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USA 2008
Originaltitel:Doubt
Länge:103:54 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 6 Jahre
Regie:John Patrick Shanley
Buch:John Patrick Shanley
Kamera:Roger Deakins
Musik:Howard Shore
SFX:Devin Maggio
Darsteller:Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Viola Davis, Alice Drummond, Audrie J. Neenan, Susan Blommaert, Carrie Preston, John Costelloe, Lloyd Clay Brown, Joseph Foster, Bridget Megan Clark
Vertrieb:Buena Vista / Miramax / Disney
Norm:1080p / AVC MPEG-4
Medium:BD-50
Regionalcode:B, C
Bildformat:1,85:1
Tonformat:DTS 5.1 (dt.,ital.), DTS-HD 5.1 (engl.), Dolby Digital 5.1 (poln., rus.)
Sprache:Deutsch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Russisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Ukrainisch
Verpackung:SeastoneCase
Blu-ray-Start:16.07.2009 (Kauf)
Bonus:
  • Trailershow bei Disc-Start:
    • Selbst ist die Braut (2:34 Min., 1080p)
    • Magic Disney Trailer bei (0:52 Min., 1080p)
  • Audiokommentar mit dem Regisseur/Autor John Patrick Shanley
  • Von der Bühne auf die Leinwand (19:06 Min., 1080p)
  • Die Filmmusik von Glaubensfrage (4:37 Min., 1080p)
  • Die Besetzung von Glaubensfrage (13:50 Min., 1080p)
  • Die Barmherzigen Schwestern (6:28 Min., 1080p)
1964, St. Nicholas in der Bronx. Der charismatische Priester Pater Flynn versucht die strengen Sitten einer katholischen Schule auf den Kopf zu stellen, die mit eiserner Hand von Schwester Aloysius Beauvier geführt wird. Die herrische Direktorin glaubt an die Macht der Furcht und schüchtert sowohl Schüler als auch Schwestern durch harte Disziplin ein. Als die Schule ihren ersten schwarzen Schüler Donald Miller aufnimmt, berichtet die hoffnungsvoll-naive Schwester James, dass Pater Flynn diesem zu viel private Aufmerksamkeit widmet. Sofort startet Schwester Aloysius einen Kreuzzug, um die Wahrheit herauszufinden und Flynn von der Schule zu vertreiben. Ohne jeglichen Beweis und nur mit ihrer moralischen Sicherheit gewappnet, verstrickt sie sich in einen Glaubenskampf mit verheerenden Konsequenzen ...
Gutes Oscar-Material ist rar in der modernen Zeit - der Einfachheit halber setzen die großen Studios meistens auf einen bis zwei spezielle Filme, die gesondert gefördert und beworben werden und wenn es denn Prestigeprojekte sind, die kontrovers diskutiert werden können, während die Darsteller darin sich profilieren können, dann darf es auch ruhig ein sperriges Thema sein. Und so vertraute man John Patrick Shanley, bisher eigentlich eher Drehbuchautor dann doch an, sein eigenes erfolgreiches Theaterstück auf Film zu bannen, da er bei einem Beinahe-Kammerstück mit eigentlich nur vier richtigen Rollen auf engstem Raum wohl nicht viel falsch machen konnte. "Doubt" (also "Zweifel") bietet dann auch mit einer Kontroverse bezüglich des Katholizismus, seiner Hierarchie und seinen Regeln und Geboten den Darstellern eine Menge, weswegen sich namhafte Gesichter in Gestalt von Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman fanden, unterstützt durch Amy Adams für eine eher anspruchslos-naive Nebenrolle. Das zeigt schon, dass hier auf Awards spekuliert wurde und die Fokussierung auf die Figuren und ihr religiöses und moralisches Dilemma funktioniert bei "Glaubensfrage" hervorragend.


