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FR, CAN, UK 2009
Originaltitel:Imaginarium of Doctor Parnassus, The
Alternativtitel:Kabinett des Dr. Parnassus, Das
Länge:122:47 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Terry Gilliam
Buch:Charles McKeown, Terry Gilliam
Kamera:Nicola Pecorini
Musik:Mychael Danna, Jeff Danna
SFX:Richard Bain
Darsteller:Johnny Depp, Heath Ledger, Jude Law, Colin Farrell, Christopher Plummer, Lily Cole, Tom Waits, Peter Stormare, Andrew Garfield, Verne Troyer, Paloma Faith, Daniel Newman
Vertrieb:Concorde
Norm:1080p / VC-1
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase mit FSK-Wendecover
Blu-ray-Start:01.07.2010 (Kauf)
Bonus:
  • Intro von Terry Gilliam (2:49 Min., 576p)
  • Kinotrailer
    • Deutsch (1:38 Min., 1080p)
    • Englisch (1:39 Min., 1080p)
  • Entfernte Szene (4:13 Min., 576p)
  • Audiokommentar von Terry Gilliam
  • Kostümprobe mit Heath Ledger (1:56 Min., 576p)
  • Der Blick hinter den Spiegel (3:18 Min., 576p)
  • Entstehung des Klosters (6:57 Min., 576p)
  • Szenenaufbau vom Storyboard bis zur finalen Sequenz (2:06 Min., 576p)
  • Heath Ledger und Freunde (5:31 Min., 576p)
  • Interview mit Heath Ledger (3:00 Min., 576p)
  • Das Kabinett des Terry Gilliam (6:15 Min., 576p)
  • Cast und Crew (8:05 Min., 576p)
  • Doktor Parnassus weltweit (5:44 Min., 576p)
  • Programmhinweis
    • Brother Grimm (2:49 Min., 1080p)
    • Tideland (0:58 Min., 576p)
    • 12 Monkeys (1:41 Min., 576p)
London in unserer Gegenwart: In den eher abgelegenen Seitenstraßen an den Ufern der Themse zieht der Schausteller Dr. Parnassus mit seiner kleinen Truppe an Schaustellern und seinem seltsam altmodischem Gefährt herum, um Zuschauer zu finden. Obwohl seine Kunst und sein Gefährt den Gästen ermöglichen, in eine Welt aus Wünschen und Träumen einzutreten, hat er nur mäßigen Erfolg und Parnassus selbst ist müde, denn er ist rund tausend Jahre alt. Er hat seine Seele dem Teufel verspielt und gleichfalls das Leben seiner 15jährigen Tochter Valentina, die an ihrem näherrückenden 16. Geburtstag dem Satan in Gestalt von Mr. Nick anheim fallen wird. Schon lässt sich Parnassus auf eine neue Wette ein, bei der er binnen drei Tagen fünf Seelen verführen muss, um aus seinem Kontrakt entlassen zu werden. Da greifen die Schausteller den etwas düsteren Herumtreiber Tony auf, der sich in Valentina verliebt und dementsprechend einiges Geschick an den Tag legt, die Wette zugunsten von Parnassus zu erfüllen. In den Räumen und Welten des Imaginariums tritt er in zahlreichen Masken auf, um die Seelen zu sammeln ...
"So you're probably not a betting man, are you?"

Der klassische Wanderzirkus verdankt seinen Namen natürlich seiner Mobilität. Oft im Besitz einer Familie, zog der Wanderzirkus von Ort zu Ort, um sich seinen Unterhalt durch das namentlich passende Geschäft der Unterhaltung zu sichern. In Zeiten der fortschreitenden Technologisierung der Gesellschaft spielten Einrichtungen wie der Zoo oder der Zirkus - die hinsichtlich ihres tierunfreundlichen Aspekts nicht näher untersucht werden sollen - eine immer geringere Rolle. Vor allem in heutiger Zeit hat die Exotik ob fremder Tiere und Praktiken deutlich nachgelassen. Nichts, was man nicht im Fernsehen oder noch nutzerfreundlicher auf YouTube finden könnte. Entsprechend schwer tut sich also auch das Imaginarium des wandernden Dr. Parnassus (Christopher Plummer) in Terry Gilliams dementsprechend benannten "Das Kabinett des Dr. Parnassus".


