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USA, UK 2010
Originaltitel:Exit Through the Gift Shop
Alternativtitel:Banksy - Exit Through the Gift Shop
Länge:82:29 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 6 Jahre
Regie:Banksy
Buch:-
Kamera:Thierry Guetta, diverse
Musik:Roni Size
SFX:-
Darsteller:André, Wendy Asher, Banksy, Shepard Fairey, Deborah Guetta, Thierry Guetta, Rhys Ifans, Space Invader, Jay Leno, Joshua Levine, Zeus, Christina Aguilera, Victor Borrayo, Noel Gallagher, Angelina Jolie, Jude Law, Brad Pitt
Vertrieb:Alamode Film / Al!ve / Paranoid Pictures
Norm:1080p / MPEG-4 AVC
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,78:1
Tonformat:DTS.51
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:25.02.2011 (Kauf)
Bonus:
  • Life Remote Control - Der Film (15:03 Min., 576p)
  • Deleted Scences (5:11 Min., 576p)
  • B-Movie - Ein Film über Banks (13:41 Min., 576p)
  • A Star is Born - MBW at Cans Festival (7:08 Min., 576p)
  • Trailershow:
    • Banksy - Exit Through the Gift Shop (1:22 Min., 1080p)
    • Ein Gutes Herz (2:08 Min., 1080p)
    • I love you Phillips Morris (2:29 Min., 1080p)
    • Eine Karte der Klänge von Tokio (1:52 Min., 1080p)
    • Nord (2:07 Min., 1080p)
Banksy ist ein Phantom. Obwohl, oder gerade weil, seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter dem gefeierten Street Art-Künstler eigentlich steckt. Bis sich ein verrückter Franzose und selbsternannter Dokumentarfilmer namens Thierry Guetta zum Ziel gesetzt hat, Banksy aufzuspüren. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall sogar gelingt. Aber dann kommt alles anders als geplant: Banksy dreht den Spieß um und richtet die Kamera auf Guetta selbst. Der wiederum startet nun selbst eine überraschende Karriere als Künstler. Eine zündende, wahre Geschichte über Kleinkriminalität, Freundschaft und Inkompetenz.
"Taking vandalism in an entirely new direction."

"Kunst ist sehr schnell, weil jede Kunstform, kaum bekannt gemacht, in einer Woche wieder altmodisch ist", hat Andy Warhol gesagt. Für kaum eine Kunstform könnte dieses Zitat wohl so zutreffen wie auf Streetart. "Street art has a short life span so it needed documenting", erklärt der britische Streetart-Künstler Banksy in seinem Debütfilm "Exit Through the Gift Shop". Eine Dokumentation, die in ihren Ursprüngen als sinnloses Abfilmen eines Exil-Franzosen in Los Angeles begann und sich später zum Ziel setzte, mit Banksy das große Phänomen einer Untergrundszene abzulichten. Oder anders gesagt: Eine brillante Mockumentary, in der sich ein Künstler via Mise en abyme selbst inszeniert und zugleich einem Massenpublikum "authentic insight of the birth of a movement" verschafft.
Mittel zum Zweck ist der Franzose Thierry Guetta, der in den neunziger Jahren in die USA auswanderte und dort anfing, seinen Alltag aufzuzeichnen, nachdem ihm als Kind die Mutter starb. Per Zufall traf er bei einem Heimaturlaub 1999 auf das künstlerische Schaffen seines Cousins, der niemand Geringeres sein soll als der Streetartist Invader.
Mit der Kamera folgt ihm Thierry, fasst früh die Intention von Streetart zusammen, wenn er sagt: "You want to express yourself and put [the art] outside so people can see it". Zudem gesteht Thierry, dass ihm die den Aktionen innewohnende Gefahr gefällt. Bald ist Invader nicht mehr genug und so kommt es zum Kontakt mit Künstler Shepard Fairey, der auch für das berühmte "Hope"-Plakat von Barack Obama verantwortlich war.



