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USA 1987
Originaltitel:Full Metal Jacket
Alternativtitel:Chaqueta Metálica, La
aka. Stanley Kubrick's Full Metal Jacket
Länge:116:28 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Stanley Kubrick
Buch:Michael Herr, Stanley Kubrick, Gustav Hasford,
Kamera:Douglas Milsome
Musik:Vivian Kubrick (als Abigail Mead)
SFX:John Evans
Darsteller:Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey, Dorian Harewood, Kevyn Major Howard, Arliss Howard, Ed O'Ross, John Terry, Kieron Jecchinis, Kirk Taylor, Tim Colceri
Vertrieb:Warner
Norm:1080p / VC-1
Medium:BD-50
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:1,85:1
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Linear PCM 5.1 (nur engl.)
Sprache:Deutsch, Englisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Chinesisch (vereinfacht), Dänisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Niederländisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch
Verpackung:Seastone Case
Blu-ray-Start:07.12.2007 (Kauf)
Bonus:
  • Audiokommentar mit Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey, Jay Cocks
  • Dokumentation: Between Good and Evil (30:49 Min., 1080i)
  • Trailer (1:27 Min., 1080i)
South Carolina 1967. Im Camp von Parrish Island werden Joker und seine Kameraden auf traditionell brutale Art zu Marines gedrillt. Der Ausbilder bezahlt seine Profiarbeit mit dem Leben: Leonard, sein Lieblingsopfer, erschießt den Schinder, bevor er sich selbst tötet. An der Dschungelfront in Vietnam, nach der Tet-Offensive, geraten Joker - der inzwischen als Journalist Heldenberichte für die Soldatenzeitung "Stars & Stripes" schreibt - und seine Kameraden in den Hinterhalt eines Heckenschützen. Die scheinbar einfache Wiedereroberung Hues gerät zum verlustreichen Desaster. Der Scharfschütze, ein Vietcong-Mädchen, wird von den Soldaten getötet, die Aktion aber überleben nur wenige.
"In Vietnam The Wind Doesn't Blow It Sucks."

Egal in welchem Genre Stanley Kubrick sich versucht und mit welchem Thema er sich auseinander setzte, stets resultierte aus seinen Visionen ein wegweisender Film. Von eben dieser perfektionbesessenen Regie ist auch "Full Metal Jacket", Kubricks Abrechnung mit dem Vietnamkrieg und dem amerikanischen Militärapparat, geprägt, der vorbehaltlos, in einem Zug, mit Interner Link"Apocalypse Now", "Hamburger Hill" und "Platoon" genannt werden darf, auch wenn er sich des Themas (typisch Kubrick eben) ganz anders annimmt.



Ohne Opening Credits zu verwenden demonstriert er ab der ersten Minute die Grundausbildung in der amerikanischen Armee. Der Vietnam-Krieg steht vor der Tür, viele junge Männer, die bis dahin nicht mal im Traum ans Töten gedacht haben, werden eingezogen und, wie es sich für einen Rekruten gehört, dementsprechend frisiert. Während die Wolle zu Boden fällt, wird schon eins der tragenden Kritikinstrumente Kubricks deutlich - die harmonisch, glückselige Musikbegleitung. So unpassend sie auch ist, der Sarkasmus ist deutlich zu spüren.

Die wohl denkwürdigste Figur des Films ist ohne Zweifel Gny. Sgt. Hartman (R. Lee Ermey, bekam dafür einen Oscar), der den erbarmungslosen Drill und die Gehirnwäsche teuflisch, fast in eine Parodie ausartend, personifiziert. Sein erster Auftritt vor den Rekruten ist Filmgeschichte, perfekt inszeniert und kommt weitestgehend ohne Schnitte aus. Ermey, der selber viele Jahre Ausbilder war, spielt hier im Grunde nur das, was er früher wirklich getan hat und das mit Bravour. So humorig dieser Auftritt in den ersten Minuten noch wirkt, so beklemmender wirkt er im Nachhinein. Ermey erniedrigt die Soldaten, versucht ihre psychischen wie physischen Schwachpunkte auszuloten und setzt schwache Glieder, wie den leicht zurückgebliebenen und übergewichtigen Private Pyle, unter Druck, um sie zu zerbrechen. Die Ausbildung ist eine einzige Gehirnwäsche, aus der Kampfmaschinen resultieren sollen, die blind Befehle ausführen und gehorchen sollen. An diesem Pyle wird in Folge auch der geistige Zerfall festgemacht. Anfangs nur für sich selbst verantwortlich und die Strafen und Erniedrigungen ertragend, zieht er seinen gesamten Zug mit in den Schlamassel, was zu einer schicksalhaften Nacht führt.