Inzwischen hat Gilliams elfter Spielfilm mehr Ruhm als ihm wohl unter normalen Umständen zu Teil geworden wäre. Der Tod von Hauptdarsteller Heath Ledger überschattete während der Dreharbeiten und auch zum Filmstart hin alles andere. Der Film selbst war kaum noch wichtig, viel bedeutender war die Funktion des Filmes als eine Art Requiem des australischen Schauspielers. Im Nachhinein muss man fast sagen, dass Ledgers Tod das Beste ist - so makaber es klingt - das dem Film passieren konnte. Nicht nur aus Vermarktungs- (der letzte Film eines frisch gekürten Oscarpreisträgers lockt sicherlich zusätzliche Besucher an), sondern auch aus qualitativen Gründen. Denn wo Ledger vor allem in Interner Link"Brokeback Mountain" aber auch mit Abstrichen - speziell ans Genre - in Interner Link"The Dark Knight" schauspielerisch auftrumpfen konnte, enttäuscht er hier.


Ledgers Spiel wirkt unsauber und vor allem eins: beliebig. In manchen Szenen nuschelt er sich durch seine zum Teil improvisierten Dialoge, die oft durch den mehrfachen Einschub des Lückenfüllers "you know" auskommen müssen. Allerdings muss eingestanden werden, dass Gilliams Filme äußerst selten durch ihre schauspielerische Leistung und narrative Qualität überzeugen. Das Niveau solcher Werke wie "Brazil" oder "12 Monkeys" konnte Gilliam im neuen Jahrtausend nicht mehr erreichen. Sieben Jahre vergingen zwischen seiner kongenialen Adaption von Hunter S. Thompsons Interner Link"Fear and Loathing in Las Vegas" und seinem visuell berauschenden Interner Link"Brothers Grimm", der ihn mit Heath Ledger zusammenführte und seine Semi-Rückkehr ins Filmgeschäft repräsentierte. Und letztlich ähneln sich Interner Link"Brothers Grimm" und "Das Kabinett des Dr. Parnassus" dann doch sehr.


Die Geschichte ist eine simple und oftmals unübersichtliche. Grundlegend ist ein faustsches Element des Handels eines Doktors mit dem Teufel. Hier übernimmt Plummers Dr. Parnassus diese Rolle, die einst mit dem Teufel, hier Mr. Nick (Tom Waits) genannt, eine Wette abschloss, wer mehr menschliche Seelen für sich gewinnen könne. Parnassus propagierte die Vorstellungskraft, Mr. Nick die reine Begierde. Einige Jahrtausende später wetten die beiden Männer immer noch, inzwischen um die Seele von Parnassus' Tochter Valentina (Lily Cole). Als Retter in der Not soll der mysteriöse Tony (Heath Ledger) fungieren, der angeblich an Amnesie leidet, das Unternehmen von Dr. Parnassus jedoch als Chance sieht, sich einerseits zu rehabilitieren und andererseits davon finanziell zu profitieren. Wie Gilliam im Audiokommentar bemerkt, es ist eine Geschichte über Entscheidungen.


Viele Aspekte von "Das Kabinett des Dr. Parnassus" lassen sich problemlos nachvollziehen. Zum Beispiel dass der für Valentina schwärmende Anton (Andrew Garfield) in Tony eine Bedrohung ausmacht. Oder dass Mr. Nick weniger um des Einsatz' Willen wettet, als vielmehr weil ihm das Wetten in der Natur liegt. Andere Figuren wie Valentina oder aber auch Parnassus selbst sind da doch unausgereifter. Insbesondere - und insofern dramatischer - die Titelfigur des Tony. Im Tode Ledgers wandelte Gilliam die Figur so ab, dass sie im Kabinett selbst ihr Gesicht wechselt und so von mehreren Schauspielern (in diesem Fall: Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell) dargestellt werden kann. Was jedoch nur bedingt dem Zuschauer dabei hilft, von Tony ein besseres oder im Entferntesten authentisches Bild gewinnen zu können.