So treffen im Jahr 1964, in einer Zeit vieler Um- und Aufbrüche, der neuen Aufklärung und gefallener Tabus in einer katholischen Grundschule eine konservativ geprägte Nonne (Streep) und ein tendenziell eher aufgeklärter Pater (Hoffman) aufeinander. Sie lehnt Neuerungen und Öffnung von festgefahrenen Ansichten und Verhaltensweisen strikt ab, während er sie zwar nicht umarmt, aber doch fördert. Das führt dazu, dass er im Falle eines Schülers, der auch noch der erste farbige Schüler der Schule ist, baldigst unter Generalverdacht des Kindesmissbrauchs fällt - offenbar ein Thema, dessen sich die Kirche mehr als bewusst ist, wie an Schwester Aloysius schneller Überzeugung der Umstände abzusehen ist. Ohne zu hinterfragen und unter Berufung auf ihre Menschenkenntnis wird Flynn moralisch verurteilt.
Behindernd wirken sich dabei einzelne Verhaltensweisen aus, die die katholische Kirche verinnerlicht hat, sei es die strikte Trennung von Männern und Frauen und damit auch die der Kompetenzen, sowie die Pflicht und Aufgabe, das von Anderen ihnen Anvertraute schützen zu müssen. Alt kämpft hier symbolisch gegen Neu, verkrustete Strukturen gegen weltliche Öffnung und Vorurteil gegen Aufklärung - denn letztendlich handelt es sich nicht um einen Fall von Kindesmissbrauch, sondern um ein anderes schwerwiegendes Thema, an dem die Kirche bis heute scheitert.


Im Laufe des Films erweist sich der Fall als immer komplizierter und vielschichter, als auch noch der Standpunkt der Eltern des Jungen hinein spielt, der mit "ungewöhnlich" sehr zahm beschrieben ist und von der Mutter in einer längeren Dialogszene mit erschütternder Offenheit vertreten wird: Hier wird ein Übel gegen das andere abgewogen, das größere Wohl soll den Vorzug erhalten oder das kleinere Übel, doch das verlangt einen moralischen Bocksprung, der nicht von allen vollzogen werden kann.


"Glaubensfrage" ist und bleibt, auf der Bühne mit Sicherheit ein packendes und sehr vielschichtiges Stück, das diskutiert werden soll und wird, zeitlos in seinem Thema. Doch als Film wirkt das alles ein wenig zu sehr auf den Punkt bemüht, die Umbruchmetaphern sind allzu plakativ in die Handlung integriert und zu viele Kontroversen scheinen sich gegenseitig zu erschlagen, ohne zu einem befriedigenden Ende geführt zu werden. Darüber hinaus scheint in der heutigen Zeit das eher brandaktuelle Thema des Schutzbefohlenenmissbrauchs durch katholische Priester ein wichtigeres Sujet zu sein, das hier allerdings nur eine Randfunktion einnimmt. Vielmehr spekuliert man auf Innensicht der Figuren, die aber lediglich die verschiedenen Positionen darstellen, die sie einnehmen. So mahnt "Doubt" an und verdammt nicht, sondern weist auf immer noch bestehende Probleme hin, die in diesen Tagen in der Papstdiskussion durchaus ein gewisses Echo finden. Aber die betonte Federführung hindert den Film auch in seinen Möglichkeiten: Zu sehr wird hier mit bekannten Darstellern das Schauspielerkino betont, Streep arbeitet so hart, dass es fast schon übertrieben in Mimik und Umständlichkeit wirkt, beinahe konstruiert lebensecht und Hoffman steht lange Zeit der Missbrauchsvorwurf im Weg, der so dezent und vielbildrig angedeutet wird, dass hinter dem möglichen Verbrechen der Charakter des Mannes lange Zeit zurückstehen muss. Dass es dann um die schiere Entlarvung gehen sollte, wäre schlussendlich zu einfach, weswegen die eigentliche Lösung für Knobler eine lösbare ist. Dennoch: Die sich selbst feiernde Inszenierung steht den Themen ganz leicht selbst im Weg und obwohl 104 Minuten die ganzen Streitpunkte gar nicht abarbeiten können, wirkt der Film zu lang, zu zäh, zu bewusst auf ein Thema hinarbeitend, um dann die volle Aufmerksamkeit auf andere Kontroversen noch lenken zu können.


Sicherlich, es ist großes Schauspielerkino, aber auch offensichtlich ein definitives Nischenprodukt, das man eben nur wegen der möglichen Auszeichnungen so protegiert hat - was im Umkehrschluss nun auch wieder nicht das Schlechteste sein muss, da gehaltvolle Filme ja eher die Ausnahme sind. "Doubt" verlangt enorm viel Aufmerksamkeit und ist eigentlich nur für Zuschauer geeignet, die den Unterhaltungsanspruch mit Inhalt oder diskutablem Niveau gleichsetzen, auf dass man hinterher bei einem Glas Wein oder Bier sich darüber die Köpfe heiß reden kann. Alle übrigen werden das Thema dermaßen ernüchternd finden, dass sie ihr Geld lieber anderswo zu Markte tragen.


"There is no evidence. There are no witnesses. But for one, there is no doubt."

