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UK, CAN 2009
Originaltitel:Alice
Länge:177:09 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Nick Willing
Buch:Nick Willing, Lewis Caroll
Kamera:Jon Joffin
Musik:Ben Mink
SFX:David Barkes, Rob Tomsic
Darsteller:Caterina Scorsone, Andrew Lee Potts, Matt Frewer, Philip Winchester, Tim Curry, Harry Dean Stanton, Timothy Webber, Zak Santiago, Charlotte Sullivan, Colm Meaney, Kathy Bates, Eugene Lipinski
Vertrieb:Polyband
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:1,78:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit Schuber
Blu-ray-Start:31.08.2012 (Kauf)
Bonus:-
Judotrainerin Alice Hamilton (Caterina Scorsone) hat wieder mal Stress mit ihrem Freund Jack (Philip Winchester). Und das aus gutem Grund: Als Alice zehn Jahre alt war, hat ihr Vater die Familie über Nacht verlassen. Dieses einschneidende Erlebnis hatte zur Folge, dass Alice seither zu keinem Mann mehr Vertrauen fassen kann - auch nicht zu Jack. Als dieser nun Alice einen Ring schenken möchte, überkommt sie Panik, und sie schickt ihn fort. Kurz darauf wird Jack wie aus heiterem Himmel von ein paar dunklen Gestalten entführt. Alice nimmt die Verfolgung auf - und landet, einem weißen Kaninchen durch einen Spiegel folgend, im Wunderland ...
Was wäre, wenn Lewis Caroll seinen Literaturklassiker "Alice im Wunderland" nicht 1865 sondern 2010 geschrieben hätte? Eben diese Gedanken hat sich Regisseur und Drehbuchautor Nick Willing wohl auch gewidmet, der die ursprüngliche Geschichte der Web 2.0-Generation näherbringen möchte. Anders als bei Tim Burtons Interner LinkVerfilmung mit Johnny Depp spielt diese Alice-Variante nicht in einer kunterbunten Fantasiewelt, sondern berichtet von einem Wunderland, welches zwar nicht mit Fantasieelementen geizt, aber auch realistische Bezüge zur Weltgeschichte nimmt.



Dieses Wunderland ist ein heruntergekommener Ort mit fast menschenleeren Städten, zerstörten Gebäuden, die unermesslich in die Höhe gebaut wurden, und verwilderten Wäldern. Alles wirkt trist und ohne Emotionen. Nur eine Person hat an diesem Ort das Sagen: die Herzkönigin. Aus Angst, den Kopf zu verlieren, verstecken sich die Bewohner Wunderlands im Untergrund und warten auf jenen Moment, in dem sie die Königin und ihre Schergen stürzen werden. Der richtige Zeitpunkt scheint gekommen als die junge Alice ihren entführten Freund ins Wunderland folgt, der ihr zuvor ein wichtiges Utensil zusteckte: den magischen Schlüssel von Wunderland. Nur mit diesem ist es der Königin möglich, Menschen aus der realen Welt mit Hilfe des Zauberspiegels ins Wunderland zu entführen, um ihnen Emotionen zu stehlen und sie zu seelenlosen Objekten zu machen. Nun ist das ganze Wunderland hinter Alice und dem Schlüssel her - die einen, um die Königin zu stürzen, die anderen. um endlich die volle Kontrolle im Wunderland zu erlangen.



Das Grundgerüst Carolls Erzählung ist geblieben, ebenso die Namen vieler auftauchender Charaktere. Damit wirkt alles auf den ersten Blick vertraut und doch ist vieles anders. Nicht das weiße Kaninchen lockt Alice ins Wunderland, sondern eine Organisation mit Namen White Rabbit, die für die Entführung ihres Freundes verantwortlich ist, dem im Laufe der Geschichte noch eine besondere Rolle zuteil wird. Ebenso geht's nicht durch einen Kaninchenbau, sondern durch den Spiegel (wobei diese Art ins Wunderland zu reisen auch von Caroll thematisiert wurde). Neu hinzu kommt die Nebenhandlung mit Alices Vater, der Jahre zuvor scheinbar auch ins Wunderland entführt wurde. Anderen Charakteren wie der Grinsekatze wurde nur ein Cameo zuteil, was sehr schade ist. Stattdessen aktualisiert Nick Willing andere Charaktere nahezu perfekt, wie den verrückten Hutmacher, der jedoch in dieser "Alice"-Verfilmung gar nicht so verrückt ist wie erwartet. Andere wichtige Dinge werden wiederum in völlig neuem Licht erscheinen; die Flamingos, die in Carolls Originalfassung als Krocketschläger herhalten mussten, sind nun motorisierte Flugobjekte. Auch ist Alice kein Kind mehr, sondern ein Twen, der sich nicht so einfach beeinflussen lässt. Querverweise auf die Ursprungsgeschichte sind aber immer wieder geschickt eingebaut, denn die jetzige Alice ist nicht die erste Alice, die das Wunderland bereist.


