"Final Flight of the Osiris"
Mit der ersten Episode aus den Federn der
Wachowski-Brüder liegt uns die optisch beeindruckendste, aber auch inhaltlich schwächste
"Animatrix"-Folge vor. Zwar werden einige Schlüsselelemente aus den Filmen aufgegriffen, man merkt jedoch, dass eindeutig nur der Optik gefröhnt wird. Die Komplett in CGI gehaltene Animation ist traumhaft und erinnert nicht zu unrecht an
"Final Fantasy". Niemand anderes als
Square hat diese Episode inszeniert und obgleich inhaltlich nicht viel Neues geboten wird, macht die tolle Animation dieses Manko wieder wett. Allein der Kung-Fu-Kampf im Matrix-Dojo ist ein optischer Leckerbissen, wenn sich die beiden Protagonisten nach und nach die Klamotten vom Leib schneiden. Hier überzeugt vor allem die Darstellung der Haut, die noch heute für große Augen sorgen dürfte. Die Geschichte selbst endet sehr ernüchternd und zeigt den Untergang der Osiris, welche Zion warnen will.
"The Second Renaissance Part 1 & 2"
"The Second Renaissance" ist die einzige Doppelfolge aus dem
"Animatrix-Universum und die Beste noch dazu. Nach einem weiteren Drehbuch der
Wachowski-Brüder wird uns hier unter der Regie von
Mahiro Meada die Vorgeschichte von
"Matrix" gezeigt. Komplett in 2D gehalten, beeindruckt die Episode dennoch durch eine ausgezeichnete Optik und einer fesselnden Geschichte. Wir bekommen einen Einblick in die Informationsdatenbank Zions und sehen in geraffter Form die Schöpfung der Matrix. Schöpfung deshalb, weil die Geschichte in ihrer Erzählung und Aufmachung sehr biblisch dargestellt wird und uns z.B. einen Apokalyptischen Reiter in Maschinenform zeigt. Aber auch Adam und Eva gehören in Robotorform zur Folge dazu und das kleine
Studio 4°C erschuf mit
"The Second Renaissance" ein visuell beeindruckende Doppelfolge, bei der Matrix-Fans kaum aus dem Schwärmen herauskommen werden. Die umfangreiche Geschichte vom Fall der Menschheit und Herrschaft der Maschinen würde sich ideal für ein
"Matrix"-Prequel eignen, genug Stoff gibt die Geschichte auf jedenfall her und könnte mit realen Menschen auf der großen Leinwand sicherlich ein opulentes Werk werden. So müssen wir uns leider mit den beiden Trickepisoden begnügen, die es aber in sich haben.
"Kid's Story"
"Kid's Story" ist die dritte und letzte Geschichte aus den Federn der
"Matrix"-Erfinder. Es geht um den "Jungen" und wie er es aus der Matrix schafft. Wer der "Junge" ist, erfahren wir nicht, jedoch spielt er im dritten
"Matrix"-Teil eine kleine Rolle.
Studio 4°C zeichnet auch hier wieder für die Optik zuständig, welche diesmal komplett anders als bei
"The Second Renaissance" ausfällt. Oftmals ist
"Kid's Story" sehr skizzenhaft, dann wieder sehr klar, stets gekünstelt und sehr abstrakt gehalten, letztlich aber ein Augenschmaus. Die Regie führte
Shinichiro Watanabe (
"Cowboy Bebop") und auch wenn die Episode inhaltlich nur einen kleinen Einblick in das
"Matrix"-Universum gibt, wird man 9 Minuten gut unterhalten.
"Program"
Die nächste Folge stammt aus den Federn von
Yoshiaki Kawajiri, der auch bei dieser Episode Regie führte. Inhaltlich wird uns nicht viel geboten, außer ein netter Samurai-Kampf in der Matrix. Der Sinn hinter der Geschichte ist im Grunde genommen nur, dass die Willenskraft der Menschen getestet wird. So wird die Protagonistin dazu verführt, zurück in die Matrix zu kehren, um ein "normales" Leben zu führen. Sie bekämpft dann aber ihren Freund und Liebhaber, der sie von dem Vorhaben überzeugen will und für dieses Privileg, wieder in der Matrix aufgenommen zu werden, Zion verraten hat. Die Situation eskaliert und es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod. Sie verliert den Kampf, bleibt aber psychisch stark und als sie wieder aufwacht, stehen ihre Freunde um sie herum und sagen ihr, dass sie den Test bestanden hat. Eine nette Episode, vor allem interessant gezeichnet.
"World Record"
Eine weitere Folge aus der Feder von
Yoshiaki Kawajiri. Diesmal geht es um den Sprinter Dan, der es sich in den Kopf gesetzt hat unbedingt einen neuen Weltrekord aufzustellen. Dafür trainiert er wie ein Besessener und als es dann endlich soweit ist und er sein Rennen läuft, durchbricht er nicht nur den alten Rekord, sondern auch die Grenzen der Matrix.
