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Gollum goes to India (again) - 12 weitere, süß/saure Schätze

Hallo, liebe Leser.
Nachdem ich mich in meinem ersten Artikel ausschließlich auf Produktionen der Ramsay-Filmwerkstatt konzentriert habe, ist es nun an der Zeit, das Angebot etwas breiter zu fächern. Denn auch wenn die Ramsays quasi als Synonym für exquisite Gruselunterhaltung gelten, so hat der indische Genrefilmmarkt doch noch so einiges mehr zu bieten. Diesmal präsentiere ich, neben zwei weiteren Ramsay-Spektakeln, unter anderem Filme von Partho Ghosh, Mohan Bhakri, Vinod Talwar, Rajkumar Kohli, Baby und Ram Gopal Varma. Falls ihr bereit seid für einige weitere Perlen der etwas anderen (oder auch gar nicht so anderen) Art, dann wünsche ich viel Spaß beim hoffentlich so informativen wie unterhaltsamen Lesen.



100 Days
Ein Fulci geht nach Bollywood - 100 DAYS (1991)
Wirft man einen Blick auf's Bollywood'sche Filmschaffen, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass die indische Erzählstruktur für das Thrillergenre denkbar ungeeignet ist. Indische Spezialitäten wie flotte Musicaleinlagen, auflockernde Comic Reliefs, romantische Subplots und aufgesetzt wirkende, oftmals lächerlich choreographierte Kampfszenen sind einer durchdachten Dramaturgie und einem kontinuierlichen Spannungsaufbau nicht gerade förderlich. Umso überraschender ist die Tatsache, dass man all diese Ingredienzien sehr wohl zu einem harmonischen Ganzen verarbeiten kann. So geschehen in Partho Ghoshs Interner Link"100 Days", entstanden im Jahre 1991. Bei "100 Days" handelt es sich um ein Remake des unterschätzten Lucio Fulci-Thrillers Interner Link"Sette Note in Nero" (auch bekannt als "Murder to the Tunes of the Seven Black Notes" und "The Psychic") von 1977. Als indisches Pendant zu Jennifer O'Neill (bekannt aus David Cronenbergs explosivem Kulthit Interner Link"Scanners" (1981), die im italienischen Original die Hauptrolle inne hatte) agiert die hübsche Madhuri Dixit, die als Devi eine mehr als überzeugende Leistung abliefert.
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Devi ist mit der Gabe der Vorahnung ausgestattet. Diese kann sie jedoch nicht steuern, im Gegenteil: Die Visionen brechen einfach über sie herein wie ein Gewittersturm aus heiterem Himmel. So auch während eines Tennisspieles, als sie vor ihrem geistigen Auge sieht, wie eine unbekannte Gestalt in schwarzem Regenmantel und ins Gesicht gezogenem Hut ihre Schwester Rama (Moon Moon Sen) ermordet. Unverzüglich nimmt sie mit Rama telefonischen Kontakt auf, doch diese ist nicht nur wohlauf, sie zieht die Besorgnis der Schwester sogar ins Lächerliche. Wenig später jedoch vergeht ihr das Lachen, als das schreckliche Ereignis haargenau so eintritt, wie es Devi vorausgesehen hatte. Nach begangener Tat mauert der mysteriöse Killer die Leiche in einem großen, leerstehenden Anwesen ein und beseitigt damit sämtliche Spuren. Denn wo es keine Leiche gibt, ist auch kein Mord nachzuweisen.
Fünf Fahre später. Devi und der vermögende Ram Kumar (Jackie Shroff) verlieben sich (nach einem anfänglichen, witzigen Missverständnis) Hals über Kopf ineinander, und bald schon wird Hochzeit gefeiert. Sunil, der mit Devi aufgewachsen und ebenfalls in sie verliebt ist, ist darüber zwar wenig erfreut, akzeptiert aber schließlich die Situation. Die Frischvermählten verbringen die Hochzeitsnacht in Kumars neuerworbenem Domizil. Dieses wurde ursprünglich von einem Verwandten verpfändet, doch der frischgebackene Ehemann hat das luxuriöse Anwesen ausgelöst. Wie es der Zufall so will, ist in eben dieser Villa auch Ramas Leiche eingemauert, und die entsetzte Devi stößt beim Dekorieren prompt auf deren skelettierte Überreste, die sie anhand einer seltenen Halskette auch problemlos zu identifizieren imstande ist. Kurz darauf bekommt die Idylle weitere Risse, denn Devi "sieht" in einer Vision beunruhigende Dinge: Eine unbekannte Frau wird brutal erstochen, und verschiedene, scheinbar zusammenhanglose Gegenstände, wie z. B. ein zerbrochener Spiegel, eine Zigarette in einem Aschenbecher und ein Magazin mit einem Pferd auf dem Cover, deuten auf großes Unheil hin, und zwar mit ihr selbst im Mittelpunkt (in einem Fragment dieser Vision sieht sie, wie sie in einem Swimming Pool verzweifelt gegen das Ertrinken ankämpft). Devi bleibt nichts anderes übrig, als der Sache auf den Grund zu gehen, was sich als umso schwieriger erweist, da weder Ram noch Sunil ihr großen Glauben zu schenken scheinen. Sunil macht jedoch gute Miene zum seltsamen Spiel und hilft ihr bei den Nachforschungen. Tatsächlich stoßen die beiden auf eine verzwickte, undurchsichtige Geschichte, die sie bald in tödliche Gefahr bringt ...
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Ich kann "100 Days" guten Gewissens zu den besten indischen Filmen zählen, die ich bis dato das Vergnügen hatte zu sehen. "100 Days" wurde von Partho Ghosh großartig inszeniert und durch die Bank glaubwürdig gespielt, so dass die Protagonisten keine eindimensionalen Pappfiguren sind, sondern richtige Charaktere aus Fleisch und Blut, mit denen es sich lohnt, mitzufiebern. Die 100 Days (Poster 1)Hauptprotagonisten erscheinen allesamt sehr sympathisch, während der Killer als perfekter Kontrast dazu agiert, denn so einen bedrohlichen, brutalen Schurken sieht man nicht alle Tage. Des Weiteren ist der Streifen wunderbar photographiert (von Arvind Laad) und sehr gut ausgeleuchtet, und auch die Musikuntermalung passt sich dem hohen Niveau problemlos an. Raam Laxmans ins Ohr gehendes Titelthema verstärkt die Spannungsmomente und wäre auch in einem italienischen Giallo nicht Fehl am Platze. Das Comic Relief in Gestalt von Ram Kumars schusseligem Sekretär Balam (Laxmikant Berde) wird auf ein absolutes Minimum reduziert, das nur in der ersten Hälfte des Filmes für zwei, drei humorige Einlagen sorgt, und die obligatorischen Gesangs- und Tanzeinlagen sind perfekt in die Handlung integriert und tragen sogar etwas zur Story- bzw. Charakterentwicklung bei. Das einzige, das ich dem Film ankreiden muss, ist seine mit 160 Minuten überlange Laufzeit und seine - daraus resultierend - zum Teil schleppende Dramaturgie. Würde man die ersten anderthalb Stunden auf 30 bis 40 Minuten komprimieren, hätte man einen runden, perfekten, und darüber hinaus sauspannenden Thriller. Aber auch die extrem lange Einführung stört 100 Days (DVD-Cover)nicht wirklich, denn bei einem indischen Film muss man sich eben Zeit nehmen und typische Sehgewohnheiten aus dem Fenster werfen.
Ab ca. Mitte des Streifens, nach der Hochzeit und - damit verbunden - der wunderschönen, psychedelischen "Muschelnummer" (ein regelrechter Augen- und Ohrenschmaus, spritzig, originell und einfach Klasse), konzentriert sich Regisseur Partho Ghosh voll und ganz auf die mitreißende, mysteriöse Geschichte. Ohne ablenkendes Comic Relief oder störende Musicalnummern (zwar gibt es im letzten Drittel noch eine, aber diese ist sehr gut eingefügt, recht ungewöhnlich und gruselig, und spiegelt zudem Devis Verunsicherung and Angst auf tolle Art und Weise wider) wird die Geschichte bis zum hochdramatischen, gewalttätigen und twistreichen Showdown vorangepeitscht, dass einem fast hören und sehen vergeht. Hatte Fulcis "Sette Note in Nero" schon so einiges zu bieten, so setzt "100 Days" in (fast) allen Belangen noch einen drauf (nur in Bezug auf Gewaltdarstellungen hat Fulcis Film - wenig überraschend - die Nase vorn), und das Ergebnis ist schlichtweg ein Hammer. Da wird die Couch zum elektrischen Stuhl, um einen bekannten Werbespruch 100 Days (Poster 2)zu einem anderen Fulci-Klassiker zu bemühen. Selbst wenn einem "Sette Note in Nero" geläufig ist ("100 Days" hält sich zwar im Großen und Ganzen eng an die Vorlage, fügt dieser jedoch einige interessante Aspekte hinzu und ändert, vor allem in der ersten Hälfe, so manches ab), schafft es "100 Days" mit spielerischer Leichtigkeit, Unmengen an Spannung und Dramatik herauszumelken. Und die beeindruckende Sequenz, als Devi schließlich realisiert, wer ihre Schwester getötet hat, erzeugt dank geschickter Kameraarbeit und beunruhigenden Klängen nicht nur bei ihr ein Gefühl der Orientierungslosigkeit und des Schocks.
Somit bleibt mir nichts anderes übrig, als "100 Days" abschließend mit dem Wort grandios zu beschreiben. Ich habe jedenfalls schon lange keinen Hollywood-Film mehr gesehen, der es in Sachen Spannung mit diesem Bollywood-Thriller aufnehmen kann. Bevor ich das Review beende, möchte ich noch kurz anmerken, dass in "100 Days" auch Neelam Mehra zu sehen ist, die Fans von indischen Horrorfilmen keine Unbekannte sein dürfte. Die Schauspielerin fand zum Beispiel in Tulsi und Shyam Ramsays "Purani Haveli" ("The Old Mansion", 1989) ein schreckliches Ende in den mörderischen Pranken des bisswütigen Monsters, und sie beeindruckte mit einem kurzen Auftritt als sexy Vampiropfer in Vinod Talwars Interner Link"Fright Night"-Remake "Wohi Bhayaanak Raat" ("That Same Horrifying Night",1989). Ob sie "100 Days" überlebt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Khooni Murdaa
A Ripped-Off Nightmare - KHOONI MURDAA (DEADLY CORPSE) (1989)
Als der 'Doom Boom' in den frühen 1980er Jahren langsam an Fahrt gewann, war Mohan Bhakri einer der ersten, der das (finanzielle) Potential erkannte und sich mitten in die losgetretene Lawine warf. Sein Debüt im Jahre 1982 namens "Apradhi Kaun?" ("Who is the Criminal?") war zwar noch eher dem Thrillergenre zuzurechnen, doch spätestens mit "Cheekh" ("The Scream", 1985) versuchte er, auf den Spuren der Ramsays zu wandeln. Mit Interner Link"Khooni Murdaa" ("Deadly Corpse", 1989) drehte er eine Art Remake der beliebten Slasherserie Interner Link"A Nightmare on Elm Street", welche fünf Jahre zuvor von Kultregisseur Wes Craven ins Leben gerufen wurde. Das erfolgversprechende Wort "khooni" (was übersetzt "tödlich" bedeutet) war in den 1980er und 1990er Jahren ungemein beliebt, und so war es kein Wunder, dass Filme wie "Khooni Mahal" ("Deadly Manor", 1987), "Khooni Panja" ("Deadly Hand", 1991) und "Khooni Dracula" ("Deadly Dracula", 1992) - um nur drei der Bekannteren zu nennen - den Markt überfluteten. Leider versprachen die Titel oft mehr, als der Film dahinter einzulösen imstande war.
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Womit wir wieder bei "Khooni Murdaa" wären. Dieser dreht sich um die junge Rekha (Sripradha), der ein lästiger Verehrer gehörig auf die Pelle rückt. Dieser heißt Ranjit (gut gespielt von Kiran Kumar, der im selben Jahr als Khooni Murdaa (Video-CD-Cover)blutsaugender Vampir in Vinod Talwars "Wohi Bhayaanak Raat" ["That Same Horrifying Night"] glänzte) und sieht ein wenig aus wie der Interner Link"Man-Eater" Luigi Montefiori, hierzulande besser bekannt als George Eastman. Zwar hat Ranjit keine Vorliebe für frisch aus dem Mutterleib gerissene Föten, aber deshalb ist er noch lange kein netter Bursche. Wenn er nicht gerade rote Rosen verteilt, dann metzelt er in einem Anfall von Wahnsinn schon mal ein Liebespärchen nieder. Als er eines Tages wieder mal das Gespräch mit Rekha sucht und sich dabei als ausgesprochenes Arschloch entpuppt, lotst ihn diese in eine Falle, und die Polizei nimmt den tobenden Psychopathen fest. Im folgenden Gerichtsverfahren wird er des Mordes für schuldig befunden und in ein Sanatorium eingewiesen. Dort hält er es jedoch nicht lange aus, denn nach einem Albtraum prügelt er sich durch die Belegschaft, bis er in die Freiheit entfleuchen kann. Rekha, die mit ihren Freunden eine flotte Zeltparty steigen lässt, ahnt davon noch nichts. Doch das ändert sich schnell, denn Ranjit erweist sich als unliebsamer Partycrasher! Es folgt eine Auseinandersetzung, die alsbald handgreifliche Dimensionen annimmt, und es dauert nicht lange, da steht der Killer lichterloh in Flammen, nachdem er ins Lagerfeuer geplumpst ist. Zur Sicherheit schlagen die Teens mit ihren Holzstöcken weiter auf ihn ein, bis er endlich leblos liegen bleibt. Natürlich drängt sich in solch einer unguten Situation die Frage auf: was tun? Nach einer kurzen Beratung kommt man zu dem Ergebnis, dass man den menschlichen Brikett in ein Tuch wickeln und auf dem nächstbesten Friedhof entsorgen soll. Gesagt, getan. Für kurze Zeit kehrt Ruhe ein, bis Rekha eines morgens eine rote Rose bei sich findet. Tatsächlich gibt Ranjit auch im Tod keine Ruhe, ist er doch zurückgekehrt als der titelgebende Khooni Murdaa ...
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Die Inhaltsangabe liest sich gar nicht mal so schlecht, oder? Leider lässt das waschechte "A Nightmare on Elm Street"-Rip Off mehr Wünsche offen, als einem lieb ist, denn "Khooni Murdaa" ist nicht mehr und nicht Khooni Murdaa (Poster 1)weniger als ein billiges, uninspiriertes, zähes Trash-Filmchen, das sich nach einem langatmigen Beginn von einem Mord zum nächsten hangelt, ohne jemals auch nur einen Funken Spannung erzeugen zu können. Immerhin ist die Umsetzung der "Nightmare"-Highlights leidlich unterhaltsam geraten, so dass die 127 (langen) Minuten keine völlige Zeitverschwendung waren. Wie der Großteil der amerikanischen Slasherfilme wird auch "Khooni Murdaa" von uninteressanten, unsympathischen, eindimensionalen und blöden Teenies bevölkert (mit dem Vorteil, dass ich ihr dummes Gequatsche nicht ertragen musste, da ich des Hindi nicht mächtig bin), die im Zuseher schon bald den Wunsch entfachen, Ranjit möge sie doch endlich von ihrem Elend erlösen und sie ins Jenseits befördern. Das tut er dann schließlich auch; zumindest einige der Gruppe erleben das Ende des Streifens nicht mehr.
Ranjits grausame Rache ist auch das einzige, das den Film erträglich macht, denn weder die zwei (viel zu langen) Musicaleinlagen noch das schmerzlich unlustige Comic Relief (welches viel zu viel Screentime einnimmt) können Interesse erzeugen. Unser Khooni Murdaa mordet sich also in Khooni Murdaa (Poster 2)bester Freddy Krueger-Manier durch die Teenies, wobei Regisseur Mohan Bhakri den innovativen Traumaspekt völlig unter den Tisch fallen lässt. Denn Ranjit verzichtet darauf, seine Opfer in ihren Träumen heimzusuchen ... er murkst sie einfach so ab, oftmals sogar als Unsichtbarer. Amanda Wyss' und Johnny Depps Todesszenen werden in abgemilderter Form fast eins-zu-eins übernommen (bei letzterem spritzt das Blut nicht aus dem Bett, es sprudelt nur leicht), ebenso wie zwei Sequenzen aus dem dritten Freddy-Film (Freddy aus Fernseher und Freddy als Puppenspieler). Der Blutgehalt hält sich (natürlich) stark in Grenzen (Indien ist ja nicht gerade für seine Splatterfilme bekannt), obwohl immerhin eine Zunge extremst gedehnt und abgerissen wird. Apropos Zunge: aus dem Telefon kommt diesmal kein garstiger Schleckmuskel, sondern eine banale Schlange. Und in der Szene, als die Heldin in der Badewanne (voller Schaum) attackiert wird, kann man sehen, dass sie beim Baden ein T-Shirt trägt.
Die tödliche Leiche zieht sich übrigens keinen Klingenhandschuh über ... die Klingen sprießen direkt aus den Fingerspitzen heraus. Ranjits verunstaltetes Gesicht (mit den schräg vorstehenden Zähnen) sieht derart grotesk aus, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Ernst nehmen kann man diese billige (Halloween-)Maske jedoch auf keinen Fall. Wie man es richtig macht, haben Tulsi und Shyam Ramsay vier Jahre später eindrucksvoll mit ihrem wunderbaren Horrorspektakel Interner Link"Mahakaal" ("Time of Death", 1993) gezeigt, das sich zwar auch an der "Nightmare"-Serie orientiert, jedoch völlig andere und interessantere Wege beschreitet. "Mahakaal" kann ich guten Gewissens wärmstens empfehlen (siehe auch meinen ersten Artikel), "Khooni Murdaa" leider beim besten Willen nicht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dass es Mohan Bhakri weit besser kann, hat er unter anderem mit dem spaßigen Monsterschinken "Khooni Mahal" (1987) und dem rabiaten Slasherspektakel "Amavas ki Raat" (1990) bewiesen.

