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AUS, D, FI 2012
Originaltitel:Iron Sky
Alternativtitel:Rautataivas
Länge:92:42 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Timo Vuorensola
Buch:Jarmo Puskala, Johanna Sinisalo, Michael Kalesniko, Timo Vuorensola
Kamera:Mika Orasmaa
Musik:Laibach
SFX:E.G.G.S., Filmgate
Darsteller:Julia Dietze, Christopher Kirby, Götz Otto, Udo Kier, Peta Sergeant, Stephanie Paul, Tilo Prückner, Michael Cullen, Ben Siemer, Tom Hoßbach
Vertrieb:Splendid / WVG
Norm:1080p / AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:2,40:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Holländisch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:12.10.2012 (Verleih) / 26.10.2012 (Kauf)
Bonus:
  • Trailer bei Disc-Start:
    • Gone (2:21 Min., 1080p)
    • Harodim (1:24 Min., 1080p)
  • Audiokommentar
  • Dt. Kinotrailer (1:51 Min., 1080i)
  • Originaltrailer (1:53 Min., 1080p)
  • Teaser #1 (2:49 Min., 720p)
  • Teaser #2 (1:46 Min., 720p)
  • Product Teaser #3 (1:06 Min., 1080p)
  • Soundtrack (1 Seite)
  • 62. Berlinale: Die Premiere von "Iron Sky" (11:46 Min., 1080i)
  • Iron Sky: How It All Started (8:29 Min., 1080i)
  • Iron Sky: The Story And The Characters (14:41 Min., 1080i)
  • Galerie #1: Stills (1:55 Min., 1080i)
  • Galerie #2: Behind The Scenes (1:36 Min., 1080i)
  • Trailer:
    • Deutsch:
      • Gone (2:21 Min., 1080p)
      • Doomsday Book (1:38 Min., 576i)
      • 1911 Revolution (2:35 Min., 1080p)
      • Beyond (1:48 Min., 1080p)
      • Love (2:16 Min., 1080p)
      • 14 Schwerter (1:49 Min., 1080p)
      • White Vengeance (1:18 Min., 576i)
      • War Of The Arrows (1:25 Min., 1080p)
    • Original:
      • Howling (1:26 Min., 1080p)
      • Skyline (2:17 Min., 1080p)
      • 1911 Revolution (2:35 Min., 1080p)
      • Beyond (1:48 Min., 1080p)
      • Love (2:16 Min., 1080p)
      • Legendary Amazons (1:49 Min., 1080p)
      • White Vengeance (1:18 Min., 576i)
      • War Of The Arrows (1:25 Min., 1080p)
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs schaffen es die Nazis mit Hilfe von riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, die dunkle Seite des Mondes zu besiedeln. Als sie im Jahr 2018 zufällig von einer amerikanischen Mondmission entdeckt werden, sehen sie ihre Zeit gekommen, um wieder nach der Weltherrschaft zu greifen. Von nun an lastet das Schicksal der Menschheit auf den Schultern von Renate Richter (Julia Dietze), einer von der Nazi-Ideologie überzeugten Lehrerin. Auf der Erde angekommen wird ihr jedoch schnell bewusst, dass sie ihr Leben lang einer Lüge aufgesessen ist. Nur wie soll es ihr gelingen, ihren machtbesessenen Verlobten Klaus Adler (Götz Otto) und dessen Götterdämmerung aufzuhalten?
Die dunkle Seite des Mondes hat schon viele Fantasien angeregt, aber noch intensiver geistert die Nazi-Zeit in den Köpfen weiter, gespalten zwischen dem extremen Schrecken, den diese Menschen verachtende Ideologie verbreitete, und einer Faszination vor deren Symbolik, die auch dank vieler filmischer Werke inzwischen klischeehaft auf wenige, aber prägnante Komponenten reduziert wurde - den Aufrüstungswahn und die damit verbundene Suche nach technischem Fortschritt, die jeden Lebensbereich betreffende Optik, die klaren Hierarchien und den unerschütterlichen Glauben an die eigene Überlegenheit.



Die Lächerlichkeit hinter dieser übertriebenen Ernsthaftigkeit wurde schon 1940 von Charles Chaplin in "Der große Diktator" persifliert, aber die Diskussion, ob ein humorvoller Umgang mit einer Phase, die viele Millionen Menschenleben forderte, angemessen ist, riss seitdem nicht mehr ab. Dass das Regisseur und Autor Timo Vuorensola bewusst gewesen sein muss, wird in einer der ersten Szenen des Films deutlich, als die stramm auf Ideologie getrimmte Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) ihrer Klasse einen Ausschnitt aus "Der große Diktator" zeigt, in der Chaplin als Hitler mit der Weltkugel spielt. Für sie handelt es sich um einen 10minütigen Kurzfilm, den sie als positives Andenken an den verstorbenen "Führer" empfindet - die darin verborgene Kritik kann sie ohne den vollständigen Film nicht empfinden.



