USA 1984
Originaltitel:Dune
Alternativtitel:Wüstenplanet, Der
Länge:136:18 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:David Lynch
Buch:David Lynch
Kamera:Freddie Francis
Musik:Toto
SFX:Steve Humphrey
Darsteller:Francesca Annis, Leonardo Cimino, Brad Dourif, José Ferrer, Linda Hunt, Freddie Jones, Richard Jordan, Kyle MacLachlan, Virginia Madsen, Silvana Mangano, Everett McGill, Sting, Jürgen Prochnow, Patrick Stewart, Dean Stockwell, Max von Sydow, Sean Young, Judd Omen, Kenneth McMillan, Jack Nance, Siân Phillips, Paul L. Smith, Alicia Witt, Danny Corkill, Honorato Magaloni, Molly Wryn, Angélica Aragón, Miguel Cane, Humberto Elizondo, Ernesto Laguardia, David Lynch, Ramón Menéndez, Claudia Ramírez, Julieta Rosen, Margarita Sanz, Jacqueline Voltaire
Vertrieb:Savoy Film / Marketing Film / Sunfilm
Norm:1080p / AVC MPEG-4
Medium:BD-25
Regionalcode:B
Bildformat:2,35:1
Tonformat:Linear PCM Stereo 2.0 (dt., engl.), DTS-HD Master Audio 5.1 (engl.)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:-
Verpackung:SeastoneCase mit Schuber
Blu-ray-Start:05.12.2008 (Kauf)
Das Jahr 10191. Der Planet Arrakis ist der einzige Ort im bekannten Universum, auf dem Spice gewonnen werden kann, die einzige Substanz, die Raumfahrt zwischen den Galaxien möglich macht. Als die Herrschaft über den Planeten an den Herzog des Hauses Atreides fällt, wittert dessen Erzfeind, Baron Harkonnen, eine Chance. Mit einem kurzen Eroberungskrieg reißt er den Planeten an sich. Doch der Sohn des Herzogs hat überlebt. Und sinnt auf Rache.
Das Projekt
"Dune" ist eins der kompliziertesten der Filmgeschichte. Die Realisation kippte und begann aufs Neue seit den frühen 70er Jahren, und Regisseure wie
Alejandro Jodorowsky und
Ridley Scott betreuten bereits die Verfilmung von
Frank Herberts Romanklassiker. Doch aus Liebe zu seiner Tochter
Rebecca ließ
Dino DeLaurentiis von seinem Vorhaben,
"Dune" auf die Leinwand zu bringen, nicht ab.
1984 ist es dann geschehen.
"Dune", ein 137 Minütiger, 45 Millionen Dollar verschlingender Film, gedreht von
David Lynch, startet unter den Erwartungen an den Kinokassen. Wenn man sich die Grundvorrausetzungen für diesen Film ansieht, dann kann man eigentlich nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Vor zwei Jahren tobten noch pelzige Knuddelviecher in dem dritten
"Star Wars"-Teil zwischen Jedis und Atemmasken-Bösewichten herum - und setzten damit die Referenz in Science-Fiction-Gute-nacht-Geschichten fest. Intellektuell muss sich jeder Weltall-orientierte Film an
Kubricks Geniestreich
"2001" messen, und
Frank Herberts Geschichte geht genau den Mittelweg zwischen mythischer Märchenhaftigkeit und verkopften Hippiephilosophien.
Die Story, die in
Herberts Roman
"Der Wüstenplanet" erzählt wird, ist gigantisch. Detailreich, verzaubernd und von monströsen Ausmaßen. Wer zwischen "Gom Jabar" und "Kwisatz Haderach" noch durchblicken möchte, der muss sich durch einen mehrere hundert Seiten fassenden Appendix wühlen -
Herbert erzählte nicht nur schlicht eine Geschichte; nein, er erschuf ein gesamtes, ökologisch und ökonomisch durchdachtes Universum. Um so etwas adäquat auf die Leinwand zu zaubern, vermag es schon einen wirklich talentierten Regisseur.
