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D 2008
Originaltitel:Baader Meinhof Komplex, Der
Alternativtitel:Baader Meinhof Complex, The
Länge:149:35 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Uli Edel
Buch:Stefan Aust, Uli Edel, Bernd Eichinger
Kamera:Rainer Klausmann
Musik:Peter Hinderthür, Florian Tessloff
SFX:Uli Nefzer
Darsteller:Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch
Vertrieb:Constantin Film / Highlight Film
Norm:1080p / AVC MPEG-4
Medium:BD-50
Regionalcode:B
Bildformat:1,78:1
Tonformat:DTS-HD High Resolution 5.1
Sprache:Deutsch
Untertitel:Deutsch für Hörgeschädigte
Verpackung:SeastoneCase
Blu-ray-Start:05.03.2009 (Verleih) / 12.03.2009 (Kauf)
Bonus:
  • Kapiteleinleger (2seitig)
  • Programmvorschau bei Disc-Start "Der Untergang" (2:41 Min., 1080p)
  • Audiodeskription für Sehbehinderte (Dolby Digital 2.0 Stereo)
  • Audiokommentar Uli Edel
  • Die Entstehung des Films (28:35 Min., 1080p)
  • Über Uli Edel (13:01 Min., 1080p)
  • Über Authentizität (20:43 Min., 1080p)
  • Die Musik (11:59 Min., 1080p)
  • Die Schauspieler und ihre Rollen (37:54 Min., 1080p)
  • Stefan Aust über die RAF und ihre Zeit (41:45 Min., 1080p)
  • Bernd Eichinger über die Annährung an den Film und die 60er und 70er Jahre (14:51 Min., 1080p)
  • Bernd Eichinger über die Dramaturgie des Films (10:22 Min., 1080p)
  • Darstellerinfos:
    • Moritz Bleibtreu (Andreas Baader)
    • Martina Gedeck (Ulrike Meinhof)
    • Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin)
    • Nadja Uhl (Brigitte Mohnhaupt)
    • Bruno Ganz (Horst Herold)
  • DVD-Empfehlung: "Das Parfum" (2:51 Min., 1080p)
  • Trailershow:
    • Die Welle (2:19 Min., 1080p)
    • Anonyma (2:28 Min., 1080p)
    • Das Geisterhaus (2:32 Min., 1080p)
    • Alexander (1:47 Min., 1080p)
Deutschland in den 70ern. Andreas Baader, die ehemalige Starkolumnistin Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, kämpfen gegen das, was sie als das neue Gesicht des Faschismus begreifen: die US-amerikanische Politik in Vietnam, im Nahen Osten und in der Dritten Welt, die von führenden Köpfen der deutschen Politik, Justiz und Industrie unterstützt wird.
Die von Baader, Meinhof und Ensslin gegründete Rote Armee Fraktion hat der Bundesrepublik Deutschland den Krieg erklärt. Es gibt Tote und Verletzte, die Situation eskaliert, und die noch junge Demokratie wird in ihren Grundfesten erschüttert. Der Mann, der die Taten der Terroristen zwar nicht billigt, aber dennoch zu verstehen versucht, ist auch ihr Jäger: der Leiter des Bundeskriminalamts Horst Herold. Obwohl er große Fahndungserfolge verbucht, ist er sich bewusst, dass die Polizei allein die Spirale der Gewalt nicht aufhalten kann.
Der Film "Der Baader Meinhof Komplex", der im Selbstverständnis seiner Macher ein neues Kapitel in der Rezeption der RAF-Vergangenheit begründen sollte, sorgte bekanntermaßen schon vor seinem offiziellem Start an den Kinokassen für aufgeregte Diskussionen. Dies lag ohne Zweifel auf der einen Seite an der repressiven Vorgehensweise von Produzent Bernd Eichinger und der Constantin, den Film der Presse vorab nur unter Bedingungen zu zeigen, die jede inhaltliche journalistische Vorabberichtung unter Strafe stellte. Warum sich Eichinger zu diesem Schritt entschied, das dürfte nunmehr eigentlich Jedem nach Sichtung des Films klar sein, stellt "Der Baader Meinhof Komplex" doch in der Summe nicht den erhofften großen Film dar, als der er im Vorfeld von einzelnen Medien, so eben auch vor allem vom SPIEGEL (!), kolportiert worden ist, sondern vielmehr eine ziemliche Enttäuschung. Doch auch eine cineastische Enttäuschung kann auf der anderen Seite ohne Weiteres kontroverse Debatten auslösen, wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat.
Die Witwe des von der RAF ermordeten Bankiers Jügen Ponto gab unlängst aus Protest gegen den Film ihr Bundesverdienstkreuz zurück. In der ARD-Sendung "Anne Will" bemängelte Clais von Mirbach, der Sohn des 1975 in Stochholm ermordeten Miiliärattaché Andres von Mirbach, die Darstellung der RAF-Opfer im Eichinger-Film als "Schießbudenfiguren, die man wegmäht". In derselben Sendung machte Hans-Jochen Vogel, seinerzeit Justizminister unter Helmut Schmidt, seinen Unmut darüber Luft, das der Rechtsstaat im Film nur eine untergeordnete Rolle spiele, beziehungsweise in einem einseitig negativen Licht gezeichnet werden würde.
Nun stellt es ohnehin ein nicht unwesentliches Problem da, wenn ein historisch sensibles Thema im Film seine Rezeption erfährt, gerade wenn diese Ereignisse noch nicht sonderlich lange in der Vergangenheit liegen und die Beteiligten und Zeitzeugen zum Teil noch am Leben sind und ihre eigene Geschichte in einem Unterhaltungsfilm auf der großen Leinwand erleben müssen. Aus diesem Grund erscheint es doch sehr grenzwertig, wenn DIE ZEIT den Film vom damaligen Innenminister Gerhart Baum rezensieren lässt, der auf Grund seiner persönlichen Involviertheit in die vergangenen Ereignisse nur schwerlich objektiv sein kann.