Die Geschichte ist nett, vor allem da auch das Versagen der Person gezeigt wird und die Botschaft der Willensstärke sehr stark im Mittelpunkt steht. Die Zeichnungen sind gewöhnungsbedürftig, aber sehr interessant und düster.
"Beyond"
"Beyond" ist eine ziemlich coole Episode aus der Animationsschmiede von
Studio 4°C. In ihr wird ein Fehler in der Matrix für ein kleines Mädchen sichtbar, das auf der Suche nach ihrer Katze ein vermeintliches Spukhaus entdeckt. Dort schweben Dinge durch die Luft und die Zeit vergeht unterschiedlich schnell. Für das Mädchen ist dies mysteriös, beängstigend und faszinierend zugleich. Wann sieht man schon einmal ein Spukhaus? Doch die Maschinen wollen den Fehler in der Matrix beheben und senden einen Korrekturtrupp. Sicher einer der besten Episoden, absolut sehenswert und wirklich sehr überzeugend gezeichnet. Dabei vermischt
Studio 4°C normale Zeichnungen mit dezenten CGI-Animationen. Sollte man als
"Matrix"-Fan nicht verpassen.
"A Detective Story"
Shinichiro Watanabes zweiter Beitrag lässt endlich auch jemanden aus der eigentlichen Trilogie auftauchen. Trinity steht im Mittelpunkt der Geschichte und wir dürfen miterleben, wie der Privatdetektiv Ash von unbekannten Auftraggebern angeheuert wird nach dem Hacker Trinity zu suchen. Tatsächlich gelingt es ihm sogar Trinity aufzuspüren, doch muss er erkennen, dass er nur eine Schachfigur in einem größeren Spiel war, das er nicht überblicken konnte.
Detecive Story wurde ebenfalls von
Studio 4°C umgesetzt und sie erschaffen optisch eine erstklassige Film-Noir-Atmosphäre. Zudem werden echte Fotos mit Trickfilmsequenzen verschmolzen, was stilistisch eine Menge her macht. Somit gehört
"Detective Story" zu den stärksten Geschichten im
"Animatrix"-Universum.
"Matriculated"
In
"Matriculated" bekommen wir es mit einer Gruppe Menschen zu tun, die aus der Matrix entkommen sind. Sie nehmen Maschinen gefangen und versuchen sie auf ihre Seite zu ziehen. Dazu lassen sie sie eine Art virtuellen Psychotrip durchleben. Doch mitten in einer solchen Zeremonie werden sie von Wächtern überrascht.
Der letzte Teil der
"Animatrix"-Reihe ist visuell äußerst interessant und spannend umgesetzt, wobei der bunte Psychotrip fast wie ein Drogenrausch wirkt und sich etwas zieht, weil es nicht so wirklich passen will. Zudem bleibt die Geschichte ziemlich oberflächlich und man nutzt die an sich tolle Idee nicht aus, verpasst es, ihr etwas mehr Tiefsinn zu verleihen. Dies könnte aber auch am vorgegebenen, sehr kurzen Zeitrahmen gelegen haben. Keine schlechte Episode, vor allem wenn die Wächter angreifen, aber auch visuell zu überladen, was zu Lasten der eigentlichen Geschichte geht.
Für
"Matrix Reloaded" und
"Matrix Revolution" ließen sich die
Wachowski-Brüder ein ganz besonderes Marketing-Konzept einfallen: Sie ließen einige Wochen vor dem Kinostart zu
"Matrix Reloaded" die neun kurzen, oben vorgestellten Animationsfilme aus dem
"Matrix"-Universum als Vorfilme in diversen Kinos zeigen, immer eine 8-12minütige Episode zwischen der Kinowerbung und dem Hauptfilm. Dies hatte nicht nur einen enormen Werbeeffekt und machte das Publikum auf
"Matrix" aufmerksam, sondern verfälschte auch die Kinostatistik der Filme, in denen die jeweiligen Episoden als Vorfilm liefen. In sämtlichen Länder haben sich die Fans Kinotickets gekauft, nur um eine der Episoden zu sehen, haben das Kino dann aber vor dem Hauptfilm wieder verlassen.
Die Geschichten selbst sind durchweg gelungen und vor allem optisch hat
"Animatrix" einen großen Reiz. Die Vermischung asiatischer Zeichenkunst von sieben unterschiedliche Regisseuren mit einer amerikanischen Geschichte ist ein interessantes Konzept und wurde verhältnismäßig gut umgesetzt. Leider schaffen es die kurzen Formate nicht, die jeweilige Geschichte und die teilweise wirklich guten Ansätze durchweg zufriedenstellend auszubauen, doch hier galt nun einmal das Motto "In der Kürze liegt die Würze". Als Appetitanreger ist
"Animatrix" ideal gewesen, jetzt, wo die Trilogie komplett ist, scheint es ein nettes Beiwerk mit tollen Aspekten, welche ich gerne als kompletten Film gesehen hätte. So z.B. die Vorgeschichte, die man locker in drei weitere Teilen packen könnte. Fans der
"Matrix"-Trilogie werden sicherlich Gefallen an dieser Kurzfilmzusammenstellung finden, Zuschauer ohne Vorkenntnisse ist
"Animatrix" eher weniger zu empfehlen.
