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FR 2007
Originaltitel:Ennemi intime, L'
Länge:110:42 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Florent Emilio Siri
Buch:Patrick Rotman, Florent Emilio Siri
Kamera:Giovanni Fiore Coltellacci
Musik:Alexandre Desplat
SFX:Georges Demétrau
Darsteller:Benoît Magimel, Albert Dupontel, Aurélien Recoing, Marc Barbé, Eric Savin, Mohamed Fellag, Lounès Tazairt, Abdelhafid Metalsi, Vincent Rottiers, Lounès Machene, Adrien Saint-Joré, Guillaume Gouix
Vertrieb:Koch Media
Norm:1080p / VC-1
Medium:BD-50 + DVD-9
Regionalcode:A ,B, C
Bildformat:2.40:1
Tonformat:DTS HD-Master Audio 5.1
Sprache:Deutsch, Französisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:SeastoneCase
Blu-ray-Start:25.07.2008 (Kauf)
Bonus:
Hauptfilm (Blu-ray):
  • Audiokommentar mit Regisseur Florent Siri & Filmkritiker Jean-Baptiste Thoret
  • Deutscher Trailer (2:09 Min., 1080p)
  • Bildergalerie (11 Bilder, 1080p)
Bonus (DVD):
  • Making Of (14:11 Min.)
  • Interview mit Florent Siri (57:47 Min.)
  • Interview mit Kameramann Giovanni Coltellacci (12:13 Min.)
  • Interview mit Komponist Alexandre Desplat (13:49 Min.)
  • Die Inspiration (15:28 Min.)
  • Von der Dokumentation zum Spielfilm (21:49 Min.)
  • Von Schauspielern zu Soldaten (7:23 Min.)
  • Stimmen von der Vorpremiere (11:39 Min.)
  • Veteranen erzählen (15:18 Min.)
  • Storyboard/Film-Vergleiche:
    • Geisterstadt (4:39 Min.)
    • Barfuß (2:31 Min.)
    • Krieg der Worte (4:11 Min.)
    • Die letzte Zigarette (5:54 Min.)
    • Die letzte Schlacht (2:31 Min.)
    • Kampf im Wald (2:41 Min.)
    • Tod durch Napalm (4:28 Min.)
  • Deutscher Trailer (2:06 Min.)
Algerien im Jahr 1959: Ein idealistischer, junger Leutnant übernimmt das Kommando über eine französische Kompanie im algerischen Unabhängigkeitskrieg. Dort trifft er auf Dougnac, einen durch den erbarmungslosen Kampf desillusionierten Sergeant aus den eigenen Reihen. Die Differenzen der beiden Männer und die grausame Realität des Krieges, stellen die moralischen Werte der beiden auf eine harte Probe. Verloren in einem namenlosen Krieg entdecken Terrin und Dougnac, dass es keinen schlimmeren Feind gibt, als sich selbst.
Wohl auch weil sein überzeugender Bruce-Willis-Thriller Interner Link"Hostage" in Amerika nicht den erwünschten, finanziellen Erfolg einbrachte, inszeniert Florent Emilio Siri ("Ende der Geduld", "Das tödliche Wespennest") nun wieder in Frankreich und beweist mit seinem Antikriegsfilm "Intimate Enemies", dass Hollywood ihn keineswegs verdorben hat. Das war aber auch kaum anzunehmen, bewegte sich Interner Link"Hostage" doch ein ums andere Mal an der Grenze zu dem, was man allgemein dem amerikanischen Publikum vorzusetzen wagt.
Dies zeichnet Siri allerdings unter anderem auch aus. Endlich wieder aller kreativen Fesseln entledigt, pflegt er nicht nur nach wie vor seinen düsteren, harten Stil, sondern drehte in Marokko auch den besten Film zum Thema Algerienkrieg seit Gillo Pontecorvos legendärem Klassiker "Schlacht um Algier". Vergleiche mit Oliver Stones "Platoon" sind durchaus angebracht, zumal auch "Intimate Enemies" auf wahren Tatsachen fußt.



