Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
D, CH 2011
Originaltitel:Hell
Alternativtitel:2016: Das Ende der Nacht
aka. Hell - Die Sonne wird euch verbrennen
Länge:89:87 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Tim Fehlbauer
Buch:Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke
Kamera:Markus Förderer
Musik:Lorenz Dangel
SFX:Ernst Lanninger, Jan Singh
Darsteller:Stipe Erceg, Hannah Herzsprung, Angela Winkler, Lars Eidinger, Lisa Vicari, Christoph Gaugler, Yoann Blanc
Vertrieb:Paramount
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:2,35:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:26.04.2012 (Kauf)
Bonus:
  • Making of (26:34 Min., 1080p)
  • Geschichte (2:49 Min., 1080p)
  • Besetzung (2:59 Min., 1080p)
  • Trailer (1:52 Min., 1080p)
  • Premierentrailer (1:55 Min., 1080p)
Einst spendete sie Leben, Licht und Wärme. Doch nun hat die Sonne die ganze Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft in verdörrtes, lebloses Ödland verwandelt. Deutschland ist nicht verschont geblieben. Wälder sind versengt, Tierkadaver säumen die Straßen. Selbst die Nächte sind eindringlich hell. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wie Marie, die mit ihrer kleinen Schwester Leonie und Phillip in einem abgedunkelten Auto Richtung Gebirge fährt: Dort, so heißt es, soll es Wasser geben! Es ist eine verzweifelte Irrfahrt ins Nirgendwo. Unterwegs lesen sie Tom auf. Er erweist sich als perfekter Mechaniker und ist unentbehrlich. Doch kann man ihm auch wirklich trauen? Die Anspannung in der kleinen Gruppe wächst. Dann werden die Vier in einen Hinterhalt gelockt. Der Überlebenskampf beginnt ...
Genrekino aus deutschen Landen hat immer die gleichen Hypotheken zu schleppen: die Deutschen können das nicht, die Erfahrungen mit Horror, Action, Thriller, SF oder Fantasy sind marginal, es gibt keine Tradition und überhaupt können wir eh nix anderes als bekannte Vorbilder zu kopieren. Wenn also ein junger angehender Regisseur wie Tim Fehlbaum als Abschlussarbeit eine Mischung aus Postapokalypse und Kannibalenfilm vorlegt, dann ruft das automatisch zwei Reaktionen hervor: Entweder man lehnt die Arbeit von vornherein als "deutsches" Produkt vorsichtshalber ab oder man gibt seiner Hoffnung auf ein Drehen des Windes ungebremst nach und sucht aufgeregt nach jeder Qualität, die selbst in den finstersten Ecken auszumachen ist, um sie hochleben zu lassen. Wofür man sich auch entscheidet, einen Blick sollte man schon werfen, wenn es denn schon was "Deutsches" ist. Anders lernt ja niemand dazu, weder Filmemacher noch Publikum.



