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USA 2010
Originaltitel:Super
Länge:95:54 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:James Gunn
Buch:James Gunn
Kamera:Steve Gainer
Musik:Tyler Bates
SFX:John Mayo
Darsteller:Rainn Wilson, Ellen Page, Liv Tyler, Kevin Bacon, Gregg Henry, Michael Rooker, Andre Royo, Sean Gunn, Stephen Blackehart, Linda Cardellini, Nathan Fillion, Edrick Browne
Vertrieb:Koch Media
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Mediabook
Blu-ray-Start:20.12.2011 (Verleih) / 27.01.2012 (Kauf)
Bonus:
  • 12-seitiges Booklet
Blu-ray:
  • Trailer bei Disc-Start:
    • Mr. Nice (1:48 Min., 576i)
    • Trust (2:05 Min., 576i)
    • Elephant White (1:32 Min., 576i)
  • Audiokommentar mit James Gunn und Rainn Wilson
  • Hinter den Kulissen (18:41 Min., 1080p)
  • Trailer (2:09 Min., 1080i)
  • TV-Spot (0:33 Min., 1080i)
Disc 2:
  • James Gunn in Berlin (33:55 Min.)
  • James Gunn über Comics (10:02 Min.)
  • Geschnittene Szenen (5:43 Min.)
  • Making of der Titelanimation (4:40 Min.)
  • Wie man Verbrechen bekämpft (3:58 Min.)
  • Making of zur Verbrechensbekämpfung (2:09 Min.)
  • Pressekonferenz bei der Comic-Con (60:54 Min.)
  • South by Southwest Festival Premiere (25:20 Min.)
  • Original Kinotrailer (2:11 Min.)
  • Postergalerie (2:56 Min.)
  • Alle Episoden von James Gunns PG Porn:
    • Episode 1: Nailing your Wife (2:38 Min.)
    • Episode 2: Peanus (3:39 Min.)
    • Episode 3: A very peanus Christmas (3:04 Min.)
    • Episode 4: Roadside Ass-istance (2:17 Min.)
    • Episode 5: Squeal happy Whores (4:10 Min.)
    • Episode 6: Helpful Bus (4:10 Min.)
    • Episode 7: High Poon (5:06 Min.)
    • Episode 8: Genital Hospital (2:02 Min.)
Im normalen Leben ist Frank das, was man landläufig als arme Sau bezeichnet würde: ein unter Depressionen und Neurosen leidender Schnellimbiss-Koch. Als seine Frau unter den Einfluss eines besonders fiesen Kleinverbrechers gerät und Frank verlässt, verschwindet auch das letzte Regulativ aus dem Leben des Verlierers. Fortan zwängt er sich allabendlich in sein mühselig zusammengeflicktes Kostüm - nicht unbedingt um Gutes zu tun und zu den Gewinnern zu gehören, sondern um endlich mal auf die Kacke zu hauen: Als Superheld "Der Blutrote Blitz" geht er unverdrossen seiner Arbeit nach. Beistand leistet ihm dabei bereitwillig die nicht minder verstörende nymphomane Comic-Verkäuferin Libby als sein Sidekick "Blitzie".
"Shut up, crime!"

Zwischen all den vielen hochbudgetierten, gepushten und von Fanscharen sehnlichst erwarteten Superheldenverfilmungen noch etwas wirklich Originelles zu entdecken, bedarf schon größerer Ausdauer. An den Drehbüchern arbeitet man sich nach Kräften ab, vergleicht klassische Abenteuer und fiktive Historien und gönnt sich wohldosierten Humor, computergesteuerte Hochglanzeffekte und hier und da ein paar überschaubare menschliche Abgründe, bis der Gute und der Böse sich schließlich zum letzten Effekt treffen - so macht man Superheldenfans enorm glücklich oder stellt sie zumindest ruhig.
Von dem ehemaligen Troma-Trash-Zuarbeiter James Gunn, der vor gut fünf Jahren nicht eben sonderlich erfolgreich mit dem Horrorfilm Interner Link"Slither" reüssierte, erwartete man nicht eben ein derartiges Werk auf der großen Skala - eigentlich erwartete man so gut wie gar nichts, bedenkt man des Themas von "Super", die sehr menschliche Geschichte eines Verlierers, der sich zum Superhelden ohne Superkräfte macht, um den Alltag zu überstehen und seine Freundin zurückzugewinnen, die er in die Fänge eines Drogendealers verloren hat.