Sowohl Depps als auch Laws Interpretation beschränkt sich auf wenige und wortkarge Minuten. Ist Depps Interpretation zwar noch an finanziellen Dingen interessiert, hat sie doch das Interesse von Parnassus im Sinn. Sehr viel idealer zeigt sich Laws Darstellung, die zwar wie Depps auf einem schauspielerischen Tiefpunkt stattfindet (und hier bisweilen sogar Ledgers eigene Portraitierung unterbietet), aber hilft, der Figur zusätzliche Sympathien zu bescheren. Der Bärenanteil dagegen wanderte zu Farrell, der Tony in seinem kathartischen Moment darstellt, ohne dass sich dieser wirklich nachvollziehen lässt. Plötzlich lässt Gilliam die bisher relativ sympathische Figur (zumindest ihren Bestrebungen nach) zum Antagonisten mutieren - und das ganz ohne Vorwarnung. Den Schlussmonolog "Does it come with a happy ending" hätte der Regisseur daher wohl besser an den Anfang gestellt.


Denn letzten Endes ist - paradoxer Weise - Mr. Nick und damit der Teufel selbst die Figur, die aus den edelsten Motiven handelt, beziehungsweise weit weniger nervig daherkommt als Anton, Valentina, Tony und Parnassus. Wie erwähnt ist Mr. Nick ein Verführer, dem es mehr um den Akt der Verführung geht als um deren Resultat. Dahingehend erklärt sich auch sein ständiges Pochen auf eine neue Wette, einen neuen Einsatz. Wo Gilliam in der von Waits köstlich portraitierten Figur Konsequenz zeigt, lässt er diese an anderen Stellen, gerade (leider) der Handlung (zu) oft vermissen. Sicherlich kann hier der dritte und finale Akt auch nur aufgrund Ledgers Verscheiden rasch abgespult sein, in seiner jetzigen Form entschuldigt dies jedoch nicht sein sehr unharmonisches Ende. Hier wissen auch die oft sehr ansehnlichen Spezialeffekte wie schon in Interner Link"Brothers Grimm" wenig zu retten.


Als Film, der mit Müh und Not aufgrund des überraschenden Todes des Hauptdarstellers zu Ende gedreht wurde, darf "Das Kabinett des Dr. Parnassus" immer noch als gelungen bezeichnet werden. Dennoch merkt man den Film an, weshalb er nicht überzeugend ausfällt. Zu unausgegoren sind die essentiellen Figuren, allen voran Tony, ausgearbeitet, zu planlos beginnt sich die Geschichte in ihrem dritten Akt in eine Richtung zu drehen, die der Prämisse des Filmes als Geschichte über Geschichten am Ende zuwider läuft. Ledgers unüberzeugendes Spiel kann zwar etwas durch den Dreifach-Einsatz von Depp, Law und Farrell kaschiert werden (wobei nur Farrell, und dies lediglich bedingt, gefällt), dennoch agiert das Ensemble, Waits und Troyer ausgenommen, letztlich so unglücklich, wie "Das Kabinett des Dr. Parnassus" als Ganzes ausfällt.


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Alle Bilder sind Eigentum von Concorde

Die dem Test vorliegende Blu-ray aus dem Hause Concorde Film liegt qualitativ deutlich hinter anderen aktuellen Produktionen zurück. Das liegt jedoch in erster Linie an den eingesetzten Stilmitteln des Regisseurs. Das Bild sieht außerdem deutlich gefiltert aus, was man an der fehlenden Körnung des Materials merkt. und zudem wirken die Konturen sehr oft zu weich und dem Bild mangelt es deutlich an Detailschärfe. Eigentlich schade, denn obwohl der Film überwiegend im Dunklen spielt und ein angenehmer Kontrast wünschenswert gewesen wäre, erreicht dieser je nach Szene nur solide Werte und es fehlt an Tiefe und Plastizität. Insgesamt erreicht die Schärfe leider nur ein passables Niveau, zumindest bei einer Blu-ray Veröffentlichung hätten man sich mehr wünschen können, da hilft es auch nicht, dass gut ausgeleuchtete Szenen neben einen besseren Kontrast auch eine etwas bessere Schärfe erreichen. Hinzu kommt der viel zu hohe Schwarzwert, bei dem viele Details einfach absaufen. Dafür arbeitet die Kompression sauber und die Farbgebung wurde absichtlich stark verfremdet und wirkt sehr gekünstelt und teilweise ausgewaschen, mit einem leichten Rotstich. Wir können aber froh sein, dass Concorde und einen VC-1 Transfer in 1080p spendiert. Die schweizer Blu-ray liegt lediglich in MPEG-4 und Interlaced vor. Dennoch nicht gerade ein überzeugendes Bild.