In Fehlbaums Film ist die Welt, wie so oft, ziemlich am Arsch. Ausnahmsweise haben wir Menschen unseren Planeten mal nicht im Eigenbau geschreddert, sondern Sonnenstürme haben das besorgt. Als Ergebnis ist es ist gleißend hell, was die fast permanente Sonneneinstrahlung und ihre zerstörerischen Nebenwirkungen angeht und die Zivilisation ist übel am Zerfallen. Das muss auch das Protagonistentrio erfahren, die mit einem ziemlich abgewrackten Auto irgendwo ins Nirgendwo hin unterwegs sind, vorzugsweise in die Berge, weil es ja oberhalb der Baumgrenze noch/wieder regnen soll.
Über Sinn oder Unsinn dieses meteorologischen Weitblicks sollte man nicht zuviel spekulieren, wenn man es sich mit dem Film nicht in den ersten fünf Minuten verderben will (also gut, die Annahme ist absolut hirnrissig ...), aber sie bietet die Basis für etwas Charakterbildung: Da haben wir zwei Schwestern, die eine halbwegs zurechtgebacken (Hanna Herzsprung), die andere noch im leicht bratzigen Teenageralter (Lisa Vicari), aber nicht so schlimm, dass man gleich zur Axt greifen will. Fahrzeuglenker Philip (Lars Eidinger) wirkt nicht eben organisiert, weitblickend oder patent, hat aber immerhin einen Zündschlüssel. An einer gut durchgegrillten Tanke stößt dann noch Hunk Tom (Stipe Erpiq) hinzu, der natürlich mehr drauf hat, besser aussieht und vermutlich auch mehr in der Hose hat. Während der Auffahrt zum Glück gerät man dann jedoch an eine Gruppe nicht eben freundlich gesinnter Zeitgenossen, die Teenie Leonie entführen und selbst einem mäßig organisierten Befreiungsversuch widerstehen, der die Gruppe nicht nur auch noch Tom kostet, sondern die Tour fast scheitern lässt. Zum Glück lässt beim Kirchenbesuch im Einöddorf eine freundliche Großmama (Angela Winkler) eine Einladung aufs Höfle fallen, die man, zivilisiert wie man sich verortet, mutigst annimmt. Mächtig schwerer Fehler ...



Ja, das ist jetzt nicht eben das allerfunkelnste Award-Material, was uns Fehlbaum hier präsentiert, aber es ist auch nicht ganz so schlimm, dass man sofort einen Film identifizieren kann, bei dem man das alles abgeschrieben hat. Gewisse Parallelen zu "The Road" sind zwar auffällig und später rückt man arg nah an das letzte Dritte von Interner Link"The Texas Chainsaw Massacre" , aber das ist noch kein Grund für Hauen und Stechen. Technisch hat man mit begrenztem Budget alles Mögliche gegeben, sei es in Deutschland oder auf Korsika, wo man mittels greller Überbelichtung und einiger Windmaschinen die staubige Endzeit recht gut herausgekitzelt hat. Und wem es jetzt nach thematischem Gehalt gelüstet, so hat die Motivation der menschenfressenden Einödbauern an der Grenze zur Degeneration sogar einigen modernen Bezug, denn so routiniert und raffiniert technisch wir unsere Zuchttiere im Schlachthaus entsorgen, so gefühlsarm geht man hier vor, wenn es darum geht, das Essen auf den Tisch zu bekommen, weil es ja keine Nutztiere mehr gibt. Kannibalismus wird hier zum simplen Überlebensnotwendigkeit, auch wenn die Methoden nicht nur "unmenschlich" sind, sondern in ihrer kaltblütig-logischen Nüchternheit sogar außerordentlich erschreckend.



Es sollte jedoch niemand eine Art weiblichen Rambo erwarten, der hier zum guten Schluss die Kannibalensippe mit allen möglichen Schneidwerkzeugen aufmischt, stattdessen bleibt Fehlbaum immer mehr dem Drama als dem Thrill verhaftet und steht der menschlichen Seite seiner Figuren näher als der filmischen Unterhaltung. Doch daraus geriert sich auch das größte Problem des Films, denn Postapokalypse ist auch immer eine gewisse Überlebensgröße zu eigen, eine Stilisierung menschlicher Probleme und so fokussiert kann der Jungfilmer offenbar noch nicht arbeiten.
Die meiste Zeit der recht kurzen Laufzeit (80 Minuten netto) wirkt "Hell" wie ein biederes Fernsehspiel, das weder extrem viel Charaktertiefe noch sonderliche Schlüssigkeit zulässt. Die Figuren sind sehr wechselhaft und unstet angelegt, mal sind sie umwelt- und überlebensgeschult, manchmal wieder nicht. Mal haben sie gewisse Techniken drauf, die man sich zum Kampf mit der Natur aneignet, dann wieder so naiv, dass sich das Publikum vor die Stirn schlägt. Auch die äußeren Umstände sind nicht zur Drehreife entwickelt oder dem Geld geschuldet vage: Die gefährliche Sonneneinstrahlung, die sich eigentlich nur mit Kopfschutz und Brille ertragen lässt, wird beliebig ausgelegt, mal brennt sie Löcher in die Haut, dann laufen die Figuren unter dem marginalen Schutz eines Tankstellenvordachs locker ohne jeden Schutz herum. Auch scheint die Helligkeit dramaturgiegebunden Auswirkungen zu haben: Einerseits fährt man mittels eines Sichtschlitzes im sonst abgedichteten Auto stets gegen die gleißende Sonne an (auch nicht eben schlüssig), doch dann kann ausgerechnet Frau Herzsprung in einer Szene vom Rücksitz aus gefährliche Details wahrnehmen, die den Fahrern entgangen waren.