Zeitgleich zur DVD-Version veröffentlicht Disney den mehrfach Oscar-nominierte Film auch auf Blu-ray. Zu kritisieren gibt es kaum etwas, denn das Bild erfreut sich einer sehr guten Schärfe mit einer guten Detailwiedergabe. Egal ob in Totalen oder in Close-Ups, die Bildpräsentation ist stets auf einem hohen Niveau, wirkt sehr plastisch und erzielt eine gute Tiefenwirkung. Auch der Kontrast überzeugt durchweg und bietet ein satten Schwarzwert. Es gibt zwar Szenen, in denen kleinere Details in dunklen Bildbereichen untergehen, dies geschieht aber eher selten. Desweiteren überzeugt die Farbdarstellung mit sehr natürlichen, wenn auch leicht monotone Farben, welche der visuellen Umsetzung des Filmes zugute kommen. Das in AVC kodierte Bild zeigt sich zudem frei von Rauschen oder Körnung und es lassen sich weder Schmutz, noch Defekte ausmachen. Die Kompression überzeugt ausnahmslos und es gibt keinerlei Bildunruhen, was bei einem aktuellen Film auch nicht anderes zu erwarten war. Lediglich leichte Doppelkonturen fallen in einigen Szenen auf. Ob dies stört, sollte jeder für sich entscheiden.
Bei der Tonabmischung sollte man nicht all zuviel erwarten, schließlich bekommen wir es hier mit einem Kammerspiel ähnlichen, sehr dialoglastigen Film zu tun. Die Sprache wurde gut ausbalanciert abgemischt und ist stets klar und sauber verständlich. Die restliche Geräuschkulisse wurde kommt sehr differenziert und feingliedrig aus den Lautsprechern, wobei der englische DTS-HD Master-Mix nochmals etwas detaillierter klingt, sich beide Tonspuren vom Prinzip her aber kaum unterscheiden. Der Score sorgt für etwas Räumlichkeit und trotz aller Frontlastigkeit gibt es kleiner Effekte, welche ihre Wirkung aber nicht verfehlen, sei es der Hall in der Kirche oder die Gewitter-Sequenz, bei der Bass ordentlich was zu tun bekommt. Für ein Drama eine wirklich gute Abmischung.


(Klickt auf die einzelnen Bilder um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)
Alle Bilder sind Eigentum von Disney


Beim Bonusmaterial wurden sämtliche Extras deutsch untertitelt und liegen in High Definition vor. Am interessantesten ist auf jedenfall der Audiokommentar mit Regisseur John Patrick Shanley, der uns einiges an Hintergrundinformationen zu Entstehung von "Glaubensfrage" erzählt, dabei natürlich wichtige Aspekte wie Kulissen, Inszenierung, Drehbuch und Darsteller mit einbezieht und auch über die Umsetzung vom Bühnenstück zum Kinofilm spricht. Letzteres ist auch beim 19minütigen Making of ein wichtiges Thema: Dieses besteht aus einer sehr sehenswerten Diskussionsrunde mit den Darstellern und den Machern des Filmes, welche über die Entstehung von "Glaubensfrage" sprechen und dabei die wahren Ereignisse aufgreifen. Desweiteren beinhaltet das Making of noch Produktionsfotos und Aufnahmen von den Dreharbeiten. "Die Besetzung von Glaubensfrage" ist ein weitere Dokumentation mit einer Laufzeit von knapp 14 Minuten, bei der die vier Hauptdarsteller zu einer Diskussionsrunde von EW.com geladen wurden und über den Film sprechen. Das gilt natürlich der Werbung, ist aber dennoch sehenswert. In einem anderen, 5minütigen Bericht spricht Komponist Howard Shore über seinen Filmmusik. Zudem bekommen wir einen leider zu kurzen Einblick ins Tonstudio. Um sich auf den Film vorzubereiten, unterhielt sich Regisseur John Patrick Shanley mit echten Nonnen, was wir im 6minütigen "Die barmherzigen Schwestern" zu sehen bekommen. Ansonsten gibt es noch eine kleine Disney-Trailershow. Eine BD-Live-Funktion enthält die Disc nicht.


Mit "Glaubensfrage" veröffentlicht Disney einen Film, der, wenn man sich als Zuschauer drauf einlässt, äußerst nahe geht und dann nachhaltig wirkt. Technisch wird uns eine einwandfreie Blu-ray präsentiert, zu der es leider kein FSK-Wendecover gibt.


Film++++/-
Bild+++++/
Ton++++--
Bonus++/---


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