Bhoot
Bollywood lässt die Geister los - BHOOT (GHOST) (2003)
"This film of mine is just an attempt to scare you and it in no way reflects my belief in the supernatural. I also caution pregnant women and people with weak hearts to view Bhoot (Poster 1)it at their own risk."
Mit diesen Worten eröffnet Ram Gopal Varma seinen Gruselschocker Interner Link"Bhoot" ("Ghost"). Im Anschluss, nach einer sehr schaurigen Vorspannsequenz, sehen wir einen Mann namens Vishal (gespielt von Action-Star Ajay Devgan) auf Wohnungssuche. Er wird auch bald fündig, denn die Wohnung Nr. 1201 im zwölften Stock eines Apartment-Blocks scheint wie auf ihn und seine Frau Swati (Urmila Matondka) zugeschnitten. Die Sache hat nur einen kleinen Haken, denn die Vormieterin Manjeet Khosla und ihr kleiner Sohn stürzten unter nicht geklärten Umständen vom Balkon in den Tod. Da aber Vishal alles andere als abergläubisch ist, mietet er die preisgünstige Wohnung ohne lange nachzudenken. Allerdings 'vergisst' er, seine Frau auf dieses brisante Detail aufmerksam zu machen. Als Swati von Manjeets mysteriösem Bhoot (Poster 2)Tod von anderer Seite erfährt, ist sie darüber zwar alles andere als erbaut, akzeptiert aber schließlich die Situation.
Es dauert jedoch nicht lange, und seltsame Dinge passieren. Als Swati im Spiegel den Schatten einer unbekannten Frau erblickt, gerät ihr Nervenkostüm völlig ins Wanken. Ihr Zustand verschlimmert sich in kürzester Zeit (so beginnt sie schlafzuwandeln, und es hat den Anschein, als wäre sie nicht mehr dieselbe), und Vishal sieht keinen anderen Ausweg, als den Psychiater Dr. Rajan (Victor Banerjee) zu konsultieren, dessen Diagnose (eine Form von Schizophrenie) nicht gerade vielversprechend ist. Eines Nachts wird der seltsame Nachtwächter des Hauses (Sabir Masani) grausam ermordet, was Polizeiinspektor Liyaqat Quereshi (Nana Patekar) auf den Plan ruft. Swatis Zustand verschlechtert sich derweil rapide; sie scheint mehr und mehr dem Wahnsinn zu verfallen. In seiner Verzweiflung wendet sich Vishal an Sarita (Rekha), eine Art Exorzistin. Aber treibt wirklich ein Geist sein Unwesen, oder ist die labile Swati schlicht und einfach verrückt geworden?
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Wer auf langsam erzählten, zurückhaltenden Geisterhorror steht, der wird mit "Bhoot" gut bis sehr gut bedient. Vorausgesetzt man akzeptiert die Tatsache, dass Varmas Streifen weder originell noch innovativ ist. Als Inspirationsquellen dienten zeitgenössische Hollywood-Hits wie M. Night Shyamalans Interner Link"The Sixth Sense" (1999) und Bhoot (Poster 3)Robert Zemeckis "What Lies Beneath" ("Schatten der Wahrheit", 2000) ebenso wie die asiatischen Gruselperlen Interner Link"Ring" (1998), Interner Link"Dark Water" (2002) und Interner Link"Ju-on" (2000 - 2003), und zum Drüberstreuen bediente sich der Regisseur auch noch ziemlich ausgiebig an Interner Link"The Exorcist" ("Der Exorzist", 1973).
Es mag ja sein, dass "Bhoot" für das indische Genrekino etwas völlig Neues darstellt, doch wer sich mit Geisterhorrorfilmen ein wenig auskennt, den wird "Bhoot" nicht wirklich vom Hocker reißen. Der 150 Millionen Rupien teure Streifen (mit aktuellem Wechselkurs umgerechnet ca. 2,6 Millionen Euro) war ein Box-Office-Erfolg in Indien, und das nicht zu Unrecht, ist er doch erstklassig produziert und in Szene gesetzt. Ram Gopal Varma ist zudem mutig genug, zwei ungeschriebene Gesetze des Bollywood-Kinos zu brechen. Denn in "Bhoot" wird weder getanzt und gesungen, noch treibt eines dieser höchst unwillkommenen Comic Reliefs sein/ihr Unwesen. Rückblickend betrachtet ist "Bhoot" jedoch ein kleine Enttäuschung. Nicht, weil der 2003 entstandene Film schlecht wäre, sondern weil der Streifen richtig gut und gruselig beginnt, ab Halbzeit jedoch viele Chancen ungenutzt verstreichen lässt, nur um sich routiniert und leidlich spannend Bhoot (DVD-Cover)über die fast zweistündige Laufzeit zu retten.
Die erste Hälfte des Filmes ist großartig gelungen: eine sich langsam aber stetig aufbauende Spannung, eine intensive, unheimliche Atmosphäre, garniert mit einigen erstklassig getimeten Schock- und Gänsehautmomenten. Da kann man wahrlich nicht meckern. Man nehme nur die Sequenz, als sich Vishal und Swati im Kino Sam Raimis Interner Link"Spider-Man" (2002) ansehen. Während der Vorstellung - Swati genießt den Blockbuster mit großen Augen - drehen sich plötzlich alle Besucher des gut besuchten Kinos zu ihr um und starren sie wortlos an. Wem hier kein Schauer über den Rücken läuft, der kann mit Gruselfilmen generell wohl nicht allzu viel anfangen. Doch ab ca. Halbzeit des Filmes verpufft die aufgestaute Spannung quasi ins Nichts. "Bhoot" ist zwar immer noch technisch gesehen allererste Sahne, aber die Handlung wird extrem vorhersehbar, und alles gipfelt in einen banalen Showdown, der den zuvor geweckten Erwartungen keinesfalls Stand hält. Die schauspielerischen Leistungen sind durchwegs sehr gut. Während Vishal-Darsteller Ajay Devgan den ganzen Film hindurch kein Lächeln auszukommen scheint, brilliert Urmila Matondka in der Rolle der schizophrenen/besessenen Swati (sie konnte dafür auch einige bedeutende indische Awards einheimsen). Erwähnenswert sind noch die attraktive Rekha (Rohits Mutter in Rakesh Roshans "Koi... Mil Gaya" ["I Found Someone"/"Sternenkind", 2003] als Exorzistin, Victor Banerjee als Psychiater und Nana Patekar als Polizist, der einige nette Sprüche vom Stapel lassen darf, weswegen sein Charakter auch der Überzogenste ist. Die Filmmusik begleitet das seltsame Treiben mit sehr passenden Klängen, und die gekonnt eingesetzten Sound-Effekte verstärken die Wirkung der entsprechenden Szenen. Die Kamera fängt das Geschehen sehr zurückhaltend und ruhig ein, wobei sie aber ständig versucht, praktisch unbedeutenden Dingen eine Bedeutung einzuhauchen. So wird des Öfteren eine unheimliche Puppe ins Bild gerückt, die allerdings im weiteren Verlauf überhaupt keine Rolle spielt.
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Einigen Zeitungsartikeln zufolge starb ein sechzigjähriger Mann in einem Kino in Delhi, als er sich gerade "Bhoot" ansah. Anscheinend hielt sein Herz dem Grauen auf der Leinwand nicht stand. Ehrlich gesagt, diese Gefahr sehe ich für gruselerprobte Horrorfans nicht wirklich, denn wer asiatische Filme wie "Ring", "Dark Water" und Interner Link"Shutter" ("Shutter - Sie sind unter uns", 2004) oder auch nicht-asiatische wie "The Others" (2001) überlebt hat, dem wird auch "Bhoot" keinen vorzeitigen Herzinfarkt bescheren. Immerhin ist Ram Gopal Varmas Streifen vielen (unter)durchschnittlichen Hollywood-Gruselfilmchen wie dem Interner Link"Ring"-Remake (2002) oder Interner Link"Boogeyman" ("Boogeyman - Der schwarze Mann", 2005) (um nur zwei zu nennen) um mindestens zwölf Stockwerke überlegen. Insofern kann ich guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen. Man sollte halt vermeiden, seine Erwartungen zu hoch anzusetzen.
"Bhoot" ist unter anderem in Indien, England und Frankreich auf DVD erschienen, wobei die diesem Review zugrundeliegende indische DVD eine gute Bildqualität (in anamorphem Widescreen von 2,35:1) aufweist und man zudem englische Untertitel dazuschalten kann.

