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Gollum goes to India - Sechs indische Schätze, süß/sauer, à la Ramsay
Eine sehr kurze Einführung in die Geschichte des indischen Horrorfilmes

Die Bewohner Indiens (entgegen anders lautender Gerüchte nicht Indianer genannt) sind, etwas verallgemeinernd ausgedrückt, ein filmverrücktes Volk. Filme sind die bevorzugte Möglichkeit, der harten Realität zu entfliehen. So verwundert es auch nicht wirklich, dass manche Fans für einen Film bis zu einem Dutzend Mal ins Kino wandern, um mit ihren überlebensgroßen Helden mitzufiebern,
Karte von Indien
Indien - trotz weltweit größtem jährlichen Produktions-
Output sicherlich für viele Filmfans noch Neuland
mitzuleiden und sich mitzufreuen. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass die Kinokarten in Indien zu den billigsten der Welt zählen. Im Schnitt kostet eine Karte ca. 20 Cents! Obwohl in Indien jährlich in etwa an die eintausend Filme produziert werden (im Jahre 2002 waren es laut Wikipedia 1.200 Filme), so kann nur ein Bruchteil davon als Hit verbucht werden.
Außerdem sollte erwähnt werden, dass Indien nicht gleich Bollywood ist, denn daneben gibt es (unter anderem) auch noch Kollywood, Tollywood, die Marathi, die Kannada und die Bengali Film Industrie. Ähnlich wie Hollywood ist auch Bollywood stark in Richtung Blockbuster ausgerichtet. Diese Superstar-gespickten Filme ziehen nicht nur die Massen in den Städten an, sie schaffen oftmals auch den Sprung ins Ausland. Was den ca. acht- bis neunhundert billig produzierten B- und C-Movies, die des öfteren innerhalb von ein, zwei Wochen für knappe 25.000 Euro heruntergekurbelt werden, verwehrt bleibt. Diese Flut an Filmen wird zum Großteil nur in kleinen Städten und Dörfern aufgeführt, sehr oft auch mit Hilfe von mobilen Leinwänden (von den geschätzten 13.000 Leinwänden, die es in Indien zur Zeit gibt, sind in etwa 3.000 mobil), die in Zelten oder öffentlichen Plätzen leicht installiert werden können.
Um sich etwas von der Big-Budget-Masse abzuheben, setzen diese Billigproduktionen verstärkt auf Sex und Gewalt, und als Draufgabe ist schon mal ein Monster zu sehen, das sich an leicht bekleidete Mädchen ranmacht, die natürlich mehr Haut zeigen als ihre Kolleginnen in Großproduktionen. Obwohl nackte Brüste (oder andere, noch 'schlimmere' Regionen) in indischen Filmen nach wie vor tabu sind, so gelingt es einigen findigen Betreibern doch immer wieder, entsprechende Szenen in B- und C-Filme einzufügen. Da spielt es keine Rolle, ob es sich um vormals zensierte Szenen handelt, oder ob man gleich sündiges Material aus einem gänzlich anderen Film reinschmuggelt. Aufgrund der Tatsache, dass diese Art Film hauptsächlich in ländlichen Gebieten gezeigt wird, hat auch der Horrorfilm dieses Image abbekommen. Der Horrorfilm an sich spielt im Filmangebot Indiens nur eine sehr bescheidene Rolle am Rande. Der Hauptgrund für dieses Schattendasein liegt in der Vergangenheit begraben. Denn im Gegensatz zu westlicheren Gebieten gibt es so etwas wie eine 'Horrortradition' in Indien nicht. Sicher, in der Mythologie kann man viele grausame und blutige Geschehnisse ausfindig machen, doch das ist nicht vergleichbar mit der überschäumenden Phantasie westlicher Autoren wie Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft, Bram Stoker oder Mary Shelley, die den Begriff des Horrors entscheidend mitgeprägt haben. Bis in die 1970er Jahre waren hierzulande bekannte und beliebte Monstren wie Vampire, Werwölfe und Zombies in Indien nahezu gänzlich unbekannt. Die letzteren haben noch immer einen äußerst schweren Stand, da ganz einfach die Leichen fehlen, die man wiederbeleben könnte. Der indische Brauch sieht nämlich die Einäscherung der sterblichen Überreste vor.