Fürwahr, es war ein sehr ambitioniertes und mutiges Projekt, den gleichnamigen Besteller von Stefan Aust zu verfilmen, der, mittlerweile auf mehr als 900 Seiten angewachsen, gemeinhin (noch) als Referenz-Werk zur Geschichte der RAF gilt. Und so haben die Macher, gerade auch Aust selbst, immer wieder ventiliert, dass der Film in seinen knapp zweieinhalb Stunden nur einige wenige, ausgewählte Aspekte würde thematisieren können. Diese Einschränkung, die Fokussierung auf einen Teil-Aspekt ist ohne Zweifel ebenso legitim wie sinnvoll. Auch den Anspruch, die RAF ein weiteres Mal aus Sicht der Täter zu zeigen, ist zuvorderst nicht zu kritisieren (Auch wenn mit der gewählten Perspektive die Rolle des Staates leider doch sehr in den Hintergrund gedrängt wird, und nur durch die Rolle von Horst Herold, verkörpert durch Bruno Ganz, eine Stimme erhält).
Zu bemängeln ist vielmehr das, was letztendlich aus diesem Projekt geworden ist: In der Summe ist "Der Baader Meinhof Komplex" nicht mehr geworden als eine stete Aneinanderreihung von historischen Bildern, die sich im kollektiven Gedächtnis der deutschen Gesellschaft festgesetzt haben und im Film letztendlich zitiert werden. Eine Narration im Sinne eines roten Fadens, der den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt, ist de facto nur rudimentär vorhanden. Es ist ein exaltierter Bildersturm, der sich hier seine Bahnen bricht, der den Zuschauer mit Eindrücken bombardiert und gerade den, der sich in der bundesdeutschen Geschichte wenig bis gar nicht auskennt, überfordern muss.


