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AUS 2011
Originaltitel:Sleeping Beauty
Länge:101:37 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Julia Leigh
Buch:Julia Leigh
Kamera:Geoffrey Simpson
Musik:Ben Frost
Darsteller:Emily Browning, Rachael Blake, Ewan Leslie, Peter Carroll, Chris Haywood, Hugh Keays-Byrne, Bridgette Barrett, Hannah Bella Bowden, Les Chantery, Benita Collings, Michael Dorman, Eden Falk
Vertrieb:Capelight
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:15.02.2012 (Verleih) / 09.03.2012 (Kauf)
Bonus:
  • Interviews mit Cast und Crew (13:01 Min., 576i)
  • Kinotrailer (1:35 Min., 1080p)
  • Trailershow:
    • Hotel Desire (1:24 Min., 1080i)
    • Room In Rome (2:04 Min., 1080p)
    • Enter The Void (1:35 Min., 1080p)
    • Sex And Zen 3D (2:18 Min., 1080p)
Lucy, eine junge, attraktive Studentin, finanziert sich ihr Studium durch allerlei Nebenjobs. Sie putzt im Café, kopiert stundenlang im Büro und steht als medizinische Testperson zur Verfügung. Eines Tages stößt sie auf eine Anzeige in einer Studentenzeitung mit einem außergewöhnlichen, aber äußerst lukrativen Job in einer Welt erotischer Fetische. Alte Herren dürfen ihre Sexphantasien an ihr ausleben. Mit einer einzigen Einschränkung: Penetration ist nicht erlaubt. Lucy ist dabei betäubt. Doch schon bald überwältigt sie die Neugier, was in jenen Nächten mit ihr angestellt wird ...
Der Name kommt doch irgendwie bekannt vor, "Sleeping Beauty", da war doch mal irgendwas: "Sleeping Beauty" ist schlicht der englische Titel des Grimmschen Märchens "Dornröschen". Außer dem Titel lässt sich auch eine Verbindung zwischen dem Märchen und dem Debütfilm der australienschen Regisseurin Julia Leigh herstellen, auch wenn es sich auch um eine sehr eigenwillige Interpretation des Märchens handelt. Auch wenn kein Prinz vorkommt, sind Parallelen zu erkennen und kann die Hauptperson in gewisser Weise als "Aschenputtel" bezeichnet werden.



Leigh erzählt von Lucy (Emily Brown (Interner Link"Sucker Punch"), die, um ans schnelle Geld zu gelangen, jeden Job annimmt. Irgendwann wird ihr eine Stelle in einem noblen Anwesen angeboten, in dem sie und weitere Mädchen halbnackt einem ausgewählten Kreis zu diensten sein soll. Was mit harmlosen Getränkeausschank beginnt, entwickelt sich zu sexuell perfiden Exzessen. Es kommt soweit, dass Lucy sich dazu bereit erklärt, Schlafmittel einzunehmen, um dem Kreis älterer Herren als willenloses und schlafendes Liebesobjekt zu dienen. Ein perverser Kreislauf beginnt ...

Obwohl "Sleeping Beauty" alles andere als ein Gorefestival ist, wird doch härtere Kost als in so manch blutigen Film geboten. Man findet Ähnlichkeiten zu frühen asiatischen Produktionen, in denen die Frau als Objekt der Begierde dargestellt wird, sowie zu Pasolinis Interner Link"Die 120 Tage von Sodom". Das Bild der Frau wird noch weiter verzerrt, indem eine in Not geratene Person unter anonymen Vorwand für zwielichtige Zwecke missbraucht wird. Die Anonymität spielt in "Sleeping Beauty" eine zentrale Rolle, erfährt man doch kaum etwas über die elitäre Gesellschaft, nur dass hinter der oberflächlichen Fassade viel Geld den Besitzer wechselt, mit dem sich die Besitzer alles erlauben können. Auch über die Protagonistin Lucy erfährt man nur sehr wenig. Einiges lässt sich zusammenreimen, z.B. dass sie in Geldsorgen steckt, dass sie über ihren Verhältnissen lebt und auch dem Drogenkonsum und einer sehr freizügigen Sexualität nicht abgeneigt ist. Zwar sieht man in ihr eine wunderschöne Frau, doch in Verbindung mit ihrem stetigen Jobwechsel auch eine Frau, die in ihrem Leben nicht allzu viel auf die Reihe bkommen hat und möglicherweise deswegen ein perfektes auszunutzbares Opfer der materiellen Welt darstellt. Dass "Sleeping Beauty" von einer Frau inszeniert wurde, verwundert daher schon.



Wer sich einen Softsexfilm erhofft, wird trotzdem enttäuscht sein. Sex bekommt man nicht geboten, stattdessen viel nackte Haut, die lediglich dazu dient die Phantasie des Zuschauers zu stimulieren. Jedoch nicht im erregenden Sinn, wenn auch Emily Brown in ihrer Rolle nicht hätte besser besetzt werden können. Sie spielt nicht nur grandios, sondern entzückt auch mit ihrem unschuldigen Äußeren. Sie wirkt gleichzeitig völlig unterkühlt und emotionslos, als ob sie nur ein devotes Geschöpf ist, das sich auf das Spiel einlässt - und dem es möglicherweise sogar gefällt. Julia Leigh lässt den Zuschauer in der Gefühlswelt völlig allein dastehen und schafft so viel Freiraum für Spekulationen: Wird Lucy einen einfachen Weg beschreiten oder wird es eine harte Tour für sie?