Auf Fairey folgen weitere Künstler wie Monsieur André, Zeus, Seizer, Borf, Swoon und Andere, die Thierry bei ihren nächtlichen Ausflügen begleitet, um ihre Arbeiten - und mit ihnen "the biggest counter-cultural movement since punk", so Erzähler Rhys Ifans - mit seiner Kamera zu dokumentieren. Während alle, insbesondere Fairey, in dem Glauben gelassen werden, dass Thierry eine Dokumentation über Streetart dreht, ist die Wahrheit, dass dieser einfach weiterhin alles ohne wirkliche Hintergedanken abfilmt. Obschon er keinen fertigen Film plant, wünscht Thierry sich dennoch, für diesen den mysteriösen Banksy vor die Kamera zu kriegen. Was natürlich über kurz oder lang gelingt, und mit Banksy erhält Thierry Einzug in eine Welt, die er später selbst bewohnen soll.



Ob der Film nun Docu- oder Mockumentary (Jeannette Catsoulis nannte ihn in der New York Times eine "prankumentary") ist, bleibt dem Urteil des Zuschauers überlassen. Grundsätzlich ist Banksys Debütfilm jedoch weniger Dokument über Thierry Guetta respektive Mr. Brainwash, zu dem er am Ende verkommt, sondern bleibt durchweg der Versuch, einem milieufremden Publikum eine neue Kunstbewegung nahe zu bringen. Und indem der Film die Geschichte von Thierry erzählt (den man nie künstlerisch arbeiten sieht und der in einer Szene sogar von einem seiner Bilder ablesen muss, was dieses eigentlich darstellen soll), präsentiert er uns wahrscheinlich doch mehr Einblicke, nicht nur in das Schaffen des gesichtslosen Banksy, sondern auch in dessen eigenes Selbstverständnis.



Wenn Banksy plötzlich in Kunstsammlungen neben Roy Lichtenstein, Keith Haring und Andy Warhol auftaucht, wenn seine Werke in Auktionshäusern für eine halbe Million Dollar verkauft werden, dann ist die Feststellung von Mr. Brainwash ("It's like being an artist overnight") möglicherweise lediglich die Feststellung von Banksy selbst. Und "Exit Through the Gift Shop" mehr eine eigene mediale Dekonstruktion denn wirkliche Dokumentation, wenn sich Banksys Resümee "Maybe it means it's a bit of a joke" nicht nur auf die Intention seines Filmes sondern auch auf sein eigenes Standing innerhalb der Kunstszene münzen lässt. Oder wie es Banksy mit seinem Zitat für die "Life is beautiful"-Ausstellung von Mr. Brainwash ausdrückte: "It's a phenomenon. And I don't mean that in a good way".



Zuträglich ist hierbei natürlich, dass Banksy ein Pseudonym ist. Ein gesichtsloser Künstler, dessen Stimme zudem noch verzerrt wird. Was viel Interpretationsspielraum lässt, beispielsweise, dass Guetta selbst Banksy ist oder dass Banksy letztlich auch mehrere Personen sein können. Ein Phantom und "maybe a bit of a joke" einiger Streetartists, die verwundert feststellen, dass das, was manche Vandalismus schimpfen, bei anderen neben Picasso und Co. gehängt wird. Insofern ist Banksy inzwischen auch Marke und wenn zu seiner "Barely Legal"-Ausstellung Stars wie Jude Law oder Brangelina erscheinen, darf man sich die Frage stellen, ob Banksy hier von deren Anwesenheit profitiert oder ob nicht vielmehr die Schauspieler davon profitieren, auf seiner Vernissage gewesen zu sein.


Was den Film auszeichnet, ist die Tatsache, dass er es nicht versäumt, tatsachlich authentische Einblicke zu liefern und sich zugleich als narrativ-stringentes Gesamtpaket zu verkaufen. Die Kamera begleitet Banksy bei einigen seiner Arbeitsprozesse und rückt auch andere Künstler ins Licht. Als roter Faden funktioniert Thierry in seiner liebenswürdigen Art ("I don't know how to play chess, but to me, life is like a game of chess"), der später seine Werke auf dieselbe Weise verkauft, wie zuvor die Klamotten in seinem Fashion-Laden (billig ein- und teuer als Sonderstück verkaufen), bestens, verdankt es sich doch primär seinem Schauspiel, dass die Illusion, "Exit Through the Gift Shop" könnte eine Dokumentation sein, aufrecht erhalten wird. It's a phenomenon. And I mean that in a good way ...