Jaani Dushman
Ein Werwolf auf Brautschau - JAANI DUSHMAN (BELOVED ENEMY) (1979)
Im Jahre 1979 sorgte in Indien ein Jaani Dushman (Poster 1)bräutemordender Werwolf für gewaltiges Aufsehen, denn der von Rajkumar Kohli inszenierte Streifen Interner Link"Jaani Dushman" ("Beloved Enemy") entwickelte sich überraschenderweise zum lokalen Box-Office-Hit. Rückblickend kann man eigentlich nur feststellen, dass "Jaani Dushman" der richtige Film zur richtigen Zeit war, denn anders lässt sich dessen überwältigender Erfolg kaum erklären. Rajkumar Kohli hat einfach die Zeichen der Zeit erkannt und einen stargespickten Horrorschinken auf die Leinwände gezaubert, der für volle Kinosäle sorgte und die Kassen ordentlich zum Klingeln brachte. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil an "Jaani Dushmans" Erfolg gebührt zweifellos dem berühmt-berüchtigten Ramsay-Clan, die mit ihren Filmen Interner Link"Do Gaz Zameen Ke Neeche" ("Six Foot Under", 1972), Interner Link"Andhera" ("The Darkness", 1975) und Interner Link"Darwaza" ("The Door", 1978) das Horrorgenre langsam aber sicher salonfähig machten. Vor allem von letzterem ließen sich Rajkumar Kohli bzw. dessen Drehbuchautoren Charandas Shokh und Jaggi Ram Pal das eine oder andere Mal inspirieren, ohne jedoch jemals dessen Klasse zu erreichen.
Es ist gar nicht so leicht, den Plot von "Jaani Dushman" auf eine halbwegs verständliche Art und Weise wiederzugeben, denn durch die fast unüberschaubare Anzahl an Haupt- und Nebenrollen macht sich schon bald Verwunderung und Konfusion breit. Ich versuche es trotzdem einfach mal und bitte um Nachsicht, dass ich einige Handlungsstränge bewusst außen vor lasse.
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Zu Beginn sehen wir ein Pärchen, welches per Taxi auf dem Weg zum Bahnhof ist. Nach einer Panne suchen sie Unterschlupf in einem abgelegenen, anscheinend leerstehenden Anwesen, doch dass diese Idee eine ganz schlechte war, erweist sich schon Sekunden später. Der Geist eines hasserfüllten Mannes, der in der Hochzeitsnacht von seiner geldgierigen Braut heimtückisch vergiftet wurde, spukt durch das Haveli, immer auf der Suche nach jungen Bräuten, die er bestrafen kann. "I see that bitch in every bride", erklärt er den verblüfften Besuchern. "And till I kill her with my own hands I can't be JAANI DUSHMANpeaceful." Das scheint für das erschrockene Pärchen das Stichwort gewesen zu sein, denn die beiden fliehen Hals über Kopf aus dem Anwesen und besteigen wenig später das scheinbar sichere Zugabteil. Als sich der Zug in Bewegung setzt, tritt ein weiterer Fahrgast ein und macht es sich im Abteil bequem. Beim Anblick der Frau wird der Mann seltsam unruhig und kurz darauf sprießt auch schon Fell aus seinem Körper. Das Abteil entpuppt sich als Todesfalle, denn gegen den randalierenden Werwolf ist unser Pärchen nur zweiter Sieger.
In dieser gut gelungenen Pre-Credit-Sequenz wird der Zuseher bereits mit der zentralen Horrorthematik konfrontiert, die für den weiteren Verlauf natürlich von nicht unbeträchtlicher Bedeutung ist: der traumatisierte Geist 'besetzt' unschuldige Menschen und zwingt sie, seine hasserfüllte Rache auszuleben, indem sie hoffnungsfrohe Bräute auf grausame Weise abmurksen. Die eigentliche Geschichte entfaltet sich anschließend in einem kleinen Dorf, und damit beginnt auch schon das Dilemma. Das Dorf wird von einem gutmütigen Thakur (Sanjeev Kumar) geführt, dessen erwachsener Sohn namens Shera (Shatrughan Sinha) jedoch ein verzogener Bengel ist, der auf die hübsche Reshma (Reena Roy) abfährt, die Tochter des blinden Doktors. Diese jedoch ist an seinen Avancen nicht interessiert und hat nur Augen für Lakhan (Sunil Dutt), der ihre Liebe zwar erwidert, aber zögert, den letzten Schritt zu tun. Dafür ist Champa (Rekha) ganz vernarrt in Shera, da er sie vor einiger Zeit vor ein paar aufdringlichen Schurken gerettet hat.
Das wären in etwa die Hauptprotagonisten, doch daneben wimmelt es von weiteren Charakteren, die zwar relativ viel Screentime haben, für die Handlung aber nur peripher von Bedeutung sind. Jedenfalls sind sich die Bräute (und derer gibt es viele) ihres Lebens nicht mehr sicher, denn just auf dem Weg zur Segnung durch den lokalen Priester verschwinden sie spurlos aus ihrer Sänfte und finden sich in der Höhle des Löw ... äh ... Wolfes wieder. Dieser jagt sie eine Weile durch die düsteren Gewölbe, bevor er seine haarigen Pranken um ihre zarten Hälse legt und sie zähnefletschend erwürgt. Trotz der Tatsache, dass das Geheimnis des mysteriösen Killers nicht gelöst werden kann, wollen diverse andere Pärchen unbedingt in den Hafen der Ehe einlaufen, nur um vom haarigen Zottelvieh unsanft auf den Boden der grausigen Realität zurückgeholt zu werden. Nach vielen dramatischen (und auch weniger dramatischen) Zwischenfällen, Enthüllungen, Missverständnissen und Wettstreiten heiratet der gute Lakhan seine geliebte Reshma. Doch kann er sie vor dem mordlüsternen Scheusal bewahren oder wird auch er zum Witwer, noch bevor die Hochzeitsnacht vollzogen ist?
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Müsste man zu "Jaani Dushman" eine seriöse Kritik verfassen, so kann das Ergebnis nur ein Verriss der heftigen Art sein. Ohne Rücksicht auf Verluste wird die Story abgespult und Rajkumar Kohli versucht alles reinzupacken, was die Gehirne der Drehbuchautoren ersonnen haben. Eine fast unüberschaubare Anzahl an Personen bevölkert eine Geschichte im Jaani Dushman (Poster 2)Seifenopernformat, voller kleiner Dramen, Intrigen, Hoffnungen und Enttäuschungen, das ganze ausgebreitet auf ein episches Format und portraitiert von teilweise angesehenen Schauspielern. Allerdings ist dieser Streifen derart schlecht und vor allem holprig inszeniert, dass man sich fragen muss, ob die Beteiligten ihr Handwerk überhaupt gelernt haben, oder ob sie nur zufällig zur Stelle waren, als der Regisseur Kameraleute, Schnitttechniker und Spezialeffekte-Künstler suchte. Eine Dramaturgie gibt es nicht wirklich, Spannung kommt selten, ein Gruselgefühl gar nicht erst auf, die Charaktere bleiben uninteressant und klischeehaft, und zu allem Überfluss scheint der Film mit einem Häcksler geschnitten zu sein, so ruppig und sprunghaft, wie einem das rege Treiben vor den Latz geknallt wird. Technisch gesehen kann man "Jaani Dushman" somit nur Katastrophenstatus attestieren.
Glücklicherweise funktioniert der Streifen als astreiner Trashknaller, der trotz einiger Längen gut unterhält und das eine oder andere Mal den Zuseher zu einem spontanen Lachanfall animiert (und damit meine ich nicht die eingestreuten Comic Reliefs, denn diese entpuppen sich einmal mehr als unfassbar öde und richtiggehend ärgerlich). Dabei sind die diversen Terrorszenen, wenn der Werwolf die hilflosen Bräute attackiert, gar nicht mal von schlechten Eltern, ja, teilweise sogar sehr effektiv. Doch sobald die Kamera auf das Monster zoomt bzw. dieses geifernd und zähnefletschend vor die Linse hopst, wird diese Effektivität auf einen Schlag zunichte gemacht. Grund dafür ist die haarige Bestie, bei deren Anblick selbst der Original-Wolfsmensch (Interner Link"The Wolf Man" ["Der Wolfsmensch"], 1941)) in ein hysterisches, schadenfrohes Lachen ausgebrochen wäre. Das Ding ist einfach nur witzig, aber immerhin sorgt es für Stimmung beim Zuseher, wenn es wieder mal kreischenden Bräuten hinterherhetzt. Bei diesen Sequenzen kommen (zumindest) Fans von trashigen Monsterschinken voll auf ihre Kosten. Aber auch sonst legt der Film dank des sonderbaren 'Inszenierungsstils' ein mörderisches Tempo vor, sodass fast immer etwas passiert und Langeweile gar nicht erst aufkommen kann. Leider sind die Songs sehr schwach und uninspiriert ausgefallen, und wenn man dasselbe Lied zum dritten oder gar vierten Mal ertragen muss (das Repertoire bei Hochzeiten scheint sich auf einen Song zu beschränken), dann beginnt dieses ähnlich zu nerven wie die Möchtegern-Komiker Jagdeep und Paintal. Das hochdramatische Finale bringt jedoch die Lachmuskeln wieder zum vibrieren, wenn der Werwolf erst Styroporfelsen und dann Stuntpuppen enthusiastisch durch die Gegend wirft.
Jaani Dushman (Poster 3)Jaani Dushman (Poster 4)Jaani Dushman (Poster 5)
Somit bleibt mir als Fazit nur noch festzustellen, dass "Jaani Dushman" als ernstzunehmender Horrorfilm auf der ganzen Linie kläglich versagt, dass seine durchaus vorhandenen Qualitäten jedoch als spaßiges Trashspektakel sehr schön zur Geltung kommen. Wer sich für indische Genrefilmkost interessiert, sollte "Jaani Dushman" natürlich gesehen haben, schon aus historischen Aspekten, schließlich handelt es sich bei diesem Film um einen der erfolgreichsten indischen Gruselfilme überhaupt. Dass dies nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt, sollte niemanden verwundern. Ein Wort zur erhältlichen amerikanischen DVD: diese läuft ca. 129 Minuten und ist leider nicht komplett. Im Gegensatz zur indischen VCD (Laufzeit ca. 143 Minuten) fehlt unter anderem eine ganze Sequenz knapp vor dem Showdown, welches den Filmgenuss doch ein wenig trübt. Allerdings erfreut uns die US-DVD mit englischen Untertiteln, sodass man ohne entsprechende Hindi-Kenntnisse zumindest eine Chance hat, dem (verw)irren(den) Treiben auf dem Bildschirm auf halbwegs verständliche Art und Weise zu folgen.

Khooni Panja
Eine Hand auf Abwegen - KHOONI PANJA (DEADLY HAND) (1991)
Im Jahre 1991, als der 'Doom Boom' schon in seinen letzten, keuchenden Zügen lag, erfreute Vinod Talwar mit seinem Interner Link"Khooni Panja" ("Deadly Hand") die Fangemeinde. Oder schreckte sie ab, denn man muss schon einen sehr absonderlichen Geschmack sein eigen nennen, um diesem irrwitzigen Streifen auch nur irgend etwas abgewinnen zu können.
Khooni Panja (Szenenbild 1)Khooni Panja (Szenenbild 2)Khooni Panja (Szenenbild 3)
Khooni Panja (Szenenbild 4)Khooni Panja (Szenenbild 5)Khooni Panja (Szenenbild 6)
Vielversprechender Weise beginnt der Film mit einem grellen Blitz, der durch die Nacht zuckt. Aber bereits hier melden sich die ersten, kritischen Stimmen zu Wort, denn der Blitz sieht dermaßen unecht aus, dass man sich die von Khooni Panja (Poster 1)Sam Raimi aus Interner Link"The Evil Dead" ("Tanz der Teufel", 1982) entfernte Szene zurück sehnt. Danach werden wir Zeuge eines gar grausigen Geschehens. Ajit, ein reicher Geschäftsmann mit Vollmondgesicht, turtelt vergnügt mit einer Frau, die nicht die seine ist. Denn diese taucht urplötzlich auf, ist stinksauer, und hat zu allem Überfluss auch noch eine Waffe in der Hand. Sie spielt ihre Macht gnadenlos aus und verlangt von Ajit, dass er ihre Nebenbuhlerin kalt macht. Doch der hat andere Pläne, und ehe sie sich versieht, stecken zwei Kugeln in ihrem Körper. Da es sich hier um einen billigen Horrorfilm handelt, befindet sich in der näheren Umgebung natürlich ein Friedhof. Und da der Friedhofsverwalter einem steuerfreien Nebenjob nicht abgeneigt ist, beginnt er sogleich, ein Grab zu schaufeln, ohne weitere Fragen zu stellen. Nun ist die Frau aber noch nicht ganz tot, obwohl sie, wie es scheint, eine Kugel in die Brust und eine weitere mitten in die Birne abgekriegt hat. Trotzdem glotzt sie unvermutet in die Kamera, was die Zuseher wohl erschrecken soll. Es überrascht wenig, dass sie mit ihrem geplanten Begräbnis nicht wirklich einverstanden ist. Aber da der Verwalter stolzer Besitzer eines handlichen Schwertes ist, drängt er die arme Frau damit ins Grab und beginnt auch gleich, ebendieses zuzuschütten. Noch immer wehrt sich die Frau gegen ihren beschlossen Tod, diesmal, Khooni Panja (Poster 2)indem sie ihre Hand durch die Erde bohrt und ihre Rivalin fest am Knöchel packt, welche auch sofort ihre Fähigkeiten als Scream Queen unter Beweis stellt. Es hilft alles nichts: mit einem Schwertstreich schlägt ihr der Verwalter die Hand ab ...
Einige Zeit später. Pinky (Sargam) und Freundinnen spielen Basketball neben dem Friedhof, und als der Ball über die Mauer kugelt, wird Pinky mit der Aufgabe betraut, diesen zu holen. Pinky ist übrigens, wie es der Zufall (bzw. der Drehbuchschreiber) so will, die Verlobte von Ajits jüngerem Bruder, der von Anil Dhawan gegeben wird. Sie sucht und sucht, doch es ist nichts zu finden. Dafür wird sie von Jemandem - oder besser gesagt: Etwas - gefunden! 'Khooni Panja', die abgetrennte Pfote, macht sich über sie her, und das Ding sieht alles andere als gesund aus. Als Pinky (niedlicher Name, nicht?) wieder zu sich kommt, ist sie nicht mehr dieselbe. Sie guckt böse, trägt des öfteren gruselige Kontaktlinsen, und benimmt sich generell daneben. Als erster bekommt dies ein schmieriger Diener zu spüren, der sich sturzbetrunken zu ihr in die Dusche schmuggeln will. Dafür wird er mit einem Blick belohnt, der ihn nicht nur schlagartig nüchtern macht, sondern auch das Blut aus diversen Körperteilen abfließen lässt. Der gute Mann sucht das Weite, findet aber nur Pinky, die schon auf ihn wartet und mit einer vollen Flasche Alkohol lockt. Als diese geleert ist, ist auch der Mut des, man muss es sagen: unbelehrbaren Idioten, zurück, und er wagt einen neuerlichen Versuch, Pinky an bzw. unter die Wäsche zu gehen. Aber jetzt macht Pinky Nägel mit Köpfen, denn sie hat sich sehr verändert, und das nicht zu ihrem Vorteil. Jedenfalls packt die Pinky-Kreatur den erschrockenen Typen und wirft ihn in hohem Bogen aus dem Fenster. Und in dieser Tonart geht es weiter, denn von den '10 Sachen, die heute zu erledigen sind', hat eine allerhöchste Priorität: Rache!
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"Khooni Panja" ist eine Offenbarung für alle, die glauben, schon alles gesehen zu haben. Der Streifen schwankt ständig zwischen höchst vergnüglichem Trash und ungoutierbarem Ärgernis hin und her. Zu letzterem zählt zum Beispiel der Möchtegern-Komiker Jagdeep, dessen Szenen (und derer gibt es leider einige) so ärgerlich wie unfassbar unlustig sind. Ich frage mich ernsthaft, ob es irgend jemanden auf dieser großen, weiten Welt gibt, der über Jagdeeps pathetische Performance schmunzelt oder gar lacht. Ebenfalls wenig aufregend sind die vier Musicalnummern, die einfach da sind, weil man es von ihnen Khooni Panja (Poster 3)erwartet. Sie wirken aufgesetzt und bringen die eh schon wenig spektakuläre Handlung quasi zum Stillstand. Vinod Talwars Regieleistung pendelt zwischen amateurhaft und okay, und die Schauspieler(innen) passen sich seinen niederen Ansprüchen perfekt an. Spannung kommt so gut wie nie auf, und wenn man auf Logik keinen Wert legt, ist man definitiv im Vorteil.
Eigentlich schöpft "Khooni Panja" seine Daseinsberechtigung und seinen Unterhaltungswert ausschließlich aus der bizarren, ultratrashigen Monsteraction. Jawohl, denn da geht die Post ab und es sollte kein Auge trocken bleiben. Alleine das Aussehen der potthässlichen Kreatur erwärmt die Herzen von Trashfilm-Aficionados wie mich. Kahlköpfig, blutig rot, irgendwie fleischig, als ob man ihr die Haut stibitzt hätte, und ausgestattet mit langen, schiefen, vorstehenden Beißwerkzeugen, die es aber - wenn ich genauer darüber nachdenke - so gut wie nie einsetzt. Dafür bricht es einer Frau das Genick, ersäuft eine andere in einem Fass (leider nicht dem mit Amontillado gefüllten), und knüpft eine weitere am Deckenventilator auf.
Mitten drin wird man plötzlich mit einem der gewagtesten Diebstähle geistigen Eigentums konfrontiert, die ich jemals das Vergnügen hatte zu sehen. Ich habe zwar nicht die leiseste Ahnung, was die Szene hier verloren hat (geschweige denn, was Khooni Panja (Video-CD-Cover)sie bedeuten könnte), aber spaßig ist sie allemal. Es geht um vier Teens, die in einem kleinen See schwimmen und von einem seltsam aussehenden Fleck verfolgt werden, der sich gerne als treibendes Holzstück tarnt. Die Bande rettet sich auf ein Floß und wiegt sich in Sicherheit, wobei sie arroganter Weise das schwimmende Irgendwas ignorieren. Das rächt sich bitter für die Tussi, die fröhlich herumsitzt und ihre Beine ins Wasser baumeln lässt. Denn das Ding stülpt sich über eine ihrer unteren Extremitäten und beginnt sie schon mal zu verdauen. Trotz viel Gekreische hat die dumme Gans keine Chance und endet komplett im Verdauungstrakt des komischen Geschöpfes. Danach geht es mit der eigentlichen Geschichte weiter, als hätte es diese Szene, die natürlich frech und frei aus Stephen Kings "The Raft" ("Das Floß", 1982) bzw. dessen Verfilmung im Episoden-Movie Interner Link"Creepshow 2" ("Creepshow - Kleine Horrorgeschichten", 1987) geklaut ist, nie gegeben. Und so hangelt sich Vinod Talwars No-Budget-Epos von einer Monsterattacke zur nächsten, unterbrochen nur von den uninspirierten Gesangs- und Tanzdarbietungen und den schmerzenden Comic Reliefs.
Die titelgebende tödliche Pfote sieht gar nicht mal so schlecht aus, wird es aber trotzdem schwer haben, in die Filmgeschichte einzugehen. Andere Pfoten in anderen Filmen machen da doch eine bessere Figur. Immerhin darf sie - in der besten Szene des Streifens - eine junge Frau skalpieren! Doch freut euch nicht zu früh... diese grausige Tat ist äußerst dezent gehalten und mehr zu ahnen als tatsächlich zu sehen. Für eine weitere herausragende, delirierende Szene sorgt einmal mehr die böse Pranke, diesmal jedoch auf unfreiwillige Art und Weise. Da es einem wilden Exorzisten gelungen ist, sie aus Pinky auszutreiben, fristet sie für kurze Zeit in einem Tonkrug ihr klägliches Dasein, um bei Gelegenheit ein für alle Mal vernichtet zu werden. Doch einige Hobbyvergewaltiger machen dem Exorzisten einen Strich durch die Rechnung, vor allem der eine Unglückspilz, der auf den Krug fällt und mitsamt diesem prompt explodiert. So kann's gehen.
Khooni Panja (Szenenbild 13)Khooni Panja (Szenenbild 14)Khooni Panja (Szenenbild 15)
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Ein hysterischer Showdown rundet "Khooni Panja" adäquat ab, dessen unterhaltsame Momente dank der vielen Monsteraction letztendlich überwiegen. Jedoch muss ich anmerken, dass Vinod Talwars Pfotenhorror mindestens zwei Ligen tiefer spielt als die Gruselschocker der Familie Ramsay, die das Horrorfilmemachen einfach im Blut haben. Dass es der Herr Talwar besser kann, hat er übrigens im Jahre 1989 mit seinem (inoffiziellen) Interner Link"Fright Night"-Remake unter Beweis gestellt, welches den flotten Titel "Wohi Bhayaanak Raat" ("That Same Horrifying Night") trägt (siehe ganz unten).