Benoît Magimel ("Das tödliche Wespennest", Interner Link"Sky Fighters") spielt den idealistischen wie naiven Lieutenant Terrien, der ohne ausreichende Vorbereitung in eine der meistumkämpftesten Kriegszonen Algeriens abkommandiert wird, nachdem sein Vorgänger während seines letzten Einsatzes bei einem tragischen Vorfall ums Leben kam. Sein Sergeant (Albert Dupontel, Interner Link"Irréversible", "Cash Truck"), ein abgebrühtes Frontschwein namens Dougnac, durchschaut Terrien bereits bei ihrer ersten Begegnung, versucht den unerfahrenen und anfangs offensichtlich überforderten Offizier aber nach Möglichkeit aus dem Gröbsten herauszuhalten, weil er weder die Regeln noch das abstoßende Gesicht des Krieges kennt.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Frankreich sich mit der Aufarbeitung dieses schmutzigen Konflikts, der sicherlich das dunkelste Kapitel der französischen Nachkriegsgeschichte darstellt, bis heute sehr schwer tut. Siri zeigt schonungslos warum, übt harsche Kritik an der Militärstrategie und zeigt die hässlichsten Seiten dieses Krieges, für den so viele Menschen sterben mussten, weil Frankreichs Regierung unbedingt seine Kolonie behalten wollte. Auch wenn die Befreiungsfront FLN (Front de Libération Nationale) nicht ungeschoren davon kommt, berichtet "Intimate Enemies" aus Sicht der französischen Armee. Kriegsverbrechen, Exempel an der zivilen Bevölkerung und grausame Foltermethoden stehen auf der Tagesordnung. Terrien hat zunächst Probleme diese Methoden anzuwenden und muss sich ein ums andere Mal von Dougnac belehren lassen.
Ziel dieser Einsätze ist nicht nur die systematische Vernichtung von FLN-Kompanien, sondern auch die Liquidierung ihres Anführers. Dafür werden ganze Dörfer abgeschlachtet und Einheimische brutal massakriert, während die blutigen Gefechte spätestens dann unzählige Opfer fordern, wenn Napalm eingesetzt wird. Speziell für den Algerienkrieg entwickelte Foltermethoden werden an Zivilisten ausprobiert, später werden sie bei fingierten Fluchtversuchen erschossen. In einer der beeindruckendsten Szenen des Films durchschreitet Terrien mit seiner Einheit ein verkohltes Feld entstellter FLN-Leichen, die Sekunden zuvor im Napalm verbrannten. Siri hält den Wahnsinn dieses Kriegs in teilweise sehr drastischen Bildern fest anstatt auszublenden und erzielt dabei nachhaltig Wirkung. Dies gilt ebenso für die zahlreichen Scharmützel zwischen Franzosen und Algeriern, in deren Verlauf grundsätzlich beide Seiten hohe Verluste zu beklagen haben.



Dabei versteht sich "Intimate Enemies" nie als auf die brutalen Schauwerte reduziertes Kriegsspektakel, sondern erkundet die Entwicklung seiner beiden Hauptfiguren, ihre Motivationen und ihr Schicksal. Terriens Weltanschauung gerät zunehmend ins Wanken als junge Kameraden an seiner Seite sterben. Er verändert sich und entfremdet sich von seiner Familie, während selbst der hartgesottene Veteran Dougnac den täglichen Wahnsinn kaum noch ertragen kann.
Der Rest ertränkt seine Albträume ohnehin in Alkohol, lauter Musik und Galgenhumor, während im Nebenzimmer der Folterknecht seiner Arbeit nachgeht. Siri rechtfertigt die Gräueltaten beider Seiten übrigens nicht, macht sie aber zumindest nachvollziehbar, indem er auch zeigt, zu was die Gegenseite imstande ist, klagt dabei ebenso sadistische Führungsoffiziere an, die längst blanken Hass gegen die Algerier entwickelt haben und sich entsprechend gebärden. Die beeindruckenden Leistungen der Schauspieler, allen voran Albert Dupontel, tragen nicht zuletzt ihren Anteil dazu bei, dass "Intimate Enemies" einen bleibenden Eindruck hinterlässt, wie kaum ein Antikriegsfilm der letzten Zeit.



