Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
USA 2008
Originaltitel:Food, Inc.
Alternativtitel:Food, Inc.
Länge:90:00 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Info-/Lehr-Programm
Regie:Robert Kenner
Buch:Robert Kenner, Elise Pearlstein, Kim Roberts
Kamera:Richard Pearce
Musik:Mark Adler
Darsteller:Gary Hirshberg, Barbara Kowalyck, Michael Pollan, Troy Roush, David Runyon, Joel Salatin, Eric Schlosser, Allen Trenkle
Vertrieb:Sunfilm
Norm:1080p / MPEG-2
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:1,78:1
Tonformat:DTS-HD Master 5.1 Audio
Sprache:Deutsch (Voice Over), Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase
Blu-ray-Start:05.12.2010 (Kauf)
Bonus:
  • Trailer (2:07 Min., 1080p)
  • Trailershow:
    • Unser Universum (0:51 Min., 1080p)
    • Ice Road Truckers (0:30 Min., 1080p)
    • Du bist was du isst (2:53 Min., 1080p)
Glückliche Kühe, auf grünen Wiesen - daran möchten wir Konsumenten glauben, wenn wir unser täglich Fleisch zu uns nehmen. Doch die Wirklichkeit der "natürlichen" Nahrungsmittelproduktion in Industrienationen sieht um einiges düsterer aus. Genmanipuliertes Getreide, mit Medikamenten versetztes Tierfutter, hormonbehandeltes Mastvieh - die Liste des Schreckens ist lang und kaum ein landwirtschaftlicher Bereich, der nicht schon von einem Skandal betroffen gewesen wäre. Doch was wissen wir eigentlich wirklich über die Lebensmittel, die wir täglich essen? "Food, Inc." zeigt, wie eine Handvoll Konzerne darüber bestimmt, was wir essen und was wir über unser Essen wissen dürfen. Und wie verantwortungslos die Lebensmittelindustrie handelt und zur Wahrung des eigenen Profits die Lebensgrundlage zahlreicher Landwirte und die Gesundheit der Konsumenten aufs Spiel setzt ...
"You're eating meat that's been produced by the system."

In Deutschland gibt es das Sprichwort: Man ist, was man isst. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die eigene Gesundheit zu einem Großteil von der Ernährung abhängig gemacht wird. Und wo einerseits immer vom Welthunger gesprochen wird, steht dem wiederum andererseits die Fettleibigkeit der Welt gegenüber. Über eine Milliarde Menschen hungern, fast 350 Millionen wiederum leiden an Fettleibigkeit. Dass es sich hierbei um Westler handelt, dürfte klar sein. Mit 97 Millionen Menschen nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika hier die Spitzenposition ein. Beinahe jeder dritte fettleibige Mensch ist somit US-Staatsbürger. Eine Quote, die auch in den USA selbst zum Tragen kommt, wo jeder Dritte Amerikaner an Fettleibigkeit und jeder Vierte an Übergewicht leidet. In einem Land ohne Sozialversicherung durchaus ein ernst zu nehmendes Problem. Speziell wenn sich bewahrheitet, was Robert Kenner in seiner Dokumentation "Food, Inc." prognostiziert.



Gemeinsam mit den Journalisten und Buchautoren Eric Schlosser und Michael Pollan wirft Kenner einen Blick nicht nur auf das amerikanische Lebensmittelsystem, sondern auch auf die Effekte, die dieses für die Landwirtschaft hat. Lobbyismus und Korruption soweit das Auge reicht. Und hinter allem natürlich der Versuch, die Geschehnisse und insbesondere die Lebensmittelherstellung der Bevölkerung gegenüber zu verschleiern. Damit diese nicht erfahren, was alles in ihrem Essen ist und auch nicht, wie dieses zubereitet wird."If you knew, you might not want to eat it", lautet eines der frühen Resümees. Dass sich die Ernährung als Ganzes innerhalb der letzten fünfzig Jahre mehr verändert hat, als die eintausend Jahre davor, ist keineswegs ein Geheimnis. Dennoch rekapituliert Kenner zu Beginn des Filmes in einer Kurzzusammenfassung - bei der die für Dokumentationen scheinbar obligatorisch gewordenen Animationen und Grafiken nicht fehlen dürfen - den Weg, welchen die Lebensmittelgesellschaft im 20. Jahrhundert genommen hat.



Unser Essen kommt inzwischen kaum noch von Farmen, sondern aus Fabriken ("This isn't farming, this is mass production"). Die Idee hierzu hatten angeblich die Gebrüder Richard und Maurice McDonald für ihre Fast-Food-Kette. Hier wurde das Arbeitsschema der Fabrik übernommen, wo jeder sich auf eine Aufgabe beschränkt und die einzelnen Aufgaben in Fließbandarbeit zu einem fertigen Produkt führen. Und ähnlich wie beispielsweise im Verlagswesen, werden hier verschiedene Subunternehmen zusammengeführt. So kommt es, dass die meisten Farmen einer verschiedenen Firma zuarbeiten. Wer nicht kuscht, ist auf sich allein gestellt. Was gleichbedeutend mit dem beruflichen Aus ist. Und weil Firmen auf Gewinn aus sind – was im Kapitalismus an sich natürlich nicht verwerflich ist -, wird alles für die Gewinnmaximierung getan. Wenn unterwegs nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung auf der Strecke bleibt, sondern auch die betreffenden Tiere in KZ-ähnlichen Zuständen gehalten werden, interessiert das niemanden.