Besser ist dagegen die Tonabmischung gelungen. Beide Sprachfassungen liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, setzen auf kleine, aber feine Effekte und verzichten dabei fast gänzlich auf pompöses Effektgewitter. Hinzu kommt eine sehr detaillierte und brillante Klangwelt, welche selbst in ruhigen Sequenzen mit einer Menge Feinheiten aufwarten kann und zudem stets sehr räumlich wirkt. Musik und Nebengeräuschen passen sich sehr homogen ins Klanggeschehen ein und wir dürfen uns auf einen sehr atmosphärischen Mix freuen, der im nötigen Moment mit einem satten Bass aufwarten kann, ohne dass der Hochtonbereich darunter zu leiden hat. Dialoge sind in der deutschen Fassung sehr sauber zu verstehen, im englischsprachigen Original klingen diese dagegen sehr dumpf und teilweise unverständlich. Zum Glück gibt es aber deutsche Untertitel.


Das Bonusmaterial sieht umfangreicher aus als es eigentlich ist. Den Anfang macht ein 3minütiges Vorwort von Regisseur Terry Gilliam, welches den leider viel zu frühen Tod von Heath Ledger thematisiert und was dies für die Produktion bedeutete. Danach folgt der deutsche und der englischsprachige Kinotrailer, sowie eine vierminütige Deleted Scene, welche mit einen Kommentar des Regisseurs angeschaut werden kann.
Wirklich interessant hingegen fällt der Audiokommentar mit dem Regisseur Terry Gilliam aus, der sehr ausführlich auf die Dreharbeiten und die Schwierigkeiten, welche nach Ledgers Tod auftraten, eingeht. Es wird zu keiner Minute langweilig, denn Gilliam überschüttet uns mit Informationen. Der komplette Kommentar wurde deutsch untertitelt. Weiter geht es im Bonusmaterial mit ein paar Featurettes, welche Heath Ledger zum Thema haben. "Heath Ledger bei der Kleiderprobe" wurde noch vom Regisseur kommentiert und in "Interview mit Heath Ledger dürfen wir uns ein 3minütiges Radio-Interview mit ihm aus dem Jahre 2007 anhören. Wie auch bei den anderen Featurettes machte unser Player Probleme mit den deutschen Untertiteln, denn die tauchten lediglich beim Audiokommentar auf. (Nach weiteren Tests mit anderen Player ist uns aufgefallen dass es durchaus ein Software Probe des jeweiligen Player sein kann. Beim der PS3 gab es keine Probleme, ebenso wenig wie bei den neusten Panasonic Geräten. Bei Philips klappt weiterhin nur die Audiokommentar Spur und bei Software Plaer von ArcSoft gibt es gänzlich Probleme. Einfach testen und schauen ob es ein Update eures Players gibt.) In "Heather und Freunde" sprechen Cast & Crew über den tragischen Verlust des Schauspielers. Dabei sehen wir immer wieder Ausschnitte aus dem Film und bekommen Impressionen von Dreharbeiten.
Bei "Der Blick hinter den Spiegel" wird versucht in drei Minuten auf verschiedene Rollen und die Story einzugehen, was definitiv viel zu kurz ist, dafür mit Regiekommentar angeschaut werden kann. "Entstehung des Klosters" ist dafür schon wieder wesentlich interessanter ausgefallen und gewährt einen sehr ansprechenden Einblick in die Umsetzung der visuellen Effekte. Ebenfalls sehr interessant ist der 2minütige Vergleich zwischen den Storyboards, Animatics bzw. Greenscreen, den halb gerenderten Szenen sowie der finalen Sequenz.
In "Das Kabinett des Terry Gilliam" wird nochmals auf die Effekte im Film eingegangen, bevor man mit "Cast & Crew" einen kleinen Mitschnitt der Premierenfeier in London serviert bekommen. Zum Schluss gibt es unter "Doktor Parnassus weltweit" noch einen Mitschnitt verschiedener Premieren weltweit.
Unter Programmtipp befinden sich drei Trailer weiterer Concorde-Titel, welche neben dem Originaltrailer als einzige Extras in HD vorliegen.


Bevor man sein hart verdientes Geld im nächsten Media Markt lässt, solltet ihr euch "Das Kabinett des Dr. Parnassus" erst einmal ausleihen und dann entscheiden, ob Gilliams Film für ein Kauf in Frage kommt. Concorde veröffentlicht die Blu-ray mit einem FSK-Wendecover.


Film+++---
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus+++---


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