Doch was will uns die schlafende Schönheit und ihre Regisseurin mit dem Film letztendlich sagen? Eine einfache Antwort gibt es nicht, so dass sich jeder Zuschauer den Film und dessen Handlung selbst zusammenfügen darf. Etwas versteckt findet man womöglich eine Kritik an Medien, die durch Shows und Berichterstattungen das weibliche Idealbild verbreiten. Wird allerdings hinter die Kulissen geschaut, werden menschliche Abgründe offenbar. Auch scheint die Gemeinschaft aus älteren Gastgebern des Films den Wunsch ewiger Jugend widerzuspiegeln: Die Annäherung der älteren Gastgeber an Lucy ist möglicherweise der Versuch, sich selbst wieder jung zu fühlen. Ob Regisseurin Leigh genau diese Intentionen hegte, bleibt allerdings der Einschätzung des Zuschauers überlassen.



Capelight präsentiert "Sleeping Beauty" in durchgehend guter Bildqualität, die nur mit wenigen Schwächen zu kämpfen hat. Anlass zur Kritik bieten einige Szenen wegen ihrer mangelnden Durchzeichnung und Schärfe, was unweigerlich zum Verlust der Brillanz führt. Möglich, dass diese Schwächen stilmittelbedingter Natur sind, doch fallen sie ins Auge, wenn auch nicht störend. Grundsätzlich wird ein sehr scharfes Bild mit einer ebenso gelungenen Detailzeichnung geboten. Zudem zeichnet sich der Transfer durch eine breite Farbpalette mit teils stilmittelbedingten, etwas bleichen Tönen aus. Dadurch entsteht ein natürlicher Gesamteindruck, für den ebenfalls das dezente Filmkorn spricht. Erfreulicherweise ist auf nachträgliche Rauschreduktion und künstliche Nachschärfung weitestgehend verzichtet worden. Positiv macht sich auch der meist satte Schwarzwert bemerkbar. In Kombination mit einem ausgewogenen Kontrastverhältnis verfügen insbesondere Nachtaufnahmen und schwach ausgeleuchtete Innenräume für ausreichend Bildtiefe. Selbst in sehr dunklen Bereichen sind stets feine Konturen erkennbar, so dass zu keinem Zeitpunkt Gefahr durch untergehende Bildbereiche besteht. Alles in allem kein perfektes, aber dennoch wertiges Bild.

Die deutsche Synchronfassung und das englischsprachige Original liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, die genrebedingt keine Klangspektakel sind. Es wird eine sehr ruhige Soundkulisse geboten. Die Dialoge wirken hingegen lebendig, die in der deutschen Fassung im Vergleich zum Original etwas an Dynamik einbüßen. Dafür ist die Abmischung zwischen Dialogen, Effekten und Soundtrack tadellos und bietet stets ein korrektes Pegelverhältnis. Bei einer handvoll Szenen wird eine zumindest etwas wahrnehmbare Surroundkulisse geboten, in der sowohl die ansonsten eher unauffällige Filmmusik als auch vereinzelte Umgebungsgeräusche wahrnehmbar sind. Das Wichtigste bei "Sleeping Beauty" sind aber ohnehin die Dialoge und diese sind als sehr gut zu bezeichnen. Somit keine spektakuläre Abmischung, aber filmbedingt eine völlig zufriedenstellende Abmischung.


(Preview-Screenshots zur vergrößerten Ansicht anklicken.)

Das Bonusmaterial fällt hingegen spärlich aus. Die vielen offenen Fragen hätte durch ein ausführliches Interview mit der Regisseurin beantwortet werden können. Allerdings gibt es nur 13 Minuten Interviewsequenzen mit der Regisseurin Julia Leigh, dem Produzenten und der Hauptdarstellerin Emily Browning in SD-Qualität. Man bekommt zwar Einblicke in den Filmdreh und die Auswahl der Darsteller, doch was sich wirklich hinter dem Drehbuch verbirgt, erfährt der Zuschauer nicht. In HD wird noch der deutsche Kinotrailer geboten, womit die filmspezifischen Extras beendet werden. Vier weitere Trailer machen Werbung in eigener Sache des Anbieters. Bleibt zu erwähnen, dass es ein Wendecover ohne FSK-Logo gibt und die Erstauflage mit einem netten Schuber ausgestattet wurde.


"Sleeping Beauty" ist ein verstörender und doch sehr anspruchsvoller Film. Weil die Charaktere allesamt etwas unnahbar sind, ist er nicht gänzlich überzeugend. Vieles bleibt unbeantwortet. Leighs Film lässt sich vielseitig deuten, weil dem Zuschauer nur Bruchstücke geliefert werden. Dies ist allerdings auch der Grund, warum man sich den Film ansehen sollte.


Film++++/-
Bild++++/-
Ton++++--
Bonus+/----


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