Das schnuppert alles nach eckigen Ideen, kaputten Gags und billigen Schauwerten - doch wenn ich im Anschluss gestehen muss, dies alles gerade im Überfluss konsumiert zu haben, dann bin ich doch trotz niedriger Ansprüche sowohl zufrieden wie berührt, wenn nicht sogar ein wenig erleuchtet.
"Super" ist kein Film für Leute, die ihren Alltag lässig nebenbei abwickeln, jede Menge Erfolg und/oder Geld und zur Entspannung ihren Übermenschenphantasien nachgehen wollen. Er eignet sich eher für diejenigen, die mittels des Superheldenglorienscheins den eigenen Frust und die Agressionen des Alltags abreagieren möchten, dazu ein Bierchen und Freude über jede Menge Bruch. Und auch diese Leute werden "Super" nicht sehen wollen, denn er zeichnet auf einem schlimmeren Level genau das ab, dessen man eigentlich mit dem Sujet entfliehen will.
"Super" ist für die Leute dazwischen eine Offenbarung, für Menschen, die die bittere Pille Leben für sich entdeckt, enttarnt haben, die damit gelernt haben, umzugehen - und immer noch hoffen, darin einen gewissen Sinn zu sehen. "Super" geht mit ihnen eine Verbindung ein und widmet sich der klassischen Themen - um die Schizophrenie darin zu entblößen und den Finger in die Wunde zu legen, denn die anarchische Superheldenphilosophie hätte eben in der Realität etwas Psychopathisches.



Rainn Wilson, bebrillter und eher unförmiger Supernerd, abonniert auf schräge Nebenrollen, übernimmt die Bürde den Zuschauern zu erzählen, was sie erwartet, wenn das Leben dir wirklich keine andere Chance lassen würde, als sich selbst ein knallrotes Superheldenkostüm zu schneidern und aus Budgetgründen und Mangels besonderer Kräfte auf eine Rohrzange als Waffe zurück zu greifen. Die Freundin, einer von zwei Lichtblicken im gesamten Leben von Wilsons Frank D'Arbo, ist weg, dem Drogenrausch erneut verfallen und in die Fänge des wie immer schmierigen Kevin Bacon geraten. Sie will nicht weg, sie kann nicht weg und der langmütige Bösewicht ist nicht einmal bereit, wirklich böse auf die Befreiungsversuche Franks zu reagieren, mit endloser Geduld toleriert er dessen amateurhafte Bemühungen. Also heißt es sich in der eigenen Zweitidentität bewähren - und das heißt, anders als bei Batman, dem die Täter ständig vor die Nase laufen, erstmal stundenlang hinter einem Müllcontainer sitzen und hoffen, dass ein paar böse Jungs des Weges kommen.
Und wenn man sie dann trifft, dann hilft nur der schnelle Schlag, der Schlag aus dem Hinterhalt, der unfaire Schlag, der Schlag, der weh tut. Wenn man mit einer Rohrzange schlägt, dann tut das weh. Dann brechen Knochen, dann fließt Blut - etwas was man bei echten Helden ganz gern mal übersieht. Und wenn sich die Gegenseite wehren kann, dann bekommt man selbst was ab. Und kehrt schließlich müde und zerschlagen nach Hause.



Falls sich das jetzt deprimierend anhören sollte: es ist so.
"Super" ist eine deprimierende, finstere, todtraurige und niederschmetternde Geschichte - und genau das macht sie zeitweise irrwitzig. Man braucht seine Zeit, sich mit dem wortkargen Verlierer anzufreunden, der nicht nur furchtbar aussieht, sondern auch als Held eine miese Figur macht. Doch spätestens wenn unser aller Held zerrissen die Kamera vollheult und wir uns gerade vor Fremdschämekel winden, erklärt er uns selbst auf der Tonspur, wie scheiße Menschen aussehen, wenn sie weinen. Und plötzlich ist das Leben und die Welt gar nicht mehr so schlimm.



Die weitere Story erweist sich dann als eine Lehrstunde in Faszination über den Wahnwitz, den man übereinander stapeln kann. "Super" geht dahin wo es weh tut und verkehrt den Fremdschämhumor in ein brachiales "Oh Gott, darf ich darüber lachen?". Und wenn man den Mut dazu endlich findet, zermantscht der Held einem kleinen Arschloch und Vordrängler in der Kinokasse das Gesicht mit seiner Rohrzange, nachdem er sich mühsam auf dem Rücksitz in sein Kostüm gezwängt hat - und alles vergeht in einer Orgie aus Tränen, Schreien und Bestürzung. Eine Fehlkonzeption, wie so vieles im Leben der Protagonisten, so glorios, wie echt und fatal zugleich.