Unter diesem Aspekt ist es wenig verwunderlich, dass sich Indiens Horrorregisseure stark an westlichen Klassikern orientierten. Besonders Filme wie Interner Link"The Exorcist" ("Der Exorzist", 1973) oder Interner Link"The Evil Dead" ("Tanz der Teufel", 1982) dienten als wahre Fundgruben, aber auch italienische Giallos mit ihren mysteriösen, schwarzbehandschuhten Mördern waren ungemein beliebt. Zwar gab es auch vor den 1970er Jahren schon den einen oder anderen Film, den man als Horror titulieren konnte, doch diese Streifen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Kamal Amrohis "Mahal" ("Palace", 1949) gilt als einer der ersten indischen Horrorfilme, der dieser Bezeichnung zumindest ein wenig gerecht wird. Erwähnenswert sind des weiteren "Madhumati" (1958) von Bimal Roy, Raj Khoslas "Woh Kaun Thi?" Mahal("Who Is She?", 1964), und Raja Nawathes Interner Link"Gumnaam" ("The Nameless"/"The Unknown", 1965).
Als wahre Pioniere des indischen Horrorfilmes zeichnete sich die Familie Ramsay aus, deren Namensnennung bei Fans des Genres einen wohligen Schauer über den Rücken rieseln lässt. Dieser Clan besteht aus dem Familienoberhaupt F. U. Ramsay, unterstützt von seinen Söhnen, Brüdern und Cousins wie Tulsi, Shyam, Kumar, Kanta, Anjali, Keshu, Kiran, Arjun und Gangu. Der unermüdlichen Arbeit, Euphorie, Kreativität und dem nicht zu verleugnenden Talent dieser Familie ist es zu verdanken, dass Horror ins Zentrum der Aufmerksamkeit der indischen Filmfans rückte. Ein Mitglied der Ramsay-Familie brachte es folgendermaßen auf den Punkt (Quelle: Truth about Horror): "The reasons why our films made money was because they were of a different genre from the routine-type horror. In other films at the end it would be revealed that there were really no ghosts whereas we would show real ones." Auch wenn das Budget ihrer Filme sehr niedrig war, so wurden diese zumeist dank dem Einfallsreichtum und dem Talent der Filmemacher etwas Besonderes. Ihre besten Arbeiten erzeugen eine surreale Atmosphäre und eine intensive, halluzinatorische Intensität, die eines José Mojica Marins (auch bekannt als 'Coffin Joe') nicht unähnlich ist. Mit atmosphärischen Schockern wie z.B. Interner Link"Do Gaz Zameen Ke Neeche" ("Six Foot Under"/"Two Yards under the Ground"; ihr Debüt im Jahre 1972), Interner Link"Darwaza" ("The Door", 1978) oder Interner Link"Hotel" (1981; einer der wenigen indischen Zombiefilme) ebneten sie dem Horrorfilm quasi den Weg in den Mainstreambereich, was schließlich sogar in einen regelrechten Boom, dem so genannten 'Doom Boom', gipfelte. Denn die Hit-Sensation des Jahres 1985 lautete "Purana Mandir" ("The Ancient Temple"), ein vielschichtiger Gruselfilm, der nicht nur die eingefleischten Fans, sondern auch das gewöhnliche Publikum ansprach (zwar war der 1979 entstandene Interner Link"Jaani Dushman" ("Beloved Enemy") ein größerer Hit, doch sein Einfluss auf nachfolgende Filme hielt sich stark in Grenzen). Dank dieses Blockbusters war Horror plötzlich in aller Munde, und es kam, wie es kommen musste. Die Produzenten und vor allem die Filmhändler (in Indien haben die Distributors einen extrem großen Einfluss) witterten die schnellen Rupie und hängten sich an den vielversprechenden neuen Trend an.
Doch nicht nur im 'normalen' Low-Budget-Bereich witterte Bhootman den Erfolg, es waren vor allem die Billigstproduzenten, deren Output an qualitativ sehr unterschiedlichen Horrorstreifen den Markt regelrecht überschwemmte, und die hauptverantwortlich dafür waren, dass der schaurige Trend förmlich zu Tode geritten wurde. Und tatsächlich, es war nur eine Frage der Zeit, bis der Markt dermaßen übersättigt war, dass sich das Interesse der Zuseher (und somit der Händler) wieder vermehrt anderen Genres zuwandte. So plötzlich, wie das Horrorfilmgenre Mitte der 1980er Jahre 'in' war, so schnell war es plötzlich auch wieder 'out'. Selbst großartige Spektakel wie der 1993 entstandene Interner Link"Mahakaal" ("Time of Death") oder der innovative Horrorstreifen "Raat" ("Night", 1992) konnten daran nichts ändern und erwiesen sich als schmerzhafte Flops. Mit "Dhund - The Fog" (2003) wagten die Ramsays eine Rückkehr ins Genre, doch der Streifen wurde nicht der erhoffte Erfolg. "It was a mistake," sagte der Regisseur. "It was a thriller when people were expecting a horror film from us."
