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USA, D 2005
Originaltitel:Hostage
Länge:113:18 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Florent Emilio Siri
Buch:Doug Richardson
Kamera:Giovanni Fiore Coltellacci
Musik:Alexandre Desplat
SFX:Jeff Miller
Darsteller:Bruce Willis, Kevin Pollak, Jonathan Tucker, Ben Foster, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Jimmy 'Jax' Pinchak, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis, Hector Luis Bustamante, Christina Cabot
Vertrieb:Cine Plus / VCL
Norm:1080p / AVC MPEG-4
Medium:BD-25
Regionalcode:A,B
Bildformat:2,40:1
Tonformat:Dolby TrueHD 5.1 (dt.), Dolby Digital 2.0 Stereo (engl.)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastonCase
Blu-ray-Start:29.04.2008 (Verleih) / 29.04.2008 (Kauf)
Bonus:
  • Audiokommentar Florent Emilio Siri
  • Traileshow:
    • Jeepers Creepers (1:47 Min., 1080i)
    • Copland (1:55 Min., 1080i)
Jeff Talley war beim L. A. Police Departement Spezialist für Verhandlungen mit Geiselnehmern. Als aber eine Geiselnahme in einer Katastrophe endet, verlässt er ausgebrannt und desillusioniert Los Angeles und nimmt in einer Kleinstadt den weniger aufregenden Job des Polizeichefs an. Doch als drei jugendliche Kriminelle den korrupten Buchhalter Walter Smith und dessen zwei Kinder als Geiseln nehmen, sieht sich Talley mit genau der Situation wieder konfrontiert, die er für den Rest seines Lebens vermeiden wollte und er übergibt den Fall dem Sheriff von Ventura County. Auf dem Anwesen von Walter Smith befinden sich jedoch geheime Informationen eines Verbrechersyndikats, das vor nichts zurückschreckt, um unerkannt zu bleiben. Sie entführen Talleys Frau und Tochter, um ihn zu zwingen, die Leitung der Verhandlungen mit den Kidnappern in der Villa wieder zu übernehmen und ihnen die geheimen Daten zu besorgen. Weil derart viel auf dem Spiel steht, wird die Situation für Talley immer brisanter - und gefährlicher, als er sich in seinen schlimmsten Alpträumen hätte vorstellen können ...
Mit Florent Emilio Siri gibt nun der nächste französische Filmemacher nach Größen wie Mattheu Kassovitz (Interner Link"Gothika"), Jean-François Richet (Interner Link"Assault on Precinct 13") oder Pitof (Interner Link"Catwoman") seinen Einstand in Hollywood und liefert gleich einen hochspannenden Thriller der Extraklasse ab. Der dank des leider immer noch zu unbekannten, knallharten Actiongeheimtipps "Nid de guêpes" unter Genrefans geschätzte und auch der Zockerfraktion dank seiner Mitarbeit an den beiden "Splinter Cell"-PC-Spielen bestens bekannte Regisseur trommelte seine eingespielte Crew um Kameramann Giovanni Fiore Coltellacci und Komponist Alexandre Desplat zusammen, um bösartigen Antimainstream abzuliefern. Wohl auch deshalb hielt der Erfolg sich an den amerikanischen Kinokassen doch sehr in Grenzen.


"Hostage", niedergeschrieben von Doug Richardson (Interner Link"Die Hard 2", Interner Link"Bad Boys"), ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein schonungsloses Unterfangen, das nicht nur zu gern mit Hollywoods Tabus bricht, sondern auch visuell erfrischend anders, auf seine eigene, ästhetische Art sehr künstlerisch und stilsicher daherkommt. Siri besitzt im kleinen Finger mehr Talent als solche Auftragsflachzangen der Marke John Moore ("Behind Enemy Lines", "Flight of the Phoenix") oder Brett Ratner ("Money Talks", Interner Link"Rush Hour") im ganzen Körper und das spielt er hier formvollendet aus.
Nicht nur mit den innovativsten Opening Credits seit langem und mit seiner düsteren und doch sehr edel gehaltenen Optik stellt er dies unter Beweis, sondern vor allem mit der Fähigkeit sein Hollywooddebüt so zu inszenieren, dass er dem Publikum nahezu keine Sekunde zum Durchatmen lässt.


