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UK 2009
Originaltitel:Dorian Gray
Länge:112:24 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Oliver Parker
Buch:Mark Holt
Kamera:Roger Pratt
Musik:Charlie Mole
SFX:Toby Finlay
Darsteller:Ben Barnes, Colin Firth, Rachel Hurd-Wood, Rebecca Hall, Emilia Fox, Ben Chaplin, Caroline Goodall, Fiona Shaw, Maryam d'Abo, Johnny Harris, Douglas Henshall, Michael Culkin
Vertrieb:Concorde
Norm:1080p / VC-1
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master 5.1 Audio
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:30.08.2010 (Kauf)
Bonus:
  • Trailer bei Disc-Start: "Iron Man 2" (2:29 Min., 1080p)
  • Entfallene Szenen (5:58 Min., 576p)
  • Outtakes (9:22 Min., 576p)
  • Interviews:
    • Ben Barnes (6:04 Min., 576p)
    • Colin Firth (4:08 Min., 576p)
    • Rebecca Hall (3:06 Min., 576p)
    • Ben Chaplin (1:13 Min., 576p)
    • Rachel Hurd-Wood (1:05 Min., 576p)
    • Johnny Harris (1:49 Min., 576p)
    • Fiona Shaw (3:13 Min., 576p)
    • Emilia Fox (1:30 Min., 576p)
    • Maryam Dábo (0:57 Min., 576p)
    • Pip Torrens (2:24 Min., 576p)
    • Michael Culkin (1:02 Min., 576p)
    • Oliver Parker (10:06 Min., 576p)
    • Barnaby Thompson (4:08 Min., 576p)
    • Toby Finlay (3:21 Min., 576p)
  • Hinter den Kulissen (9:15 Min., 576p)
  • Featurette (10:11 Min., 576p)
  • Deutscher Trailer (1:33 Min., 1080p)
  • Originaltrailer (1:32 Min., 576p)
  • Programmtipps:
    • Shutter Island (2:22 Min., 1080p)
    • Remember Me (1:28 Min., 1080p)
    • Sorority Row - Schön bis in den Tod (0:50 Min., 1080p)
England zur viktorianischen Zeit: der gerade zwanzigjährige Dorian Gray erbt das Haus seines verstorbenen Großvaters und dessen Vermögen. Noch unerfahren und zaghaft, nimmt ihn der Adelige Lord Henry Wotton unter seine Fittiche und stiftet ihn zum hemmungslosen Genuss und Ausleben der Phantasien an. Der Maler Basil Hallward fertigt von Gray ein lebensechtes Portrait an, das wie der Dargestellte von allen bewundert wird, während er sich in der feinen Gesellschaft einlebt. Doch Gray schließt auf Anregung Wottons einen spielerischen Pakt, der Folgen hat, indem er seine Seele für ewige Jugend verkauft. Als er die Schauspielerin Sybil Vane, für die er etwas übrig hat, auf Wottons Intrige hin nicht heiratet, ertränkt diese sich. Diesen Schlag überwindet Gray nicht, der sich in ausschweifende Exzesse stürzt - jedoch beginnt sich das Portrait zu verändern, die Züge verzerren sich, Maden fallen aus den Augenhöhlen. Furchtsam versteckt Gray das Portrait, das zum Abblick seiner Seele geworden ist, doch das Grauen ist nicht aufzuhalten ...
Frischer Wind in alten Gewändern - in Zeiten, wo geradezu puritanisch angehauchte Stories praktisch anachronistischen Aufbaus wieder Hochkonjunktur haben (siehe auch: Interner Link"Twilight"), hat es etwas für sich, berühmte Literaturstoffe mit einem frischen Anstrich zu versehen und der Jugend von heute nahezubringen, definiert sich hohe Literatur nicht zuletzt in den letzten Jahrzehnten nicht selten durch die entsprechenden Verfilmungen.



