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USA, UK 1978
Originaltitel:Midnight Express
Alternativtitel:12 Uhr nachts
Länge:120:59 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Alan Parker
Buch:Billy Hayes, Oliver Stone, William Hoffer
Kamera:Michael Seresin
Musik:Giorgio Moroder
Darsteller:Brad Davis, Irene Miracle, Bo Hopkins, Paolo Bonacelli, Paul L. Smith, Randy Quaid, Norbert Weisser, John Hurt, Mike Kellin, Franco Diogene, Michael Ensign, Gigi Ballista
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:1080p / AVC-MPEG 4
Medium:BD-50
Regionalcode:A,B,C
Bildformat:1,85:1
Tonformat:Dolby TrueHD 5.1, Dolby Digital 2.0 Mono (nur engl.)
Sprache:Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Hindi(Indisch), Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:16.07.2009 (Kauf)
Bonus:
  • Audiokommentar mit Regisseur Alan Parker
  • Die Produzenten erinnern sich (25:54 Min., 1080i)
  • Die Produktion (24:28 Min., 1080i)
  • Das Schauspiel, der Schnitt, die Musik, der Film (23:48 Min., 1080i)
  • Fotogalerie (12:40 Min., 1080p)
  • Making Of (7:27 Min., 480p)
  • Hi-Def exklusiv: BD-Live (ab Profil 1.0)
Die packende Geschichte eines Amerikaners, der im Nahen Osten wegen des Besitzes von Drogen zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Unbeschreibliche Qualen werden ihm zur Gewohnheit, bis er nicht mehr kann. Freiheit oder Sterben, das ist seine letzte Alternative.
Multitalent Oliver Stone ("Platoon", Interner Link"Natural Born Killers") war stets jemand der mit seiner Arbeit aneckte, polarisierte und provozierte. "Midnight Express", für den er das Drehbuch (Oscar-prämiert!) beisteuerte, steht ganz in der Tradition des umstrittenen Filmemachers. Zusammen mit Regisseur Alan Parker ("Mississippi Burning", "The Life of David Gale") schuf er hier ein auf wahren Tatsachen beruhendes, beispielloses Gefängnisdrama, das hierzulande leider recht unbekannt zu sein scheint. Laut Billy Hayes, auf dessen Erfahrungen "Midnight Express" fußt, übertreibt Stone zugunsten der Dramaturgie hier zwar einiges (was auch dazu führte, dass auf Malta gedreht werden müsste, weil die Türkei verständlicherweise jede Zusammenarbeit ablehnte), ein intensives, glaubwürdiges Erlebnis bleibt der Film in seinen gut zwei Stunden aber trotzdem.



Istanbul, 6. Oktober 1970: Für Billy Hayes (Brad Davis) sollte der Trip in die Türkei lukrativ enden. Bepackt mit zwei Kilogramm Haschisch versucht er sich durch den Zoll zu schmuggeln, um in seiner Heimat den Stoff weiterzuverkaufen. Allein dieser Anfang zeugt Parkers virtuosem Talent, den Zuschauer die Welt um sich zu vergessen und nur noch gebannt dem Geschehen in Istanbul zu folgen. Billys Puls rast, was akustisch gleich direkt in den Film eingebunden wird, er schwitzt aus allen Poren und seine unwissende Freundin wundert sich über sein Verhalten. Übernervös übersteht er die Zollabfertigung und wähnt sich schon in Sicherheit. Doch am Flugzeug angekommen, werden sie von Soldaten erneut und diesmal intensiver durchsucht. Sie finden den Stoff ...


Was folgt ist eine beängstigend authentisch anmutende, jahrelange Tortur für Billy, der einen Fehler begann und dafür sein ganzes Leben lang bestraft werden soll. Über die gesamte Laufzeit des Films hinweg hält man Billy von nun an einen Strohhalm hin, um ihm mit der anderen Hand den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Menschenunwürdig wird er schon nach seiner Festnahme behandelt, doch das soll nur ein Vorgeschmack auf das sein, was ihm im Gefängnis erwarten wird.
Billy hat das Pech im falschen Moment erwischt worden zu sein. Die Polizisten brüsten sich mit seiner Festnahme, die Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei läuft schief, weil er eine Chance zur Flucht sieht, sie auch nutzt, nur leider wieder eingefangen wird. Das Gefängnis entpuppt sich als Hölle auf Erden. Das kleinste Vergehen wird mit drakonischer Folter bestraft. Sein erstes Vergehen, das unerlaubte Entwenden einer Decke in einer kalten Nacht, führt ihn für vier Tage in eine lange Bewusstlosigkeit. Wieder bei Sinnen, bemerkt er, dass er nicht der einzige Ausländer im Knast ist ...