David Lynch, der zuvor mit
"Eraserhead" und
"Der Elefantenmensch" bewies, dass er ein großartiges, filmisches Händchen für visuelles Grauen und große Dramatik hatte, sollte den Drahtseilakt zwischen kompaktem Science-Fiction-Entertainment und Roman-getreue, dem Fandom entsprechende Verbundenheit zu all den philosophischen und intellektuellen Aspekten
Herberts, meistern. Den fertigen Film an dem Buch zu messen, wäre sinnlos. Zwei völlig anders funktionierende Medien miteinander zu vergleichen, ist wie die oft bemühte Metapher mit den Äpfeln und den Birnen. Viel eher sollte man
"Dune" als reinen Science-Fiction-Film in sich aufnehmen und rezipieren.
Was haben wir da also? Eine Menge guter Darsteller.
Kyle MacLachlan macht seine Rolle als Sci-Fi-Messias ganz gut, während
Prochnow und
Stewart doch eher fehlbesetzt wirken.
McMillan,
Dourif,
Stockwell und
Jones sind noch die besten Lichtblicke in dem Star-Gerangel, in dem glanzvolle Namen wie
Linda Hunt,
Max von Sydow und
Virgina Madsen leicht untergehen zu scheinen. Im Buch sind Figuren wie Shadout Mapes vielleicht unglaublich wichtige Charaktere, aber die zwei, drei Szenen, in denen
Linda Hunt, wohl nicht wegen ihres schauspielerischen Könnens gecastet, sondern eher wegen der raren Verbindung eines wohlklingenden, bekannten Darstellernamens und ihrer physischen Besonderheit, Unheil in Sprache und Mimik verspricht, kommen ihrem Können einfach nicht nach.
Storytechnisch scheint sich
Lynch besonders in der ersten Hälfte ungemein viel Zeit zu lassen. Relativ werkgetreu lässt er das erste Viertel des Romanes sich filmisch entfalten. Als hätte er alle Zeit der Welt, führt er die unüberschaubare Vielzahl an Figuren ein, deren alleinige Präsenz schon ein wiederholtes Anschauen rechtfertigen würden. Langsam erzählt er die Geschichte des Hauses Atreides, das dem Imperator der bekannten Galaxis zu groß, zu einflussreich wird. So schickt er die auf dem Wasserplaneten Caladan lebenden Atreides in eine höllische Falle. Auf dem Planeten Arrakis, dem titelgebenden Wüstenplaneten, sollen die Atreides die Kontrolle über die Spice-Melange erhalten, die bewusstseinserweiternd wirkt und die Raumfahrt revolutioniert hat, und darin die bisher herrschenden Harkonnen ablösen.
Lynch lässt seinen Figuren Raum und Platz, sich zu entwickeln, natürlich mit besonderer Aufmerksamkeit bezüglich Paul Atreides (
MacLachlan).
Alles scheint sorgfältig produziert und geplant, jede Szene stimmt bis ins kleinste Detail. Doch nach dem Einfall der Harkonnen auf Arrakis, also mit dem Beginn des Kapitels der Konfrontation der Fremen mit Muad'Dib Paul, verliert der Film an Konzentration. Die Regie wird fahriger, das Tempo wird plötzlich unerhört erhöht. Ehe man sich versieht, wird man Zeuge des Finales in dem Thronraum, und es kommt zu dem berühmten Duell zwischen Paul und Feyd-Rautha (
Sting). In dieser letzten Hälfte von
"Dune" weicht die Geschichte, die
Lynch uns da erzählt, öfter von dem Buch ab, ganze Dialogzeilen wirken nur wie ein billiger Abklatsch dessen, was
Herbert einst zu Papier brachte, und Dinge werden hinzugedichtet, die in dem mystischen
"Dune"-Universum fehl am Platze sind.