Auf der Basis dieser Ungenauigkeiten verläuft die ganze Geschichte, die dann eben doch etwas darunter leidet, dass die Gegend eher ausschaut wie sturmverwüstet oder leicht waldbrandgeschädigt, aber nicht wie die nötige "scorched earth" nach vier Jahren permanenter Urlaubsglut. Südliche Berghänge mit wenig Unterholz wirken auch überbelichtet einfach wie südliche Berghänge und so manche Plotwendung bedient dann doch eher den Murrbedarf, wenn es um Logik geht. Der stärkste Abschnitt ist sicherlich die Sequenz im Schoße der unheimlichen Familie, aber auch die bleibt (abgesehen von der großartigen Angela Winkler) nebulös und eindimensional, die wahren Schrecken bleiben eine einzige Andeutung (bis zu einer graphischen Hinrichtungsszene). Das verhält sich auch so, weil der Film thematisch zu stark springt für seine kurze Laufzeit: Es gibt kaum Eingewöhnung auf die äußeren Umstände, die Figuren bleiben unterentwickelt, eine Leitfigur hatte man wohl nicht eingeplant und auch nicht besonders ausgearbeitet. Zwar macht sich Hannah Herzsprung als "everywoman" gar nicht schlecht auf allen emotionalen Sektoren, aber entgegen dem typischen Genrefilm passen die beiden Filmhälften nur bedingt bis gar nicht zusammen. Es gibt weder ein zentrales Thema aufzuarbeiten, noch Haltungen oder Vorgehensweisen durchzukonjugieren. Die Sippen-Episode bietet keine Aufschlüsse über Sinn oder Unsinn des Vorgehens, lässt eine theoretische Diskussion über Notwendigkeit und Zweck des Menschenfressens nicht zu und löst die Situation auch nicht wirklich auf. Es gibt zwar einen tödlichen Endpunkt, der aber wie so viele Themen in diesem Film nichts löst oder auflöst, sondern wieder fallengelassen wird. Besonders ärgerlich wird das im Finale des Films, das so unvermittelt und plötzlich einen Bogen in Richtung "Hoffnung ist immer!" schlägt und die Reisenden plötzlich am Ziel ihrer Reise zeigt, dass es kaum anders wirkt wie nicht anders zu behelfende Einfallslosigkeit, einen Schluss für die eigene Story zu finden.


"Hell" hat oder hatte, das muss erwähnt werden, mehr Potential, als schlussendlich auf der Leinwand zu sehen war. Der Film war nie für den großen Kinoeinsatz vorgesehen, hatte dann aber das Glück via Festivals auf die deutschen Leinwände losgelassen zu werden. Dafür ist er aber nicht ausgereift genug, denn für Genrefreunde bietet er zu wenig Oberfläche und gängige Motive und deren Auflösung, für Freunde des menschlichen Dramas bleibt er zu vage und auf halben Wege zum Mainstream stecken, während die Kannibalenepisode wieder zu direkt rüberkommt und auf den Effekt reduziert. So ist Fehlbaums Arbeit nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie sie hätte sein können - Roland Emmerich hat zwar beraten und als Produzent geholfen, aber das hätte eher Sinn gemacht, wenn das ein eher glatter Genrefilm hätte werden sollen. So wird es zur teilverkopften Chimäre, die aber nie schlüssig schildert, was und wohin sie will und wieso. Womit es dem Regisseur so geht wie den Figuren in ihrem Film.