Mit Bruce Willis (Interner Link"Die Hard", Interner Link"Last Boy Scout"), der sich nach Interner Link"Tears of the Sun" endlich wieder erneut in herbe Stoffe, denen er ja eigentlich abgeschworen hatte, wagt, hat er allerdings auch ein erfahrenes Zugpferd zur Stelle, das sich schauspielerisch im Alter tatsächlich noch weiterentwickelt hat und diesen zerbrochenen Charakter, der scheinbar jegliches Selbstbewusstsein an dem sogleich vorgestellten, schicksalhaften Tag verlor, viel glaubwürdige Authentizität verleiht. Mit solchen Rollen sollte einer weiter erfolgreichen Karriere, im Gegensatz zu diversen scheiternden Ex-Action-Stars, nichts im Wege stehen. Aber das hat Willis ja schon zur Genüge in der Vergangenheit bewiesen.


Der routinierte und glimpfliche Ausgänge gewohnte und damit auch schon zu Überheblichkeit neigende Spezialist für Geiselnahmen in Los Angeles wähnt sich auch in jener verzwickten Situation schon erfolgreich. Doch plötzlich eskaliert die Lage und ein Ehemann löscht sich und seine gesamte Familie aus. Der Sohn stirbt in Jeff Talleys (Willis) Armen und dieser wirft sich nun vor, das S.W.A.T.-Team nicht seine Arbeit lassen machen zu haben. Geschockt quittiert er den Dienst, zieht, obwohl die Ehe in Scherben liegt, mit Frau und Tochter aufs Land und schiebt als Dorfpolizist dort eine ruhige Kugel. Bis zu dem Tag, als drei Jugendliche, die ursprünglich nur ein Auto klauen wollten, in den Gebäudekomplex der weit ab vom Schuss lebenden Familie Smith eindringen ...


Hinsichtlich der Inszenierung muss infolge vor allem die kalte Bedrohlichkeit, die wirklich extrem in Bildern festgehaltene Kompromisslosigkeit und der hohe Härtegrad erwähnt werden. Denn alle drei Aspekte werden durch den sadistischen Soziopathen Mars Krupcheck (beängstigend gut: Ben Foster, Interner Link"The Punisher") verkörpert. Im Gegensatz zu den beiden doch reichlich hilflos und konfus mit der Lage umgehenden Brüdern Dennis und Kevin, die durch Affekthandlungen die Situation erst heraufbeschworen haben, ist er ein zutiefst brutaler Zeitgenosse, der sich an Schmerzen anderer weidet und vor Morden wie auch vor Vergewaltigungen nicht zurückschreckt. Während Dennis und Kevin immer noch mit sich selbst und der verfahrenen Lage beschäftigt sind, bemerken sie zunächst gar nicht dessen wahres Gesicht. Die beiden sich im Haus befindlichen hilflosen Kinder Tommy (Jimmy Bennett, Interner Link"The Amityville Horror") und Jennifer (Michelle Horn) hingegen schon. Zwischenzeitlich könnte man fast von einem Horrorthriller schreiben, so furchteinflößend ist diese Mars-Figur.


Jeff Talley, der als Begrüßungsgeschenk gleich unter Einsatz seines Lebens am Tatort eine kaltblütig angeschossene Beamtin aus der Schusslinie holen darf, ist mit der Situation sichtlich überfordert, fühlt sich zu sehr an seine Vergangenheit erinnert und gibt die Initiative ab. Doch nicht für lange, denn plötzlich mischt eine geheimnisvolle dritte Fraktion, die seine Familie entführt hat, mit und verlangt von ihm, dass er etwas extrem Wichtiges aus dem Haus holt. Nun ist guter Rat teuer und Talley tut wieder das, was er am besten kann - verhandeln. Florent Emilio Siri präsentiert immer wieder neue Twists, verschlimmert die Lage und präsentiert die Handlungen vor wie im Haus extrem temporeich und megaspannend. Während man versehentlich das Haus in eine Festung verwandelt und sich damit einsperrt, muss Talley zusehen, wie er in das Haus kommt oder zumindest mit jemandem dort drinnen Kontakt aufnehmen kann, um Antworten auf seine Fragen zu bekommen. Drinnen der Kampf der Geiseln um ihr Überleben (u.a. Lüftungsschächte, Panic Room, etc.) und draußen der um Kontrolle bemühte Talley, der seine Befugnisse überschreitet, in seiner Verzweiflung eigenhändig unbefugte Entscheidungen trifft und mit der ständigen Angst leben muss, wieder etwas zu versprechen, was er schon mal vergeigt hat. Allerhand zu tun also für den ehemaligen Negotiator, da so ganz nebenher ja auch noch seine Familie gerettet werden muss und man seinem Unterfangen keinesfalls auf die Schliche kommen darf.