Natürlich braucht ein echter Held auch einen Gehilfen und den findet Frank in der willigen Comicbuchverkäuferin Libby, die nicht nur lernfähig und motiviert ist, sondern auch noch psychopathischer als er selbst jemals zugeben würde. Das dynamische Duo entwickelt einen Sog aus unkontrollierbarer Gewalt, als sie sich dem Ziel von Franks Bemühungen nähern, dem immer noch ungläubigen Dealer Jacques, der in Begleitung seiner depperten Schergen nicht glauben kann, dass Depp Frank es immer wieder versucht - und immer erfolgreicher.




Aber "Super" ist nun mal keine Heldenstory und keine echte Erfolgsgeschichte. Tatsächlich tintet er sein Resumé so ein, dass zweifelhaft bleibt, ob alles nur erträumt und erdacht, tatsächlich passiert oder in Franks Kopf mutiert ist. Ob alles vielleicht nur eine Fluchtphantasie war. Oder ob Frank tatsächlich ans Ziel kam - das dann auch wieder anders verlaufen ist, als man das aus den Heldenstories gewohnt ist, wo alle glücklich bis an ihr Ende leben.
Wer mit solchen Varianten des Themas leben kann, für den ist "Super" tatsächlich super oder gar der Wahnsinn auf Stelzen, denn James Gunn bastelt sich hier ein wirklich abstruses Konstrukt zusammen, das genauso irritierend wie Franks Bemühungen irgendwann tatsächlich funktioniert. Dazu muss man aber 200ml Indie-Filmmaking und den mitgelieferten Spartenhumor ertragen können, das Unterlaufen sämtlicher Erwartungen und die steten Befürchtungen, was man sich wohl als Nächstes ausgedacht hat und in welcher blutigen Katastrophe das wieder enden wird.
Das alles wird nur ein Nischenpublikum begeistern, dieses aber wohl richtig, denn nur wer wirklich mal so im Arsch wie Frank war oder eben zu oft die immer gleiche Suppe von Hollywood aufgekocht bekommen hat, weiß zu schätzen, was hier läuft. Dann beißt man sich in den Handrücken, bis Blut kommt und erträgt das Traurige und Furchtbare und hört auf das irre abgründige Gelächter im Hinterkopf. Lässt die Rohrzange im Werkzeugkasten und sagt sich neuen Mutes: ich schaff auch diesen Tag.



"Batman had Robin. The original Human Torch had Toro. The Flash had Kid Flash. I could be your kid sidekick!" - Libby

Koch Media veröffentlicht den heißen Anwärter auf den "Kultfilm" des Jahres 2012 neben einer Single Blu-ray Version auch in einem hübschen Mediabook mit 12seitigem Booklet und einer Bonus-DVD. Das FSK-Logo auf der Front lässt sich leicht lösen und das Booklet enthält interessante Hintergrundinfos zum Film und wurde zudem sehr schön designt.


Bei "Super" handelt sich um eine 2 Millionen-Dollar-Low-Budget-Produktion mit einer teilweise dokumentarischen Optik und Wackelkamera-Ästetik. Dennoch erzielt der HD-Transfer durchweg gute Werte und trumpft mit einer guten, obgleich nicht herausragenden Schärfe aus. Dafür wirkt das Bild stellenweise noch zu weich und zeigt in diesem Momenten nur eine zufriedenstellende Detailschärfe, während die Details in Close-Ups deutlich feiner herausgearbeitet werden. Allgemein wirkt das Bild aber angenehm plastisch und erfreut sich einer natürlichen und kräftigen Farbgebung, die stilbedingt immer mal wieder etwas verfremdet wurde.
Dies gilt auch für den Kontrast, der für die visuelle Umsetzung deutlich angepasst wurde, teilweise etwas steil ausfällt, insgesamt aber helle und dunkle Bildbereiche sehr gut ausbalanciert. Der Schwarzwert ist zudem satt und tief. Dennoch werden keine Details in dunklen Szenen verschluckt. Es gibt immer wieder etwas Bildrauschen zu bemängeln, welches allerdings nur in schlecht ausgeleuchteten Sequenzen unangenehm auffällt. Dies scheint den Digitalkameras geschuldet zu sein, mit denen "Super" gedreht wurde. In Tageslichtaufnahmen wirkt das Bild hingegen sehr klar und ist frei von Rauschen oder Defekten. Auch die Kompression arbeitet ruhig im Hintergrund.



(Preview-Screenshots zur vergrößerten Ansicht anklicken.)

