H.G. Wells gehört definitiv zu den am meist gelesensten Autoren überhaupt. Seine Sci-Fi-Romane begeisterten Millionen von Lesern auf der ganzen Welt. Seine Alien-Geschichten packten den Leser und konnten mit ihrem, für Sci-Fi-Romane teils unglaublichen Tiefgang mehr als nur überzeugen. Vor allem sein
"Krieg der Welten" sollte zum Kultroman unter den Sci-Fi-Jüngern werden und einen Meilenstein in der phantastischen Literatur bilden. Logisch, dass da auch die Filmwelt gierig danach ist. Doch wie es bei Buchverfilmungen eben so ist, konnte bis jetzt noch keine der Verfilmungen dem Buch das Wasser reichen. Vor einiger Zeit hieß es allerdings, dass Hollywoods Regie-Liebling Nr. 1,
Steven Spielberg, sich an eine erneute Verfilmung wagen will und dass mit
Tom Cruise und dem 11-jährigen Kinder-Darsteller-Ass
Dakota Fanning auch zwei großartige Hauptdarsteller mit an Bord sind. Die Erwartungen durften also ruhig etwas höher gesteckt werden. Doch man muss leider sagen, dass auch
Spielberg gescheitert ist, vielleicht sogar mehr als seine Vorgänger. Denn sein
"Krieg der Welten" ist nicht viel mehr geworden als durchschnittliches Sci-Fi-Mainstream von der Stange.
Bei
Spielberg wechseln sich desöfteren positive Details mit negativen Details ab und halten sich einander ziemlich die Waage. Kommen wir deswegen zuerst zu den positiven Sachen: Was
Spielberg, und vor allem seine Special-Effects-Crew, auf alle Fälle können, das ist eine brillante Optik zaubern. Denn die ist hier einfach nur grandios ausgefallen. Angefangen bei den "Gewitter"-Effekten im ersten Teil des Streifens, die dem Zuschauer langsam aber sicher die anschwellende Bedrohung mehr als nur deutlich rüberbringen. Dann die wuchtigen "Tripods", die Laser-Geschosse und, vor allem, das epochale Untergangsszenario, in denen wieder einmal alles zu Bruch geht, was nur zu Bruch gehen kann. Wirklich alle Effekte sind einwandfrei gelungen und geben dem Zuschauer einen Augenschmaus wieder, den er sich nur wünschen kann. Hier wurde an der Optik wirklich so lange gefeilt, bis es keinerlei Ecken und Kanten mehr gibt und das menschliche Auge anfängt, in seinen Höhlen nur so zu hüpfen! Wirklich absolut lecker und einfach nur sensationell.
Desweiteren ist auch die Tonuntermalung gelungen. Wenn uns die Aliens angreifen, die Erde aufreißt und ein schwerer Gegenstand nach dem Anderen durch die Luft fliegt, dann ist ein tosendes Klangerlebnis auszumachen, das sich vor allem im Kino zu einem Kracherlebnis der allerbesten Sorte entwickelt. Was die Sounddesigner hier an Arbeit abgelegt haben, ist für Soundfetischisten nicht nur ein absolutes Fest für ihre Ohren, es ist fast schon eine Offenbarung. Wer es knackig laut und in jeder Hinsicht ideal vertont mag, der könnte nach
"Krieg der Welten" fast schon süchtig werden.
Und dadurch, dass Bild- und Ton so sensationell gut ausgefallen sind, lässt sich auch eine gewisse Atmosphäre nicht verleugnen. Vor allem in den ersten Minuten der Attacke durch die Aliens ist eine schier knisternde Atmosphäre auszumachen, die auch für eine Weile nicht abbrechen will. Der Zuschauer wird mitunter direkt ins Geschehen einbezogen, so knackt und knistert es hier. Das liegt wirklich allein an Optik und Sound - und das sagt schon wirklich viel, über ihre Qualitäten aus. Schade nur, dass es dafür an so vielen anderen Dingen hakt.