Sollte Florent Emilio Siri seine Karriere tatsächlich auf diesem Niveau fortsetzen und seinem Stil treu bleiben, könnte er sich, deutlich distanziert von Luc Bessons Weichspüler-Filii, langfristig zu einen der bedeutendsten Mainstream-Regisseur Frankreichs entwickeln. Egal, ob "Das tödliche Wespennest", Interner Link"Hostage" oder nun "Intimate Enemies", Siri pflegt eine sehr charakteristische Inszenierung, die sich, ohne Kompromisse einzugehen, grundsätzlich an das erwachsene Publikum richtet, dabei allerdings nie zum Selbstzweck verkommt. Seine Arbeiten sind prinzipiell sehr spannend und von einer beklemmenden Atmosphäre geprägt. Obwohl seine Charaktere in Zukunft noch ausgeprägter sein dürfen, hat der Mann nach gerade einmal drei Filmen in Frankreichs inzwischen ausgedünnter Top-Riege seinen Platz gefunden. Angesichts der jüngst eher durchwachsenen Regiearbeiten gestandener Landsmänner wie Mathieu Kassovitz ("Gothic", Interner Link"Babylon A.D."), Pitof (Interner Link"Vidocq", Interner Link"Catwoman") oder Louis Leterrier (Interner Link"Transporter 2", Interner Link"The Incredible Hulk") in Hollywood kann man nur hoffen, dass er dieses Mal seinem Heimatland treu bleibt. Kann sich auf seine weiteren Filme nur positiv auswirken.


Mit "Intimate Enemies" liefert uns Koch Media eine hervorragende Blu-ray-Präsentation ab, welche fast Referenzwerten in Bild und Ton erreichen können. Die beiliegende Bonus-DVD ist identisch zur der Disc aus der Collector's Edition und so gibt es bis auf den Originaltrailer und die Bildergalerie (beides Hauptfilm-Disc) kein High Definition-Bonusmaterial. Dafür wurde der Audiokommentar mit Regisseur Florent Siri und dem französischen Filmkritiker Jean-Baptiste Thoret komplett deutsch untertitelt. Beide gehen sehr stark auf das Gezeigte ein und sprechen kaum über die Darsteller oder schweifen gar in langweiliges Gerede ab, sondern analysieren den Film, ohne dabei aber Hintergründe zur Produktion und den Dreharbeiten aus den Augen zu verlieren. Wirklich sehr schön und absolut hörenswert.
Die restlichen Extras befinden sie, wie bereits erwähnt, auf einer Bonus-DVD. Den Anfang macht ein 14minütiges "Making of", welches trotz der kurzen Laufzeit eine Menge an Hintergrundinfos preisgibt, ohne ins Werbelastige abzudriften. So erfahren wir mehr über das Kampftraining der Darsteller, dürfen der Entstehung der visuellen Effekte beiwohnen und bekommen kurze Einblicke in die Aufnahmen der Filmmusik und der Kameraarbeit. Insgesamt hätte dieses Feature noch länger sein dürfen, denn das Gezeigte ist äußerst interessant und neben reichlichen Einblicken hinter den Kulissen, kommen auch immer wieder Cast & Crew zu Wort. Richtig umfangreich wird es bei den Interviews. Insgesamt 84 Minuten lang widmet man sich drei Personen. Den Anfang macht ein 58 Minuten langes Interview mit dem Regisseur Florent Siri und dem FilmkritikerJean-Baptiste Thoret. Eine tolle Ergänzung zum ohnehin schon umfangreichen Audiokommentar. Siri geht hierbei nochmals sehr ausführlich auf diverse Aspekte der Produktion und vor allem der Inszenierung ein. Hinzu kommen immer wieder Splitscreen-Bilder, bei denen wir beide Gesprächspartner in jeweils einem Fenster sehen, sowie ein großes Bild mit den jeweils thematisierten Szenen. Desweiteren gibt es noch zwei kürzere Interviews mit dem Kameramann Giovanni Fiore Coltellacci und dem Komponisten Alexandre Desplat. Beim 12minütigen Interview mit Coltellacci ist Siri ebenfalls mit von der Partie und auch in den nachfolgenden 14 Minuten ist der Regisseur anwesend. Anstelle ein reines Frage-Antwort-Spiel zu sein, sind die jeweiligen Interviews mehr Gespräche mit einem enormen Informationsgehalt.
In "Die Inspiration" trifft Regisseur Siri auf Pieree Schoendoerffer, seines Zeichen Regisseur des Filmes "Zug 317", der Siri als Inspirationsquelle für "Intimate Enemies" diente. "Von der Dokumentation zum Spielfilm" ist ein 22minütiges Interview mit dem Drehbuchautor Patrick Rotman. Dieser hat übrigens auch bei der Dokumentation Regie geführt und zeigt dem Zuschauer einige Ausschnitte. Mit 7 Minuten etwas kürzer ausgefallen ist "Von den Schauspielern zu Soldaten". Hier gibt es kurze Interview-Clips mit den Darstellern und Casting-Aufnahmen. Etwas langweiliger wird es im 12minütigen "Stimmen von der Vorpremiere", in welchem Aufnahmen vom roten Teppich inkl. ein paar Interviews und Statements zum Film zu sehen sind. Da ist "Veteranen erzählen" schon um einiges besser und so dürfen drei Kriegsveteranen von ihren Erlebnissen in Algerien erzählen. Zum Schluss gibt es nochmal den deutschen Trailer und 27 Minuten an "Storyboard/Film-Vergleichen", in welchem sieben Filmsequenzen per Splitscreen mit den Storyboard-Zeichnungen verglichen werden können. Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass sämtliches Bonusmaterial deutsch untertitelt wurde und man mit der Menge mehr als zufrieden sein darf.