Nein, es ist nicht alles an diesem Film misslungen, mitnichten! Die schauspielerischen Leistungen sind mit das Beste am Film. Dies gilt für Moritz Bleibtreu in seiner Interpretation des Andreas Baader, aber es sind vor allem die Frauen, die dem Film, wie auch der RAF den Stempel aufdrücken. Martina Gedeck als Ulrike Meinhof spielt ebenso eindrucksvoll wie im Besonderen auch Johanna Wokalek, die eine fiebrig-wahnsinnige Gudrun Ensslin gibt. Nadja Uhl verkörpert eine Brigitte Monhaupt, die in ihrer mörderisch-kalten Manifestation schlicht und ergreifend als erschreckend zu bezeichnen ist. Nein, es liegt definitiv nicht an den beteiligten Schauspielern, dass Bernd Eichingers Film nicht zu überzeugen weiß, ebenso wenig wie es an der handwerklichen Inszenierung mangelt. Dies war bei dieser 20 Millionen teuren Produktion auch nicht anders zu erwarten. Schauspielerisch also top, handwerklich einwandfrei, und doch scheitert "Baader Meinhof Komplex" an seiner unausgereiften Perspektive und, ironischerweise, vor allem an seiner eigenen Haltungslosigkeit, die dem Film das sprichwörtliche Rückgrat bricht.


Es sollte ein Film über die Täter sein, doch es ist weniger ein Film über die Täter geworden, als über die Handlungen der Täter. Ein Mensch definiert sich über seine Handlungen, war im Zuge der Debatte zum Film immer wieder zu lesen und dies wollte der Film zeigen. Ein Anspruch, der sich auch im letzten Satz des Films "Hört auf sie so zu sehen, wie sie nie waren!" verdeutlicht. Doch muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Konzept nicht eher im luftleeren Raum versacken muss, eben weil sich aus dieser Perspektive kein Erkenntnisgewinn generieren kann.
"Der Baader Meinhof Komplex" gefällt sich zu sehr in der Hatz der historischen Ereignisse, im Zeigen der Taten, die das wahre Bild der RAF ins Bewusstsein rücken soll, vergisst dabei aber das das reine Ereignis ohne die Skizzierung des Hintergrundes, sprich der Psychologie der Täter, die seltsam blass bleiben muss. Die Versuche des Films, die Entstehung der RAF herzuleiten bleiben leider rudimentär und in ihrer Darstellung auf die sozio-strukturelle Ebene beschränkt.


Der Konflikt der Kinder mit ihrer Elterngeneration, der sich um die fehlende Aufarbeitung des Nationalismus entzündete, die Bewegung der 68er, der Protest gegen den Vietnamkrieg und den Besuch des Schahs. Das fehlgeleitete Reagieren des Rechtsstaats, die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke - dies alles wird in den ersten 30 Minuten des Film in exakt nachgestellten Bildern gezeigt und suggeriert somit, die Gründe für die Entstehung der RAF ausreichend thematisiert zu haben. Doch diese Darstellung greift in der Summe zu kurz, obwohl sie natürlich im Wesentlichen richtig ist, eben weil sie in ihrer Fokussierung auf die Makroebene beschränkt bleibt und nicht auf die Mikroebene des einzelnen Täters blickt. Warum wurden eine Handvoll Individuen zu Terroristen, während die große Mehrheit eben nicht in den Untergrund ging?
Eine Frage, die der Film nicht beantworten kann, nicht, weil dies in einem Film unmöglich wäre, sondern eben weil er es gar nicht versucht. Ist es nicht die Interdependenz aus gesellschaftlichen Status Quo und individuellen Faktoren, die den Einzelnen zum Terroristen werden lässt? Stattdessen gefällt sich der Film darin, in seiner Spielzeit jedes noch so kleine Bild einzufangen, was sich die deutsche Gesellschaft eingeprägt hat, so unter anderem die kurzen Bilder des Sieges der 16jährigen Ulrike Meyfarth im Hochsprung bei den Olympischen Spielen von 1972. Eine einschränkende Fokussierung wäre an dieser Stelle von Vorteil gewesen, so bleibt es bei der im Vorigen schon thematisierten Hatz durch die Historie.