So hangelt sich Billy von Hoffnungsschimmer zu Hoffnungsschimmer, um irgendwann zu resignieren. Das milde Urteil von vier Jahren feiert sein Anwalt schon als Sieg und so versucht Billy das Beste aus seiner Lage zu machen, sich ruhig zu verhalten und die Zeit abzusitzen. Er lehnt Ausbruchsversuche ab und verlässt sich ganz auf die türkische Justiz. Doch die will, als sein Fall neu aufgerollt wird, ein Exempel statuieren und verurteilt ihn 50 Tage vor seiner Entlassung zu lebenslanger Haft. Machtlos müssen seine Angehörigen mit ansehen, wie Billy seiner letzten Chance auf Freiheit beraubt wird.
"Midnight Express" ist einer dieser Filme, die unbeschönigend alles aufzeigen, was man eigentlich so nicht sehen möchte – Dinge, vor denen man die Augen verschließt. Geradezu genüsslich schlägt der Film in die Magenkuhlen des Publikums und fordert ihm zum Zuschauen auf. Das ist harter Tobak, der hier von Stone und Parker auf den Zuschauer losgelassen worden ist.


Das Gefängnis mit seinen unwürdigen Verhältnissen - vor allem in hygienischer Hinsicht ist es ein Ort des Grauens, an dem der zusammengepferchte, menschliche Abschaum der Willkür der Aufseher ausgesetzt sieht. Die Zellen sind dunkel, feucht und schmutzig - die Wächter erbarmungslos. Kaum ein Lichtstrahl dringt zu den Insassen. Einige zerbrechen unter dieser seelischen Martyrium, werden zu apathischen Wracks. Billy Hayes selbst sieht sich hier nicht nur Homosexualität ausgesetzt, sondern muss später zudem noch um seinen Verstand kämpfen. Erschreckend und gleichzeitig Mitleid erweckend ist eine Szene, als er seine zu Besuch erscheinende Freundin bittet, ihre Bluse auszuziehen und dabei masturbiert.


Tief blickt "Midnight Express" hinter die Kulissen der Türkei, die diesen Film, gerade heute während des Bestrebens um den EU-Beitritt, lieber nie gedreht gesehen hätte. Korruption, Verrat, Fremdenhass und das Gesetz des Stärkeren herrscht innerhalb der Mauern. Hoffnung gibt es hier für niemanden. Wer hier nicht sterben will, muss den Midnight Express, das Codewort für Ausbruch, wählen. Die Tatsache, dass alle, abgesehen von den Amerikanern, hier Türkisch sprechen, erhöht die gnadenlos depressive, ausweglose Atmosphäre nur noch. Die zunehmende Verwahrlosung des Billy Hayes schockiert. Die Entwicklung vom jungen Durchschnittsamerikaner zum tobsüchtigen Mörder und schließlich Geisteskranken, stellt Parker in sehr intensiven Szenen da. Den unglaublich sich mit ihren Charakteren identifizierenden Schauspielern ist hier ein großes Lob auszusprechen. Der später an Aids erkrankende und mit Drogenproblemen kämpfende Brad Davis bekam für seinen Karrierehöhepunkt den Golden Globe und gibt hier in seinen verschiedenen Stadien eine facettenreiche Glanzvorstellung. Der Niedergang seines Geistes wird nur allzu deutlich. Neben John Hurt (Interner Link"Alien") und Randy Quaid (Interner Link"Days of Thunder") ist in einer Nebenrolle übrigens auch Albert Pyuns Spezi Norbert Weisser zu sehen.


"Midnight Express" wurde komplett digital überarbeitet und im MPEG-4 Format kodiert. Die DVD war damals schon beachtlich in ihrer Qualität und bei der Blu-ray gibt es ebenfalls kaum etwas zu bemängeln, zumindest in Anbetracht des hohen Alters der Produktion. Das Bild wirkt angenehm scharf und meist sehr plastisch. Altersbedingte Unschärfen und weniger detailliere Einstellungen sind durchaus zu verschmerzen und mitunter auf das verwendete Filmmaterial zurückzuführen. Die Farbgebung ist sehr natürlich und satt ausgefallen und auch der Kontrast arbeiten stets ausgewogen und überzeugt mit einer meist sehr guten Durchzeichnung. Verunreinigungen oder Defekte sind dem Transfer fremd und die Kompression arbeitet tadellos. Lediglich etwas Filmkorn zieht sich in wechselnder Intensität durch den Film, nimmt aber niemals störende Ausmaße an. Ein tolles Bild, das zwar keine große HD-Stimmung aufkommen lässt, für sein Alter aber überzeugen kann.


