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BR 2009
Originaltitel:Besouro
Alternativtitel:Assailant, The
Länge:93:33 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:João Daniel Tikhomiroff
Buch:Patrícia Andrade, João Daniel Tikhomiroff
Kamera:Enrique Chediak
Musik:Rica Amabis, Pupillo, Tejo
SFX:Sergio Farjalla Jr.
Darsteller:Aílton Carmo, Ânderson Santos de Jesus, Jéssica Barbosa, Flávio Rocha, Irandhir Santos, Macalé, Leno Sacramento, Chris Vianna, Sérgio Laurentino, Adriana Alves, Geísa Costa, Servílio de Holanda
Vertrieb:Infopictures / Alive
Norm:1080p / MVC (3D-Version), 1080p / MPEG-4 AVC (2D-Version)
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1 (dt.), DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo (port.)
Sprache:Deutsch, Portugisisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:28.01.2011 (Kauf)
Bonus:-
Brasilien 1924: Die Sklaverei ist offiziell schon lange abgeschafft und dennoch leiden viele Afro-Brasilianer unter den "weißen Herren". Unmenschliche Lebens- und Arbeitsbedingungen stehen an der Tagesordnung. Die Ausübung der beliebten Kampfkunst Capoeira ist verboten. In dieser Zeit wird Manuel Henrique Pereira zur Legende. Er rächt seinen Capoeira-Meister und lehnt sich gegen die Ungerechtigkeit auf. Unter dem Namen Besouro (ein Käfer, der fliegen kann, obwohl er nicht so aussieht) nimmt er den Kampf gegen die Unterdrücker auf ...
Von dem großen Thema, dass es beschreibt, völlig eingenommen, verhält sich die lateinamerikanische Produktion "Besouro" in seinem Gepräge der Empfindung als meditative Bewunderung und ebensolche Zerstörung. Alles andere als ein offensiver Actionfilm und trotz ebenfalls mehrerer Überschneidungen auch nicht alleinig der Unterart des Martial Arts-Kinos zuzuordnen, stellt sich die Inszenierung vom Spielfilm-Debütanten und Co-Autoren João Daniel Tikhomiroff, der sich zuvor als Cutter, Produzent und vor allem Werberegisseur einen Namen gemacht hat, als sowohl minimalistische Mythenbildung als auch überaus sinnlich gehaltene historisierende Biographie heraus. Inspiriert von Marco Carvalhos Roman "Feijoada no Paraíso", ein gesetztes Bilderspiel mit aus der einfachen Dramaturgie genommenen archaischen Wesensarten und einer poetisch präsentierten Zwischenwelt.



"There's no such thing as death, Besouro."

Dabei wirkt der Film in seinem Äußeren selber schon ertragreich genug, zeichnet durch das Auge des Hollywood-erfahrenen Kameramannes Enrique Chediak mit dem Schauplatz der Bahia de Todos os Santos, einer beizeiten landwirtschaftlich erschlossenen, trotzdem vielmals wie unberührt und nicht gänzlich der Natur abträglich gemachten Regionen Brasiliens eine rituelles Kleinod von Weltfernheit und Besinnung. Ein Zustand gefühlter Passion, die mit ruhigen Mitteln und dem Einsatz von Flora und Fauna beschrieben wird - gedreht wurde im Nationalpark der Hochebene Chapada Diamantina -, innerlich aber den großen Kampf der Befreiung und die damit einhergehende Bedrohung von gleich mehreren und damit auch den eigenen Seiten mit sich trägt. Liebe, Tod und Teufel, in der vergleichsweise experimentell verspielten Version des '77er "Cordão De Ouro":



Januar 1924.
Trotz der vor vierzig Jahren abgeschafften Sklaverei herrschen die dortigen Zustände in der Recôncavo baiano weiterhin fort. Coronel Venâncio (Flávio Rocha) unterhält mithilfe seiner durchweg mit Waffen und Pferden ausgestatteten Männer um Noca de Antônia (Irandhir Santos) ein Unterdrückungsregime, das die Dorfbewohner bei Salvador da Bahia zur Arbeit in der Zuckerrohrplantage und auch dem sonstigen Gehorchen zwingt. Als er seinen ärgsten Feind, den das verbotene Capoeira lehrenden Mestre Alípio (Macalé) umbringen lässt, reagieren dessen drei besten Schüler und seit der Kindheit eng verbundenen Freunde Besouro (Aílton Carmo), Quero-Quero (Ânderson Santos de Jesus) und Dinorá (Jessica Barbosa) jeweils komplett unterschiedlich.