Zumindest solange nicht, wie keiner mit dem Finger drauf zeigt. Auf lebende Kühe, die mit einem Gabelstapler umgefahren werden. Auf 32.000 Schweine, die in einem einzelnen Schlachthaus pro Tag geschlachtet werden. Oder fast schon euthanasiert. Eine Aufnahme Kenners zeigt, wie mehrere Säue, zusammengepfercht in eine abgeschlossene Kammer transportiert werden, um kurz darauf tot am anderen Ende wieder zu erscheinen. Grauenvolle Bilder, wie man sie so nur auf Bildern des Holocausts kennt. Nicht besser die Hühnerzucht, wo Verordnungen lauten, dass die Hühner während ihrer 48 Lebenstage in abgedunkelten Hütten leben, ohne je Sonnenlicht zu sehen. Jene Hühner wurden dabei genetisch so verändert, dass sie mehr Brustfleisch entwickeln, wobei der Rest ihres Körpers natürlich bleibt. Dies führt dann dazu, dass die Vögel ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen können, und nach wenigen schwachen Schritten kollabierend zusammenbrechen.



Schockierende Bilder, die "Food, Inc." dem Publikum hier präsentiert. Wo sich der Mensch im natürlichen Kampf mit der Natur früher seine Nahrung durch die Jagd wirklich verdiente, werden nun Preise bezahlt, um Tiere zu züchten, für die die Bezeichnung "Lebewesen" eigentlich nichts als Hohn ist. Im Dunkeln geboren, werden sie im Dunkeln gehalten und schließlich auch im Dunkeln zu sterben. Legalisierte Tierquälerei, ohne Respekt nicht nur für das Leben, sondern welchen Dienst einem jene Tiere hier durch ihr Ableben und das daraus resultierende eigene Fortleben eigentlich leisten. Sicherlich nicht jeder, aber manche würden sich bei einem derartigen Anblick vielleicht das nächste Mal zwei Mal überlegen, ob sie nicht zumindest ein Freilandhaltungsprodukt kaufen, wenn nicht sogar ganz ein derartiges System boykottieren. "If you knew, you might not want to eat it." Dass es auch anders geht, zeigt Kenner mittels des Farmers Joel Salatin.



Salatin führt die Polyface Farm, wo zwar ebenfalls Hühner in Massenschlachten getötet werden, zuvor jedoch wenigstens in Freilandhaltung leben und richtige Nahrung fressen durften. Salatin wiederum stellt die Ausnahme dar, produziert er doch für sich selbst und nicht für einen der Lebensmittelgiganten wie Tyson oder Monsanto. Die wiederum haben das System ansonsten gut im Griff. Unentwegt werden ihre Angestellte zur Regierung abgestellt, um dort für das Gesundheits- und Ernährungswesen zu arbeiten beziehungsweise engagieren sie Angestellte, die zuvor in jenen Regierungswesen aktiv waren. Ein Korruptionskreislauf, der nicht zu durchbrechen scheint. Die Auswirkungen bleiben dabei auf der Strecke. Zum Beispiel, dass laut "Food, Inc." 90 Prozent der Lebensmittel im Supermarkt Spuren von Mais enthalten. Und dass die Preise für Gemüse und gesunde Nahrung so hoch sind, dass die eigenen Produkte immer günstiger erscheinen.



Wenn es finanziell klamm wird, warum sollte man dann einen Brokkolikopf für $1,29 kaufen, wenn man für 99ct bei McDonalds einen Double Cheeseburger bekommt? Es geht darum, die Kinder satt zu machen und am Beispiel einer Familie - die Eltern bereits übergewichtig, die beiden Töchter zum Glück noch nicht - macht Kenner diese Diskrepanz zwischen Übergewicht beziehungsweise Fettleibigkeit und Hunger sehr gut deutlich. Die Folgen eines derartigen Systems können jedoch drastische Folgen haben, wenn Kenner und Co. auf Basis des CDC (Centers for Disease Control and Prevention) prognostizieren, dass jedes Dritte nach 2000 geborene Kind in den USA - bei Minderheiten sogar jedes Zweite - im Laufe seines Lebens Diabetes entwickeln wird. Zahlen, die die Lebensmittelmogule kaum erschüttern und ebenso hingenommen werden, wie Todesfälle von Kindern, die wie Barbara Kowalcyks Sohn nach dem Verzehr von schlechten Hamburgern an Escherichia coli sterben.



