D 2011
Originaltitel:Masks
Länge:108:36 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Andreas Marschall
Buch:Andreas Marschall
Kamera:Sven Jakob
Musik:Sebastian Levermann, Nils Weise
SFX:Christian Planitzer
Darsteller:Michael Balaun, Lucyna Bialy, Lisa Blaschke, Franziska Breite, Zübeyde Bulut, Nico Ousman Corr, Lena Coskuner, Malin Dodin, Peter Donath, Susen Ermich, Stefanie Grabner, Oliver Gruca
Vertrieb:Anolis / Sony Pictures
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:2,35:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:20.10.2012 (Kauf)
Bonus:
  • Audiokommentar mit Regisseur Andreas Marschall, Kameramann Sven Jakob und Produzent Heiner Thimm
  • Trailer (1:45 Min., 1080p)
  • Behind the Scenes (15:00 Min., 1080p)
  • Bildergalerie (36 Bilder, 1080p)
  • Entfernte Szenen:
    • Die schreckliche Maske (0:58 Min., 1080p)
    • Das verschwundene Mädchen (ohne Ton) [(0:28 Min., 1080p)
    • Flüsternde Stimmen (1:12 Min., 1080p)
    • Cecils Medaillon (ohne Ton) (1:08 Min., 1080p)
  • 4-seitiges Booklet
Stella, die lange vergeblich versucht hat, sich erfolgreich bei einer Schauspielschule zu bewerben, wird überraschend an der "Matteusz Gdula"-Privatschule angenommen. Stella ist ehrgeizig, aber nicht sehr talentiert, was sie schnell zur Zielscheibe des Gespötts der anderen Schauspielschüler macht. Nur in der schüchternen Cecile, die in der Schule zu leben scheint, findet sie eine neue Freundin. Von ihr erfährt sie von Gdula, dem geheimnisvollen Gründer der Schule, der eine fragwürdige Schauspielmethode entwickelt hat. In den 70er Jahren kamen in seiner Theatergruppe mehrere Schüler ums Leben. Gdula brachte sich um, seine Methode wurde verboten. Als eine Schülerin spurlos verschwindet, vermehrt merkwürdige Geräusche aus dem geschlossenen, baufälligen Flügel der Schule dringen und die Lehrerschaft ihren Fragen zu Gdula und seiner Methode ausweicht, ahnt Stella, dass jemand Gdulas Lehre noch praktiziert. Sie hat daraufhin nur noch ein Ziel: An der Methode teilzunehmen. Selbst, wenn es sie das Leben kosten sollte ...
Nachdem äußerst erfolgreichen wie erfrischenden Interner Link"Tears of Kali" wurde es etwas still um Andreas Marschall, der trotz des weltweiten Erfolges seines Episoden-Horrors von der deutschen Filmförderung seit jeher ignoriert wird. Acht Jahre später und mit einer andere Geschichte im Gepäck, produzierte und inszenierte Marschall mit "Masks" erneut einen Horrorfilm und beweist, dass deutsches Kino auch abseits des Mainstreams funktioniert und die Deutschen weitaus mehr können, als Wald- und Wiesen-Zombies über die Leinwand zu jagen oder das Publikum mit Kitsch und Stoffhasen zu malträtieren.