Dak Bangla
The Mummy returns - DAK BANGLA (REST HOUSE) (1987)
Herzlich Willkommen im Dak Bangla!
Doch lasset Vorsicht walten, meine Lieben. Wenn ihr euch schon bemüßigt fühlt, das Motel zu betreten, dann aber bitte auf eigene Gefahr. Am besten verkriecht ihr euch sofort auf eure Zimmer, verbarrikadiert die Türen, und betet die Nacht durch. Vielleicht hilft dies ja, auf dass ihr imstande seid, das Haus auf euren eigenen zwei Beinen zu verlassen. Wir wären untröstlich, müssten wir jemanden rufen, der eure blutbefleckten Überreste einsammeln und entsorgen muss. Aber wenn ihr euch an die Regeln haltet, kann eigentlich nicht viel passieren. Am sichersten wäre es natürlich, wenn ihr das Dak Bangla gar nicht erst betretet. Sollte sich dies nicht vermeiden lassen, dann verhaltet euch ruhig und bleibt des Nachts in euren Zimmern. Aber was am wichtigsten ist: was immer ihr auch tut, begebt euch niemals in die unteren Räumlichkeiten des Hauses. Denn sonst könntet ihr ihn treffen, meine Lieben, und das wollt ihr ganz bestimmt nicht, glaubt mir. Denn er ist kein besonders umgänglicher Zeitgenosse, und seine Manieren lassen ein klein wenig zu wünschen übrig ...
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Im Jahre 1987 drehte Keshu Ramsay mit Interner Link"Dak Bangla" ("Rest House") einen verdammt guten Schocker, der der bewährten Ramsay-Horror-Thematik ein wenig frischen Wind einhauchte. Unterstützt wurde er dabei natürlich von der in diesen Sachen erfahrenen Verwandtschaft. Reshma produzierte, die Geschichte hat sich Kumar ausgedacht (der auch das Drehbuch verfasste), und am Sound werkelte Kiran, während Oberhaupt F. U. Ramsay sich auf die Präsentation des Filmes beschränkte. Das Ergebnis ist ein für indische Verhältnisse relativ kurzer Film (ca. 113 Minuten), der aber auf fast allen Linien zu überzeugen vermag und überraschend blutrünstig und brutal ist.
Das titelgebende Dak Bangla ist ein altes, wuchtiges, unheimliches Gebäude (welches übrigens schon als Location für den 1986 entstandenen "Tahkhana" ("The Dungeon") genutzt wurde), und die Bewohner der nahegelegenen Ortschaften wenden sich erschreckt ab, wenn sie auch nur dessen Namen hören. Der Beliebtheitsgrad des Dak Bangla Dak Bangla (Poster)ähnelt in etwa dem von Draculas Schloss in Transylvanien. Gleich zu Beginn werden wir Zeuge, wie ein junges Liebespärchen ebendieses Haus aufsucht, um ein wenig Spaß zu haben. Doch dass sie nicht allein sind merken sie spätestens, als sich eine grausige Kreatur durch den Boden den Weg in ihr Zimmer bahnt ... Unter diesem Aspekt überrascht es nicht wirklich, dass die Stelle des Managers vom Dak Bangla eher schwierig zu besetzen ist. Doch im nichtsahnenden Stadtmenschen Ajay ist der neue Manager rasch gefunden, und zusammen mit seiner Frau macht er sich auf den Weg zu seiner neuen Arbeitsstätte.
Schon die Ankunft verheißt nichts gutes. Das Namensschild hängt völlig schief und schwingt klappernd im Wind, die Umgebung ist düster und nebelig, und das Tor, welches das imposante Anwesen umgibt, knarrt fürchterlich, als sie es öffnen. Ein Empfangskomitee sucht man auch vergebens, aber immerhin steht das Essen auf dem Tisch und ihre Koffer werden wie von Geisterhand aufs Zimmer befördert. Am nächsten Tag treffen sie den Verwalter, der - wie wir wissen (und dieses Wissen haben wir Ajay und Gattin voraus) - eigentlich gar keiner ist, hat er doch den echten Angestellten mit einem Hammer erschlagen und seine Leiche in einem Schrank versteckt. Im Laufe des Tages treffen auch schon die ersten Gäste ein, darunter auch Ajays hübsche Nichte Swapna und ihr Freund. Schon in der ersten Nacht quälen Swapna schreckliche Albträume, und da an Schlaf nicht zu denken ist, durchstöbert sie in Begleitung ihres Freundes das unheimliche Anwesen. Es dauert nicht lange, und die beiden stoßen in einem unbenutzten, verstaubten Kellerabteil auf ein altes, blutbespritztes Portrait, das Swapna zum Verwechseln ähnlich sieht. Und hinter dem Gemälde, in einem Geheimfach, liegt ein uraltes, halbzerfallenes Buch (in etwa die indische Ausgabe des Necronomicons). Als die beiden darin zu lesen beginnen, offenbaren sich ihnen (und mittels eines Flashbacks auch dem Zuseher) die grässlichen Ereignisse der Vergangenheit.
Vor vielen, vielen Jahren nämlich tötete in diesem Haus ein brutaler Einheimischer namens Ozo eine angesehene Persönlichkeit, die hier einen Zwischenstopp einlegte. Er wurde schnell gefasst, gefoltert und grausam hingerichtet. Das wiederum hat einen Hexer auf den Plan gerufen, der Ozos Überreste wieder zusammennähte, seinen Körper mit Bandagen umwickelte und ihn schließlich in einer blutigen Zeremonie zu unseligem Leben erweckte. Und wie man unschwer erahnen kann, treibt der untote Ozo noch immer sein grausiges Unwesen, wie die Bewohner des Dak Bangla alsbald am eigenen Leib zu spüren bekommen.
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Dak Bangla (Szenenbild 10)Dak Bangla (Szenenbild 11)Dak Bangla (Szenenbild 12)
Mit seinem Horrorschocker "Dak Bangla" ist Keshu Ramsay ein ganz großer Wurf gelungen. Auch wenn Teile der Geschichte offensichtlich von Filmen der britischen Hammer Studios, allen voran Terence Fishers Interner Link"Dracula: Prince of Darkness" ("Blut für Dracula", 1966) und Lucio Fulcis Interner Link"Quella Villa accanto al Cimitero" ("Das Haus an der Friedhofsmauer", 1981) inspiriert wurden, so ist der Streifen doch eigenständig genug, um für erstklassige, gruselige Unterhaltung zu sorgen. Technisch gesehen gibt es an "Dak Bangla" nichts auszusetzen, da die Kamera das unheimliche Haus hervorragend zur Geltung bringt, die Ausleuchtung selbst hinterste Winkel ins rechte Licht rückt, und das geradlinige Drehbuch die Geschichte langsam aber stetig vorantreibt. Die schauspielerischen Leistungen sind erstaunlich gut, und der tolle Musik-Score verpasst dem bunten Treiben die perfekten Klänge, unterstützt von den (wie üblich) lauten, disharmonischen Soundeffekten. Es gibt drei nette Musical-Szenen, die allesamt in der ersten Hälfte des Filmes stattfinden, sodass die zweite Hälfte sich ohne 'Unterbrechung' dem Spannungsaufbau und dem Horroraspekt widmen kann (glücklicherweise sind auch die obligatorischen Comic Relief Szenen so minimal Dak Bangla (Video-CD-Cover)geraten, dass sie eigentlich keine Erwähnung wert sind).
Sind die ersten drei Viertel des Filmes (mit einigen wenigen Ausnahmen) noch altmodische Gruselunterhaltung im wunderbaren Gothic Horror-Ambiente, so präsentiert uns Keshu Ramsay ein spektakuläres Finale, das nicht nur überraschend brutal, sondern auch ziemlich blutig ausgefallen ist. Der gorige Spaß beginnt im Grunde genommen mit Ozos Hinrichtung, in dessen Verlauf dieser gefoltert und in Stücke gerissen wird. Der Hexer näht seinen Körper wieder zusammen und holt den Mörder als Mumie von den Toten zurück, indem er seine eigene Hand aufschlitzt und den Körper des Toten mit Blut bespritzt. Im Grunde genommen ist die Kreatur eine Mumie, doch da sie im furiosen Showdown einiger Bandagen verlustig geht und die Kamera des Öfteren ihre hässliche, verweste Fratze mit den (scheinbar) leeren Augenhöhlen und dem zugenähten Mund präsentiert, kann man sie guten Gewissens auch als Zombie durchgehen lassen. Die Kreatur (die übrigens einige übersinnliche, telekinetische Fähigkeiten hat) macht keinen Unterschied zwischen Gut und Böse ... sie mordet, was ihr über den Weg läuft, und das auf recht originelle, kreative Art und Weise. So zieht sie einen Mann durch die schlammige Erde nach unten, bis seine Beine im unterirdischen Tunnel baumeln, und Ozo beginnt, ihn bei lebendigem Leibe zu fressen. Eine (unschuldige) Frau wird in einem Aquarium ersäuft, während ein Typ in einer Szene, die stark an Fulcis Interner Link"L'Aldila" ("Die Geisterstadt der Zombies", 1981) erinnert, an einem aus der Wand ragenden Metallrohr aufgespießt wird (es ist zwar nicht zu sehen, wie sich das Rohr durch den Kopf bohrt - keine Ahnung ob dies so beabsichtigt ist, oder ob die Zensur hier ein wenig eingriff!?), aber immerhin wird der durchbohrte Schädel des Unglücklichen später stilvoll ins Licht gerückt. Einem Typen explodiert der Kopf (mehr zu ahnen als tatsächlich zu sehen), einem weiteren wird der Kopf zermantscht (das Blut fließt nicht nur reichlich, es spritzt!), und diverse Einschüsse kann man auch bewundern. Insofern eine fast schon gorige Angelegenheit, möchte ich sagen. Das sehr gelungene Ende rundet den tollen Film zudem perfekt ab.
Dak Bangla (Szenenbild 13)Dak Bangla (Szenenbild 14)Dak Bangla (Szenenbild 15)
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Wenn man "Dak Bangla" nun als Mumienfilm ansieht, so zählt er mit Sicherheit zu den besten überhaupt (allein schon dadurch, da es ja nicht gerade viele davon gibt). Zählt man ihn hingegen zur Kategorie der Zombiefilme, so gibt er auch hier eine äußerst gute Figur ab und braucht sich vor Klassikern des Subgenres nicht zu verstecken. Falls jemand noch nie einen indischen Horrorfilm gesehen hat, diesen Zustand aber baldigst zu ändern beabsichtigt, so bietet sich "Dak Bangla" als Einstieg perfekt an. Ein fantastischer Film und somit uneingeschränkt empfehlenswert.