Kubrick beschränkt sich dabei komplett auf den Drill und geht weder auf ihre Vergangenheit, ihr Privatleben und erst recht nicht auf ihre Freizeit ein. Den Rekruten wird jede Individualität genommen, wie es auch das Militär zu dieser Zeit tat. Einzig und allein Joker (Matthew Modine) kann mit seiner Intelligenz dem erbarmungslosen Ausbilder Hartman Paroli bieten, ihn sogar aus der Reserve locken. Fast schon selbstverständlich während dieser Grundausbildung sind die eigentümliche Kameraarbeit Kubricks und die legendären Bilder im Trainingscamp oder Schlafsaal, die jeder, der den Film einmal gesehen hat, nicht vergessen wird. Ja, es ist ein Kubrick-Film - und was für einer. Kein Film davor und kein Film danach hat es geschafft, diese menschenunwürdige Ausbildung so drastisch wiederzugeben.


Ab der Filmmitte beschäftigt sich "Full Metall Jacket" mit dem, auf das sie alle vorbereitet worden sind - dem Vietnamkrieg. Hier folgen wir nur noch Private Joker, der nun als Redakteur in Vietnam tätig ist. Kubrick präsentiert nicht nur das dortige Grauen in Form von Massengräbern und die Engstirnigkeit einiger ranghoher Militärs, sondern lässt Joker auch klare Kritik am Medienapparat üben, der Tatsachen verdreht, beschönigt und sie zu amerikanischen Propagandazwecken umschreibt. In Folge werden allerdings auch die fehlende Informationsschulung und das Ergebnis der in der ersten Hälfte gezeigten Gehirnwäsche deutlich. Symbolische Beispiel hierfür vielleicht der MG-Schütze im Transporthubschrauber, der wahllos Frauen und Kinder erschießt und sich dabei noch sehr komisch vorkommt. Auch das an eine Versteigerung erinnernde Feilschen um Nutten ist ein deutliches Beispiel für den geistigen Verfall dieser umprogrammierten Soldaten.


Gekämpft wird natürlich auch. Allerdings nicht sonderlich plakativ, sondern eher unspektakulär, ohne dass die Qualität dadurch getrübt wird. Kubrick schafft es hierbei nämlich seinen sarkastischen Unterton mit dem Monster Krieg in Einklang zu bringen, folgt den Soldaten auf Schritt und Tritt in die Ruinen einer ehemaligen Stadt und zeigt sehr authentisch wie unterlegen und unerfahrenen die Amerikaner auf diesem fremden Terrain damals waren. Die Bilder sind schmutzig, brutal, blutig und unmenschlich - klagen an. Zwischen den Kampfpausen immer wieder Dialoge, die die Blindheit, Abstumpfung und anerzogene Stupidität offen legt und den Zuschauer zum Nachdenken anregen. Dass diese Geschichte dann auch nicht mit einem Happy End abschließt, sondern in den letzten 15 Minuten noch mal eine Schippe drauflegt, die dann endgültig in die Magengrube schlägt, zeugt endgültig von einem ganz großen Film.



"Vietnam can kill me, but it can't make me care."

Jeder Film, auf jedem Format hat schon irgendwie eine Neuveröffentlichung in verbesserter Bildqualität erfahren. Doch in der Regel dauert dies wesentlich länger, wenn nicht sogar ein paar Jahre. Im Falle "Full Metal Jacket" auf Blu-ray und HD DVD erscheinen die Versionen nahezu zeitgleich. Einmal als Standard HD-Disc und einmal als diesem Test vorliegende Special Edition. Dabei ist die Preislage der Versionen identisch, weshalb die Barebone-Variante überflüssig erscheint, zumal hier ein anderer Transfer genommen wurde und die Bildqualität zu wünschen übrig lässt.
"Full Metal Jacket" wurde damals in 1.33:1 (Kubricks favorisiertem Format) veröffentlicht, die HD-Version musste demzufolge oben und unten beschnitten werden, damit der Film aufs Format 1,78:1 gebracht werden konnte und den Breitbildschirm ausfüllt. Im Zuge der Stanley Kubrick Collection wurde das Bild digital überarbeitet und erscheint in einem neuen Glanz, gehört aber nicht zum Besten, was das noch junge Medium zu bieten hat. Die Schärfe kann sich sicherlich sehen lassen, doch man erreicht nicht kontinuierliche Werte. So erscheint das Bild immer wieder etwas zu weich oder gar unscharf. Überwiegend überzeugt der Transfer aber mit seiner angenehmen Schärfe und seinen knackigen Konturen, welche für die nötige Plastizität sorgen und die teilweise nur befriedigende Detailwiedergabe nahezu vergessen macht. In Nahaufnahmen erscheint das Bild aber überwiegend sehr detailreich und vor allem im direkten Vergleich mit der DVD offenbart die HD-Variante ihre Vorteile nur allzu deutlich. Die Farbgebung hinterlässt ebenfalls einen guten Eindruck, ist sehr natürlich und sehr satt, wobei es immer wieder Sequenzen gibt, in denen die Farben reduziert wurden, um die Atmosphäre des Films zu unterstreichen. Der Kontrast wirkt ebenfalls ausgeglichen, obgleich helle Flächen etwas zu steil geraten sind. In dunkleren Szenen wird der Transfer etwas aufgehellt, wodurch der Schwarzwert lediglich solide Werte abliefert.
Im Hintergrund ist immer wieder leichtes Filmkorn auszumachen, welches aber äußerst dezent zur Geltung kommt und der eingesetzte Rauschfilter macht eine ausgezeichnete Arbeit, wobei stehende Rauschmuster nicht gänzlich auszuschließen sind. Dies sieht man vor allem bei Bewegungen in den Gesichtern. Ansonsten arbeitet die Kompression fehlerfrei und Verschmutzungen oder gar Defekte wurden fast gänzlich ausgemerzt.
Die Soundabmischung ist leider nur bedingt gelungen und spielt sich trotz 5.1-Upmix überwiegend in den Frontkanälen ab. Die Effektkanäle werden hierbei nur sehr selten eingesetzt und dann auch nur dezent, was man z.B. in der 38. Minuten hört, bei der der Score nur sehr leise und die Stimmen nur als Hall aus den Rears kommen. In den Kampfszenen geht es dann etwas runder zur Sache und es werden immer wieder nette Effekte angeboten, welcher aber nicht mit einer aktuellen Produktion mithalten kann. Hier mangelt es deutlich an Dynamik und Druck, als dass wir von einem überzeugenden Raumklang sprechen können. Die englischen Sprachfassungen in 5.1 und Linear PCM unterscheiden sich untereinander nur bedingt und auch im Vergleich zu deutschen Fassung gibt es kaum Unterschiede. Lediglich im Dialogbereich trumpft die deutsche Sprachfassung auf. Der englische Mix klingt deutlich kratziger und dumpfer, wodurch die Sprachwiedergabe derweilen schlecht ausgefallen ist. Neben diversen anderen Sprachfassungen lassen sich auch achtzehn Untertitel hinzuschalten.