Preview-Screenshots zur FullHD (1920 x 1080) Ansicht anklicken.

Der deutsche Dolby TrueHD 5.1-Upmix überrascht zwar mit einer sehr klaren und sauberen Dialogwiedergabe. Auch Nebengeräusche und der Score werden für einen 30 Jahre alten Film gut wiedergegeben, auf Räumlichkeit müssen wir jedoch weitgehend verzichten. Die Effektkanäle bleiben durchweg stumm, was bei einem derart dialoglastigen Film ohnehin kein Wunder ist. Dies gilt auch für den englischsprachigen Upmix, der sich nicht sonderlich vom deutschen Pendant unterscheidet und lediglich im Bereich der Nebengeräusche etwas offener klingt. Für Nostalgiker lässt sich noch der englische Mono-Mix hinzuschalten, der ebenfalls überraschend sauber und natürlich klingt. Desweiteren werden diverse Untertitel und eine französische Tonspur angeboten.
Im deutsch untertitelten, unterhaltsamen Audiokommentar erzählt Regisseur Alan Parker über die harten Dreharbeiten von "Midnight Express". Unter "Die Produzenten erinnern sich" befindet sich eine 25minütige, in High Definition vorliegende Dokumentation über die komplette und äußerst abenteuerliche Produktion aus der Sicht der Produzenten. Die nächsten 25 Minuten mit dem Titel "Die Produktion" ist ein ergänzendes Special und lässt nochmals die Macher des Filmes zu Wort kommen. Es wird auf verschiedene Aspekte der Produktion eingegangen und dabei immer wieder Bilder vom Film und den Dreharbeiten eingeblendet. Leider kommt bis auf John Hurt keiner der Darsteller zu Wort und auch Oliver Stone fehlt bei der ansonsten guten Mini-Doku.
"Das Schauspiel, der Schnitt, die Musik, der Film" steht ganz in der Tradition der vorherigen Dokumentationen und lässt in 24 Minuten erneut die Macher zu Wort kommen. Diesmal wird auch Oliver Stone kurz interviewt. Ansonsten werden die Titel gebenden Aspekte abgearbeitet und neben Interviews werden auch hier immer wieder Fotos eingeblendet. Alle drei Dokus inklusive der "Bildergalerie" werden in High Definition präsentiert und sind im Gegensatz zum 8minütigen "Making of" neu produziert. Das "Making of" stammt aus den 1970er Jahren und fällt sehr werbelastig aus, zeigt überwiegend Filmausschnitten und kleinere Kommentare der Macher. Zudem lernen wir den echten Bill Haney kennen, der etwas über seine Zeit in dem türkischen Gefängnis berichtet. Leider gibt es keine aktuelle Doku über ihn, auch ein Trailer fehlt. Dafür gibt es einen BD-Live-Zugang, der Sony aber nur zu Werbezwecken dienlich ist.


Interner Link"Shawshank Redemption" sieht gegen "Midnight Express" wie ein Kindergeburtstag aus. Unbeschönigend, anklagend und kompromisslos zeigt das zweifach Oscar-prämierte (Drehbuch und Musik) Drama, wie es in türkischen Gefängnissen aussah (oder aussieht?) und das Recht mit Füßen getreten wird. Alan Parker und Oliver Stone schufen hier ganz großes Kino, bei dem man sich stellenweise zum Hinschauen zwingen muss. Ein intensiverer Knastfilm ist mir zumindest noch nicht untergekommen. Fesselnd, drastisch ehrlich, völlig klischeefrei und hoffnungslos zermürbend, gehört "Midnight Express" zu den beeindruckendsten Filmstücken die mir je untergekommen sind. Ein sich an das erwachsene Publikum richtendes, unbeschreiblich niederschmetterndes Meisterwerk, welches hier eine würdige High Definition-Umsetzung erfährt.


Film++++++
Bild++++/-
Ton+++/--
Bonus++++/-


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