Auch wenn ein neuer 'Doom Boom' weit und breit nicht in Sicht ist, so sorgen doch einige wenige Regisseure dafür, dass das Horrorgenre auch in Indien am untoten Leben bleibt. Wenn man einen Blick auf die untenstehende Filmographie wirft, so könnte man die völlig falsche Schlussfolgerung ziehen, dass das Geschäft mit der Angst in Indien boomt wie selten zuvor. Leider handelt es sich, verlässlichen Quellen zufolge, beim Großteil der Produktionen um billigst heruntergekurbelte Z-Grade-Movies, die wohl nicht mal eingefleischte Horror- und Trashfilmfans zufrieden zu stellen imstande sind. Doch dazwischen findet man immer mal wieder (wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen) auch (sehr) gelungene Beispiele für zeitgenössische indische Schocker wie Interner Link"Bhoot" ("Ghost", 2003) oder "Raaz" ("Secret", 2002). Und vielleicht wartet schon irgendwo ein genrefilmbegeisterter und talentierter Filmemacher auf die Gelegenheit, auf den nicht zu verwischenden Spuren der Familie Ramsay zu wandeln, um den Kanti Shahs und Rajesh Mittals zu zeigen, wie ein Horrorschocker wirklich auszusehen hat ...

Mondo MacabroFear Without FrontiersViele der in dieser Einführung wiedergegebenen Informationen stammen aus den entsprechenden Artikeln in den sehr empfehlenswerten Büchern "Mondo Macabro" und "Fear without Frontiers". Deshalb gebührt mein uneingeschränkter Dank dem Autor Pete Tombs, ohne dessen hochinteressanten Überblick ich wohl nie auf den sensationellen Geschmack indischer Horrorfilmkunst gekommen wäre. Thanks, Pete!

Ich bitte um Nachsicht, falls einige der Angaben nicht hundertprozentig up-to-date sind, aber mir standen leider keine zeitgemäßeren Nachschlagewerke zur Verfügung. Jegliche Art des Feedbacks (egal ob Lob, Kritik, Hinweise auf Fehler oder Korrekturvorschläge aller Arten) wird nicht nur zur Kenntnis genommen sondern ist ausdrücklich erwünscht
Do Gaz Zameen Ke Neeche
Ready or not, here they come - DO GAZ ZAMEEN KE NEECHE (SIX FOOT UNDER) (1972)
Zu Beginn der 1970er Jahre glänzten Horrorszenarien in indischen Filmen großteils durch Abwesenheit. Damit führten sie praktisch die Tradition der 1960er fort, waren Horrorfilme in diesem Jahrzehnt doch ausgesprochen rar gesät und eher die große Ausnahme als die Regel. Immerhin brachte Regisseur Vishram Bedekar im Jahre 1970 einen Thriller auf die Leinwand, der eine interessante Horrorsequenz beinhaltete. In dieser schicksalsträchtigen Szene wird des Nachts in einem gruseligen Museum eingebrochen, doch die Polizei ist bald am Ort des Geschehens und sucht nach Spuren. Plötzlich beginnt sich die Statue eines Gargoyles zu bewegen und marschiert in Richtung Ausgang, unbeeindruckt vom Kugelhagel der erstaunten Polizisten.
Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 1)Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 2)Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 3)
Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 4)Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 5)Do Gaz Zameen Ke Neeche (Szenenbild 6)
Am Film, dessen Titel übrigens "Ek Nanni Munni Ladki Thi" ("Once There Was a Young Girl") ist, arbeiteten auch einige Mitglieder einer aufstrebenden, filmbegeisterten indischen Familie mit. Der Streifen an sich war zwar kein großer Erfolg, jedoch machte das Oberhaupt der besagten Familie, F. U. Ramsay, eine nicht uninteressante Entdeckung (siehe auch "Mondo Macabro", Seite 87): dem Publikum Do Gaz Zameen Ke Neeche (Poster)schien die Gruselszene zu gefallen, ja, es war regelrecht enttäuscht, als das 'Monster' nicht mehr zurückkehrte. Da die Ramsays schon einige Zeit mit dem Gedanken spielten, als Filmemacher ins Movie Business einzusteigen, lag es somit eigentlich auf der Hand, einen waschechten Gruselfilm zu produzieren. Gedacht, getan. An allererster Stelle der Produktion stand das Schlagwort 'Kostenersparnis'. F. U. Ramsays Söhne Tulsi und Shyam, die eben erst das College absolviert hatten, wurden flugs zu Regisseuren 'befördert'. Tulsi kümmerte sich hauptsächlich um die technischen Aspekte, während Shyam mit den Schauspielern arbeitete. Weitere Familienmitglieder wie Gangu, Keshu, Kumar, Arjun und Karan arbeiteten ebenfalls fleißig mit, wie auch die Töchter, Schwestern und Ehefrauen, die für Cast und Crew kochten. Die Story für ihr Erstlingswerk dachte sich F. U. persönlich aus (angeblich basierend auf einer wahren Begebenheit), und aus seinen Ideen bastelte Kumar ein durchaus ansprechendes Drehbuch. Ein sehr günstiger Drehort wurde auch bald gefunden, und zwar diente die Mahabaleshwar Hill Station, fünf Stunden Autofahrt von Mumbai (ehemals Bombay) entfernt, als perfekte and stimmungsvolle Location. Als Wohnort für die 35-tägigen Dreharbeiten diente ein nahegelegenes Hotel, in dessen Räumlichkeiten sämtliche Filmleute preisgünstig wohnten, da F. U. versprach, das Hotel namentlich in den Credits zu erwähnen. Und als Schauspieler engagierte man eher unbekannte Namen, die mit Aussicht auf einen Anteil am Erfolg des Filmes (wenn er sich denn überhaupt als erfolgreich erweisen sollte) geködert wurden. Dafür mussten sie sich aber selbst um die Kostüme kümmern.
Die Ramsays waren mit großem Enthusiasmus bei der Sache, witterten sie doch die Chance, im Filmgeschäft Fuß fassen zu können. Zudem waren Tulsi und Shyam große Fans von Horrorfilmen (besonders von Produktionen der britischen Hammer Films) und von Gruselcomics. Dass sie mit ihrem Film Interner Link"Do Gaz Zameen ke Neeche" ("Six Foot Under"/"Two Yards under the Ground") indische Filmgeschichte schreiben würden, war ihnen wohl (noch) nicht bewusst. Der extrem billige Streifen beginnt mit einer jungen Frau namens Anju (Shobhna), die vor einigen jugendlichen Nichtsnutzen davonläuft. Zufälligerweise befindet sich der verwitwete Raja (gespielt von Surender Kumar) in der Nähe, der gerade Blumen auf das Grab seiner verstorbenen Frau legt. Wie es sich für einen Gentleman geziemt, schreitet er energisch ein und rettet die Damsel in Distress. Raja ist übrigens ein reicher Aristokrat, der sich in seiner Freizeit der Wissenschaft widmet und fleißig mit seltsamen Substanzen experimentiert. Jedenfalls hat er ein gutes Herz und lädt die arme Anju zu sich nach Hause ein. Nach dem Abendessen stellt er ihr sogar ein Bett im Gästezimmer zur Verfügung, doch die verängstigte Anju (die bei weitem nicht so unschuldig ist wie sie tut) sucht schließlich Schutz im Bett ihres Retters, und es kommt wie es kommen muss. Als am nächsten Morgen die gute Frau schamhaft ob des Geschehenen herumflennt, schlägt Do Gaz Zameen Ke Neeche (Video-CD-Cover 1)ihr Raja spontan eine Heirat vor. Das ganze entpuppt sich als großer Fehler, denn kaum sind die beiden vermählt, zeigt das Luder ihr wahres Gesicht und nimmt ihn aus wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans. Da auch ihr armer Onkel (der übrigens beim 'zufälligen' Kennenlernen seine schmierigen Pfoten im Spiel hatte) mitversorgt werden muss, hängt der Haussegen bald gewaltig schief. Eines Tages erweist sich Raja erneut als Helfer in der Not, rettet er doch eine hübsche junge Dame vorm Ertrinken. Nicht genug damit, nimmt er Meena (so ihr Name) noch mit nach Hause und stellt sie als Dienerin an. Das schmeckt weder Anju noch ihrem Onkel, die bald gar finstere Pläne hegen. Diese werden dadurch begünstigt, dass Raja ein Glas Wasser zu sich nimmt, in das eines seiner Experimente reingetropft ist. Als er wieder zu sich kommt, muss er erkennen, dass seine Beine nutzlose Anhängsel sind und er sich wohl auf ein Leben im Rollstuhl oder im Bett vorbereiten muss. Doch diese Sorgen erweisen sich als unbegründet, denn Anju, ihr Loverboy Anand (Imtiaz Khan) und böser Onkel verlieren wenig Zeit und bringen ihn einfach um. Seine Leiche wird irgendwo in einem abgelegenen Waldstück verscharrt, wohl zwei Yards unter der Erde, worauf der Titel dezent hinweist. Nun könnte man ja versucht sein anzunehmen, dass das Mörderpack ihre gemeinen Ziele verwirklicht hat und alle glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage im großen Anwesen das Leben in vollen Zügen genießen. Dem ist jedoch ganz und gar nicht so. Es beginnt damit, dass sich die Stimme des Gewissens meldet und Anand Zuflucht im Alkohol sucht. Des Weiteren lässt sich der prallgefüllte Safe ums Verrecken nicht öffnen, was der angespannten Stimmung nicht gerade förderlich ist und in blankes Misstrauen ausartet. Und zu allem Überfluss scheint Raja kein Interesse daran zu haben, in Frieden zu ruhen.