Eingelullt werden die Zuschauer von all der visuellen Kraft, die
Lynch hier entwickelt. Die Kulissen, die Kreaturen, die Effekte, einfach alles scheint auf brillante Weise durchkonzeptioniert zu sein - und das alles funktioniert auch auf der Leinwand auf faszinierende Weise. Die massiven, gigantischen Sandwürmer sehen einfach Ehrfurcht gebietend aus, wenn sie in ihrer eigenen Trägheit auf eigentümlich-majestätische Art und Weise in den aufwirbelnden Sand fallen und ihr riesiges Maul öffnen. Oder auch die Inneren Kammern der Atreides sind voller kleiner, wichtiger Details, die
"Dune" zu einem optischen Genuss machen. Auch die kurzen, aber prägnanten Szenen, die Pauls Visionen darstellen, sehen eindeutig, in ihrer bizarren Symbolik nach der Handschrift des
David Lynch aus.
"Dune" ist ein formalästhetisch hochinteressanter Film. Der enorme finanzielle und menschliche Aufwand, der betrieben wurde, um
"Dune" zu einem derart feinen, visuellen Erlebnis zu machen, sind schier unbeschreiblich. Jedoch krankt
Lynchs Regie arg an der Herausforderung einen Roman dieses Ausmaßes. Viele Ideen, wie zum Beispiel die Gedanken der Schauspieler per Off-Kommentar beizufügen, sind zum Scheitern verurteilt.
Wo
Lynch die Techniken des Mediums Film einsetzt, so zum Beispiel die bereits erwähnte, exquisite Optik, oder die schöne, breite Musik Totos, gibt es Pluspunkte, wo er jedoch die Ureigenschaften des geschrieben Wortes, des Romans, wie zum Beispiel bei der Adaption in ein funktionierendes, durch angenehme Spannungsbögen veredeltes Drehbuch, angeht, scheitert er gewaltig. So bleibt
"Dune" als ein exemplarisches, warnendes Beispiel dafür, wie man sich an einem brockenschweren, bedeutungsschwangeren Wälzer wie
Frank Herberts "Dune" verheben kann.
Marketing Film liefert mit ihrer Veröffentlichung von
"Dune – Der Wüstenplanet" zwar keine Referenzscheibe ab, doch das vielfach erwähnte, hochskalierte SD-Material ist es auch nicht. Das Bild ist deutlich besser als die DVD-Version und darf trotz kleinerer Mängel für "Wow-Effekt" sorgen.
Der Schärfegrad ist teilweise extrem hoch und offenbart eine Menge Details, die zuvor nur erahnt werden konnten. Feine Strukturen auf Kleidungen, Personen und Gegenständen im Hintergrund werden äußerst detailliert und scharf dargestellt. In Nahaufnahmen von Gesichtern lassen sich die Poren zählen und Make Up-Effekte sind als solche deutlicher zu erkennen. Das Ergebnis ist wirklich traumhaft, zumindest in diesem Bereich. Dass dieses Niveau nicht durchweg gehalten werden kann, sollte jedem klar sein.
"Dune" hat bereits einige Jahre hinter sich, zeigt also auch einige Schwächen bzw. Alterserscheinungen, wie die immer mal wieder auftauchenden, weichem Einstellungen mit ihrem durchschnittlichen Schärfegrad. Das ist meisten bei Effekt- bzw. Matte-Shots der Fall, welche auf Blu-ray mehr auffallen als auf DVD. Analoge Defekte und Schmutz sind selten auszumachen und auch der Bildstand ist sehr ruhig ausgefallen. Auch wenn das Bild nun besser als erwartet ausfällt, trüben einige Mängel den Sehgenusss ungemein. Das beginnt beim wechselhaften Kontrastverhältnis, welches an vielen Stellen deutlich überhöht wurde und somit zu Überstrahlungen führen kann. Zudem säuft das Bild in dunklen Bildbereichen immer wieder im tiefen Schwarz ab und lässt viele Details missen. Die teilweise gut sichtbaren, stehenden Rauschmuster auf homogenen Flächen sorgen zusammen mit dezenter Artefaktebildung auch für etwas Unruhe. Die typischen Körnung des Bildmaterials stört kaum, die Wüstensequenzen enthalten jedoch viele sehr unscharfe Einstellungen, die möglicherweise produktionsbedingt sind. Die Farbdarstellung ist hingegen gut gelungen und zeigt natürliche und weitgehend kräftige Farben.