"A hero is born, when the enemy hesitates and makes the worst mistake of all:
To think he can put an end to everything.
But it's at that time that he makes everything start."


Mehrere Wechsel in der Gesinnung stellen sich vor allem in den ersten nackten Minuten der eröffneten Überlegung dar. Die Schüler-Meister-Beziehung, besonders aus dem asiatischen Kino, wird genauso angedeutet wie sich der kämpferische Ausblick von Unterdrückung und Widerstand als Neo-Western aus der späten Kolonialzeit zu denken gibt. Die Seiten sind gesetzt, der epische Ton gelegt, das beige-ockerfarbene Szenario um zwei, drei Örtlichkeiten (Marktplatz, Fabrik, Herrenhaus) in der überaus eindrucksvollen Landschaft um Salvador und die Allerheiligen-Bucht schnell beschrieben. Der gesprochene Einleitungstext als zeitlicher, geographischer und zukunftsweisender Hinweis, der erste Tote nach kurzer Vorwarnung, die vielfältigen "Nigger"-Anreden, die zusätzlich einhergehen mit weiteren Ausfällen wie "Bastard", "Shameful race", "Devil's hoof" als begleitende Anheizung der Gewalt.



Doch die einfachen Wege zum Ziel trennen sich, teilen sich, schweifen voneinander ab, wechseln die Perspektiven, angerissenes Sittenbild hier, einsam vorzufindende Lebenserinnerung mit Einfluss der Candomblé-Religion da, wird die Geschichte um den von 1897–1924 lebenden Capoeirista Manuel Henrique Pereira, genannt Besouro, doch als uneingeschränkt konzentrierte Versunkenheit, auch auf die afrikanischen bzw. afro-brasilianischen Traditionen mündend und der Wirkung höherer Mächte erzählt. Nicht nur, dass die rein physischen Attraktionen bis auf kleine Andeutungen lange auf sich warten lassen und der Gerechtigkeitssinn so eben nicht mit Waffen, sondern erst dem Geist ausgetragen wird, auch widerstrebt man sich Logik und anderen meist narrativen Gesetzen. Die von Besouro überlieferten Details verlieren sich in der Betrachtung, der Kampf gegen die Polizei wird verschwiegen, das Leben vor der Revolution, dafür die Sagen um die bald geglaubte Übernatürlichkeit mitsamt der Fähigkeit zu fliegen und den "Corpo fechado", der unverwundbar verschlossenen Körper sowie dem tödlichen "Faca de tucum", dem Ticum-Messer aus Palmholz um so verstärkter gerade für die raren Auseinandersetzungen vor und rund um den Showdown der 5 Mio.-US-Dollar-Produktion integriert.



Variation und Wiederholung und Betrachtungswechsel vor dem Finale gehen in den Tanz- und Actionszenen mit auch pragmatischen und normativen Regeln einher, steigernd in schlichter Körperertüchtigung, dann spielerischen Turnier, schließlich doch mit kurz destruktiver Wucht, wobei die sonst meist elegant gleitende Kampfcheorographie in aufschwellendem Affekt ungewöhnlicherweise vom kantonesischen Trainer Guk Hin-chiu (Interner Link"House of Fury", Interner Link"The Banquet", "14 Blades") koordiniert und auch das für die Schaustellung notwendige Wirework überwacht wird. Eine Umwandlung der einst erdhaft verbundenen Straßenkämpferideologie, die nunmehr zu der typischen, gerade durch "Only the Strong" auch im Westen bekanntgewordenen Einheit aus weitdrehenden Beinbewegungen, Fegern, dem einhändigen Handstand bis hin zu Fußschlägen und Tritten formatiert, aber nie zum richtigen Exzess aufgebauscht wird.


