicht angelastet, da Rühmann im Gegensatz zur übrigen Polizei einen betroffenen Eindruck hinterlässt.


Dürrenmatts Drehbuch und auch der filmischen Umsetzung fehlt es keineswegs an der nötigen Konsequenz, sondern nur Rühmanns Spiel und seine vorhandene Popularität beim Publikum schwächt die Schärfe der Handlung ab. Bis heute hat die Beschreibung brutaler Kindermorde in einer idyllischen Landschaft kaum etwas von ihrem Schrecken verloren und es stellt sich die Frage, ob ein solcher Film mit einer unsympathischeren Hauptfigur und dem von Dürrenmatt später veränderten Schluss, Ende der 50er Jahre in die Kinos gebracht hätte werden können. Selbst der pädagogische Zeigefinger, der kurz zu Beginn einmal auftaucht, wenn die Kinder der Klasse des getöteten Mädchens davor gewarnt werden, mit Fremden mitzugehen, kann nur als Pseudo-Argument für diesen Film herhalten und hinterlässt kaum Eindruck. Nicht ohne Grund wird diese Warnung nicht mehr wiederholt, denn Matthäi benutzt später selbst die kindliche Naivität und die damit verbundene Unvorsicht, um dem Täter auf die Spur zu kommen.


Ein weiterer, vielleicht unfreiwilliger Verdienst in Rühmanns Spiel liegt in dem Freiraum, den er Gerd Fröbe für die Darstellung eines Kindermörders lässt. Auch wenn die psychologische Grundlage für dessen Verhalten aus heutiger Sicht einseitig wirkt, indem sein Frauenhass einer dominanten Ehefrau zugeschrieben wird, so bleibt sein Spiel beeindruckend. Fröbe gelingt es, einer Figur, die keine größere Abscheu erzeugen könnte, menschliche Züge abzugewinnen. Dadurch wird zum einen seine innere Zerrissenheit deutlich, zum anderen verständlich, warum er auf das Mädchen einen solchen Reiz ausüben kann. In diesem Punkt kommen sich Rühmann und Fröbe ganz nah, da sie im Grunde die gleichen nach außen hin freundlichen Methoden anwenden, um ein Kind für ihre Zwecke einzuspannen. Doch während Rühmann durch seine Art diese Vorgehensweise abschwächt, ist Fröbe viel konsequenter, weil er den Egoismus dahinter offen herauslässt. Dr. Matthäis Ansinnen ist kaum weniger bösartig, weil er den Tod des Mädchens riskiert, aber zu dieser Parallelität lässt es der Film letztendlich nicht kommen, indem er noch rechtzeitig einsichtig wird und auch die Schelte der Mutter eher schwach ausfällt. Spätestens daran ist zu erkennen, dass das Ende nicht entscheidend für das Urteil über Dr. Matthäi ist.


"Es geschah am hellichten Tage" mag man aus heutiger Sicht - im Vergleich zu Dürrenmatts "Das Versprechen" - gewisse Schwächen in der kritischen Konsequenz nachweisen können, aber damit tut man einem Film unrecht, der 1958 ein Paradebeispiel für ein intelligentes Drehbuch und großartige schauspielerische Leistungen wurde. Rühmann bleibt sich hier zwar treu, aber sein Spiel kommt dem Film zugute, weil es einen sperrigen Stoff publikumskompatibel werden lässt, ohne diesem die eigentliche Intention zu nehmen. Trotz gewisser zeitgemäßer Vereinfachungen, überrascht der Mut, ein schwieriges und von Vorurteilen geprägtes Thema so komplex umzusetzen. Das Happy End – wenn man es überhaupt so nennen will – funktioniert zwar als Beruhigung und lässt den Betrachter aufatmen, aber einem wachen Geist bleiben Dürrenmatts Beweggründe deshalb keineswegs verborgen.


Universum Film veröffentlicht diesen deutschen Klassiker erstmals auf Blu-ray mit dem Zusatz "Remastered". Anscheinend versteht das Label etwas gänzlich anderes unter diesen Begriff als der Kunde, denn was dem als High Definition Transfer verkauft wird, ist weit davon entfernt, plastisch oder gar natürlich zu wirken. Vielmehr wurde das Bild zu Tode gefiltert und wirkt dadurch künstlich und glatt. Aufgrund des extremen Rauchfiltereinsatzes sind die Reste des Filmkorns als unschöner Artefaktebrei zu sehen. Die Schärfe, gerade mal auf DVD-Niveau, verleiht dem Film keinerlei Pluspunkte und der katastrophale Kontrast wurde extrem steil gewählt, wodurch helle Bildbereiche enorm überstrahlen und gleich die restlichen Bildanteile in Mitleidenschaft ziehen. Dunkle Bereiche saufen dabei gnadenlos ab. Auch die Graustufen fallen extrem gering aus und von Detailschärfe kann man nur träumen. Zum Glück sorgt die Kompression nicht für zusätzliche Artefakte. Dafür wirkt das Bild sehr unruhig und zeigt immer wieder Defekte und Schmutzpartikel. Das hat nichts mit High Definition zu tun und ist dem Film nicht würdig.



Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Der deutsche DTS-HD Master Audio 2.0 Mono-Ton hinterlässt auch keinen sonderlich guten Eindruck. Die Klangqualität neigt zu starken Verzerrungen, wirkt unruhig und blechern. Der Hochtonbereich klingt kratzig und selbst wenn Dialoge verständlich klingen, fehlt es dem Mix an Natürlichkeit und Frische. Egal, wie alt dieser Heinz Rühmann-Klassiker ist, aber bei der Restauration hätte man deutlich mehr herausholen sollen. Auf Bonusmaterial muss man ebenfalls weitgehend verzichten. Neben ein paar Trailern und einer BD-Live-Anbindung gibt es noch eine Hörfilmfassung für Blinde, sowie deutsche Untertitel für Schwerhörige.


Was Universum Film ihren Kunden serviert, ist eine Frechheit. Ein totgefiltertes, matschiges Bild und einen muffigen, angestaubten deutschen Monoton. Das hat dieses Meisterwerk bei weitem nicht verdient. Restauriert wurde hier nicht, höchstens verschlimmbessert. Da sollte man besser seine DVD-Version behalten. Die Blu-ray wird mit einem FSK-Wendecover ausgeliefert.


Film+++++/
Bild+/----
Ton+/----
Bonus------


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