"Ich wollte einen Film machen, der für Street Art das bewirkt, was 'Karate Kid' für den Kampfsport bewirkt hat. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Street Art soviel getan hat wie 'Der weiße Hai' für den Wassersport." - Banksy

Neben der DVD und der DVD Limited Edition veröffentlicht Alamode Film "Exit trough the Gift Shop" auch auf Blu-ray in 1080p. Die Schärfeanhebung gegenüber der DVD-Version sollte klar sein, jedoch darf man hier nicht allzu viel und schon gar kein HD-Gefühl erwarten. Die Bildqualität schwankt stark, weil der Film sich aus verschiedenen Quellen bedient. Alte Videobandaufnahmen, Digitalkameras, TV-Sendungen etc. machen die Bildqualität dieser Dokumentation schwer bewertbar. Einige Sequenzen wurden sogar in HD gedreht und bieten dementsprechend ein guten Kontrast, saubere Farben und eine zufriedenstellende Schärfe. Ansonsten haben wir hier alles: starkes Rauschen, ausgewaschene Farben, saubere Farben, verzerrte Bilder, in denen kaum etwas zu erkennen ist etc. In Anbetracht dessen, dass es sich hier um eine Dokumentation über "Street Art" handelt, ist das Ergebnis absolut akzeptabel.


Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Die deutsche und englische Tonspuren liegen in Dolby Digital 5.1 vor, was aber nicht wirklich genutzt wird. Allerdings wurden Umgebungsgeräusche sehr gut eingearbeitet und die Musik kommt ebenfalls gut zur Geltung. Räumlichkeit sollte man jedoch nicht erwarten. Die Stimmen klingen weitgehend gut verständlich (Banksys Stimme wurde verzerrt) und es gibt nicht viel zu beanstanden, außer dass der Subwoofer im Musikbereich fast gar nicht genutzt wird. Die deutsche Fassung wurde nur für die Stimme des Erzählers Rhys Ifans deutsch synchronisiert, während der Rest deutsch untertitelt wurde. Es spielt also keine wirkliche Rolle, für welche Tonspur man sich entscheidet.


Das Bonusmaterial bietet Trailer in High Defintion, u.a. den Trailer zum Film. Die 14minütige Dokumentation "B-Movie - Ein Film über Banks" vertieft die Eindrücke von der Welt des Ausnahmekünstlers und "A star is born – MBW at Cans festival" gewährt einen Einblick in eine Kunstausstellung, die in der Öffentlichkeit stattfindet. Dort werden Zuschauer über ihre Meinung zu den Kunstwerken Thierrys befragt. Hinzu kommen 5 Minuten an Deleted Scenes und der sogenannten Lawyer's Cut des im Hauptfilm erwähnten "Life Remote Control", den Thierry auf Anraten seines Anwalts auf 15 Minuten herunter kürzen sollte. Ein abgedrehtes und witziges Teil mit leichtem sozialkritischem Touch. Das Bonusmaterial wurde komplett deutsche untertitelt, die Featurette liegen aber nur in Standard Defintion vor.



"Exit trough the Gift Shop" ist mehr als nur eine Dokumentation oder wie immer man Banksys Film nennen will. Er ist eine Lebenseinstellung, zeigt geächtete Kunst, die versucht, dem Kommerz zu trotzen und dennoch mittlerweile kommerziell erfolgreich ist. Die Leute hinter "Street Art" sind weiterhin eine Art Robin Hood. Sie nehmen den Reichen ihre sterilen Mauern, beschmieren ihre Plakate, machen aus der "Kunst" der Industrie wahre Kunst und beglücken damit Millionen von Menschen, auch wenn es nur für ein Augenblick ist. Dank des Internets bekommen mehr Menschen denn je die herausragenden Arbeiten der "Street Art" zu Gesicht und das ist gut so.


Film+++++-
Bild+++/--
Ton+++---
Bonus++/---


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