Und diese Dinge beziehen sich leider auf die mitunter wichtigsten Elemente, die es in einer Literaturverfilmung zu beachten gibt: Die Story und all ihr Drum und Dran - angefangen beim schwachen Drehbuch, welches leider in kaum einer Weise irgendwo herausragt. Dass sich die Schreiberlinge des Drehbuchs größtenteils auf die Knall- und Bums-Effekte des Films verlassen haben, merkt man leider an allen Ecken. Immer wieder wirkt das Treiben löchrig und vermag nicht richtig zu fesseln. Dazu natürlich einige knackige Logik-Löcher, die so im Roman nicht vorzufinden sind. Ab und an hat man als Zuschauer sogar das Gefühl, dass wirklich wichtige Details des Romans einfach vergessen wurden. Nicht nur Freunde des Buches werden immer wieder von dem Gefühl übermannt werden, dass einfach etwas fehlt. Auch dem Bücher hassenden Cineasten dürfte dies des öfteren auffallen.
Dazu kommen leider noch die nervigen und mitunter vollkommen verblassten Figuren des Films, die man so nicht gebraucht hätte. Es geht vor allem um die beiden Kinder, die den Zuschauer nicht nur völlig kalt lassen, sondern mitunter höllisch auf die Nerven gehen. Das altkluge Geschwätz und das ständige, mitunter glaszerschmetternde Geschrei und Gezeter der 10-jährigen Rachel ist beispielsweise derart nervtötend ausgefallen, dass man manchmal schon gewählt ist, den Kinosaal nur wegen ihr zu verlassen. Dazu kommt ihr Bruder Robbie: erst ein ziemlich bösartiger Lümmel, der zwar später plötzlich zum Menschenretter wird, für seinen Vater aber nur einen Fliegenschiss übrig hat. Auch er dürfte von den Zuschauern nur mit Hassblicken und kleineren Flüchen belegt werden. Ray Ferrier, die Figur von
Tom Cruise, ist zwar etwas weniger nervtötend ausgefallen, bedient dafür aber jedes Element des klischeeerfüllten Filmdaddys, der wie immer erst alles falsch macht, bevor er auf einmal zum Helden wird. Und so zeichnen sich dann auch noch die restliche Figuren aus. Kurzum: Wirkliche Sympathien oder zumindest eine gewisse Anteilnahme, kann hier wirklich keine der Figuren erlangen, und das ist bei einer Literturverfilmung doch sehr traurig!
Den Rest zum filmischen Mittelmaß gibt das viel zu lang gezogene letzte Drittel des Films. Sobald sich Ray und seine Tochter, zuzüglich eines herrlich verruchten
Tim Robbins, im schützenden Keller eines Hauses eingenistet haben, regiert die Langeweile. Es passiert viele Minuten einfach überhaupt nichts. Zwar kommen im Verlauf mal ein paar Aliens in den Keller und Ray+Tochter+Tim müssen sich verstecken, doch wirklich spannend wird es dennoch nicht. Das liegt zum einen an der Vorhersehbarkeit des Ganzen, zum anderen vor allem daran, dass sich
Spielberg auf einmal im Gegensatz zu den Minuten davor wirklich Zeit lässt und das ganze Trara im Keller eher so wirkt, als wolle
Spielberg unbedingt auf eine Länge von 2 Stunden kommen. Hier hätte das Geschehen dann doch 'ne Spur kompakter ausfallen dürfen und auf allerlei nichts bringenden Unfug, wie Tims leidlich ausgefallener Versuch aus dem Keller zu fliehen, hätte ruhig verzichtet werden können. Für das mitunter sinnlose Aufplustern seiner Filme ist
Spielberg ohnehin bekannt.
Zudem muss ich noch erwähnen, dass mir persönlich die Humornote ein wenig zu hoch war.
H.G. Wells' Roman ist eigentlich ein sehr ernstes Stück Literatur, doch die Drehbuchschreiber ziehen das Ganze, vor allem in der ersten Hälfte, immer wieder ins Lächerliche. Einem Lacher hier und da ist man sicher nicht abgeneigt, doch hier wirkt das Geschehen manchmal wie in einer Komödie. Vor allem wenn versucht wird, die Charaktere zu vertiefen, wurden vor allem
Cruise einige belustigende Dialoge in den Mund gelegt, die bei einer so ernsten Geschichte einfach nicht passen wollen. Aber vielleicht ging das ja auch nur mir so!?
Als letztes noch ein Wort zu den Darstellern, denen es zu verdanken ist, dass das Ganze nicht sogar unter den Durchschnitt rutscht.