Einer der wesentlichen Vorwürfe, die dem Film im Vorfeld gemacht worden ist, war der, dass der RAF durch die Darstellung im Film von Seiten der Zuschauer Sympathie entgegengebracht werden könnte. Dazu muss zweifellos bemerkt werden, dass dieser Vorwurf nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Die Inszenierung von Uli Edel, als auch die Besetzung von Baader mit Bleibtreu trägt ohne Zweifel ihren Teil dazu bei. Wenn Baader mit schmissiger Musik über die Autobahnen rast oder der Ensslin lässig die Brust tätschelt, während sie mit einem Anderen in der Wanne plantscht, dann generiert sich eben doch mal ganz schnell ein Bild des coolen Outlaws, denn "Fucking and Shooting is the same", wie es doch im Aubsbildungs-Camp der Terroristen so schön heißt, während Meinhof und Ensslin lässig FKK in der Wüste praktizieren. Dass dieses Bild dann nicht völlig aus dem Ruder läuft, ist den zwei Dingen zu verdanken, die der "Baader Meinhof Komplex" dankenswerterweise doch richtig macht. Zum Einen werden diese Bilder immer wieder mit kaltblütigen Bildern der Morde der RAF kontrastiert, aber auch zum Anderen immer wieder mit den Einschüben der terroristisch-publizistischen Ergüssen von Ulrike Meinhof, die das wahre Gesicht der RAF entlarven: "Zündet man ein Auto an, ist das eine strafbare Handlung, werden hunderte Autos angezündet, ist das eine politische Aktion." Die Bundesrepublik gilt aus ihrer Sicht als "Schweinesystem", Polizisten seinen keine Menschen, sondern Schweine und von der Waffe muss Gebrauch gemacht werden.
In diesen Momenten zeigt sich, dass die RAF genau das war, was sie immer bekämpfen wollte: In ihren Methoden zutiefst menschenverachtend, in ihrem Anspruch pejorativ, näherte sie sich faschistoiden Methoden an, die sie ihren eigenen Eltern und der Bundesrepublik immer wider zum Vorwurf machten.


Ab dem Moment, wenn Baader, Meinhof und Ensslin inhaftiert werden, läuft der Film endgültig aus dem narrativen Konzept, das wenigstens noch bis zu diesem Zeitpunkt auf diese drei Individuen gemünzt war. Danach erhöht sich noch einmal die Schlagzahl: Das Attentat von 1972, die Ermordung von Mirbach, die Entführung von Schleyer durch die zweite Generation, die Entführung von Landshut, die Nacht von Stammheim, die Ermordung von Schleyer. "Der deutsche Herbst" wird in schnellen Bildern abgehandelt - Fakten, Fakten, Fakten, das ist augenscheinlich alles was zählt. Die Entscheidung der Macher, einen Zeitraum abzudecken, der sich über zehn Jahre erstreckt, fällt an dieser Stelle in negativer Art und Weise auf den Film zurück. Wenn dann das letzte Bild unzweifelhaft Allegorie auf den deutschen Herbst sein soll, dann möchte man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. "Der Baader Meinhof Komplex" hätte ohne Zweifel großes Potential gehabt, doch hatten die Macher augenscheinlich nicht den Mut, dies auch auszuschöpfen. Wo Tiefe erforderlich gewesen wäre, bietet der Film nur (gutgemachte) Bilder und simple Trivialität. Wo Bedächtigkeit erforderlich gewesen wäre, schlägt der Film ein scharfes Tempo ein. Wo eine Positionierung von Nöten gewesen wäre, bleibt der Film ohne Haltung. Eichinger und Aust berufen sich immer wieder auf die kompromisslose Darstellung der Morde der RAF, doch ist dies nicht ausreichend für einen Film, der sich der RAF annehmen will. Menschen definieren sich durch Taten, das mag richtig sein, doch das Zeigen der Taten bleibt ohne Deutung inhaltslos - Anspruch und Wirklichkeit stehen sich diametral gegenüber. "Der Baader Meinhof Komplex" ist nicht der erste Film über die RAF, doch es ist der erste dieser Größenordnung gewesen. Dass es noch dazu einer der Schwächsten ist, der nun den Weg vom Kino auf DVD und Blu-ray gefunden hat, ist zu bedauern.