Kucch To Hai
Schrei, wenn du weißt, welch düstere Legende in einem abgelegenen Hotel ihr machetenschwingendes Unwesen treibt - KUCCH TO HAI (THERE MUST BE SOMETHING) (2003)
Falls ihr euch schon jemals gefragt habt, wie denn Interner Link"I Know What You Did Last Summer" ("Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", 1997) aussehen würde, wenn der Film nicht in Holly- sondern in Bollywood gedreht worden wäre, dann kann ich mit einer erfreulichen Antwort dienen. Guckt euch einfach mal Interner Link"Kucch to Hai" ("There Must Be Something") an, ein buntes, lustiges Slasher-Musical, garniert mit viel Witz und noch mehr Romantik.
Kucch To Hai (Szenenbild 1)Kucch To Hai (Szenenbild 2)
Kucch To Hai (Szenenbild 3)Kucch To Hai (Szenenbild 4)
Erzählt wird die Geschichte von Tanya (gespielt von der niedlichen Esha Deol), die in Karan (Tushaar Kapoor) verliebt ist. Aus diesem Grund nimmt sie spontan die Schuld auf sich, als Karan während eines wichtigen Tests beim Schummeln erwischt wird, ausgerechnet von Professor Bakshi (Rishi Kapoor), dem unheimlichen, niemals lächelnden Lehrer, vor dem nicht nur die Schüler eine höllische Angst haben. Außerdem ist seine Frau spurlos verschwunden, und es geht das Gerücht um, dass Bakshi etwas damit zu tun hat. Um Tanya zu helfen, brechen Karan und einige Freunde in des Professors Haus ein, um den Test zu manipulieren. Blöderweise stolpern sie im Keller über die verwesende Leiche seiner verschwundenen Frau, und Bakshi kehrt früher als gedacht zurück und ist wenig erfreut, seine ungeliebten Schüler in seinem Haus anzutreffen. Auf der panischen Flucht überfährt Tanya unabsichtlich den Professor, was er zwar fast unverletzt überlebt, aber dann taumelt er lustigerweise über einen Felsvorsprung und stürzt einen steilen Abhang hinunter. Die Freunde schwören, den unliebsamen Vorfall geheim zu halten, doch vergessen können sie ihn nicht. Vor allem Tanya leidet schwer unter Schuldkomplexen und verlässt daraufhin die Stadt. Kaum ist sie weg, schmeißt sich die hübsche Natasha (Natasha) an den feschen Karan ran ...
Drei Jahre später. Dolly und Kush, zwei Mitglieder der ehemaligen Clique, heiraten in einem abgelegenen Hotel, was dazu führt, dass sich alle Freunde wiedertreffen. Selbst Tanya verlässt zur Freude aller ihr selbstgewähltes 'Exil', jedoch nicht ohne Hintergedanken. Sie hofft, ihre alte Romanze mit Karan aufzufrischen, handelt es sich bei ihm doch um die Liebe ihres Lebens. Umso mehr schmerzt es ihr, als sie erfährt, dass Karan sich mit Natasha zu vermählen gedenkt. Aber das ist nur einer ihrer geringsten Sorgen, denn im von der Außenwelt abgeschnittenen Hotel ereignen sich seltsame Dinge. Bald schon färbt sich die schneebedeckte Idylle der Berge blutrot, und die Teens müssen erkennen, dass ein geheimnisvoller Mörder (in schwarzem Mantel mit Kapuze) sein Unwesen treibt und die Gäste (wenn sie nicht gerade singen und tanzen) dezimiert.
Kucch To Hai (Szenenbild 5)Kucch To Hai (Szenenbild 6)
Kucch To Hai (Szenenbild 7)Kucch To Hai (Szenenbild 8)
Die Regie bei diesem zwar unterhaltsamen aber insgesamt höchst durchschnittlichen Streifen teilen sich Anurag Basu und Anil V. Kumar, die das von Rajeev Jhaveri verbrochene Drehbuch adäquat auf die Leinwand umsetzen. Dabei zitieren sie eifrig (oder klauen frech, je nach Ansichtssache) Filme wie "I Know What You Did Last Summer", Interner Link"I Still Know What You Did Last Summer" ("Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast", 1998), Interner Link"Urban Legend" ("Düstere Legenden", 1998), die komplette Interner Link"Scream"-Trilogie (1996 - 2000), Interner Link"The Shining" (1980), Interner Link"Psycho" (1960) und sogar das psychedelische Murder Mystery "Gumnaam" ("The Nameless", 1965). So ausgiebig wie hier wurde selten zuvor im Slasherpool gefischt.
Das Ergebnis ist zwar ziemlich unterhaltsam, vorausgesetzt, man kann mit Bollywood-Filmen etwas Kucch To Hai (DVD-Cover)anfangen, aber nicht wirklich gut und schon gar nicht spannend oder gar packend. Jedes Mal, wenn ein Hauch von Spannung aufzukommen droht, kann man sicher sein, dass entweder das lästige Comic Relief (einer der Angestellten des Hotels) oder eine flotte Sing-und-Tanz-Einlage diesen Anflug sofort wieder zerstört. Die Regie des teilweise in Innsbruck (Österreich) gedrehten Filmes ist okay, und die Kamera schafft es, wirklich sehr schöne Bilder einzufangen. Die Songs und Tanzeinlagen kann man ebenfalls als gelungen bezeichnen, allerdings nehmen sie für meinen Geschmack einfach zu viel Raum ein, so dass für die eigentliche Geschichte - trotz einer Laufzeit von 136 Minuten - natürlich weniger Platz bleibt. Die Charaktere sind die üblichen, klischeehaften, eindimensionalen Teenies, wenn auch deutlich sympathischer gezeichnet und hübscher (das bezieht sich auf die wirklich süßen Mädels) als die allseits gefürchteten Ami-Dödel. Es gibt Unmengen an falschen Schocks, die noch dazu selten effektiv rüberkommen (am gelungensten ist da noch die Traum-im-Traum-Sequenz zu Beginn, die die Latte gleich mal so hoch legt, dass sie im weiteren Verlauf des Streifens selten übersprungen wird). Die Mordszenen sind fast allesamt ausgesprochen blutleer (trotz einer Art Machete als Mordwaffe) und teilweise schlicht und einfach unmöglich. Da stolpert ein verängstigter Typ ins Freie, läuft lange und planlos durch den Schnee, nur um irgendwann erschöpft auf den Boden zu fallen, um zu verschnaufen. Woraufhin sich der Killer aufrichtet, der sich - exakt unter ihm - in den Schnee eingegraben hatte!
Kucch To Hai (Szenenbild 9)Kucch To Hai (Szenenbild 10)
Kucch To Hai (Szenenbild 11)Kucch To Hai (Szenenbild 12)
Dank Szenen wie dieser erscheint es manchmal sogar, als versuche "Kucch to Hai" das Slashergenre zu parodieren. Die Szene mit dem irren Tankwart, der Tanya unbeholfen warnen will, dass sich jemand auf ihrem Rücksitz befindet, ist ähnlich überzogen und unfreiwillig komisch in Szene gesetzt, ganz zu schweigen von Professor Bakshis Ableben bzw. seinen Auftritten, in denen er als das personifizierte Böse (komplett mit Interner Link"Omen"-esquer Musik) portraitiert wird. Aber andererseits nimmt er sich großteils wieder so ernst (vor allem gegen Ende), dass man den Regisseuren diese Absicht beim besten Willen nicht unterstellen sollte. Vieles an diesem Bollywood-Slasher ist zwar arg vorhersehbar, dafür überrascht das Ende mit einem etwas weit hergeholten, dramatischen Story-Twist, der für kollektives Staunen sorgen sollte. Wer an den amerikanischen Teenie-Slashern der neuen Generation Gefallen findet, der sollte auch mit "Kucch to Hai" seinen Spaß haben. Nur ernst nehmen sollte man diesen grellen, überlangen und nicht immer gelungenen Mix aus Slasherfilm, Musical, Komödie, Liebesgeschichte und Teeniedrama auf keinen Fall.

Gumnaam
Acht kleine Inderlein - GUMNAAM (NAMELESS/THE UNKNOWN) (1965)
Der 1965 von Raja Nawathe inszenierte und von N. N. Sippy produzierte Film Interner Link"Gumnaam" ("The Nameless"/"The Unkown"/"Vortex") gilt - wenn man seinem wunderbaren, sensationsheischenden Trailer Glauben schenken darf - als Indiens erster Suspense-Thriller. Grund genug, diesen Klassiker indischer Filmkunst etwas näher zu beleuchten, noch dazu, da wohl einige eine bestimmte Szene des Filmes kennen und unter Umständen gar keinen Schimmer haben, dass sie aus eben diesem Streifen stammt.
Gumnaam (Szenenbild 1)Gumnaam (Szenenbild 2)Gumnaam (Szenenbild 3)
Gumnaam (Szenenbild 4)Gumnaam (Szenenbild 5)Gumnaam (Szenenbild 6)
"Gumnaam" beginnt mit einem kaltblütigen Mord. Ein Mann namens Khanna (Hiralal) beobachtet von einem Balkon aus die Straße unter sich, und als ein gewisser Herr Sohanlal das gegenüberliegende Hotel verlässt, macht Khanna eine kurze, eher unauffällige Handbewegung, woraufhin sich ein Auto in Bewegung setzt und den Hotelgast mit Vollgas überfährt. Khanna kehrt in sein Zimmer zurück, bezahlt kurz darauf den Killer und tätigt einige Telefonanrufe der Marke 'alles verläuft genau nach Plan'. Danach ruft er Gumnaam (Video-CD-Cover 1)eine junge Frau mit Namen Asha (Nanda) an und teilt ihr Mitleid heuchelnd mit, dass ihr Onkel leider soeben verstorben sei. Doch bevor er noch imstande ist aufzulegen, geschieht etwas, mit dem Khanna nicht gerechnet hat. Er bekommt Besuch von einem Unbekannten, der ihn kommentarlos mit zwei Kugeln aus einer Pistole ins Jenseits befördert. Weiter geht es, nach dem Vorspann, im Princes Club, der gerade ein besonderes Jubiläum feiert. Aus diesem Grund wird so einiges geboten, wie zum Beispiel die Band Ted Lyons & his Cubs, die ein flottes Lied spielt, zu dem ein Mann (höchstwahrscheinlich besagter Ted Lyons) schwungvoll singt und einige Frauen und Männer (alle mit einer schwarzen Zorro-ähnlichen Augenmaske bestückt) eine heiße Sohle aufs Parkett legen. Aber ins Auge sticht besonders eine namenlose Tänzerin (Laxmi Chhaya), die sich förmlich die Seele aus dem Leib tanzt und ihren Kopf schüttelt, dass Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung besteht.
Ein Wahnsinnsauftakt mit einem Rhythmus, bei dem man einfach mit muss, und der genialst rockt. Für solche Szenen wurde das Wort 'Kult' erfunden. So ist es auch kein Wunder, dass Terry Zwigoff sich dieser unvergesslichen Sequenz bediente und sie zu Beginn in seinen Film "Ghost World" (2001) einbaute. Doch ich schweife ab ... zurück zum Club. Kein Jubiläum ohne Tombola, und so können sich sieben glückliche Herrschaften auf einen Auslandsurlaub per Charterflug freuen. Neben fünf Männern erfreut das männliche Auge vor allem die Anwesenheit der hübschen und sympathischen Asha sowie der quirligen Tanzmaus Kitty (Helen). Ich jedenfalls würde beide nicht von der Bettkante stoßen.
Doch der Urlaubstrip verläuft nicht ganz so, wie es sich die Gewinner vorgestellt Gumnaam (Poster 1)haben. Erst muss das Flugzeug aufgrund Motorproblemen auf einer weit abgelegenen Insel notlanden, und als sich die Passagiere und ein Flugbegleiter kurz die Beine vertreten, hebt die gar nicht fluguntüchtige Chartermaschine plötzlich ohne Vorwarnung und ohne die überraschten Passagiere ab. Immerhin hat man ihr Gepäck auf den Inselboden geworfen. Eine erste Inspektion der Insel bringt nichts Aufregendes zu Tage, und langsam macht sich auch so etwas wie Unbehagen breit. Vor Nachteinbruch jedoch ertönt plötzlich eine glockenhelle Frauenstimme, die ein ins Ohr gehendes, melancholisches Lied trällert. Unsere acht Freunde folgen der Stimme und landen bei einem stattlichen Anwesen, welches sie durch knarrende Türen ohne lange zu zaudern betreten. Der Ort scheint verlassen zu sein, abgesehen von dem menschlichen Körper, der regungslos, mit einem Laken bedeckt, auf einem Tisch liegt, was Asha zu einem schrillen Aufschrei animiert.
Wie auf Kommando richtet sich der Körper unendlich langsam auf, und als das weiße Laken von seinem Gesicht rutscht, offenbart sich den staunenden Urlaubern ... das Comic Relief des Filmes in Gestalt des Butlers (Mehmood), komplett mit Pilzkopf und Hitlerbärtchen. Der sorgt auch gleich für das Abendessen, in dessen Verlauf jedoch die erste böse Überraschung ans Tageslicht kommt. Ein Tagebuch wird gefunden, und als Anand (Manoj Kumar), der Flugbegleiter, daraus vorliest, staunen die Gäste nicht schlecht. "You are all murderers, criminals and culprits, and you've been brought here to be punished. And the punishment is death for all of you, but in turns." Die scheinbar bunt zusammen gewürfelte Truppe nimmt das ganze nicht wirklich ernst, doch das ändert sich spätestens, als das erste Opfer ermordet aufgefunden wird. Während sich einige langsam näher kommen (so freundet sich Anand zum Beispiel mit Asha an), regiert bei anderen das blanke Misstrauen. Jeder könnte die geheimnisvolle, mordlüsterne Spinne sein, in deren Netz sie wie hilflose Fliegen gelandet sind, und dank der großzügig ausgestreuten 'Red Herrings' wird der Zuseher bei der fröhlichen Mörderhatz - so er denn gewillt ist, sich darauf einzulassen - oftmals auf eine falsche Fährte gelockt. In bester Agatha Christie-Manier (Interner Link"And Then There Were None"/"Ten Little Indians"/"Zehn kleine Negerlein"/"Und dann gabs keines mehr", von 1939 sage ich nur) scheiden die Protagonisten unfreiwillig aus dem Leben, bis sich die letzten Überlebenden und der/die Killer/in im hochdramatischen Finale gegenüberstehen ...
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Als ich "Gumnaam" das erste Mal sah, musste ich des Öfteren an Mario Bavas "5 Bambole per la Luna d'Agosto" ("Five Dolls for an August Moon") denken. Dieser 1970 entstandene Film zählt weder zu den besten noch zu den unterhaltsamsten Arbeiten des italienischen Kultregisseurs, löste aber eine gewisse Faszination Gumnaam (Video-CD-Cover 2)aus, die so richtig erst nach Ende des Filmes griff. Mir zumindest ging es so, dass mich beim Ansehen des Streifens das eine oder andere Mal fast so etwas wie ein wenig Langeweile überkam, doch kaum war der Film zu Ende, dachte ich glücklich und zufrieden an ihn zurück. Bei der ersten Betrachtung von "Gumnaam" verhielt es sich nahezu identisch (wobei ich anmerken muss, dass die fehlenden Untertitel einiges an Unterhaltungswert kosteten). Welche Qualitäten der Streifen auch immer hat ... er hat sie in rauen Mengen. Und diese Qualitäten kommen erst so richtig zum Vorschein, wenn uns das allseits bekannte 'The End' verkündet, dass da nichts mehr kommt. Auch wenn ich dem wenig spektakulären Geschehen mehr oder weniger gespannt und durchaus unterhalten gefolgt bin, so richtig aufgeregt, angespannt oder gar elektrisiert war ich eigentlich nie. Und kaum war der Film vorbei, machte sich in mir das starke Bedürfnis breit, ihn gleich noch mal anzusehen (diesem Bedürfnis habe ich in der Zwischenzeit nicht nur einmal nachgegeben, und dank der britischen DVD sogar in englisch untertitelter Form!). Klingt seltsam, ist aber so.
Und glücklicherweise hält der Film wiederholtem Ansehen nicht nur locker stand, er macht sogar noch mehr Spaß und Freude. "Gumnaam" besticht vor allem durch die seltsame, unbeschreibliche Atmosphäre, Gumnaam (Poster 1)die bisweilen fast schon ins Surreale und Psychedelische abdriftet. Man denke nur über die Grundsituation des Filmes nach: einige Leute werden von einem unbekannten Killer einer nach dem anderen ins Jenseits befördert, und was tun sie konsequenterweise: sie tanzen, saufen, singen (manchmal auch alles zusammen), schwimmen und spazieren einsam und allein herum, als ob sie das ganze überhaupt nichts anginge. Kaum wird eine neue Leiche gefunden, ist der Schrecken und das Geschrei groß, doch zwei, drei Minuten später hat man das alles schon wieder vergessen und man amüsiert sich unbeschwert, als gäbe es kein Morgen. Logisch ist es nicht, aber es hat was.
Bei einer Laufzeit von 152 Minuten sollte man etwas mehr mitbringen, als die Aufmerksamkeitsspanne eines Frettchens, um den Streifen auch wirklich genießen zu können. Sicher lässt sich die eine oder andere Länge nicht vermeiden, und nicht alle Aktionen des Butlers sind auch lustig, aber abgesehen davon stimmt bei "Gumnaam" fast alles. Der Film ist sorgfältig inszeniert, das Drehbuch ist gut durchdacht, der Spannungsbogen (wenn man denn überhaupt von einem sprechen möchte, denn richtige Spannung kommt eher selten auf) ist in Ordnung, die Kameraarbeit ist streckenweise hervorragend (es ist einfach wunderbar mit anzusehen, als die Gäste die Insel erkunden, sich aufteilen, und die Kamera umherschwenkt und die einzelnen Personen beobachtet, nur um sie am Ende wieder alle zusammen einzufangen), und auch an Schnitt und Ausleuchtung (auch hier lässt Mario Bava grüßen) gibt es nichts zu bemängeln. Die Musik unterstreicht das Geschehen auf angenehme und nicht allzu aufdringliche Weise, und die eingestreuten Musicalnummern reichen von romantisch und langsam, über witzig und frech, bis hin zu fetzig und überdreht, und sie sind erstklassig choreographiert und versprühen bisweilen eine Lebenslust, dass einem fast hören und sehen vergeht (was schade wäre, gerade bei Kittys exzellenten Darbietungen). Neben der kultigen Eröffnungssequenz sticht vor allem auch Mehmoods psychedelische Tanzphantasie heraus, die für eine einfallsreiche, wenn auch etwas bizarre Abwechslung sorgt.
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Dass es fast eine volle Stunde dauert, bis der erste der illustren Schar ins Gras beißt, mag für viele abschreckend erscheinen, aber selbst die Einführung der Charaktere und der Aufbau der Story machen Spaß und sind selten langatmig. Auch wenn es dann endlich so weit ist und der Bodycount stetig ansteigt, der Blutfluss hält sich dennoch stark in Grenzen und das Tempo bleibt konsequent bedächtig. Mit einer Ausnahme passieren alle Morde irgendwo im Off, sodass man lediglich die Leichen der auf unterschiedliche Art Verschiedenen zu Gesicht bekommt. Als Mordwerkzeuge dienen unter anderem Messer und Äxte, aber auch der Strangulation ist der mysteriöse Killer nicht abgeneigt. Der eine Mord, der dann tatsächlich on screen präsentiert wird, ist dafür umso effektiver und schockierender. Diese Sequenz ist wahrhaft meisterlich inszeniert und geht unter die Haut, da es die Filmemacher schaffen, dass man das Grauen des Opfers fast am eigenen Körper spürt. Je mehr sich das Opfer fürchtet, umso näher rückt die Kamera. Gegen Ende beherrschen extreme Close-Ups das Geschehen. Das schweißnasse Gesicht. Die weit aufgerissenen, angsterfüllten Augen. Dazu die geniale Geräuschkulisse, unterstützt von disharmonischen Sound-Effekten, die es tatsächlich geschafft haben, Gänsehaut auf meinen Körper zu zaubern. Eine unvergessliche und sehr intensive Szene.
Das Finale ist ebenfalls ganz großes Kino, wobei einige gelungene Twists den Film nochmals aufwerten. "Gumnaam" ist völlig zu Recht ein Kult-Klassiker und zählt, spätestens nach dem dritten Mal Ansehen, zu meinen Lieblingsfilmen der 1960er Jahre. Es gibt einfach nichts Vergleichbares.