Was Oliver Parker angeht, selbst Schauspieler, so hat er sich schon in den 90ern einen Namen damit gemacht, das Werk Oscar Wildes ein wenig aufzupolieren und präsentierte mit "An Ideal Husband" und "The Importance of Being Ernest" zwei vergnüglich-modernisierte Werke aus der viktorianischen Zeit, auch wenn seine späteren Filme dann doch ein wenig geschmacksunsicher daherkamen (er war u.a. für die beiden "St. Trinians"-Remakes verantwortlich). Parker greift gern auf seine Stammdarsteller wie Rupert Everett und Colin Firth zurück und so war es kaum verwunderlich, dass man zumindest Firth auch bei "Dorian Gray" wieder auf der Besetzungsliste findet, allerdings in der Rolle des Mentoren Lord Henry Wotton, der den jungen, aber äußerst attraktiven Dorian erst auf seinen verderblichen Weg schickt.


Leider ist die überaus exquisit gewählte Besetzung auch der einzig wirklich herausragende Punkt an dieser "Modernisierung", denn anstatt einer zynischen Satire über die Gesellschaft, kommt hier eine Art waschechter Horrorfilm aus der Vorlagenbearbeitung heraus, was Wildes Vorlage nicht unbedingt gut tut. Während im Roman Gray sich angesichts seines Portraits freiwillig wünscht, dieses würde für ihn altern - was dann überraschenderweise auch funktioniert - generiert Erstlingsautor Toby Finlay (kein Gewinn für die Branche) daraus eines faustischen Pakt des Seele-Opferns und Rosenblätterverbrennens, während sich Firth als Mephisto seinen diabolen Bart rauft.
Was der Roman in der Folge zu bieten hat, taucht in der Folge des Films allerhöchstens noch als Vehikel auf: der Irrtum, dass sich Dorian in die Darstellungskünste der Schauspielerin Sybil Vane verliebt, anstatt in sie, gerät hier zu einem scheuen Jungmenschen, den seine Einflüsterer überzeugen, dass er für das Heiraten noch nicht geschaffen ist. Die Schuld ihres folgenden Freitodes taucht immer nur dann mal auf, wenn die Hauptfigur zeitweise zu dämonisch verdorben rumhurt, wie überhaupt der Prozess des "freizügigen Genusses" ein konfuses Hickhack geworden ist, irgendwo zwischen Naivität und der Schmierigkeit der 70er Jahre hin und her schwankend.


Ben Barnes, den man (nach zwei Interner Link"Narnia"-Filmen) für die Rolle des unsterblich Schönen ausgesucht hat, sieht dann zwar hinreichend gut gewählt für die Rolle aus, hat aber mit der dramatischen Motocrossfahrt durch die Emotionen so seine Probleme und fällt nach und nach der Lächerlichkeit anheim, außer man ist weiblich/jung/leicht zu beeindrucken oder männlich/schwul. Die bösen, bösen Exzesse, angefangen vom Zigarettenrauchen, über Huren, Alkohol und Opium bis zur homoerotischen Attacke auf den Malerfreund, wirken dabei stets forciert, brachial, gewollt und vor allem zunehmend urkomisch. Nicht zuletzt, wenn man daneben den würdevoll zynisch Bonmots streuenden Firth sieht, der hier wesentlich besser aufgehoben ist, als in einer modernen Romantikkomödie und allein durch Präsenz den Film vor dem Abgrund rettet (der ebenfalls gute Ben Chaplin hat dazu leider zu wenig Gelegenheit).

Aber das ist noch gar nichts gegen die zahlreichen Horrorversatzstücke, die nun gar nicht in den Film passen wollen - außer man möchte wieder mal ein sensationswilliges Publikum kurzschließen - und wie unnötige Schminke wirken. Maden fallen dem Portrait aus den Augenhöhlen, im Hause seufzt und röchelts nach Kräfte, hier und dort knackt und knirscht es im Gebälk, im Vorbeigehen zeigen sich Fratzen in spiegelnden Oberflächen, ganz zu schweigen von dem bösartigen verstorbenen Großvater, der in absolut unpassenden Rückblenden Dorian schon als kleines Kind als Verkörperung des Todes definiert und ihn so zu einer Art Satanssohn macht, bevor er überhaupt der Versuchung unterliegt. Wenn die Fratze dann schließlich enthüllt wird, nach all dem vorwärmenden Tohuwabohu, dann ist die Enttäuschung groß - und nicht einmal der geschickte Dreh, statt einer neutralen Dritten die Tochter Wottons zum Objekt der Begierde zu machen, funktioniert dann noch besonders gut.