Es sind diese Details - Anspielungen auf unzählige Filme, Fernsehserien, aber auch reale Vorkommnisse - und das ironische Spiel mit Symbolen und Klischees, die "Iron Sky" zu einem höllischen Vergnügen werden lassen, das ständig zwischen real vorstellbaren Konsequenzen und irrwitzigen Einfällen tendiert. Vourensola bricht die Nazi-Thematik dadurch, dass er sie in eine nahe Zukunft - das Jahr 2018 - versetzt. Es kommt zu der Begegnung zwischen einer Gegenwart, in der die us-amerikanische Präsidentin (Stefanie Paul) gerade versucht, wiedergewählt zu werden, und einer Vergangenheit, die auf der dunklen Seite des Mondes konserviert wurde.


Als der Astronaut James Washington (Christopher Kirby), dessen Mondflug als attraktiver Afro-Amerikaner vor allem die Popularitätswerte seiner Präsidentin fördern sollte, von Soldaten gefangen genommen wird, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen - auf dem Mond befindet sich eine Nazi-Kolonie, die in einer riesigen Hakenkreuz förmigen Festung untergebracht ist. Das Leben hier ist ein merkwürdiges Zwitterwesen aus der Bewahrung traditioneller Verhaltensmuster und der Tatsache, dass auch an den Nazis die folgenden gut 70 Jahre nicht spurlos vorbei gegangen sind. So muss der neue Anführer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) ständig darauf hinweisen, dass es nicht mehr "Heil Hitler" heißt, die englische Sprache wird bewusst geschult, da es sich um die aktuelle Weltsprache handelt, und man bastelt seit Jahrzehnten an der "Götterdämmerung", einem monströsen UFO, mit dem die Weltherrschaft übernommen werden soll.



Die Science-Fiction-Optik von "Iron Sky" ist ein unmittelbarer Rückgriff auf die fliegenden Untertassen der 50er Jahre, gleichzeitig futuristisch und altmodisch, denn die Nazi-Technik basiert immer noch auf den Errungenschaften der 40er Jahre, als sie mit ihren UFOs, sogenannten "Reichsscheiben", zum Mond flohen. Timo Vuorensola bleibt aber nicht bei ironischen Reminiszensen, sondern scheut sich auch nicht vor Provokationen, zeigt den offensichtlichen Rassenhass und lässt den Wissenschaftler Doktor Richter (Tilo Prückner), der den Astronauten am liebsten gleich aufschneiden würde, nicht zufällig Albert Einstein ähneln.

Doch vielschichtiger wird "Iron Sky" erst, sobald er die Nazi-Ideologie auf die Gegenwart loslässt. Denn der ehrgeizige Klaus Adler (Götz Otto) sieht sich nicht nicht nur als zukünftiger "Führer", sondern gleich als Weltherrscher, und nimmt deshalb konsequenterweise Kontakt zur us-amerikanischen Präsidentin auf. Deren Beraterin Vivian Wagner (Pita Sergeant) ist nicht nur persönlich von dem selbst ernannten "Herrenmenschen" begeistert, sondern begreift dessen Haltung als ideale Unterstützung des Wahlkampfs ihrer Präsidentin, so dass dieser, die Uniform leicht modern angepasst, sogleich ins Wahlkampfteam geholt wird - natürlich mit großem Erfolg.

"Iron Sky" verbindet eine Vielzahl an Genres miteinander, ist einerseits ein klassischer Science-Fiction-Film in der Tradition von "Independence Day", eine ironische Farce über die Mechanismen einer Ideologie, deren Symbolik auch heute noch über ausreichend Faszination verfügt, eine Komödie für Genre-Liebhaber, die sich an den vielen Anspielungen delektieren können, andererseits ein bitterböser Blick auf die Menschheit, der bis zum Schluss keine Idealisierung mehr zulässt, dessen Witz dem Betrachter deshalb ein wenig im Halse stecken bleiben sollte.