House No. 13
Das dreizehnte Haus rechts - HOUSE NO. 13 (1990)
Obwohl der 'Doom Boom' in den frühen 1990er Jahren schon stark im abebben begriffen war, schienen einige Regisseure nicht bereit zu sein, ihre lieb gewonnene Spielwiese so einfach aufzugeben. Mohan Bhakri stampfte "Amavas Ki Raat" (1990), "Roohani Taaqat" ("Spiritual Power", 1991) und "Insaan Bana Shaitan" ("Man into Monster", 1992) aus dem Boden, Vinod Talwar begeisterte die Fangemeinde mit "Teri Talash Mein" (1990), "Hatyarin" (1991) und "Khooni Panja" ("Deadly Hand", 1991), und auch die Ramsays wollten es mit "Aakhri Cheekh" ("The Final Scream", 1990), "Shaitani Ilaaka" ("Devil's Domain", 1990), "Bandh Darwaza" ("The Closed Door", 1990), "Ajooba Kudrat Ka" (1991), "Ashaant" (1993) und dem großartigen Interner Link"Mahakaal" ("Time of Death", 1993) noch einmal wissen. Und - nicht zu vergessen - Ram Gopal Varma legte mit seinem innovativen Schocker "Raat" ("Night", 1992) ein beachtliches Debüt im Horrorgenre hin.
Ein weiterer Regisseur, der sich von den stagnierenden Besucherzahlen nicht beirren ließ, ist der niedlich benannte Baby. Zwar ist Baby kein Neuling im Film-Business (so drehte er z. B. schon 1979 den Exploitationfilm "Lisa"), aber erst Anfang der 1990er Jahre ritt ihn der Teufel und er versuchte sein Glück mit einem waschechten Gruselstreifen. Das Ergebnis nennt sich Interner Link"House No. 13".
House No. 13 (Szenenbild 1)House No. 13 (Video-CD-Cover)House No. 13 (Szenenbild 2)
House No. 13 (Szenenbild 3)House No. 13 (Szenenbild 4)House No. 13 (Szenenbild 5)
Gleich zu Beginn wird deutlich, dass Baby seine Vorbilder recht gut studiert hat. Es ist Nacht, und da man es mit einem billigen indischen Horrorfilm zu tun hat, blitzt, donnert und stürmt es natürlich standesgemäß. In einer abgelegenen Villa versucht sich ein bärtiger Mann als Maler: Er skizziert, relativ geschickt, das eigene Anwesen, welches irgendwie düster und bedrohlich erscheint. Sein Assistent (oder Diener) kann dem Ganzen nicht viel Positives abgewinnen, glaubt er doch, dass es in dem Haus spukt. Als plötzlich jemand mittels heftiger Klopfzeichen Einlass begehrt (noch dazu, zu so später Stunde), nimmt seine Angst fast schon panische Ausmaße an. Doch, oh Wunder, es ist nur eine schöne Frau, die vom Gewitter überrascht wurde und ein trockenes Plätzchen sucht. Der Maler zögert nicht lange und bittet die tropfnasse Frau ins Haus. Später, als sein Gast in trockene Kleider gewechselt ist, packt er die Gelegenheit beim süßen Schopf und beginnt damit, ein Portrait der Dame anzufertigen. Während die (relativ simple) Zeichnung Konturen annimmt, bemerkt er plötzlich, dass sich die Portraitierte im Spiegel an der Wand nicht reflektiert. Verwirrt tritt er näher, dreht die mit abgewandtem Gesicht auf einem Stuhl sitzende Frau herum ... und ein hässlicher Totenschädel lacht ihm meckernd ins Gesicht!
Es folgen die Credits und mit ihnen ein undefinierbarer Zeitsprung, denn das Haus mit der Unglücksnummer 13 wurde soeben von einer sechsköpfigen Familie erworben, die es sogleich bezieht. Es dauert nicht lange, und seltsame Dinge geschehen. So verbleibt die Reflektion eines Mannes im Spiegel, obwohl er schon den Raum verlassen hat. Im Spiegel glüht und raucht es zudem unheimlich, der Bücherschrank verwandelt sich in ein Tor in eine andere Welt, die Stoffpuppe der Tochter spielt verrückt und versucht das Mädchen zu erwürgen, und einem lustigen Replikat der Mona Lisa wachsen gar lange Haare, die es wie Rapunzel herablässt. Allerdings hilft sie damit keinem Jüngling, einen Turm zu erklettern, sondern erdrosselt kaltblütig den Großpapa. Als sich das Oberhaupt der Familie, ein Doktor, förmlich zu Tode schreckt, ist auch dem letzten Zweifler klar: im Haus Nummer 13 spukt es, und zwar gewaltig. Ein Exorzist muss her, um dem mörderischen Geist Einhalt zu gebieten ...
House No. 13 (Szenenbild 6)House No. 13 (Szenenbild 7)House No. 13 (Szenenbild 8)
House No. 13 (Szenenbild 9)House No. 13 (Szenenbild 10)House No. 13 (Szenenbild 11)
Mit "House No. 13" hat Regisseur Baby einen soliden, wenn auch recht unspektakulären und höchst durchschnittlichen Gruselschocker auf die Beine gestellt. Die wenig komplexe Handlung wurde immens gestreckt, um die angepeilte Spielzeit von fast zwei Stunden zu erreichen, und somit muss der Zuseher einige langatmige Passagen über sich ergehen lassen. Außerdem hat der Regisseur, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, einiges an unsinnigem Füllmaterial reingepackt, um das (indische) Publikum bei Laune zu halten. So bricht wie aus heiterem Himmel (und völlig unpassend) nach einer Gruselsequenz eine Musicalnummer über den Zuseher herein, welche immerhin mit einem netten Song und der Nutzung schöner Locations gut unterhält. Kurz darauf wird eine junge Frau von einem dunkelhäutigen Lustmolch überfallen und verfolgt, wobei ihm ihre laut klingelnden Fußkettchen den rechten Weg weisen. Glücklicherweise erscheint der Held rechtzeitig auf der Bildfläche, um die holde Maid vor dem drohenden, gewaltsamen Verlust der Unschuld zu bewahren. Die folgende, obligatorische Kampfeinlage ist zwar sehr mies choreographiert, bietet aber einige Lacher und wird von einer flotten Mucke begleitet. Die Schlaggeräusche wurden so extrem verstärkt, dass selbst die alten Eastern vor Neid erblassen würden, könnten sie dem Spektakel beiwohnen. Des Weiteren versucht sich der Held an einigen Kung-Fu-Einlagen, wobei man ihm nur wünschen kann, dass er sich bei diesen Verrenkungen nicht verletzt hat.
House No. 13 (Poster 1)House No. 13 (Poster 2)House No. 13 (Poster 3)
Von den Schauspielern kann auch niemand so recht überzeugen, und Atmosphäre oder Gruselstimmung kommt höchst selten auf. Immerhin hat man wundersamer Weise auf ein Comic Relief verzichtet, was "House No. 13" um einiges erträglicher macht. Auch wenn sich diverse westliche Einflüsse nicht verleugnen lassen - die Haunted House-Thematik wurde in vielen amerikanischen Filmen abgehandelt, und auch an Interner Link"The Exorcist" ("Der Exorzist", 1973) und Interner Link"Poltergeist" (1982) hat man sich ein wenig bedient -, so überrascht es doch, dass Baby zumindest versucht, seinen Billigfilm mit originellen Sequenzen anzureichern. Aus einem Gemälde schießen plötzlich Arme und würgen den Betrachter. Der Mona Lisa sprießen Haare, mit denen sie einen alten Mann ins Jenseits befördert. Die Puppe dehnt ihren Arm auf mehrere Meter, um dem Kind an den Kragen zu gehen. Nun ja, so neu und originell sind diese Szenen vielleicht doch nicht, aber immerhin muss man Baby attestieren, dass er sich zumindest sehr bemüht hat. Die Spezialeffekte reichen von grauenvoll (der lächerliche Totenschädel zu Beginn) über okay (die wachsenden Haare der Mona Lisa) bis zu gelungen. Zu letzterem zählt vor allem ein zerfallender Schädel im akzeptablen Finale, der wohl mehr als die Hälfte des SFX-Budgets verschlungen haben dürfte.
Da "House No. 13" von Beginn weg ein sehr behäbiges Tempo an den Tag legt, stören die uninspiriert eingefügten Nebenplots wie eine ausgedehnte Kampfszene auf einem Lastwagen bzw. die insgesamt drei Musicalnummern umso mehr. Erst gegen Ende kommen Horrorfilmfans verstärkt auf ihre Kosten, vor allem dank der in grellem rot bzw. orange ausgeleuchteten Szenen 'hinter' dem Bücherschrank. Dass hinter all dem Spuk eine grausame Mordtat steht, die vor langer Zeit in besagtem Haus stattgefunden hat, sollte eigentlich niemanden überraschen. Leider können auch die wenigen gelungenen Horrorsequenzen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film mehr oder minder ereignislos dahintümpelt und selten das Interesse des Zusehers zu wecken imstande ist. Babys "House No. 13" kann mit den Werken der Familie Ramsay in keinster Weise konkurrieren, ja, der Streifen schneidet auch im direkten Vergleich mit 'besseren' Filmen von Vinod Talwar ("Wohi Bhayaanak Raat") oder Mohan Bhakri ("Amavas Ki Raat") eher schlecht ab. Es fehlt ihm einfach das gewisse, trashige Etwas, um ihn aus der Masse hervorzuheben.
Aus diesem Grund bleibt mir leider nichts anderes übrig, als "House No. 13" mit dem Prädikat 'anspruchsloser Durchschnitt' auszustatten, welches man einmal sieht und rasch wieder vergisst. Mit Ausnahme - vielleicht - von Mona Lisas Haaren und dem doch recht gruseligen Erscheinungsbild des Geistes.

