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USA, D, UK 2011
Originaltitel:Hanna
Länge:111:06 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Joe Wright
Buch:Seth Lochhead, David Farr, Seth Lochhead
Kamera:Alwin H. Kuchler
Musik:The Chemical Brothers
SFX:Michael Bird
Darsteller:Saoirse Ronan, Eric Bana, Vicky Krieps, Cate Blanchett, Paris Arrowsmith, John MacMillan, Tim Beckmann, Paul Birchard, Christian Malcolm, Jamie Beamish, Tom Hodgkins, Vincent Montuel
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-50
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:2,40:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:28.11.2011 (Verleih) / 08.12.2011 (Kauf)
Bonus:
  • Kommentar mit Regisseur Joe Wright
  • Alternatives Ende (1:28 Min., 1080p)
  • Entfallene Szenen:
    • Hanna trampt (1:31 Min., 1080p)
    • Erik checkt aus (0:34 Min., 1080p)
    • Hanna benutzt das Internet (1:53 Min., 1080p)
  • Sich anpassen oder sterben (13:15 Min., 1080p)
  • CIA-Allegorie (8:15 Min., 1080p)
  • Chemische Reaktion (6:06 Min., 1080p)
  • Die weite Welt von Hanna (2:11 Min., 1080p)
  • Anatomie einer Szene: Die Flucht aus Camp G (3:10 Min., 1080p)
  • Hanna Promo (1:28 Min., 1080p)
  • Hi-Def exklusiv: BD Live
Jahre sind vergangen, seitdem der Ex-CIA-Agent Erik Heller (Eric Bana) abgetaucht ist. Die Zeit hat er genutzt, in der skandinavischen Wildnis seine nunmehr 16-jährige Tochter Hanna (Saoirse Ronan) zu einer schier unbesiegbaren Killer-Maschine auszubilden. Sie soll CIA-Agentin Marissa Wiegler (Cate Blanchett) ausschalten, die für den Tod von Hannas Mutter verantwortlich ist. Doch vorerst erwischt sie nur eine Doppelgängerin und wird auf ihrer Odyssee quer durch Europa von Wieglers skrupellosen Männern gejagt - und wird dabei mit verblüffenden Enthüllungen über ihre eigene Existenz und unerwarteten Fragen über ihre Menschlichkeit konfrontiert!
Die Faszination eines Films resultiert nicht immer aus der erzählten Geschichte. Natürlich nicht. Handlung ist stets nur ein Element im Zusammenspiel von Bildern, Tönen, Geräuschen und Dialogen. Diese Erkenntnis ist nun keine Sensation. Immerhin funktionieren, um nur ein Beispiel zu nennen, zahlreiche Filme des Suspense-Großmeisters Hitchcock auch (aber natürlich nicht nur) völlig losgelöst von ihren narrativen Rahmenbedingungen.
Warum die Vögel in Hitchcocks gleichnamigen Klassiker Amok laufen, ist für den Spannungs- und Unterhaltungsbogen des Films erst einmal völlig unwichtig. Atmosphäre, die sich aus dem Seherlebnis des Films ergibt, ist oftmals also nicht nur der Weg, sondern auch das Ziel. "Wer ist Hanna?" wirkt auf ähnliche Art und Weise. Ein Film, der eher assoziativ funktioniert, als dass er sich auf einen konsistenten und logischen Rahmen fokussiert. Regisseur Joe Wright gelingt so ein Crossover aus Roadmovie-, Coming-of-Age- und Actionelementen, das sich in seiner ausdrucksstarken Bild- und Tonsprache durchaus sperrig, dafür aber umso interessanter präsentiert. Das Abheben von dem typischen Hollywood-Einheitsbrei, der natürlich von einem Großteil des Kinopublikums nachgefragt wird, ist folgerichtiges Resultat dieses Unterfangens. Anders als in den standardisierten Actionfilmen Marke Bruckheimer oder Bay funktioniert die Actionszene in "Wer ist Hanna?" als punktiert eingesetztes Stilmittel eskalierender sowie implodierender Realitäten und nicht als reiner Selbstzweck.