"Masks" ist die Wiederbelebung des italienischen Kinos und eine Hommage an den klassischen Giallo, den Regisseure wie Argento, Bava und Martino so groß machten und der in den letzten Jahren, vor allem durch die katastrophalen Ergüsse Argentos, immer wieder gegen die Wand gefahren wurde.
Die grundliegende Geschichte von "Masks" ist spannend inszeniert und hebt sich deutlich von den üblichen Genre-Muster ab. Dabei bedient sich Marschall typischer Giallo-Elemente und fügt diese seinem Film gekonnt hinzu, ohne dreist zu kopieren. Denkt man zu Beginn noch, man bekommt einen vorhersehbaren Giallo mit typischen Slasher-Elementen vorgesetzt, wird die Geschichte immer komplexer und endet schhließlich in einem verdrehten, genialen Finale. Der Slasher-Anteil fällt überraschend gering aus und auch wenn einige Sequenzen sehr hart und blutig inszeniert wurden, verfallen diesen in "Masks" niemals dem Selbstzweck. Auch in den Morsequenzen verbeugt sich der Regisseur vor seinen Vorbildern, hätte aber stellenweise etwas einfallsreicher vorgehen dürfen. Dafür verzichtet er auf eine reine Aneinanderreihung von schnell geschnittenen Bildern und übertriebenden Splatterorgien. Vielmehr inszeniert Marschall seinen Film langsam, dicht und spielt dabei gekonnt mit Licht und Schatten. Die Farbgebung spielt ebenfalls eine große Rolle und auch hier beweisen die Macher erneut ein Händchen für Ausleuchtung, Atmosphäre und Ästethik - wie bereits in Interner Link"Tears of Kali".



Der Score von Sebastian Levermann hat durchaus Wiedererkennungswert und unterstreicht die psychedelische Atmosphäre von "Masks", der bereits in der den ersten Minuten sprichwörtlich unter die Haut geht. Für einen kurzen Moment spielt er in den 1970er Jahren, wo dem Zuschauer bereits verdeutlicht wird, in welche Richtung die blutige, intelligente Handlung den Film tragen wird. Hinzu kommt die weitgehend überzeugende Leistung der Schauspieler, von denen einige bereits in Interner Link"Tears of Kali" zu sehen waren. Mit der hübschen Susen Ermich hat der Film eine Protagonistin, der es gelingt, den Film nahezu im Alleingang zu tragen und dabei eine beeindruckende Performance abzuliefern, wie man es in deutschen Produktionen nur selten zu Gesicht bekommt. Da ist es zu verschmerzen, dass einige der Darsteller etwas steif agieren.



"Mask" ist psychedelisch angehauchtes Genrekino, wie es besser nicht sein könnte; eine Verbegung vor den ganz Großen des europäischen Exploitation-Kinos und eine Reinkarnation des Giallos. Blutig, aber intelligent blickt Marschall erneut in die Abgründe der menschlichen Seele. "Masks" zeigt damit, wie ein Horrrorfilm aussehen darf, ohne sich dafür schämen zu müssen, dass man sich bekannten Klischees und Mustern bedient. Marschall zweifelt nicht an der Intelligenz des Publikums, vielmehr fordert er es heraus, führt es an der Nase herum, nur um an Ende eine Auflösung zu bieten, die wie ein Faustschlag auf den Zuschauer niederschmettert. "Masks" in ein kleines Meisterwerk und mit Abstand der beste Giallo der letzten 35 Jahre. Ein Film, an dem man als Cineast abseits des Mainstreams nicht vorbei kommt. So langsam darf auch mal die deutsche Filmförderung verstehen, dass Andreas Marschall ein Regisseur ist, den man nicht so einfach ignorieren sollte ...