Purani Haveli
Haariges Monster Redux - PURANI HAVELI (THE OLD MANSION) (1989)
Der 1989 entstandene Interner Link"Purani Haveli" ("The Old Mansion"), inszeniert wieder einmal vom eingespielten Brüdergespann Tulsi und Shyam Ramsay, zählt nicht gerade zu den herausragenden Arbeiten in der Filmographie der beiden. Doch trotz diverser Schwächen kann sich auch dieser Schocker durchaus sehen lassen, vor allem dank der äußerst rabiaten letzten Viertelstunde. Es ist nun einmal so, dass ein Film, der mit einem Wahnsinnsfinale ausklingt, insgesamt viel besser erscheint, als ein Streifen, der großartig beginnt und dann stark nachlässt bzw. überhaupt nichts mehr zu bieten hat. Der gelungene, feurige Showdown sorgt schlussendlich dafür, dass "Purani Haveli" doch noch im Gedächtnis haften bleibt, was aufgrund der vorangegangenen zwei Stunden kaum der Fall gewesen wäre.
Purani Haveli (Szenenbild 1)Purani Haveli (Video-CD-Cover 1)Purani Haveli (Szenenbild 2)
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Wie nicht anders zu erwarten, ist die Eröffnungssequenz von "Purani Haveli" allererste Sahne in perfekter Gothic Horror-Tradition. Ein riesiges Anwesen wird, unterstützt von einer wunderschönen Ausleuchtung, ins rechte Licht gerückt, während Nebelschwaden um das alte Bauwerk ziehen und unheimliche Tierlaute auf der Soundtrackspur dominieren. Es blitzt und donnert, eine Uhr schlägt die volle Stunde, und die im Gebäude herumstehenden, seltsamen Statuen verbreiten ein wohliges Schaudern, intensiviert durch das knarrende Geräusch sich öffnender Türen. Schreie ertönen, lösen die Tiergeräusche ab, und schon fliegt ein menschlicher Körper durch das oberste Fenster des zum Anwesen gehörenden Turmes in die Tiefe ...
Nach dem Vorspann sehen wir ein junges Pärchen, welches gerade den größten Fehler ihres viel zu kurzen Lebens macht: Sie haben sich das 'Purani Haveli' als Ort für ein Schäferstündchen ausgesucht. Mitten in der Nacht wird der Mann durch einen grausigen Schrei geweckt, und als er sich umsieht und eine Türe öffnet, steht ihm eine abscheuliche, verunstaltete, haarige Kreatur gegenüber, mit leuchtenden Augen und scharfen, faulen Zähnen, die nicht lange zögert und sich über den erschrockenen Mann hermacht. Durch dessen panische Schreie wird seine schlummernde Freundin aufgeschreckt und eilt ihm sogleich zu Hilfe. Sie packt seine hilfesuchend durch den Türspalt ragende, blutige Hand, zieht daran ... und ehe sie sich versieht, löst sich diese von seinem Körper! Die hysterisch kreischende Frau starrt erst ungläubig auf die abgerissene Extremität in ihren Händen und läuft dann hilfeschreiend quer über den angrenzenden Friedhof, nur um doch noch in den mörderischen Pranken des albtraumhaften Monsters zu landen. Kaum sinkt ihr toter Körper zu Boden, erscheint ein bärtiger, entschlossen wirkender Mann auf der Bildfläche und hält der Kreatur ein Kreuz entgegen, womit es ihm gelingt, das Wesen in eine unterirdische Kammer zurück zu drängen. Er schließt das Gitter, versperrt es mit dicken, eisernen Ketten und legt das Kruzifix obendrauf, um den einzigen Ausgang zu sichern.
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Danach werden einige Charaktere eingeführt, wie z. B. die Hauptprotagonistin Anita, ihr Onkel, und weitere, unliebsame Verwandtschaft, bestehend aus der charismatischen Neelam Mehra, die in Vinod Talwars "Wohi Bhayaanak Raat" ("That Same Horrifying Night", 1989) einen viel zu kurzen Auftritt als sexy Vampiropfer hatte, und ihrem Ehemann. Anita liebt Sunil, aber - aus welchem Grund auch immer - ihre Verwandtschaft ist mit dieser Beziehung ganz und gar nicht einverstanden. Derweil wird im 'Purani Haveli' ein Arbeiter von einer zum Leben erwachten Rüstung attackiert und zertreten. Es hat den Anschein, als ob das imposante Anwesen Anitas Onkel gehört, der kurz darauf auf der Bildfläche erscheint und in einer spektakulären, Interner Link"Poltergeist" artigen Sequenz auf dem Friedhof den Weg alles Irdischen geht. Nun hat die garstige Verwandtschaft das Sagen in Bezug auf Anita, und um Sunil loszuwerden, heuern sie einige Schläger an, die den Jungspund eine gehörige Abreibung verpassen sollen. Als das nichts fruchtet, sagen sie Sunil klipp und klar, dass er hier nicht länger erwünscht ist. Doch dieser gibt nicht so leicht auf und schließt sich einer Reisegruppe an, der auch seine geliebte Anita angehört. Die zehn Personen fahren mit dem Bus zum 'Purani Haveli', um dort was auch immer zu tun. Jedenfalls lassen es sich auch Neelam und Anhängsel nicht nehmen, einen Abstecher dorthin zu machen.
Die Zeit vergeht mehr schlecht als recht. Es wird gequatscht, gesungen, sich geprügelt, und hin und wieder passiert auch etwas gruseliges, damit es nicht allzu fad wird. Das Geschehen tümpelt relativ ereignislos dahin, zwar nicht wirklich langweilig, aber auch alles andere als aufregend. Und mit jeder Minute, die vergeht, sehnt man das haarige Biest mehr herbei, doch dieses fristet nach wie vor eingesperrt in der Kammer sein klägliches Dasein. Bis eine gute Viertelstunde vor Schluss ein unwissender Idiot endlich das Kreuz entfernt und das Gitter anhebt ... und von da an ist fette Monster-Action angesagt, die sich wahrhaft gewaschen hat.
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Das Hauptproblem des 138 Minuten langen "Purani Haveli" ist, dass einfach zu wenig passiert. Die Story wird routiniert abgespult, und der Film plätschert relativ höhepunktlos dahin, wenn man vom tollen Beginn und vom erstklassigen Finale absieht. Hat man zudem schon den einen oder anderen Ramsay-Film gesehen, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass einem hier nicht wirklich etwas Neues geboten wird. Die viel zu lange Laufzeit wartet mit einem sinnlosen Nebenplot, für meinen Geschmack etwas zu vielen Comedy-Einlagen, drei nette aber wenig interessante Musicalnummern (deren Tanzszenen übrigens sehr zurückhaltend choreographiert sind), und ein paar eher lächerlichen Kampfszenen auf. Sogar eine versuchte Vergewaltigung wurde wieder einmal mitten ins Geschehen geworfen. Im Gegensatz zu früheren Filmen wie z. B. Interner Link"Darwaza" ("The Door", 1978) mag auch die Verknüpfung der vielen, verschiedenen Elemente nicht so recht zünden, und die Charaktere bleiben eher blass und uninteressant. Doch gerade als man dabei ist, den Streifen als biederen Durchschnitt abzuhaken und zu vergessen, drehen Tulsi und Shyam Ramsay so richtig auf. Denn von dem Moment an, als das haarige Monster entkommt, wird der geneigte Zuseher mit einer monströsen Tour-de-Force beglückt, die ihm zuvor viel zu lange vorenthalten wurde. Die Attacken des haarigen Biests überzeugen in allen Belangen, sind sie doch sehr brutal (wenn auch unblutig) geraten und haben etwas äußerst Unangenehmes an sich.
Als Beispiel sei die folgende Sequenz angeführt: Die Kreatur attackiert eine Frau, indem es ihren Fuß packt und sie zu Fall bringt. Anschließend krabbelt das Monster über die kreischende Frau, drückt sie mit seinem Gewicht zu Boden und beginnt - auf ihr liegend - ihren Oberkörper mit den Zähnen zu bearbeiten. Zumindest wird dies so offensichtlich angedeutet, dass man zu keinem anderen Schluss kommen kann. Die unglückliche Frau wird hier zu einem hilflosen Wesen degradiert, welches die abartige Mordlust der Kreatur über sich ergehen lassen muss. Das einzige, was sie zu tun imstande ist, ist sich die Seele aus dem Leib zu schreien, während sich das Biest an ihr gütlich tut. Diese Sequenz ist so derart animalisch und brutal, dass man glatt glauben könnte, die Frau wird von der Bestie vergewaltigt (man achte auch darauf, wie die Unglückliche festgehalten wird!). Da die Kamera darauf verzichtet, blutige Details zu enthüllen, und stattdessen auf das schmerzverzerrte Gesicht der Frau zoomt, wird die Phantasie des Zusehers regelrecht angestachelt. Und in dieser Tonart geht es munter weiter, denn auch das zweite, wiederum weibliche Opfer, welches in einem versperrten Bus von der Kreatur angefallen wird, findet ein ähnlich erschütterndes Ende.
Purani Haveli (Poster 1)Purani Haveli (Video-CD-Cover 2)
Da ein beträchtlicher Teil des Handlungsverlaufes im 'Purani Haveli' stattfindet, ist es schön mit anzusehen, dass sich das grande finale nach draußen (erst in den strömenden Regen und anschließend in eine kleine Kirche) verlagert. Dass das Monster am Ende von "Purani Haveli" besiegt wird, sollte eigentlich niemanden überraschen. Wesentlich interessanter ist da schon die Tatsache, dass man dem Biest mit Hilfe von christlichen Symbolen auf die Pelle rückt: Weihwasser, Kreuze und Heiligenfiguren setzen der Kreatur gehörig zu, bis sie schwer angeschlagen ins Freie taumelt, wo sie von einem herabfallenden Kreuz - in einer Szene, die fast detailgetreu aus Interner Link"The Omen" ("Das Omen", 1976) abgekupfert ist - durchbohrt wird. Doch das war den Ramsays wohl noch nicht eindrucksvoll genug, denn anschließend geht die haarige Bestie in Flammen auf und explodiert nach und nach spektakulär. Wenn mit der Schriftzeile "It's a Ramsay International's Presentation" schließlich das Ende verkündet wird, fragt man sich etwas traurig, wieso nicht der gesamte Film so klasse wie die letzte Viertelstunde sein konnte. Aufgrund der vielen Schwächen reicht es für "Purani Haveli" somit nur für altbekannte aber solide Horrorkost aus dem Hause Ramsay, immerhin immens aufgewertet durch das hervorragende Finale. Dass Shyam und Tulsi es besser können, muss wohl nicht extra erwähnt werden ...

Khooni Dracula
Dreh dich nicht um ... denn Dracula geht um! - KHOONI DRACULA (DEADLY DRACULA) (1992)
Der Auteur hinter diesem indischen Vampirfilmdebakel heißt Harinam Singh, und der gute Mann zeichnete nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern er produzierte auch und übernahm als Zugabe sogar eine der Hauptrollen. Der 1992 gedrehte Billigstreifen, der anscheinend erst im Jahr darauf auf die unvorbereitete Bevölkerung losgelassen wurde, ist eine Katastrophe von der ersten bis zu einhundertneunten Minute, und es verwundert ungemein, dass Herr Singh mit Werken wie "Shaitani Atma" (1998) und "Gumnaam Qatil" (2001) dem Filmgeschäft erhalten blieb. Doch der Reihe nach.
Khooni Dracula (Szenenbild 1)Khooni Dracula (Szenenbild 2)Khooni Dracula (Szenenbild 3)
Khooni Dracula (Szenenbild 4)Khooni Dracula (Szenenbild 5)Khooni Dracula (Szenenbild 6)
Interner Link"Khooni Dracula" beginnt in bester Bollywood-Horrortradition mit einem Gewitter. Es blitzt, donnert und stürmt gar fürchterlich, und am Boden liegt ein Mann in einem schwarzen Umhang und mit altem Hut, der eine potthässliche Gummimaske trägt. Oh nein, sorry, das ist natürlich Dracula, wie konnte ich das nur verwechseln!? Bereits hier sollte es jedem Fan phantastischer Filme die ersten Tränen in die Augen treiben, nicht (nur) wegen der billigen Halloween-Maske, sondern beim Anblick dieser pathetischen Figur, die sich Dracula schimpft. Was ist nur aus dem ehrenwerten Grafen geworden? Jedenfalls werden wir Zeuge, wie der Mann mit der Maske von einer unbekannten Person einen Zettel zugesteckt bekommt. Schnitt. Wir sehen eine Frau, die sich die Schuhe auszieht und sich ein wenig auf ihrem Bett räkelt. Schnitt. Dracula schreitet durch ein quietschendes Tor, begleitet von einer flotten aber höllisch unpassenden Discomucke. Während Dracula durch die laue, ruhige Herbstnacht spaziert, werden hin und wieder sich im Wind wiegende Bäume oder über den Himmel zuckende Blitze eingeblendet, damit wir nicht vergessen, dass es rundum bedrohlich stürmt und gewittert. Die Frau im Haus ahnt nichts von ihrem erbärmlichen Besucher mit Gummimaske und Hut (der übrigens Tore per Gedankenkraft öffnen und schließen kann) und geht lieber duschen.

Plötzlich verwandelt sich der hässliche Mann mit Maske in einen hässlichen Mann ohne Maske (Amrit Pal), dafür mit weit vorstehenden Vampirzähnen, die aus seinem Unterkiefer (!) wachsen. Nach dieser spektakulären Verwandlungssequenz (Bildüberblendung nennt sich wohl diese revolutionäre Technik) spaziert der Vampir etwas unmotiviert und lustlos durchs Haus, komische Stöhngeräusche von sich gebend, die in jedem Billigporno die Stimmung zerstören würden. Schließlich findet er die duschende Frau (die sich übrigens in einem roten Latexbikini reinigt), da diese ebenfalls lustlos stöhnt und ihm so den Weg weist. "Hallo", sagt Dracula, und seine Augen blitzen vor geilem Verlangen. Die Frau kann seinem Blick nicht widerstehen, nähert sich ihm und schmiegt sich schließlich an seinen Körper, woraufhin die beiden um die Wette stöhnen. Dracula legt sein Opfer aufs Bett und beginnt es ungeschickt zu liebkosen. Sein Stöhnen steigert sich, als er an ihrem Hals nuckelt. Einige katastrophale Schnitte später liegt die Dame tot auf ihrem Bett, den Hals dezent mit roter Farbe bepinselt. Und Dracula glotzt blöde in die Kamera, mit leicht geöffnetem Mund, was seine Zähne umso lächerlicher zur Geltung bringt.
Khooni Dracula (Szenenbild 7)Khooni Dracula (Szenenbild 8)Khooni Dracula (Szenenbild 9)
Khooni Dracula (Szenenbild 10)Khooni Dracula (Szenenbild 11)Khooni Dracula (Szenenbild 12)
Und in dieser Tonart geht es praktisch den gesamten Film hindurch weiter, unterbrochen nur von einigen schlechten Gesangs- und Tanzdarbietungen (die Musicaleinlage in Minute siebzig sieht stark nach Improvisation aus), ein wenig Comic Relief (als ob das jemand brauchen würde), diversen langweiligen Konversationen (man sehnt sich fast Dracula wieder herbei) und der wieder mal hilf- und ahnungslosen Polizei. Um Gottes Willen, was haben sich Harinam Singh & Co dabei nur gedacht? Ich war ja dank Omar Khans Review schon etwas vorgewarnt, aber dass "Khooni Dracula" derart unterirdisch ist, hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Der Streifen spielt in einer eigenen Liga, und es wundert mich kein bisschen, dass die Inder nach Debakeln wie diesem dem Horrorgenre den Rücken zugekehrt haben. Da ich es nicht mal meinen ärgsten Feinden zumuten möchte, sich durch diesen Murks zu quälen, verrate ich nun die spektakuläre Auflösung der Geschichte. Dracula wurde versehentlich von einem bösen Typen wiedererweckt, als dieser eine Frau vergewaltigte und anschließend ermordete. Als Dank dafür gehorcht Dracula den Befehlen dieses bösen, dicken, schmierigen Mannes und macht Jagd auf leichtbekleidete Mädchen. Das Ganze läuft nach dem ewig gleichen Schema ab, bis zum bitteren Ende, in dessen Verlauf der Drahtzieher entlarvt und hingerichtet wird (wenn sich die Polizei so dermaßen blöd anstellt, muss man halt á la Charles Bronson zur guten, alten Selbstjustiz greifen). Danach stellt man Dracula eine Falle, in die der Idiot auch prompt tappt. Er wird mit Zwiebeln verjagt, verfolgt, verprügelt, und schließlich (in finsterster Nacht, so dass man nur ja nichts sieht) von einem komischen Dreizack durchbohrt, woraufhin er sein untotes Leben ausstöhnt. Ein erbärmliches Ende für ein erbärmliches Monster in einem erbärmlichen Film. Um es mit zwei Wörtern zu sagen: einfach erbärmlich.
"Khooni Dracula" zählt mit zum Schlechtesten, was ich je das Missvergnügen hatte zu sehen. Egal ob Kamera, Schnitt, Musik oder Effekte, alles spottet jeglicher Beschreibung. Das Budget scheint sich im vierstelligen Rupien-Bereich zu bewegen, und sämtliche Beteiligte beweisen eindrucksvoll, dass sie absolut talentfrei sind. Selbst die Frauen sind - vorsichtig umschrieben - nicht wirklich hübsch und kämpfen darüber hinaus auch noch mit Gewichtsproblemen. Die Handlung ist völlig wirr und uninteressant, und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, ist "Khooni Dracula" auch noch stinklangweilig! Und trotzdem, man glaubt es kaum, ist der Streifen keine völlige Zeitverschwendung. Den gruseligen, ohrwurmartigen Titelsong bekommt man nur schwer wieder aus dem Kopf, und dank "Khooni Dracula" lernt man auch die Filme eines Uwe Boll wieder zu schätzen. Am ehesten könnten Freunde von sleazigen Szenarien auf ihre Kosten kommen, da der Kameramann (wohl auf Anweisung des Regisseurs) bei jeder sich bietenden Gelegenheit zwischen die Beine der Darstellerinnen zoomt. Allerdings sieht man bestenfalls einen Schlüpfer ...
Wenn einer der großen Höhepunkte des Filmes eine Sequenz ist, bei der ein Mädchen in buntem Badeanzug ein paar Turnübungen macht, dann sollte das Beweis genug sein, dass bei diesem Film einiges falsch gelaufen ist. Ach ja, Dracula beißt so ca. sieben oder acht Frauen, die seine Anwesenheit jedoch erst bemerken, wenn er ihnen entweder auf die Schulter tippt oder ihnen apathisch ins Ohr stöhnt.
Khooni Dracula (Plakat 1)Khooni Dracula (Video-CD-Cover)Khooni Dracula (Plakat 2)
"Khooni Dracula" ist ein himmelschreiend bescheuertes, grauenvoll inszeniertes, in nüchternem Zustand kaum zu ertragendes Machwerk, das in etwa so spaßig ist, wie einem Erdferkel beim Schlafen oder Kakteen beim Wachsen zuzusehen. Anders ausgedrückt: "Khooni Dracula" ist das perfekte Geburtstagsgeschenk für jemandem, den man aus tiefstem Herzen hasst.