Die Special Edition beinhaltet ein Audiokommentar mit Darsteller Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey und Autor Jay Cocks. Dieser Kommentar bietet zwar nützliche Informationen über die Produktion, wirkt aber recht statisch und langweilig, was unter anderem daran liegt, dass die Sprecher nicht zusammen agieren und bei einer lockeren Runde den Kommentar eingesprochen haben, sondern je nach Szenen einer der fünf Personen hinzugeschaltet wird, welcher dann sein Statement zum Besten geben kann. Dies ist leider sehr trocken und macht nicht unbedingt Spaß, zumal deutsche Untertitel fehlen. Die 31minütige Dokumentation "Between Good and Evil" ist da schon etwas interessanter ausgefallen. Hier kommen Produzenten, Darsteller, sowie Drehbuchautor Jay Cocks zu Wort und erzählen über die Anfänge der Produktion, über das Casting und Kubricks Art den Film zu drehen. Wir sehen Ausschnitte aus dem Film, sowie Bilder vom Set. Zudem erfahren wir auch, dass R. Lee Ermey gar nicht die erste Wahl für Sgt. Hartman war. Er drehte ein kurzes Video mit den Statisten, welches Kubrick sofort überzeugte und man es etwas umschrieb, neu drehte und als Intro für den Film verwendete. Zudem stammen die Sprüche des Sergeants aus der Feder von R. Lee Ermey - Kubricks Dialoge für Sgt. Hartman waren deutlich softer. Zum Schluss kann man sich noch den Original Kinotrailer anschauen.



"I'll bet you're the kind of guy that would fuck a person in the ass and not even have the goddam common courtesy to give him a reach-around. I'll be watching you." - Sgt. Hartman

"Full Metal Jacket" ist einer der beeindruckendsten Antikriegsfilme, der gekonnt in der ersten Hälfte den unmenschlichen Drill und die damit verbundene Gehirnwäsche kritisiert, um sich im zweiten Teil auf den Krieg selbst zu konzentrieren. Von Kubrick gewohnt souverän inszeniert sind Schwächen nicht zu erkennen. Einzig und allein der erzählerische Übergang von Amerika nach Vietnam kann als Schwachpunkt ausgemacht werden. Ansonsten bleibt ein intelligentes, unvergessliches Werk, das in vielen Situationen zum Interpretieren anregt und mit Gny. Sgt. Hartman eine unvergessliche Filmfigur besitzt.
Die Blu-ray Special Edition bietet zwar keine Referenzwerte, dafür aber ein gutes HD-Bild, bei dem die DVD nicht mithalten kann. Der Ton ist allerdings wirklich schwach ausgefallen und beim Bonusmaterial überzeugt zumindest die deutsch untertitelte und in 1080i vorliegende Dokumentation. Besitzer eines HD-Ready- bzw. FullHD-Gerätes und eines Blu-ray-Players sollten auf jedenfall einen Blick riskieren. Kubrick-Fans greifen sowieso zu, es lohnt sich.


Film+++++/
Bild++++--
Ton+++---
Bonus++/---


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