Der mit HD-Kameras inszenierte Independent-Film wurde optisch stark angepasst und sieht nur sehr selten nach einer "kostengünstige" Produktion aus. Marschall lehnt seinen Film nicht nur inhaltlich stark an den italienischen Giallo an, sondern auch optisch spielt er mit dessen Elementen und Stilmitteln. Hin und wieder wirkt das Bild zwar etwas zu digital und weniger nach Film, weitgehend zeigt sich die HD-Präsentation aber in einer kinoreifen Optik. Nahaufnahmen werden sehr detailliert dargestellt und man sieht jede Pore und jede Faser von Personen und Gegenständen. Auch in den Totalen und Halbtotalen erzielt das Bild gute Werte und ist trotz diverser Stilmittel als weitgehenden scharf und knackig zu bewerten. Die Kontrastwerte befinden sich auf einem angenehmen Niveau und dem Zuschauer wird ein harmonische Mischung aus hellen und dunklen Bildbereichen geboten, ohne Details absaufen zu lassen.
Es gibt aber immer wieder bewusst weicher wirkende Szenen und Sequenzen, in denen der Kontrast absichtlich übersteuert und das Bild überstrahlt. Hinzu kommt ein dezenter Schleier, welcher die Optik eines Traumes anstrebt. Diese Stilmittel werden in "Masks" jedoch gekonnt eingesetzt und untermauern stets die psychedelische Atmosphäre. Auch die Farbgebung wirkt sehr satt und natürlich und vereinzelte Szenarien wurden in warmen bzw. kühle Farbtöne getaucht. Wie beim Giallo üblich, spielt die Farbe Rot eine besondere Rolle, wobei diese stellenweise noch etwas intensiver hätte herausgearbeitet werden können. Bildrauschen ist keins auszumachen, dafür aber leider etwas zu starke Blockbildung auf homogenen Flächen und Bandingartefakte, was je nach Bildschirmdiagonale durchaus negativ auffällt. Dennoch ein guter HD-Transfer mit ordentlichen Plastizität und Tiefenwirkung.



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Der deutsche Originalton wurde in DTS-HD Master abgemischt und überzeugt mit einem sehr lebhaften, weiträumigen und kraftvollen Mehrkanal-Mix. Dialoge werden sehr klar und verständlich aus dem Center wiedergegeben und der an Goblin angelehnte Score von Sebastian Levermann verteilt sich sehr atmosphärisch auf sämtliche Kanäle. Die Rears werden zudem sehr gut für kleinere Effekte und Nebengeräusche genutzt und in mancher Schocksequenz schreckt man schon mal auf. Dabei bleibt der Dynamikbereich überraschend gut und auch der Subwoofer bekommt einiges zu tun. Hier fehlt zwar das letzte i-Tüpfelchen, aber für eine deutsche Independentproduktion wird ein krafvoller, atmosphärischer und authentischer 5.1-Mix geboten, der nicht künstlich aufgebläht wurde. Optional gibt es deutsche Untertitel.



Das Bonusmaterial liegt komplett in HD vor und beinhaltet neben vier entfernten Szenen, einem Trailer, sowie einer Bildergalerie noch ein 15minütiges "Behind the Scenes" Featurette mit interessanten Einblicken in die Dreharbeiten. Insgesamt ist es aber deutlich zu kurz. Eine ausführlichere Dokumentation und Interviews wären wünschenswert gewesen. Stattdessen enthält die Disc einen hörenswerten Audiokommentar mit Regisseur Andreas Marschall, Kameramann Sven Jakob und Produzent Heiner Thimm, die ausführlich auf die Entstehung von "Masks" eingehen, dabei über die Produktionbedingungen, Darsteller, Effekte und Kameraarbeit eingehen. Auch auf deren Inspirationsquelle, den "Giallo", wird eingegangen. Zum Abschluss beinhaltet die Disc noch ein 4seitiges Booklet mit einem Text zum Film.



Andreas Marschall beweist einmal mehr, dass der deutsche Film weder nur aus Komödien besteht, noch dass er sich in puncto Atmosphäre und Inszenierung hinter internationalen Produktionen verstecken muss. Ich würde sogar behaupten, dass "Masks" endlich mal wieder zeigt, was möglich ist, wenn man mit Herzblut an die Sache geht. Gebt den Mann endlich ein gescheites Budget und Handlungsfreiheit und ich bin mir sicher, er kann seine letzten beiden Filme nochmal toppen. Die vorliegende Blu-ray von Anolis ist ungekürzt und wird mit einem FSK-Wendecover ausgeliefert.


Film+++++-
Bild++++/-
Ton++++/-
Bonus+++/--



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