Dass Filme stets durch visuelle und auditive Codierungen funktionieren, wird in "Wer ist Hanna?" bereits durch die Exposition verdeutlicht. Taucht die Kamera tief hinab in das kalte Weiß einer arktisch-verschneit wirkenden Landschaft, fällt das Auge auf einen weißen Schwan, der in seiner majestätischen Erhabenheit inmitten dieser lebensfeindlichen Landschaft irritiert. Es geht in dieser Szene jedoch nicht um das Tier an sich, sondern um die Metaphern und Codierungen, die sich mit dem Schwan verbinden. Seine herausragende Stellung in Mythos und Märchen lässt das von Wright nur kurz eingefangene Bild zu einer Allegorie gerinnen, die sich wie ein roter Faden quer durch den Film zieht.
Zu Beginn dieser Erzählung befindet sich die titelgebende Hanna (Saoirese Ronan, "City of Ember") noch inmitten der von ihrem Vater (Eric Bana, "Hulk") geschaffenen Grenzen, der sie - aus einem zunächst nicht ersichtlichen Grund - von der modernen Zivilisation isoliert und zur toughen Kampfmaschine ausbildet. Der Tod des von ihr mit Pfeil und Bogen erlegten Hirsches gerät zur ritualisierten Handlung, dessen Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt den Kreis schließen wird. Gleichzeitig vollzieht sich mit der Jagd das Ende eines Initiationsprozesses, der Hanna zu einer autark handelnden Persönlichkeit macht. Ihr Vater überlässt ihr die Entscheidung, ob sie nun auf die Jagd nach der mysteriösen Marissa Wiegler (Cate Blanchett, Interner Link"Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") gehen oder noch warten möchte. Hanna fühlt sich bereit, drückt den Knopf des Peilsenders und verlässt in der Folge den sie schützenden Kokon des Waldes.



"Wer ist Hanna?" begreift sowohl seine Protagonistin als auch deren Nemesis als Figuren mit märchenhaftem Anstrich. Hanna ist folglich nicht nur durch die technisierte und kommunikative Umgebung der von uns als normal empfundenen modernen Zivilisationen herausgefordert, beeindruckt und bedroht, sondern wird vielmehr aus den Buchseiten des Märchens hinein in das Hier und Heute katapultiert. Mit anderen Worten: "Wer ist Hanna?" vertauscht geschickt die Ebenen und kehrt diese sowohl für die Protagonistin als auch für den Rezipienten um. Was für den Rezipienten Wirklichkeit ist, ist für Hanna Märchen und vice versa. Folglich findet die finale Auseinandersetzung zwischen Hanna und Wiegler nicht auf den Straßen Berlins, sondern inmitten eines stillgelegten und verfallenen Märchenparks statt. Grimms böser Wolf verschmilzt geradezu bildlich mit der bösen Hexe zu einem Kosmos der Bedrohung, der nur und ausschließlich von Hanna bezwungen werden kann. Wright konstruiert einen Film, dessen Realitäten schwammig sind und der sich über seine Stimmungen und Gefühle erzeugenden Bilder seine Bahn bricht. Wie in den meisten Märchen vollzieht sich der Kampf zwischen Gut und Böse dabei durch schiere und bloße Gewalt. Die kleine Gretel stößt die böse Hexe in den Ofen und lässt sie verbrennen. Hanna bricht das Genick der Frau, die sie für Wiegler hält, mit einer Leichtigkeit als ob sie ein Streichholz in zwei Hälften zerteilen würde. In einer Gesellschaft (wie der unsrigen), die Gewalt dankenswerterweise für gewöhnlich ablehnt, muss die Drastik von Grimms (oder anderen Märchen) antiquiert erscheinen, oder eben - wie im Fall von "Wer ist Hanna?" Unbehagen erzeugen.



Die kaltblütige Killerin Hanna passt nun wirklich nicht in das Bild des kleinen Mädchens, das im 21. Jahrhundert als Idealtypus gilt. Film ist auch in diesem Fall wieder nicht nur ein Medium zum Erzählen von Geschichten, sondern auch für Transfer und Modernisierung, denn es ist ein überaus düsteres Märchen, welches da in "Wer ist Hanna?" erzählt wird. Wright macht diesen Bezug immer wieder deutlich, manchmal sogar deutlicher als er müsste. Die Realität des Hier und Jetzt wird mit den im Film auftauchenden Figuren kontrastiert und gebrochen. Das junge britische Mädchen, mit dem sich Hanna anfreundet, ist überzeichnete Karikatur, gleiches gilt für Hannas Verfolger samt dessen "Neonazi-Schläger".
Wiegler hingegen ist das Paradebeispiel der bösen Hexe. Zwar schön, jedoch kaltblütig und manisch bis zum Erbrechen. Eingefangen wird dieses überaus interessant Szenario, dessen Konstante der stilistische Bruch ist, von der Kamera von Joe Wright. Mal schnell, dann wieder langsam, geradezu elegisch und erhaben, wird Hannas Geschichte von Wright beeindruckend bebildert. Spielt insbesondere die junge Ronan auf bemerkenswertem Niveau, vollzieht sich das Gesamtkunstwerk "Wer ist Hanna?" jedoch erst durch den zugehörigen und herausragenden Soundtrack von den Chemical Brothers. Kino ist nicht immer Kunst. In diesem Fall schon.