Tom Cruise beweist einmal mehr, dass er wirklich ein exzellenter Darsteller ist, dem es auch gelingt, blasse Figuren aufs glaubwürdige Weise herüberzubringen. Mag er privat auch noch so unerträglich sein, auf der Leinwand ist er zurecht ein Star. Dazu kommt
Dakota Fanning, die eigentlich ebenfalls mehr als überzeugt. Zwar ist sie hier mit einem wirklich grässlichen Charakter versehen worden, doch es ist absolut spürbar, dass sie dennoch ihr Bestes versucht, um ihre Figur dem Zuschauer glaubhaft rüberzubringen. Was dieses kleine, 11-jährige Mädel schon an Talent hat, haben nicht einmal einige der ganz Großen in Hollywood. Man kann nur hoffen, dass sie auch noch im Teenie- und Erwachsenenalter fürs Schauspielern eingesetzt wird, sprich: dass man sie nicht genauso absägt, wie schon so viele ihrer Vorgänger. Meinen Segen hat sie jedenfalls! Dazu dann noch ein herrlich schnoddricher
Tim Robbins und viele andere gute Darsteller!
Auch
Spielberg ist mit seinem Versuch, einen der größten Sci-Fi-Romane aller Zeiten würdig auf die Leinwand zu bringen, gescheitert. Sein
"Krieg der Welten" wurde eher zu einem Mischmasch aus positiven Filmdetails, wie der grandiosen Optik, dem brachial guten Sound sowie der allein schon dadurch entstehenden, knisternden Atmosphäre, und negativen Dinge, wie dem eher nutzlosen Skript, den blassen Figuren, dem langatmigen letzten Drittel und dem viel zu hohen Humoranteil. Freunde des Buches müssen sich jedenfalls weiterhin gedulden und alle anderen sollten ihre Erwartungen auf typische 08/15-Mainstream-Ware vom Band beschränken. Nur so bleibt eine Enttäuschungen eventuell ausgeschlossen. Für mich ist dieser
"Krieg der Welten" jedenfalls einfach zu wenig!
Wie bereits bei
"Minority Report" arbeitet
Spielberg hier zusammen mit seinem Stammkameramann
Janusz Kaminski und setzt wieder auf starke Bildverfremdungen, wodurch der HD-Transfer auf den ersten Blick nicht sonderlich toll aussieht. Das Bild ist stark überbelichtet und weist eine deutliche Körnung auf. Hinzu kommt eine extrem untersättigte Farbpalette, was für eine sehr kalte und düstere Optik sorgt. Der Kontrast überzeugt, obwohl er stilbedingt deutlich überhöht wurde und das Bild aufgrund dieser visuellen Nachbearbeitung desöfteren nötige Details in dunklen und hellen Bildbreichen verliert. Dadurch wird
"Krieg der Welten" oft sehr trist. Besonders in einigen wenigen Effektaufnahmen sieht es deutlich zu weich bzw. zu wenig detailliert aus. Alles in allem dennoch eine gute HD-Präsentation und eine immense Steigerung zur DVD-Version. Die Schärfe ist auf einem soliden Level und wird dürfen uns über einige wirklich gute Detailaufnahmen freuen. Die gute Tiefenwirkung lässt das Bild überwiegend plastisch erscheinen, erzielt aber keine herausragenden Ergebnisse. Positiv anzumerken ist vor allem der Verzicht auf Rauschfilter, wodurch das Bild zum Glück nicht "glattgebügelt" aussieht und die feine, nicht wirklich störende Korn-Struktur unangetastet bleibt. Sicherlich nicht die Präsentation, die viele erwartet hätten, doch so entspricht
"Krieg der Welten" der Vorstellung seines Regisseurs und das ist viel wert.