Die dosiert eingesetzten und zum Schluss absolut edlen (Siris visuelle Extravaganz bezüglich Spielereien mit dem Feuer schaut sehr beeindruckend aus) Actioneinlagen sorgen für die nötige Auflockerung des atmosphärisch dichten Szenarios, wirken jedoch nie aufgesetzt, sondern durchaus passend in die Handlung integriert - auch wenn zum Schluss dann ganz klar nur noch die harte, viele Opfer fordernde Actionschiene gefahren wird.
Der Hauptteil von "Hostage" spielt bei Nacht, diese Ausgangslage trägt einiges zur Atmosphäre bei. Das künstliche Licht, der in der Nacht fliegende Helikopter, die planlose Polizeimeute und die aus der Dunkelheit herrührende Unübersichtlichkeit ergeben für den Zuschauer ein Gefühl der Machtlosigkeit. Ähnlich dem, was Talley fühlt, nur muss der sich überwinden zu handeln.


Die Schwächen lassen sich nur im Detail finden. Sicher bleibt man bezüglich der im Hintergrund agierenden Dunkelmänner so einige Antworten schuldig und einige Überraschungen wirken doch, zumindest rückblickend, arg konstruiert, aber in erster Linie zählt hier die Unterhaltung und nervenaufreibende, Schweißhände verursachende Spannung, sowie mit einem gesunden Härtegrad versehene Action. Siri hat diese Elemente souverän im Griff. Zumindest von meiner Seite aus wird das Ausbleiben von wohl tempobedingt glatt gebügelten und auch kaum Gewicht verliehenen Fragen wie "Wie weit wird Talley gehen, um seine Familie zu retten?" oder "Wer verbirgt sich hinter Mars?" jedenfalls verziehen. Dafür bleibt "Hostage" bis zur letzten Szenen einfach undurchschaubar. Ich war mir bei Siri ehrlich gesagt dank der vorherigen 100 Minuten wirklich nicht sicher, wie er den Thriller enden lassen würde.