Wohi Bhayaanak Raat
Mein Nachbar, der Disco-Vampir - WOHI BHAYAANAK RAAT (THAT SAME HORRIFYING NIGHT) (1989)
Im Jahre 1989 dachte sich Vinod Talwar, dass die Zeit reif wäre für ein Remake von Tom Hollands Interner Link"Fright Night" ("Fright Night - Die rabenschwarze Nacht", 1985). Das höchst vergnügliche Ergebnis nennt sich Interner Link"Wohi Bhayaanak Raat" ("That Same Horrifying Night") und fällt in die Kategorie "Filme, die man gesehen haben muss"!
Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 1)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 2)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 3)
Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 4)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 5)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 6)
Wie sein zwei Jahre später entstandener "Khooni Panja" ("Deadly Hand", 1991) beginnt auch "Wohi Bhayaanak Raat" mit einem spektakulären, anscheinend animierten Blitzschlag, der über den nachtschwarzen Himmel zuckt. In bester Hammer-Film-Tradition rattert eine Kutsche durch die Nacht, gelenkt von einem einäugigen, wenig Vertrauen erweckenden Mann, dem ich nicht in einer dunklen Seitengasse begegnen möchte. In der Kutsche selbst stöhnt eine hochschwangere Frau qualvoll vor sich hin, während ihr Mann beruhigend auf sie einredet. Draußen scheint derweil die Welt unterzugehen ... Blitz und Donner im zwei, drei Sekundentakt lässt selbst das Hottehü ein Wohi Bhayaanak Raat (Video-CD-Cover)bisschen unruhig werden. Schließlich hält der Kutscher bei einem Anwesen, und die beiden Insassen verlieren keine Zeit und betreten es durch knarrende Türen. Der Platz ist wenig heimelig und hat etwas Verwahrlostes an sich. Eine Staubschicht bedeckt den Boden, Spinnennetze zieren diverse Ecken, und über die Möbel sind schmutzige Laken geworfen. Doch das Baby, das geboren werden will, scheint auf diese widrigen Umstände keine Rücksicht zu nehmen. Wie es sich für einen treu sorgenden Ehemann gehört, lässt er seine Frau, die er auf ein Sofa gebettet hat, erst mal alleine. Er wird nicht lange genug leben, um diesen Fehler zu bereuen.
Nun hat die subjektive Kamera ihren ersten großen Auftritt. Etwas beobachtet die Frau, leicht vor und zurück schaukelnd (?), danach nimmt es Kurs auf die gegenüberliegende Mauer und stürmt flott dagegen, so dass diese einstürzt und einen Blick auf den dahinterliegenden Raum freigibt. Darin verbirgt sich ein mit Ketten verschlossener Sarg, aber was immer sich in diesem Sarg befindet, es will raus, koste es was es wolle, und rüttelt vehement am Deckel. Bald schon bersten die Ketten, und Nebel entströmt dem Sarg, doch mit dem Nebel entfleucht auch noch etwas gänzlich anderes dem Gefängnis. Währenddessen wird das Kind geboren, begleitet vom lauten Gestöhne der Frau (was Scientology wohl dazu sagt?), und schon lugt der Kopf des Babys unter dem Rock zwischen den Beinen der Frau hervor und das Neugeborene übt schon mal die Stimmbänder. Doch das unbekannte Etwas aus dem Sarg bewegt sich auf das Baby zu ... welches kurz darauf die Augen öffnet, die in einem unheilvollen Orange glühen. Die junge Mutter stößt einen gellenden Schrei aus ... entweder wegen der leuchtenden Augen, oder weil das "Baby" eine Plastikpuppe ist. Derweil wandert der frischgebackene Vater mit Laterne draußen im Regen herum (warum auch immer) und muss zusehen, wie ein Blitz á la Interner Link"The Omen" ("Das Omen", 1976) in eine Art Antenne einschlägt (ein recht stümperhafter Effekt), welche dadurch vom Dach gerissen wird und den staunenden Papa glatt aufspießt. Immerhin lässt er die Laterne nicht los, selbst als er langsam und theatralisch zu Boden sinkt. Weiteres Geblitze animiert das Pferd zum Ausrasten, welches sich losreißt und mitsamt Kutsche den einäugigen Kutscher überrollt. Während der tödlich Verletzte Blut sabbert, erscheint ein stolzes "written & directed by Vinod Talwar" auf dem Bildschirm. Es folgt ein blutroter Sonnenuntergang, und mehrere Uhren schlagen die volle Stunde (beim Geräusch des gefällten Baumes ist es 19 Uhr).
Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 7)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 8)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 9)
Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 10)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 11)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 12)
Wie auf ein Stichwort erhebt sich ein potthässlicher Vampir aus seinem Sarg und glotzt frech in die Kamera. Ohne auch nur mit den Augen zu zwinkern verwandelt er sich dank brillanter Special-Effect-Kunst (Überblendungen wie bei Interner Link"The Wolf Man" ["Der Wolfsmensch", 1941] oder den frühen "Waldemar Daninsky"-Filmen mit Paul Naschy) in Kiran Kumar, einen großen, starken, aus neutraler Sicht gar nicht mal schlecht aussehenden Mann, der mich irgendwie an Luigi Montefiori (aka George Eastman) erinnert. Nach einem abrupten Szenenwechsel befinden wir uns in einer Diskothek, und Kiran ist auch da. Da ich große Schwierigkeiten hatte, die Namen der Charaktere zu verstehen (ich denke zwar, dass der Vampir 'Dhum' und der Held 'Vicki' oder so ähnlich heißt), verwende ich im weiteren Verlauf besser die Vornamen der entsprechenden Schauspieler. Jedenfalls ist Kiran in der Disco auf Hasenjagd. Eine bekannte Synthie-Mucke begleitet das Geschehen (ich komme aber ums Verrecken nicht drauf, woher ich die kenne), während der Vampir sich umsieht, um passendes Futter zu finden. Man ist schließlich wählerisch und will sich nicht mit dem Erstbesten begnügen. Kirans Blick fällt auf ein allein sitzendes Exemplar der weiblichen Spezies und sein Blick bohrt sich in ihre Augen. Dies ist wörtlich zu verstehen, da aus seinen Augen ein gelblicher, animierter Hypnosestrahl schießt, der das Opfer innerhalb von Sekunden gefügig macht. Widerstandslos folgt ihm die Auserkorene nach Hause, wo Kiran seine Hände bzw. seine Pranken (seine Hände verwandeln sich nämlich während des 'Vorspiels') zärtlich über ihren Körper streichen lässt. Als 'Höhepunkt' dringen seine langen Vampirzähne tief in ihren zarten Hals, was die junge Frau mit einer Mischung aus lustvollem Stöhnen und schmerzvollem Schrei quittiert. Als der Vampir befriedigt von seinem Opfer ablässt, präsentiert er sich wieder in seiner ganzen, höllisch hässlichen Pracht. Die Kamera zoomt auf ein Gemälde an der Wand, und per Überblendung lernen wir eine Frau kennen, die der Portraitierten zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Frau (gespielt von Neeta Puri) wandert leichtbekleidet durch die Nacht... und beginnt zu singen.
Ein Blick auf den Timer bringt die Erkenntnis, dass gerade mal achteinhalb Minuten vergangen sind. Wow! Der Rest des Filmes orientiert sich zum überwiegenden Teil sehr genau an "Fright Night". Ein junger Mann (Rohan Kapoor) zieht ins Haus seiner Mutter ein, welches dummerweise gleich neben dem des Vampirs liegt. Seltsame Vorkommnisse beginnen sich zu häufen, und eines Tages beobachtet Rohan seinen Nachbarn, wie er sich anschickt, seine langen Beißerchen in einen weichen Frauenhals zu bohren. Blöderweise bemerkt dieser ihn jedoch auch. Natürlich glaubt kein Mensch Rohan, der sich inzwischen mit der hübschen Neeta angefreundet hat, diese fantastische Geschichte, und zu allem Überfluss hat der Vampir sicherheitshalber sämtliche Beweise vernichtet. Aber eines ist trotzdem klar, und das ist Rohan nur allzu bewusst: der Vampir wird kein Risiko eingehen und alles daran setzen, den unliebsamen Zeugen zu beseitigen ...
Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 13)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 14)Wohi Bhayaanak Raat (Szenenbild 15)
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Mit "Wohi Bhayaanak Raat" hat Regisseur Vinod Talwar einen zwar wenig originellen, dafür aber umso unterhaltsameren Low-Budget-Vampirstreifen abgeliefert. Zwar kann die wunderbare Atmosphäre und das halsbrecherische Tempo der ersten zehn Minuten nicht durchgehalten werden (dafür dauert der Film entschieden zu lange), jedoch ist der Streifen flott und geradlinig inszeniert, beeindruckt mit vielen stimmungsvollen Bildern, und erfreut zudem den geneigten Low-Budget-Filmfan mit einigen herausragenden Set-Pieces. Wohi Bhayaanak Raat (Plakat)Die sexuelle Komponente der Vampirthematik wird genüsslich auf die Spitze getrieben und Talwar ging wohl haargenau so weit, wie es die Zensur zuließ. Lustvoll verzerrte Gesichter, oftmals begleitet von einem erregten Stöhnen, wenn die Vampirzähne die Haut durchbohren und in den Körper der Frau eindringen, sprechen eine eindeutige Sprache. Außerdem schleppt der Vampir schon mal eine nur mit einem Bikini bekleidete junge Frau brutal durch sein Haus und fesselt sie an ein Bett, bevor er sich an ihr verlustiert. Da soll mal einer sagen, mit dem Essen spielt man nicht.
Die Darstellerinnen, die Vinod Talwar für sein Vampirspektakel engagierte, sehen zudem unverschämt gut aus, ganz besonders Neeta Puri, die auch eine sehr sympathische Heldin abgibt. Kiran Kumar beeindruckt als charismatischer Vampir, der die Szenerie beherrscht, sobald er im Bild ist. Die obligatorischen Tanzeinlagen sind schön choreographiert und stören kein bisschen, obwohl die dazugeträllerten Songs über netten Durchschnitt nicht hinauskommen. An einem Comic Relief (in diesem Fall zwei dicke Nervensägen) kommt man natürlich auch nicht vorbei, aber erstens halten sich diese Szenen in Grenzen, und zweitens segnen überraschend beide Witzfiguren das Zeitliche, was all diejenigen, die mit solchen Szenen auf Kriegsfuß stehen, eine gewisse Befriedigung verschaffen dürfte.
Die letzte dreiviertel Stunde steuert konsequent auf den Showdown zu und wird weder durch Komödiengeplänkel noch durch Musicaleinlagen unterbrochen. Natürlich kommen einige Sequenzen sehr trashig und unfreiwillig komisch rüber, aber wer sich darüber mokiert, der sollte besser ganz die Finger von billigen, indischen (oder überhaupt asiatischen) Genrefilmen lassen. Zweifelloser 'Höhepunkt' in dieser Hinsicht ist ein Kampf zwischen Kiran und Rohans Hund (der zuvor nicht viel mehr tun durfte als herumzusitzen, mit dem Kopf zu nicken, und Männchen zu machen), der selbst die Augen der abgebrühtesten Genrefreaks zum Tränen bringt. Denn nach dem Angriffssprung der vierbeinigen Kampfmaschine wird diese kurzerhand durch einen eher stocksteifen Stoffköter ausgetauscht, gegen den Kiran seine ganze Wrestlingkunst aufbieten muss, um ihn zu besiegen. Mit Ausnahme einiger Zwischenschnitte auf den echten Hund, der gegen die Wand gedrückt wird (und sich über die Schnauze leckt und eher unbeteiligt guckt), ist diese leider relativ kurze Sequenz so wunderbar, dass sie selbst dem klassischen Kampf von Bela Lugosi gegen einen Gummi-Oktopus in Edward D. Wood Jrs Interner Link"Bride of the Monster" ("Die Rache des Würgers", 1955) ernsthafte Konkurrenz macht.
Aber auch anderweitig kommt die eine oder andere Stuntpuppe wenig dezent zum Einsatz. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass man sowohl Splattereffekte als auch State-of-the-Art Spezialeffekte in diesem Film vergebens sucht, obwohl die Bladder-Effekte der Vampirfratze so schlecht nicht gelungen sind. Immerhin streut Vinod Talwar gegen Mitte des Streifens eine tolle Szene ein, in der unser verärgerter Vampir eine tanzende Clique regelrecht massakriert. "Wohi Bhayaanak Raat" ist ein verdammt spaßiges und teilweise erfreulich erotisches Vampirspektakel, das einfach für gute Laune und hammermäßige Unterhaltung der trashigen Art sorgt. Wer "Fright Night" kennt und mag, der sollte sich dieses inoffizielle indische Remake unbedingt zu Gemüte führen, und er/sie wird aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Im positiven wie im negativen Sinne.

Nachwort

Und damit verabschiede ich mich auch schon wieder aus den obskuren Niederungen indischer Genrefilmkunst, obwohl diesmal mit "Bhoot" und "Kucch to Hai" zwei zeitgenössische Gruselfilme und mit "Gumnaam" sogar ein 1960er-Jahre Klassiker mit von der hoffentlich lesenswerten Partie waren. Wie man sieht, gibt es also tatsächlich indische Produktionen, in denen Shah Rukh Khan nicht auftritt, und in denen romantische Liebe voller Herz-Schmerz-Emotionalität nur eine untergeordnete Rolle spielt. Kaum zu glauben, ist aber so. In diesem Sinne: Gucke lieber indisch!

Anmerkung am Rande: Wer tiefer in die Bollywood-Fantasy/Horror-Materie eintauchen möchte, dem kann ich guten Gewissens die Lektüre des "Pranke"-Magazins ans Herz legen. In der Ausgabe # 29 (Seite 34 - 38) gibt die Autorin Meike Madsen einen lesenswerten Überblick über das indische Fantasygenre, und in der in Kürze erscheinenden # 30 wird sie sich zur Gänze dem Bollywood-Horrorgenre widmen. Abgesehen davon, findet man in der "Pranke" natürlich auch sonst noch viele gut geschriebene und aufwändig recherchierte Artikel zum Horrorgenre (mit Schwerpunkt Monsterfilm).
© Günter Müller



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