"Animatrix" hinterlässt auf Blu-ray einen wirklich sehr guten Eindruck. Vor allem die komplett am Computer entstandene Episode
"Der letzte Flug der Osiris" scheint wie geschaffen für High Definition und erzielt auch die besten Werte mit einer enorm hohen Schärfe und einem sehr hartem Kontrast. Die restlichen Filme überzeugen aber ebenfalls auf Blu-ray und leiden lediglich unter den jeweiligen stilistischen Verfremdungen. So schwankt die Qualität der einzelnen Episoden stark: Während die erste Folge aufgrund der CGI-Animationen extrem scharf und detailliert erscheint, wird das Bild immer mal wieder weicher. Das ist ein Tribut an die optischen

Spielereien, was aber nicht als wirklicher Mangel in puncto Bildqualität gewertet werden darf. Der Kontrast, wenn nicht absichtlich stark verfremdet, ist bei allen Folgen auf einem sehr hohen Niveau und auch der Schwarzwert erreicht stets sehr gute Werte. Wirklich etwas zu bemängeln gibt es hier eigentlich gar nicht, selbst die Tiefenwirkung ist bei den 2D-Animationen wirklich gut bis sehr gut und die Farbgebung reicht von kräftig und bunt bis ausgewaschen und blass. Hier hat man sich viel Mühe gegeben die Filme in ihrer teilweise eigenwilligen Optik perfekt auf das HD-Medium zu transferieren und wenn man wirklich etwas bemängeln möchte, dann die nicht immer gänzlich sauber arbeitende Kompression, welche hin und wieder leichte Bandingeffekte zeigt. Ansonsten ein Top-Transfer.
Akustisch werden uns ebenfalls gute Werte abgeliefert, wobei die Soundabmischung von Episode zu Episode variiert. So trumpfen actionlastige Folgen mit einer ordentlichen Räumlichkeit und gut platzierten Effekten auf, während andere Episoden wie z.B.
"Beyond" sehr frontlastiger Natur sind und nur dezent Räumlichkeit versprühen. Auch der Subwoofer darf hin und wieder mit viel Wucht ins Geschehen eingreifen und der Score überzeugt ebenfalls durch seine gute Dynamik und verteilt sich sauber auf sämtliche Kanäle. Richtige Ausreißer gibt es eigentlich gar nicht und die gut abgemischten und sauber ausbalancierten Dialoge bleiben stets hervorragend zu verstehen. Die englische Sprachfassung liegt zudem noch in Dolby Digital 5.1 und Dolby TrueHD 5.1 vor. Letzterer bietet den größten Unterschied zur deutschen Fassung und klingt voluminöser und zudem noch um einiges präziser in der Abmischung. Diverse Untertitel lassen sich selbstverständlich hinzuschalten.
Dies gilt auch für das Bonusmaterial. Sowohl die
Features als auch die
Audiokommentare wurden deutsch untertitelt. Letztere gibt es für vier Episoden und lassen die jeweiligen Regisseure zu Wort kommen, welche ein wenig über die Entstehung plaudern. Leider reicht die Zeit nicht für wirklich ausführliche Infos. Dafür gibt es ein 55minütiges
Making of, welches in sieben Episoden unterteilt wurde und uns einen ausführlichen Einblick in die Entstehung der Kurzfilme gibt. Von der Grundidee über die ersten Konzeptzeichnungen bis zur fertigen Animation lässt man hier die Macher, sowie Anime-Experten zu Wort kommen. Anime-Künstler und Experten kommen auch in den nachfolgenden 22 Minuten zu Wort:
"Scrools to Screen: Geschichte und Kultur des Animes" ist eine Expedition durch die Anime- und Manga-Zeitgeschichte und zeigt auf, dass die fernöstliche Art der Comic-Kunst in den letzten Jahren sich selbst in den USA einer immer größeren Beliebtheit erfreut. Unnütz ist hingegen
"Die Schöpfer", eine reine Auflistung von Namen der Regisseure. Insgesamt gutes Bonusmaterial, welches komplett in Standard-Definition vorliegt.
"Animatrix" schaut auf Blu-ray wirklich gut aus lässt die 5 Jahre alte DVD in allen Belangen links liegen. Die Kurzfilme selbst werden sicherlich nicht jedermanns Sache sein, Fans der Serie werden aber auf jedenfall gut unterhalten und bekommen dadurch einen tieferen Einblick in das
"Matrix"-Universum.