Die deutsche Blu-ray wird von Paramount mit einem FSK-Wendecover vertrieben. "Hell" wurde mit Red One MX-Kameras gedreht und stark nachbearbeitet, um dem Zuschauer eine düstere Endzeitoptik zu präsentieren. Diese ist bis auf kleinere Mängel sehr gut gelungen. Die monotonen Farben fallen sehr kräftig aus, wurden aber stark reduziert und lassen das Bild sehr erdig und kühl wirken. Die Kontrastwerte wurde ebenfalls angepasst und in hellen Bildbereichen absichtlich sehr steil gewählt, wodurch das Bild manchmal stark überstrahlt und somit den Eindruck verstärkt, dass die Sonne die Erde beherrscht. Dadurch ist aber auch die Bildtiefe deutlich eingeschränkt und es fehlt dem Bild an Plastizität. Aufnahmen in Gebäuden bzw. Dämmerungen und Nachtsequenzen trumpfen dafür aber mit einen hervorragende Kontrastwerten auf und bieten ein sattes Schwarz, aber auch ein sichtbares Bildrauschen. Insgesamt ist das Bild, wenn möglich, aber sehr detailliert und angenehm scharf. Dabei ist es egal, ob Nahaufnahmen oder in Totalen, das HD-Bild ist stets als solches zu erkennen. Das Bildrauschen scheint teilweise aber digitaler Natur zu sein und in den vielen dunkelflächigen Szenen kann die Kompression nicht immer sehr gute Werte erzielen.



Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Die deutsche Produktion wurde in DTS-HD Master Audio 5.1 abgemischt und unterstreicht die düstere, monotone und apokalyptische Endzeitstimmung von "Hell" perfekt. Die Abmischung bietet eine hervorragende Räumlichkeit und bietet genug Platz für präzise und kraftvolle Surroundeffekte mit vielen direktionalen Effektschübe und einem räumlich, wie lebhaften Score, der sich über sämtliche Kanäle verteilt. Die Rears werden sehr aktiv ins Geschehen einbezogen. Sei es für Effekte oder für Umgebungsgeräuschen, die gesamte Abmischung versprüht eine hervorragende Dynamik und erzeugt eine stimmige Atmosphäre. Die Dialogwiedergabe klingt sehr natürlich und bleibt stets gut zu verstehen. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten.
Das Bonusmaterial fällt sehr enttäuschend aus. Anstelle dem Film einen Audiokommentar, geschnittene Szenen oder Interviews zu spendieren, gibt es lediglich einen Premierentrailer, einen Kinotrailer, sowie zwei TV-Features zur "Besetzung" und "Geschichte". Beide laufen jeweils unter 3 Minuten und enthalten kurze Einblicke in die Dreharbeiten, kurze Statements der Macher und Ausschnitte aus dem Film. Sie dienen einzig und allein der Werbung für den Film. Auch das 26minütige "Making of" ist keine Offenbarung, bietet den Machern aber reichlich Möglichkeiten, ein wenig über die Produktion zu sprechen. Unter anderem lässt es den ausführenden Produzenten Roland Emmerich zu Wort kommen und zeigt zudem kurze Ausschnitte aus einem unveröffentlichten Kurzfilm des Regisseurs. Ansonsten ein typisches Making of, bei dem es sehr werbelastig zur Sache geht. Das Bonusmaterial liegt komplett in High Defintion vor.


Warum "Hell" das Prädikat "besonders wertvoll" bekommen hat, bleibt dem Zuschauer schleierhaft, denn mehr als ein typischer Endzeit-Thriller mit genretypischen Klischees haben die Macher nicht zustande bekommen. Das hat man schon unzählige Male (besser) gesehen. Die Blu-ray ist technisch ganz solide, nur beim Bonusmaterial hätte man sich mehr Mühe geben können.


Film+++---
Bild++++/-
Ton+++++-
Bonus+/----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.