Dem Zuschauer wird natürlich keine Hollywood-Blockbuster-Abmischung geboten. Allerdings wurden beide verlustlosen HD-Tonformate mit viel Detailtreue und Räumlichkeit abgemischt und die Rears werden immer wieder für Nebengeräusche und kleinere Effekte genutzt. Die direktionalen Effekte sind gut ortbar und wurde sehr dynamisch und kraftvoll eingebracht. Auch der Score verteilt sich hervorragend auf sämtliche Kanäle und erzeugt zusätzliche Räumlichkeit ohne feine Details zu unterdrücken. Die Frontwiedergabe ist sehr gut ausbalanciert und die Dialoge hallen klar und präzise aus dem Center, ohne auf die Effektkanäle zu übersteuern. Die Unterschiede zur englischen Fassung liegen lediglich im Dialogbereich, der beim Originalton etwas mehr Natürlichkeit versprüht und weniger steril klingt. Deutsche Untertitel sind anwählbar.



Das Bonusmaterial auf der Blu-ray enthält neben drei Trailern in SD einen Audiokommentar mit Regisseur und Drehbuchautor James Gunn, sowie Hauptdarsteller Rainn Wilson. Leider wurde der Kommentar nicht deutsch untertitelt und wird deshalb von vielen wahrscheinlich ignoriert werden. Eigentlich schade, denn beide sprechen sehr ausführlich über die Produktion, die Entstehung und gehen auf einzelne Szenen ein. Die 18minütigen Hinter den Kulissen liegen in HD vor und gewährt dem Zuschauer einen Interessanten Einblick hinter die Kulissen, lassen Macher und Darsteller zu Wort kommen und zeigt viele Aufnahmen von den Dreharbeiten. Abschließend beinhaltet die Hautfilm-Disc noch einen TV-Spot und den deutschen Trailer, jeweils in High Definition.



(Preview-Screenshots zur vergrößerten Ansicht anklicken.)

Auf der Bonus-DVD befindet sich u.a. ein 33minütiges Interview mit Regisseur und Drehbuchautor James Gunn in Berlin. Mit sehr viel Begeisterung und Enthusiasmus erzählt er von der Entstehung von "Super", geht auf die langwierige Finanzierung und die schwierigen Dreharbeiten der Low-Budget-Produktion ein. Zudem erzählt er von seinen Arbeiten bei Troma und schüttelt viele Anekdoten aus dem Ärmel. In "James Gunn über Comics" besucht Gunn einen Comic-Laden in Berlin, plaudert beim Durchstöbern der Regale über seine Liebe zu Comics und stellt einige der Hefte vor. Desweiteren gibt es vier geschnittene Szenen und ein 5minütiges Making of der Titelsequenz zu sehen, in dem das Designerteam zu Wort kommt und einen kleinen Einblick in die Titelsequenz-Animationen gewährt. "Wie man Verbrechen bekämpft" ist ein kleines Video, in dem die "Superhelden" mit einem Kamerateam im Schlepptau durch die Straßen ziehen und zeigen, wie man am besten Verbrechen bekämpft. Witzige 4 Minuten, denen noch ein 2minütiges Making of spendiert wurde. Mit knapp 60 Minuten fällt die Pressekonferenz bei der Comic-Con sehr umfangreich aus. Regisseur James Gunn und Hauptdarsteller Rainn Wilson standen dem Publikum Rede und Antwort und geben sich erneut sehr sympathisch und locker. Sie sprechen über die Zusammenarbeit, die schwierigen Dreharbeiten und warum die Darsteller freiwillig zum "Nulltarif" vor der Kamera standen. Mit den beiden gibt es dann noch ein witziges, wie informatives Interview bei der 'South by Southwest'-Filmpremiere. Hier beweisen Wilson und Gunn einmal mehr ihre Fan-Nähe und was für lustige und sympathische Kerle sie doch sind. Dabei gehen sie mit viel Freude auf die Fragen des Interviewers ein. Abschließend enthält die Disc noch den Original Kinotrailer, eine Postergalerie und alle 8 Episoden von James Gunns trashigen PG-Porn-Folgen, in denen der Koitus aufgrund makabrer Umständen nie vollzogen werden kann. Für Kinder geeignet ...


"Super" hat das Zeug zum "Kultfilm" und wird von Koch Media ungekürzt in einer sehr schönen Special Edition veröffentlicht, deren Bonusmaterial bis auf den Trailer komplett untertitelt wurde. Das Mediabook ist zudem ein Blickfang und Bild und Ton sind für einen Indie-Film auf sehr hohem Niveau.


Film+++++/
Bild+++++-
Ton++++/-
Bonus+++++/


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