Für die technische Umsetzung der Blu-ray-Veröffentlichung von "Der Baader Meinhof Komplex" gab man sich seitens Constantin viel Mühe und liefert eine ausgesprochen gute Bildqualität ab, abgesehen von dem immer wieder eingestreuten Archiv-Aufnahmen in mäßiger Qualität. Nahaufnahmen überzeugen mit einer ausgezeichneten Detailzeichnung und dank knackiger Konturen und einem ausgewogenen Kontrast, der noch dazu mit einem satten Schwarzwert aufwarten darf, überrascht das Bild mit einer tollen Tiefenwirkung und einer sehr guten Plastizizät. Hier gibt es kaum nennenswerte Mängel und äußerst selten macht das Bild einen etwas weicheren Eindruck. Selbst der leichte Detailverlust in dunklen Bildbereichen ist zu verschmerzen. Dafür dürfen wir uns über eine natürliche und zudem sehr kräftige Farbgebung freuen und außerdem arbeitet die Kompression tadellos. Schmutz oder Defekte gibt es ebenfalls nicht zu sehen, lediglich leichtes Filmkorn ist im Hintergrund auszumachen, trübt den Sehgenuss aber nicht im Geringsten.


(Klickt auf die einzelnen Bilder um diese in der Originalgröße von 1920 x 1080 zu sehen.)
Alle Bilder sind Eigentum von Constantin


Beim Ton verhält es sich ähnlich wie beim Bild: Es gibt nicht wirklich etwas zu kritisieren. Dialoge sind immer gut zu verstehen, klingen sauber ausbalanciert und kommen sich nicht mit dem restlichen Soundelementen in die Quere. Überraschend ist vor allem, mit welcher Wucht der DTS-HD High Resolution 5.1-Mix abgemischt wurde. Es wurde nicht viel Wert auf Realismus gelegt, vielmehr scheinen sich die Sounddesigner gedacht zu haben: "Wenn schon Action, dann auch richtig". Bereits zu Beginn dürfen wir uns vieler Surroundeffekte und direktionaler Spielereien erfreuen, wenn z.B. der Besuch des Schahs und die nachfolgende Straßenschlacht gezeigt wird. Auch bei den Ausschreitungen vor dem Springer Verlag bekommt der Verstärker einiges zu tun und es wird eine tolle Atmosphäre erzeugt, welche mit den gut eingefangenen Bildern ein beeindruckendes Erlebnis darstellen dürfte. Das sind allesamt Szenen, bei denen es nicht nur im Film heiß her geht, sondern auch der Soundanlage einiges abfordert wird. Egal ob Musik, Nebengeräusche, Schüsse oder Explosionen, "Der Baader Meinhof Komplex" bietet in seinen 149 Minuten einiges, was man bei anderen Actionfilmen schmerzlich vermisst. Trotz der vielen Effekte und satten Bassschübe klingt die Abmischung ausreichend differenziert und stellt selbst in actionhaltigen Szenen feine Nuancen sehr klar dar. Neben der DTS-Spur gibt es noch eine Audiobeschreibung für Sehbehinderte in Stereo und es lassen sich deutsche Untertitel für Hörgeschädigte hinzuschalten.