Infopictures veröffentlicht "Besouro" neben der normalen DVD- und Blu-ray Edition auch als 3D-Fassung. Allerdings verzichtet man hier wie bereits bei den anderen Fassungen komplett auf Bonusmaterial. Lediglich über ein FSK-Wendecover darf sich der Käufer freuen. Neben der 3D-Version beinhaltet die Disc auch die herkömmliche 2D-Version, die angenehme HD-Atmosphäre aufkommen lässt. Die Schärfe und der Detailgrad fallen ausgesprochen hoch aus und überzeugen selbst in Totalen mit einer sehr guten Schärfe und nahezu perfekten Tiefenwirkung. Der plastische Transfer zeichnet Kanten sehr sauber und knackig, ohne dabei zu überstrahlen. Auch Kontrast und der statte Schwarzwert sorgen für ein knackiges Bild und einer sehr guten Durchzeichnung. Die Optik wurde absichtlich etwas blass und monoton gewählt, kann aber immer wieder mit kräftigen und satten Farben auftrumpfen. Die Kompression arbeitet zudem ruhig im Hintergrund. Lediglich kleinere Defekte sowie die teilweise etwas störenden Bewegungsunschärfen sorgen dafür, dass dem Transfer die Höchstnote verwehrt bleibt.



Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Das 3D-Bild entpuppt sich schnell als durchschnittliche Konvertierung ohne wirkliche Höhen. Wie auch bei der 2D-Fassung kann das Bild mit einem satten Schwarzwert, gut ausbalancierten Kontrast und kräftigen Farben auftrumpfen, doch in puncto Schärfe und Detaildarstellung kann die 3D-Version dem 2D-Bild nicht das Wasser reichen. Sie wirkt insgesamt zu wenig detailliert und weich. Die Tiefenwirkung überzeugt nur bedingt, denn es fehlt an Räumlichkeit und effektiven Pop-Out-Effekten. Ein 3D-Gefühl möchte hier nicht aufkommen, denn lediglich anhand von Objekten, die im Vordergrund stehen, merkt man, dass es sich um ein 3D-Bild handelt. Insgesamt macht der eingebaute Konverter des Fernsehens den 3D-Effekt nicht schlechter, es sollte aber erwähnt werden, dass Ghostings und Bildüberlagerungen zum Glück nicht auftreten. In 2D macht "Besouro" aber deutlich mehr Spaß.

Der deutschen DTS-HD Master Audio 5.1 Spur fehlt es an Räumlichkeit. Sie kann dafür mit einem guten Basseinsatz und einem satten und kräftigen Score überzeugen. Letztere spielt sich wie der Großteil des Mixes leider nur im Frontbereich ab. Die Dialoge bleiben stets gut zu verstehen und wurden gut ausbalanciert. Allerdings klingen die Stimmen in der deutschen Synchronisation etwas zu dünn und steril. Da klingt der Originalton, der in DTS-HD Master Audio 2.0 vorliegt, deutlich harmonischer und passt sich besser dem restlichen Klang an. Trotzdem wäre ein lebhafterer Mix wünschenswert gewesen. Deutsche Untertitel sind optional.


Wer kein Wert auf ein konvertiertes 3D-Bild legt, greift gleich zur günstigeren 2D-Version der bildtechnisch guten Blu-ray-Umsetzung. Der schwache Ton und die fehlenden Extras trüben den Genuss der Scheibe aber erheblich. Gerade bei "Besouro" wäre eine ausführliche Dokumentation wünschenswert gewesen.


Film++++--
Bild++++/-Wertung der 2D-Fassung
++/---Wertung der 2D-Fassung
Ton+++---
Bonus------


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