Egal, für welche Blu-ray-Fassung man sich entscheidet, das Bonusmaterial ist überall gleich. Zum Umfang gehören neben Standardextras wie Trailer und ein Verweis auf den Soundtrack von Laibach auch leicht zu übersehende Dinge wie die Teaser. Diese enthalten frühe Szenen des Films, die u.a. dazu dienten, den Film zu finanzieren. Einiges davon ist nicht im fertigen Film zu finden. Die Premierenfeier fand auf der Berlinale vor großem Publikum statt. Die viertelstündige Rundschau enthält Ansprachen, Dankesreden, ein paar Eindrücke von der Nachfeier und natürlich Meinungen zum Film. Mehr Infos beinhaltet die gerade mal 9-minütige Dokumentation, bei der die Filmemacher mit ihren Frühwerken vorgestellt werden und wie daraus die Idee erwuchs, einen Film über Weltraumnazis zu machen. "The Story And The Characters" ist nicht nur eine Vorstellung der Charaktere, sondern es dreht sich auch darum, wie die Darsteller ausgewählt wurden und welche Ideen die kreativen Köpfe mit ihren Figuren hatten. In den Bildergalerien werden pressereife Fotos und auch ein wenig Behind The Scenes-Aufnahmen gezeigt, so dass dieser Bereich ein wenig die Entstehung des Films am Set abdeckt. Mehr zum langjährigen Enstehungsprozess wird im Audiokommentar geboten, den Regisseur Timo Vuorensola und CG-Effektkünstler Samuli Torssonen einsprechen. Es wird erzählt, wie auf zahlreiche Sets und Statisten zurückgegriffen wurde, dass man einige Darsteller schon Jahre vor Drehbeginn castete und wie sich die Geschichte von einem Drehbuchentwurf zum nächsten weiterentwickelte. Wer den Film gut oder zumindest interessant findet, sollte also beim Kommentar reinhören!



Ich hatte keine so gute Bildqualität von dieser Blu-ray erwartet, zumal es für Indies ohnehin schwer ist, budgetbedingte Schwächen in der 2K-Auflösung gut aussehen zu lassen. Besonders hervorzuheben ist, dass die Verbindung von realen Elementen und computergenierten Bildern einen sehr guten Eindruck hinterlässt, weil man fast nie das Gefühl bekommt, dass Bildelemente zusammengefügt wurden. Ein paar künstliche Aufnahmen kann "Iron Sky" allerdings nicht verstecken, denn manchmal ist die Schärfe etwas unnatürlich ausgelegt. Ansonsten ist diese über weite Strecken sogar sehr gut, denn besonders die Weltraumszenen sind höchst detailreich und scharf. Bei Dialogszenen mit Darstellern fehlt es ein wenig an Tiefe, der Gesamteindruck schwankt allerdings nicht merklich. Die Farben wurden merklich auf kühle Tönungen reduziert. Diese Sepia-Bleichung passt sehr gut zum Thema, resultiert aber manchmal auch in etwas zu bleichen, gelblichen Gesichtern. Etwas mehr Farbe wäre da nett gewesen. Die Kompression ist sauber und Bildfehler (auch stilistischer Natur) kommen nicht vor. Sehr überzeugend!


Der Ton ist noch eine Stufe besser, denn die größtenteils künstlich generierte Klangwelt ist sehr lebendig und in ausgewählten Momenten auch wuchtig. Besonders gut gefallen mir die brummligen Weltraumschiffe mit hörbaren Vergasermototen, wenn sie durch alle Kanäle flitzen. Besonderer Höhepunkt an Dynamik, Wucht und Getöse ist natürlich die Weltraumschlacht, bei der es glasklar aus allen Boxen prasselt. Auch die Dialoge sind gut gelungen und vergleichsweise oft mit räumlichen Effekten versehen. Die deutschen Darsteller wurden natürlich mit sich selbst in der Sprechrolle besetzt, was besonders Udo Kiers Rolle interessant macht. Der englische Originalton ist in erheblichen Teilen deutsch eingesprochen, um die Rollenverteilung "Nazi" und "Amerikaner" zu verdeutlichen. Auch wenn diese Sprachfassung keine klanglichen Vorteile bietet, ist sie dem Trash-Appeal beim Vermischen von deutschen Worthülsen mit kurzen englischen Phrasen noch dienlicher. Wer möchte, kann sich deutsche Untertitel hinzuschalten.



(Klickt auf die einzelnen Bilder um diese in der Originalgröße zu sehen.)

Der durch seine jahrelange Community-Bindung und Crowdfunding-Versuche bekannt gewordene "Iron Sky" ist für seine Budgetklasse überraschend professionell geworden. Dass er sich inhaltlich nur vage an große Weltraumepen hält und damit auf das Mainstream-Pulbkikm trashig oder gar etwas unausgegoren wirkt, mag ihm der Fan des abseitigen Films zugute halten.
Die bislang erhältlichen Blu-ray-Editionen sind technisch und auch beim aufgespielten Bonusmaterial identisch. Lediglich die Verpackung und die Beigaben in dieser unterscheiden sich. Wider Erwarten hat es die deutsche Fassung sogar ungekürzt inklusive aller Hakenkreuze durch die FSK geschafft - mit einer nahezu undenkbaren Freigabe ab 12 Jahren! Eine verlängerte Fassung mit erweiterten Material ist laut Regisseur derzeit in Planung.


Film+++++-
Bild++++/-
Ton+++++-
Bonus+++/--


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Iron Sky
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