Insgesamt ist der in AVC kodierte Transfer an einigen Stellen verschlimmbessert, was ihn durchaus verbesserungswürdig macht. Vor allem sei die Frage erlaubt, warum der Film nur auf eine BD-25 gepresst wurde und mit einer durchschnittlichen Bitrate von 13-20 Mbit haushalten muss, während ausländische Veröffentlichungen mit 20-25 Mbit aufwarten?
Der deutsche Ton liegt lediglich in Dolby Digital 2.0 vor und man kann von Glück sagen, dass
Marketing Film auf einen 5.1-Upmix verzichtete. Die Dialoge sind allerdings gut zu verstehen und es gibt keine Störungen oder Hintergrundrauschen. Der Bass sollte noch etwas kräftiger sein, bekommt allerdings in den Sequenzen mit den Sandwürmern schon ein wenig zu tun. Ansonsten ein guter Mix mit einer klaren Musikwiedergabe. Das englischsprachige 5.1-Original bietet etwas mehr Raumklang, sowie saubere und klarere Dialoge. Insgesamt eine gute Tonspur, welche allerdings nicht detaillierter klingt.
Die Blu-ray selbst enthält keinerlei Bonusmaterial. Dafür liegt der Edition, die es mittlerweile in verschiedenen Ausführungen gibt (SeastoneCase, SeastoneCase mit Schuber, DigiPack), die bereits bei
"Dune"-Fans bekannte Bonus-DVD der DVD-Edition bei. Diese bietet weitgehend Texttafeln mit Hintergrundinformationen zum "Dune"-Universum. Es gibt
Biografien der Darsteller,
Cast & Crew-Übersichten,
Zitate aus dem Film, sowie eine
Fotogalerie. Das 12minütige
"Making of" welches für die DVD produziert wurde, besteht weitgehend aus Bildmaterial, während ein Sprecher Hintergründe zur Entstehung des Films vorliest. Interessant sind auf jedenfall die
zusätzlichen Szenen der TV-Fassung, welche in schlechter Qualität, dafür deutsch untertitelt vorliegen und eine Gesamtspielzeit von über 50 Minuten ausmachen.
Der Rest ist sicherlich nicht uninteressant, wenn man viel Lesen und Hören will. Es gibt Ausschnitte aus dem
Original-Sountrack, sowie zwei durch
"Dune" inspirierte Lieder von
Iron Maiden und
Blind Guardian inklusive Songtexte. Wir erfahren mehr über das
Drehbuch, den
zeitlichen Rahmen, sowie die gescheiterten Versuche, z.B. der
Jodrowsky-Version, bei der
Gigers Meinung zu
Jodorowsky nicht fehlen darf. Es gibt ein paar witzige
Patzer vom Dreh, ein Dune-
Lexikon, den
Stammbaum der Atreiden und mehrere Texttafeln zum Autor
Frank Herbert zu beschauen. Interessant sind auch die Skizzen zum nie entstandenen
Themenpark. Unter
Kochen mit Spice werden fünf köstliche Rezepte mit Spice-Zusatz vorgestellt, bevor der Zuschauer abschließend der Restauration der damaligen DVD-Edition beiwohnen darf. Sicherlich liebevoll aufbereitetes Bonusmaterial, bei dem man sich allerdings durch viele Texttafeln kämpfen muss, was mit der Zeit ein wenig anstrengend wird.
Über die technische Umsetzung der Blu-ray lässt sich streiten, denn Fans des Films sind kaum zufrieden zu stellen. Allerdings ist das Ergebnis durchweg sehenswert und das Beiliegen der Bonus-DVD besser als nichts. Ob es irgendwann einmal eine komplett restaurierte, neu bearbeitete Fassung mit exklusiven Bonusmaterial geben wird, darf bezweifelt werden. So kann man erstmal zufrieden sein, vor allem weil die Blu-ray mittlerweile sehr günstig zu bekommen ist.