Es ist nicht auszuschließen, daß der Film als TV-Special durchaus sein Publikum verdient hätte, im Kino wirkt diese poppige und betont unterhaltsam aufgemischte Variante furchtbar um Drive und Schauwerte bemüht, scheitert aber genau deswegen an der zeitgemäßen und heute kaum mehr beeindruckenden Biederkeit, denn was hier als Skandal verkauft wird, haben die meisten Teenager schon auf ihren ersten drei Parties durchgezogen, da kann man nur noch milde grinsen. Das Potential hat der Film durchaus, gute Darsteller, einen optisch passenden Protagonisten, aber leider kein Drehbuch, das die richtigen Schrauben für eine zeitgemäße Modernisierung andreht. Stattdessen bleiben wir in soliden Kulissen und viel viktorianischem CGI stecken und produziert wird nur ein Mischmasch, das in keiner Welt so richtig zu Hause ist. In diesem Fall hätte Parker beim Buch bleiben sollen, denn leichte Straffungen und Erweiterungen sind immer viel zugänglicher als scheinbar notwendige Entstellungen, um die Twens und Teens bei der Stange zu halten.


Concorde veröffentlicht "Das Bildnis des Dorian Gray" parallel zur DVD-Edition auch auf Blu-ray mit einem FSK-Wendecover. Der HD-Transfer hinterlässt einen sehr guten Eindruck mit kleineren, kaum wirklich störenden Mängeln, z.B. sehr weich und wenig detailliert aussehenden Außenaufnahmen von London, die vermutlich so sind, um die Effekte nicht zu offenbaren. Zum Glück ist das aber eher selten der Fall. Meistens darf man sich über eine gute bis sehr gute Schärfe und Detailzeichnung freuen. Selbst die Konturen sind sauber und der Kontrast sorgt mit einem satten Schwarzwert für sehr plastische Bilder mit einer sehr guten Tiefenwirkung. Hinzu kommt eine natürlich Farbgebung, bei dem blaue und braune Farbtöne hervorgehoben werden, um die düstere Optik des Filmes zu unterstreichen. Lediglich bei längeren Kamerafahrten trübt Bewegungsunschärfe die ansonsten sehr gute Bildqualität etwas. Kompressionsprobleme fallen nicht auf und Filmkorn ist ebenfalls nicht wahrzunehmen.
Weil der Film sehr dialoglastig ist, sollte man nicht zu viel erwarten. Zumindest gibt es immer wieder Sequenzen, in denen der druckvolle Tiefenbass ebenso überzeugt wie ein paar aggressive und wuchtige Surround-Effekte, was vor allem zum Ende hin immer häufiger geschieht. Die musikalische Untermalung sorgt für die nötige Räumlichkeit und die Dialoge passen sich sehr ausgewogen dem Gesamtbild an. Der deutsche Mix klingt etwas kraftvoller als das englische Original. Auf Wunsch lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten.


(Klickt auf die einzelnen Bilder um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)


Das Bonusmaterial liegt bis auf die Trailer und die Trailershow weiterer Concorde-Titel komplett in Standard Defintion vor. Die vierzig Minuten an Interviews mit Cast & Crew haben leider nur wenig zu bieten, denn in ihnen wird das übliche Werbeprozedere durchgekaut. Besser sind da die sechs Minuten an entfallene Szenen, sowie die knapp neun Minuten an Outtakes. Ansonsten gibt es nur noch ein neun Minuten langes "Hinter den Kulissen"-Featurette mit unkommentierten Setaufnahmen, sowie ein 10minütiges Featurette, bei dem unter anderem näher auf die Garderobe und das Make Up eingegangen wird. Nett, mehr aber auch nicht. Das Bonusmaterial wurde komplett deutsch untertitelt.


Gute Blu-ray-Veröffentlichung eines eher mittelmäßigen Streifens. Vor dem Kaufen empfiehlt sich der Gang zur Videothek.


Film+++---
Bild+++++-
Ton++++/-
Bonus+++---


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