"Would you sacrifice another family to save your own?" - Werbezeile

Während Interner Link"Jeepers Creepers" solide und Interner Link"John Carpenter's Vampire" auf Blu-ray katastrophal aussah, bietet VCL uns hier diesmal einen durchweg überzeugenden Transfer, welcher in MPEG 4 codiert wurde. Das Bild überzeugt mit einer durchweg sehr guten Schärfe und bietet reichlich Details, welche selbst in Totalen noch überzeugen und in Nahaufnahmen eine wahre Freude sind. Da stört das durchweg vorhandene Filmkorn nur minimal. Der Kontrast ist außerordentlich gut gewählt, bietet ein satten und stets kräftigen Schwarzwert, sowie eine ausgezeichnete Durchzeichnung. Lediglich in einigen dunkleren Szenen gehen ein paar Details verloren, was aber nicht wirklich stört. Die Farben sind weitgehend sehr natürlich, unterliegend aber diverser Stilmittel. Außenaufnahmen weisen meist einen leichten Gelbfilter auf, wodurch der Transfer erdig erscheint. Insgesamt ein wirklich guter Transfer, der mit einer guten bis sehr guten Tiefenwirkung auftrumpfen kann und lediglich in den Außenaufnahmen aufgrund der Filter etwas abfällt. Die Kompression arbeitet sauber und Schmutz oder Defekte sind ebenfalls nicht wahrzunehmen.
Der deutsche Dolby TrueHD 5.1-Mix überzeugt ebenfalls in allen Belangen und bietet uns eine weiträumige und teilweise sogar sehr aggressive Surroundabmischung, bei der der Subwoofer und vor allem die Effektkanäle für einige schöne und atmosphärische Momente sorgen. Schüsse fliegen uns beispielsweise um die Ohren und sind sehr gut ortbar.
Der Score wird zudem sehr präzise auf die Kanäle verteilt und sorgt zusammen mit den Umgebungsgeräuschen selbst in ruhigeren Passagen für die nötige Räumlichkeit. Filmbedingt gibt es zwar nicht allzu viele direktionale Effekte, doch wenn, dann sind sie stets gut platziert und werden mit sehr viel Druck wiedergegeben. Die Dialoge sind dabei stets hervorragend zu verstehen und passen sich dem restlichen Klangbild sehr harmonisch an. Für einen Actionthriller ein wirklich hervorragender Mix, der im Zusammenhang mit dem tollen Bild eine Menge Spaß macht. Ärgerlich ist jedoch, dass die englische Originalspur nur in Stereo vorliegt. Bitte, was soll das? Sicherlich ein sehr guter Stereomix, der gut verständlich und mit einer sehr kräftigen und klaren Front aufwarten kann, doch selbst die DVD hatte einen 5.1-Mix, weshalb die Blu-ray in diesem Breeich einen Rückschritt darstellt. Zumindest gibt es hinzuschaltbare deutsche Untertitel.
VCL leistet sich mit dieser Veröffentlichung einige gravierende Patzer. Dass die englische Tonspur nur in Stereo vorliegt, könnte man ja noch verkraften, obgleich es ein Witz darstellt, doch dass bei den Coverangaben dermaßen geschlampt wurde, ist einfach inakzeptabel. Der Kunde kauft ein Produkt u.a. wegen der technischen Spezifikationen. So steht auf dem Cover, dass beide Tonspuren in Doby Digital 5.1 vorliegen, dass der deutsche Mix sogar in TrueHD aufgespielt wurde ist Klasse, doch ein Downgrade auf Stereo bei der englischen Spur ist nicht mehr lustig. Zudem ist das Bildformat von 2.23:1 absolut falsch und laut VCL bietet die Disc kein Bonusmaterial. Dies ist nur fast richtig, denn die Blu-ray bietet doch tatsächlich einen Audiokommentar mit dem Regisseur. Das Schöne daran: Er wurde deutsch untertitelt. Dies macht einiges wieder gut, denn der Kommentar ist wirklich Klasse. Florent Siri geht auf einzelne Aspekte der Dreharbeiten sehr analytisch ein, erzählt viel über die Wirkung einzelner Szenen und so erfahren wir, dass man für eine sehr emotionale Sequenz Bruce Willis' echte Tochter gefesselt zeigt und er mit ansehen musste, wie ihr jemand eine Pistole an den Kopf hält. Für Willis, der gefesselt im Auto saß, war dies sehr überraschend und er ist ausgerastet, was die Szenen sehr überzeugend machte. Im weiteren Verlauf hatte Willis immer ein Foto seiner geknebelten Tochter bei sich, um bei Bedarf die nötigen Emotionen wieder hervorzurufen, die ein Vater hat, dessen Familie als Geisel gehalten wird. Im Übrigen gibt es noch ein paar Trailer, nur der Trailer zum Hauptfilm fehlt.


Unberechenbarer, fesselnder und hochspannender Thriller, der sich sehr kompakt auf das Wesentliche, die Spannung, konzentriert und zudem über wirklich klasse inszenierte Actionszenen verfügt. Wir konnten jedenfalls unseren Blick über die gut 112 Minuten nicht vom Fernseher lassen. "Hostage" präsentiert sich als unverdauliches, nihilistisches und damit gegen den Mainstream gebürstetes Filmvergnügen, das Nervenkitzel garantiert. Da mit Bruce Willis und Ben Foster zudem noch zwei hervorragend aufgelegte Darsteller fungieren, das Ambiente absolut stimmig geriet und Siri mit seiner düsteren, unkonventionellen, Hollywood gänzlich fremden Inszenierung einfach gelobt werden muss, bleibt nur die glasklare Empfehlung - ohne wenn und aber. Eigentlich verwunderlich, wo da doch deutsche Gelder respektive Medienfonds hinterstecken.


Film+++++-
Bild+++++-
Ton+++++/
Bonus+-----


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