Der Widescreen-Transfer wurde in VC-1 kodiert und überzeugt vor allem durch ein enorm scharfes und detailliertes Bild. Selbst in Totalen lassen sich feine Details sehr gut erkennen und in Close-Ups zeigt uns Koch Media, was High Definition heißt. Hinzu kommt eine sehr gute Tiefenwirkung und dank sauberer Konturen, welche ohne Überstrahlung auskommen, erfreut das Bild mit einer guten Plastizität. Die Farbgebung ist zwar äußerst kräftig, wartet aber mit einer sehr monotonen Farbpalette auf. Der triste Look passt hervorragend und trotz eingesetzter Stilmittel wirkt das Bild niemals unnatürlich. Der Kontrast wurde absichtlich erhöht und erscheint meist sehr hart. Dies hat zur Folge, dass das Bild in hellen Bildteilen etwas steil erscheint, was in Verbindung mit der ausgezeichneten Detailschärfe aber wirklich spitze aussieht. Dafür saufen in dunklen Szenen viele Details ab. Der Schwarzwert ist ebenfalls hervorragend und zeichnet ein sattes Schwarz. Defekte und Schmutz sind nicht auszumachen und die Kompression arbeitet tadellos. Lediglich wechselhaft sichtbares Bildrauschen ist verstärkt auszumachen, trübt den Sehgenuss aber nicht und ist dem verwendeten Filmmaterial zuzuschreiben.
Beim Sound gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln. Wir dürfen uns über einen sehr weiträumigen, stets gut verständlichen und in den Actionsequenzen sehr kräftigen Mix freuen. Die deutsche DTS HD-Master Audio 5.1-Spur bietet eine Vielzahl direktionaler Effekte, die sich von kleinen Umgebungsgeräuschen über kraftvollen Schießereien bis hin zu druckvollen Explosionen bewegen und alles das bieten, was wir von einem Kriegsfilm erwarten. Die Kugeln fliegen uns um die Ohren und der Subwoofer sorgt für den nötigen Tiefenbass bei Explosionen, ohne dass die Dialoge darunter leiden. Selbst in den wuchtigsten Actionszenen sind Dialoge stets hervorragend zu verstehen und klingen gut ausbalanciert. Auch der Score darf sich sehr gut in das Geschehen integrieren und die gesamte Abmischung klingt sehr realistisch und nicht künstlich hoch gepusht bzw. gezwungen brachial getrimmt. So muss sich ein Film dieses Genres anhören. Der französische Mix liegt ebenfalls in DTS HD-Master Audio 5.1, klingt der deutschen Spur ähnlich, punktet aber nochmals im Bereich der Dialogwiedergabe, welche um einiges natürlicher erscheint, sich perfekt dem restlichen Soundtrack anpasst und den Realitätsfaktor nochmals erhöht. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten.


Florent Emilio Siri inszeniert mit "Intimate Enemies" seinen bis dato besten Film. Der harte Antikriegsfilm geht unter die Haut und erzielt nachhaltig Wirkung, weil er sich nicht als effekthaschendes Spektakel versteht, sondern dem Publikum in schonungslosen Bildern vor Augen führt, was für Grausamkeiten sich damals wirklich abspielten. Die erstklassige Regie wird von einer Riege stark aufspielender Darsteller gefördert, während die authentischen Kulissen Marokkos das bedrückend real wirkende Szenario fundamentieren. Spannend, erschreckend, tragisch.
Die deutsche Blu-ray aus dem Hause Koch Media garantiert feinstes High Def-Erlebnis und auch wenn die Extras "nur" als Bonus-DVD beiliegen ist die technische Umsetzung fast perfekt.


Film+++++/
Bild+++++/
Ton+++++/
Bonus+++++-


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