Die qualitativ hochwertige Umsetzung spiegelt sich auch im Bonusmaterial wider. Die komplett hochauflösenden Extras präsentieren sich sehr umfangreich und ausführlich. Dies gilt beispielsweise für den Audiokommentar von Regisseur Uli Edel, der einiges zur Entstehung des Filmes zu berichten weiß und neben Aspekte der Produktion auch immer wieder auf die historischen Hintergründe eingeht. Wirklich sehr schön, doch es wäre noch besser gewesen, hätte man ihm noch jemanden zur Seite gestellt, z.B. einen Historiker - wäre sicherlich eine feine Sache geworden.
Die videobasierten Extras beginnen mit einem 29minütigen Making of, in dem wir einen kurzen, aber doch sehr umfangreichen Einblick in die Entstehung des Films bekommen. Auch der historische Teil wird aufgegriffen und man lässt einige Darsteller, die Produzenten, den Regisseur und weitere Mitwirkende zu Wort kommen. Dabei wird über das Casting gesprochen, über die Umsetzung der Buchvorlage zum Skript und zum eigentlichen Film. Wir bekommen viele Aufnahmen vom Set zu Gesicht und dürfen von einem durchweg sehr gelungenen Making of sprechen. Die ist aber noch nicht alles. Anhand von drei weiteren Featurettes soll der Zuschauer einen noch tieferen Einblick in die Produktionsgeschichte des Films bekommen. Angefangen mit "Über Eli Edel", ein 13minütiges Porträt über den Filmemacher mit Kommentaren von Cast & Crew, sowie weitere Einblicke in die Dreharbeiten, gibt es noch ein 21minütiges Feature über die "Authentizität", in dem sich alles um die aufwendige Arbeit dreht, den Film so authentisch wie nur möglich erscheinen zu lassen. Von den Recherchen über die wahren Begebenheiten, über die Arbeit der Kostümdesigner und Make-Up-Spezialisten, bekommen wir einen sehr ausführlichen Einblick hinter die Kulissen.
Der nachfolgende, knapp 12minütige Einblick ins Tonstudio ist nicht weniger interessant und gewährt uns einen Eindruck der Entstehung der Filmmusik. "Die Schauspieler und ihre Rollen" durchleuchtet in 38 Minuten die Erarbeitung der Rollen und zeigt kurze Ausschnitte aus den Probeaufnahmen zzgl. Kommentare der Macher. Das 42minütige Interview "Stefan Aust über die RAF und ihre Zeit" sollte man ebenfalls auf keinen Fall verpassen, denn in diesem spricht der Autor der Buchvorlage sehr ausführlich über seine Erfahrungen mit den ihm noch bekannten RAF-Mitgliedern. Das Interview wurde in drei Kapitel unterteilt und handelt die RAF und den Terrorismus ab, erklärt die Mythologisierung der RAF und hat zudem noch Ulrike Meinhof zum Thema. Desweiteren lassen sich noch zwei weitere Interviews aufrufen, welche mit dem Produzenten Bernd Eichinger geführt wurden. "Bernd Eichinger über die Annährung an den Film und die 60er und 70er Jahre" und "Bernd Eichinger über die Dramaturgie des Films" haben eine Gesamtlaufzeit von etwa 25 Minuten und können sich durchaus sehen lassen, auch wenn sie bei weitem nicht so interessant ausfallen wie die vorangegangenen Extras. Zum Schluss lässt sich noch der Kinotrailer, sowie diverse Trailer anderen Constantin-Veröffentlichungen anwählen. Die obligatorischen Darstellerinfos auf der Disc und der beiliegende Kapiteleinleger dürfen ebenso wenig fehlen wie die durchaus ansprechende Menüführung. Leider erscheint die Blu-ray nur mit dem hässlichen FSK-Logo auf der Frontseite des Covers. Ein Wechselcover wurde leider wieder nicht in Erwägung gezogen.


Ansonsten eine Top-Veröffentlichung, bei der nahezu alles stimmt. In Planung ist ein deutlich längerer Director's Cut, jedoch ist diese verlängerte Version noch ohne genauen Termin. Er könnte den Film durchaus aufwerten, falls er mehr in die Tiefe geht und dadurch vielleicht sogar die oben kritisierten Punkte etwas kaschiert. Dies wäre zumindest äußerst wünschenswert.


Film+++---
Bild+++++-
Ton+++++-
Bonus++++/-


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