Vieles fällt oder steht bekanntlich mit den Darstellern und hier muss man Nick Willing gratulieren, der offensichtlich ein Gespür für eine perfekte Besetzung besaß. Caterina Scorsone spielt eine glaubhafte und vor allem kämpferische Alice, Kathy Bates als Herzkönigin hätte man sich gar nicht anders vorstellen können und der durch Interner Link"Primeval" auch in Deutschland bekannt gewordene Andrew Lee Potts als Hutmacher liefert eine durchweg grandiose Leistung ab und harmoniert mit Caterina Scorsone als perfektes Duo. Dass noch ein paar bekannte Gesichter wie Tim Curry ("The Rocky Horror Picture Show") mit von der Partie sind, erfreut umso mehr und auch hier wurden die Rollen durchweg passend besetzt.

Den Actionanteil der Geschichte vermisst man etwas, der ist nämlich auf ein Minimum reduziert. Das Aufregendste stellt neben dem Endkampf, der eigentlich viel zu kurz ausgefallen ist, die Verfolgungsjagden auf den Flamingos und ein paar Karateeinlagen dar. Mehr ist nicht zu erwarten. Die Verfilmung verlässt sich stattdessen auf ausgefeilte Dialoge und gut platzierte Situationskomik, was auf die Gesamtlaufzeit gesehen vielleicht etwas zu ruhig ist. Das gilt ebenso für den ruhig angelegten Schnitt, der es dem Zuschauer ermöglicht, viel von der Atmosphäre des Wunderlands einzufangen. Auch die Spezialeffekte stellen zufrieden, wenn man der TV-Produktion auch anmerkt, dass kein großes Kinobudget zur Verfügung stand. Einzig der dinosaurierartige Drache im Wald wirkt etwas deplatziert und ist schnell als billiges CGI-Ungetüm erkennbar. Wesentlich überzeugender sind die Aufnahmen der Stadt und deren Fahrzeuge, was für tolle futuristische Einblicke sorgt. Letztendlich darf man aus diesen Gründen nicht abgeschreckt sein, denn trotz der Laufzeit von gut 3 Stunden wird "Alice im Wunderland" nie langweilig.



Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Richtig schade sind die fehlenden Extras, denn außer den Film in zwei Teilen gibt es nichts weiteres anzusehen. Hier hätte der deutsche Anbieter Polyband etwas recherchieren sollen, schließlich existieren im Internet zahlreiche Featurettes zur Entstehung von "Alice im Wunderland".

Versöhnlich stimmt die Bild- und Tonqualität. Letzteres in DTS-HD 5.1 in deutscher und englischer Sprache. Das ruhige Verhalten dieser Alice-Verfilmung überträgt sich natürlich auf die Tonspuren, die miteinander verglichen keine Unterschiede heraushören lassen. Dialoge werden sauber wiedergegeben und fügen sich sehr gut zwischen Musik und Soundeffekte ein. Nur selten wird allerdings der Subwoofer in das Geschehen einbezogen und auch der räumliche Klang wirkt oftmals verhalten. Wenn der Raumklang gebraucht wird, ist er aber auch zu hören, z.B. wenn im Kasino gespielt wird oder in actionlastigeren Szenen. Deutsche Untertitel sind vorhanden.

Das anamorphe Bild weiß ebenfalls über weite Strecken zu gefallen, wenn auch niemals das maximale Potential des Mediums ausgereizt wird, was auch etwas an der TV-Herkunft liegen mag. Die Farben wirken je nach Handlungsort trist oder kräftig und dazu fein abgestuft, wodurch der Fantasieaspekt des Wunderlandes schön zur Geltung kommt. Szenen in der realen Welt sind farblich realistischer als im Wunderland, was beabsichtigt ist, um beide Welten voneinander zu unterscheiden. Die Schärfe bewegt sich für eine Blu-ray auf durchschnittlichem Niveau, denn Panoramaaufnahmen mangelt es an Durchzeichnung. Rauschen, vor allem in dunklen Szenen, fällt nur gering aus und auch die Kompression arbeitet meist tadellos, denn die geringen Ausrutscher sind so dezent, dass sie kaum ins Auge fallen. Wie es sich für eine neue Produktion als auch fürs Medium selbst gehört, sind bei "Alice im Wunderland" auch keine Verunreinigungen oder anderweitige Defekte vorhanden.

Wer Lust auf eine völlig andere Art von Lewis Carolls Klassiker bekommen hat und dem das bunte und stark überzogene Treiben eines Tim Burton satt hat, der ist mit Nick Willings Neuinterpretation bestens bedient. An Bild und Ton gibt es kaum etwas auszusetzen, wohl aber am fehlenden Bonusmaterial. Zudem ist es ärgerlich, dass sowohl der hübsche Schuber als auch das Cover mit dem hässlichen FSK-Logo verunstaltet sind und es keine Austauchmöglichkeit mittels Wendecover gibt.


Film++++/-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus------


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