Sony Pictures veröffentlicht "Wer ist Hanna" ungekürzt auf DVD und Blu-ray mit einem FSK-Wendecover. Die Bildpräsentation der hier vorgestellten Blu-ray überzeugt dank durchgehend hoher Qualität. Schärfe und Detailzeichnung fallen sehr gut aus und der ausgewogene Kontrast bietet einen weitgehend satten Schwarzwert, sowie eine natürliche Farbgebung, die stilmittelbedingt etwas übersättigt ist. Dies hat zur Folge, dass die Plastizität und die Tiefenwirkung des Bildes nicht immer hundertprozentig ausfällt. Zudem wirken wenige Einstellungen deutlich zu weich, was an einer schlechteren Fokussierung jener Bilder liegen könnte. Ansonsten gibt es eigentlich nichts zu bemängeln. Die Filmkornstruktur ist sauber und die Kompression ruhig. Alles in allem ein sehr homogener und sauberer HD-Transfer.



(Preview-Screenshots zur vergrößerten Ansicht anklicken.)

Die Soundabmischung ist eine Bombe. Egal, ob in ruhigen oder in den unzähligen druckvollen, extrem direktional abgemischten Actionszenen, der DTS-HD Master Audio 5.1-Mix bietet stets eine gute Balance und eine hervorragende Dialogwiedergabe mit einem enormen hohen Detailgrad. Der Score passt sich kraftvoll und mit viel Dynamik dem restlichen Soundambiente an, bietet zudem mit der Musik des britischen Elektro-Pop-Duos "The Chemical Brothers" einen sehr treibenden wie individuellen Filmscore, welcher der ohnehin schon sehr brachialen und weiträumigen Abmischung das i-Tüpfelchen aufsetzt. Selten bekommt man noch derartiges Referenz-Niveau geboten. "Wer ist Hanna" lässt es ordentlich krachen, ohne die Feindetailwiedergabe, den Dynamikbereich und die Dialoge durch schlecht abgemischten Einheitsbrei zu verwässern. Unterschiede zwischen der deutschen und der englischen Sprachfassungen sind marginal und meist nur im Stimmbereich herauszuhören. Optional gibt es deutsche Untertitel.


Unter dem Zusatzmaterial befindet sich ein deutsch untertitelter und sehr informativer Audiokommentar mit Regisseur Joe Wright, der ausführlich auf alle wichtigen Aspekte der Produktion eingeht. Die restlichen Extras liegen allesamt in High Definition vor. Neben drei entfallene Szenen, einem alternativen Ende und einem 13minütigen, interessanten Making of, enthält die Disc mit "Chemische Reaktion" ein sechsminütiges Featurette über die Chemical Brothers, die für den Soundtrack des Films verantwortlich sind.
"CIA-Allegorie" befasst sich in knapp 9 Minuten mit der Geheimorganisation im Film und in "Die weite Welt von Hanna" geht äußerst kurz auf die Locations ein. "Anatomie einer Szene: Die Flucht aus Camp G" befasst sich in kurzen 3 Minuten mit der Flucht von Hanna und "Hanna Promo" ist ein knapp einminütiges Promo-Video. Deutsche Untertitel sind vorhanden, auf einen Trailer wurde allerdings verzichtet. Stattdessen gibt es eine BD-Live-Einbindung ohne filmspezifischen Inhalt. Kurzum: Solides Bonusmaterial, hier wäre deutlich mehr machbar und vor allem wünschenswert gewesen.



(Preview-Screenshots zur vergrößerten Ansicht anklicken.)

Rasanter Action-Thriller mit einer überzeugenden Besetzung. Die deutsche Blu-ray bietet ein gutes Bild und einem bombastischen Soundtrack. Allerdings fällt das Bonusmaterial etwas zu oberflächlich aus. Nichtsdestotrotz eine lohnende Anschaffung, auch wegen dem überzeugenden Spiel der jungen Saoirse Ronan.


Film+++++-
Bild+++++-
Ton++++++
Bonus++/---


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Wer ist Hanna?
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