Kenner deckt viele Themenfelder ab, betrachtet mal das Ganze, dann wieder, wie im Fall von Kowalcyk, auch das Einzelne. Die Grafiken nehmen im Verlauf des Filmes ein wenig ab, was ansprechend ist, da sie obschon informativ doch auf gewisse Weise stören. Hinzu kommt, dass "Food, Inc." thematisch überfrachtet wirkt, wechselt Kenner die Schauplätze doch bisweilen sehr hastig und abrupt. Hier die Hühnerzucht, dort Kowalcyk, dann Salatin und die vereinzelten Kämpfer einiger Sojafarmer, während über allem stets der politische Verlauf der letzten Jahrzehnte schwebt. Man vermag dem zwar dennoch ohne größere Probleme zu folgen, selbst wenn Kenner dann durch das 20. Jahrhundert vor und zurück springt, eine bessere Verteilung wäre jedoch vermutlich passender gewesen. Nichtsdestotrotz sind die Bemühungen, unterschiedliche Beteiligte und Betroffene zu Wort kommen zu lassen - in dem Rahmen, der ihnen durch die Lobby möglich ist -, sehr löblich. So wie es schade ist, dass von der Lobby selbst niemand Stellung nehmen wollte.



Insgesamt betrachtet ist "Food, Inc." eine überaus gelungene Dokumentation, die ein in der Öffentlichkeit oftmals vernachlässigtes Thema anschneidet. Formal vielleicht nicht ganz so gut gelungen wie Louie Psihoyos' "The Cove" über das Delfinschlachten in Japan, wäre Kenners Film bei den diesjährigen Academy Awards eventuell doch der Vorzug zu geben. Beide Filme sprechen einen Akt menschlicher Tierquälerei ein und sind insofern von immenser Bedeutung in ihrer Ansprache an jene Geschehnisse. Inhaltlich wichtiger für die amerikanische Bevölkerung dürfte jedoch ohne Zweifel Kenners kritischer Blick auf das eigene Lebensmittelsystem sein. Zahlen wie die der CDC zur Fettleibigkeit der Amerikaner an sich, sowie der bevorstehenden Diabetes ihrer Kinder, sollten eine Warnung sein, die zu Änderungen führt. Ansonsten ist in wenigen Jahren nicht nur jeder Dritte Amerikaner wirklich fettleibig, sondern zugleich auch noch diabetisch. Weshalb gerade die Amerikaner auf das Sprichwort achten sollten: Man ist, was man isst.


Eine Dokumentation ist bildtechnisch immer sehr schwierig zu bewerten, schließlich bekommt der Zuschauer viele Amateuraufnahmen zu Gesicht, die keine hohe Qualität besitzen. Aufnahmen aus den Fabriken, welche im geheimen gefilmt wurden, sind natürlich deutlich schlechter, als die Interviews, die Kenner für seinen Film geführt hat. In letzteren Momenten überzeugt das Bild mit einer guten bis sehr guten Schärfe, die ein paar Schwächen bei den Konturen besitzt. Dafür zeigt sich das Bild sehr detailliert, wird jedoch in Kameraschwenks etwas unschärfer. Der Kontrast wechselt zwischen gut und sehr gut und immer wieder überzeugt das Bild durch seine ausgezeichnete Plastizität und Tiefenwirkung. Selbst die Farbgebung erweist sich als natürlich und satt. Für eine Dokumentation ist das ansprechend gut geworden. Es steht hier ohnehin mehr der Inhalt als die Bildqualität im Mittelpunkt ...
Beim Ton verhält es sich sehr ähnlich. Zwar liegen beide Tonspuren in DTS-HD Master 5.1 Audio vor, aber der Fokus liegt auf den Dialogen. Die Effektkanäle werden also so gut wie nie genutzt. Lediglich die Musik darf dezent aus den Rears hallen. Die deutsche Version enthält eine Voice-Over-Fassung, die ansonsten identisch zur Originaltonspur ist. Dialoge sind gut zu verstehen und das sollte reichen. Deutsche Untertitel lassen sich hinzuschalten.
Als Bonus gibt es einen Original-Trailer und eine Trailershow weiterer Sunfilm-Titel. Schade, hier wäre ein Interview mit dem Regisseur angebracht gewesen. Ein FSK-Wendecover gibt es nicht.


(Klickt auf die einzelnen Bilder um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)


Sehenswerte Dokumentation die zum Nachdenken anregt und dem einen oder anderen sein Lebensmittel- und vor allem Fleischkonsum bewusster gestalten lassen wird. Es muss niemand zum Vegetarier werden, doch anstelle fertiges "Gammel"-Fleisch für ein paar Euro im Supermarkt zu kaufen, sollte man lieber zum Metzger um die Ecke gehen. Die artgerechte Haltung und das gesunde Fleisch sollte jedem den Aufpreis wert sein. In diesem Sinne noch ein kleiner Videoclip von Stephan Weidner zum Thema "Fleisch". Nichts für zarte Gemüter, passt an dieser Stelle aber perfekt.




Film+++++-
Bild++++--
Ton+++/--
Bonus/-----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.