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Soundtechnisch geht es hier in die Vollen. Auch wenn die altbekannte 5.1-Tonspur verwendet wurde, erreicht der Mix die Spitzennote und das zu recht: Neben einem durch Mark und Bein gehenden Tiefenbass, einer Unmenge an direktionalen Effekten, z.B. wenn die Tripods die Städte zerstören, sowie eine überraschende detaillierte und hervorragend ausbalancierte Wiedergabe von Dialogen und Effekten überzeugt auch der Score von
John Williams. Dieser passt sich perfekt dem restlichen Geschehen an und sorgt für einen akustischen Hochgenuss. Der Zuschauer wird nicht zur Ruhe kommen können, denn es gibt Dynamiksprünge, brachiale Effekte und subtile Einschübe, welche ihresgleichen suchen. So macht der Weltuntergang Spaß und die stets hervorragend zu verstehende Dialoge gehen selbst in den wuchtigsten Momenten nicht unter. Der englische 5.1-Mix klingt dem deutschen sehr ähnlich, lediglich die Abmischung zwischen Musik und Dialoge klingt etwas natürlicher. Der englische DTS-HD Master 5.1 Audio Mix fällt etwas voluminöser aus, ohne im Detailbereich auch nur etwas an Qualität zu verlieren. Optional gibt es diverse Untertitel.
Das Bonusmaterial wurde komplett von der DVD-Version übernommen und liegt dementsprechend in Standard Definition vor. Den Anfang macht das 8minütige
"Ein neuer Blick auf die Invasion", in welchem Regisseur
Steven Spielberg über die Umsetzung spricht und was ihn zu dieser Neuverfilmung bewegt hat. Wir bekommen immer wieder Ausschnitte des
Originals eingeblendet, sowie Setaufnahmen des Remakes. Unter
"Steven Spielberg und der ursprüngliche Krieg der Welten" befindet sich ein weiterer Set-Besuch, der mit einer Laufzeit von 8 Minuten aber nicht sonderlich lang ausgefallen ist und in dem übermäßig viel Selbstbeweihräucherungen seitens der Filmemacher im Spiel ist. Zudem kommt der Hauptdarsteller des Originals zu Wort. In
"Charaktere: Die Familie" strotzt es 13 Minuten ebenfalls nur so vor Lobhudeleien. Nebenbei gehen die Macher und Darsteller näher auf die Familiensituation der einzelnen Figuren ein. In
"H.G. Wells – Die Legende" werden die Nachkommen des weltberühmten Autors am Set des Remakes begrüßt und dürfen über das Leben von
H.G. Wells erzählen. Hätte sicherlich interessant werden können, doch bei 7 Minuten bleibt kein Platz für Tiefgang.
Interessanter ist das 8minütige
"Previsualisierung", in welchem dem Zuschauer erklärt wird, warum die Vorab-Animationen so wichtig waren. Hinzu kommt ein direkter Vergleich mit einigen fertigen Sequenzen. Wirklich toll sind die 4teiligen
"Produktions-Tagebücher", welche mit einer Laufzeit von 93 Minuten einen extrem umfangreichem Einblick in die komplette Entstehung des Film aufzeigen. Es werden komplette Arbeitsprozess durchleuchtet, Macher und Darsteller interviewt und trotz viel Eigenlobs steht der Informationsgehalt an erster Stelle. Die nachfolgende Dokumentation läuft zwar nur 14 Minuten ist aber nicht minder interessant und informativ:
"Das Design des Feindes – Tripods und Aliens" zeigt die Entstehung der Aliens und der Tripods, von der ersten Konzeptzeichnung bis hin zu fertigen Animationen, während
"Das Scoring von Krieg der Welten" in rund 12 Minuten die Entstehung der Filmmusik und der Soundeffekte abhandelt.
Im unnötigen
"Wir sind nicht allein" darf das Filmteam noch einmal ein Lobgesang auf den Film loswerden, was zum Glück die Vier-Minuten-Grenze nicht sprengt. Die
Bildergalerie mit Set-Fotos, Produktion-Fotos, Zeichnungen und Kostümbildern liegt ebenso wie der
Teaser in HD vor. Weitere Trailer vom Film sucht man allerdings vergebens. Die Blu-ray wird mit einem FSK-Wendecover ausgeliefert. Sämtliches Bonusmaterial kann bei Bedarf mit Untertiteln versehen werden.
Weitgehend ordentliche, wenn auch nicht perfekte Umsetzung von
Spielbergs Remake. Das Bild mag der Vision des Regisseurs entsprechen, HD-Fans dürfte es allerdings zu künstlich aussehen. Der Ton ist bombastisch und beim Bonusmaterial übernahm man zumindest das gesamte Material der DVD-Version. Sicherlich nicht
Spielbergs bester Film, für ein wuchtigen Heimkinoabend sollte es jedoch reichen.