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"Do Gaz Zameen ke Neeche" ist ein sehr schönes Beispiel dafür, was man mit Talent und Kreativität erreichen kann, auch wenn das Budget in niedersten Regionen angesiedelt ist. Die Location wird sehr gut genutzt, die Darsteller wirken überzeugend, das Drehbuch ist dramaturgisch gut aufgebaut, und die Spannung steigt langsam aber kontinuierlich an. Zwar ist der Einfluss der Hammer-Produktionen bzw. der Horrorcomics (die Grundidee, mit dem wiederkehrenden, sich rächenden Toten findet sich in unzähligen Do Gaz Zameen Ke Neeche (Video-CD-Cover 2)EC-Comics) nicht zu übersehen, und das technische Niveau des Streifens lässt auch so einige Wünsche offen, aber diese Unzulänglichkeiten werden durch Tulsi und Shyam Ramsays Gespür für Atmosphäre und Grusel mehr als wettgemacht. Im Vergleich zu späteren Horrorfilmen der Ramsays ist "Do Gaz Zameen ke Neeche" eher ein Mystery-Grusel-Drama und verzichtet auf vordergründige Horrorelemente, mit denen einige 1980er-Jahre-Klassiker fast zugepflastert sind. "Do Gaz Zameen ke Neeche" lässt sich viel Zeit, um die Charaktere zu etablieren, und so dauert es auch fast bis zur Hälfte des Filmes, bis der arme Raja um die Ecke gebracht wird. Die obligatorischen Musicaleinlagen sind nicht immer glücklich integriert, obwohl sie zumindest nett anzusehen sind. Auch eine wilde Kampfszene im zweiten Abschnitt erscheint etwas out of place, aber man wollte wohl auf Nummer Sicher gehen und möglichst viele unterschiedliche Geschmäcker bedienen. Die herausragende Szene des Filmes ist die kaltblütige Ermordung Rajas, die sehr, sehr lange dauert, von allen Beteiligten fantastisch gespielt wird und völlig ohne Dialoge auskommt. Ein erstes, beeindruckendes Zeichen vom großen Talent der Ramsays. Nach dem Mord beginnen sich auch stetig die Gruselelemente zu häufen, was den eingangs vielleicht etwas langatmigen Film für Genrefans umso interessanter macht. An ein paar schönen Schocks kann man sich auch erfreuen, wie zum Beispiel in der Szene, als Anju sich durch einen stockdunklen Raum bewegt und schließlich ein Streichholz entzündet. Der Lichtschein offenbart, dass sie nicht alleine im Zimmer ist ... Das verwest aussehende Gesicht des aus dem Grab Zurückgekehrten ist weder spektakulär noch innovativ, erfüllt allerdings seinen Zweck ganz gut. Wer sich mit indischer Horrorfilmkunst auseinandersetzt, der kommt an "Do Gaz Zameen ke Neeche" jedenfalls nicht vorbei. Schließlich ist der Streifen, der zur Freude der Ramsays zum Hit avancierte, nicht nur ein Meilenstein des Bollywood-Horrors, sondern auch der Beginn einer langen, immens erfolgreichen Karriere und schlussendlich mitverantwortlich dafür, dass sich der Name Ramsay praktisch zum Synonym für Horror entwickelte. Eine Sache, auf die die Familie Ramsay zu Recht stolz sein kann und es auch ist.

Andhera
Besser arm dran als Arm ab - ANDHERA (THE DARKNESS) (1975)
Nach ihrem erfolgreichen Debüt im Horrorfilmgenre mit "Do Gaz Zameen Ke Neeche" im Jahre 1972 rochen die Ramsays im wahrsten Sinne des Wortes Blut und setzten den vielversprechenden Weg rigoros fort. Sehr zum Missfallen der Zensoren, wie sich bald erweisen sollte. Diese hatten ihrem Erstling die Freigabe erteilt im Glauben, dass es ohnehin nur ein einmaliger 'Ausrutscher' in unerwünschte Gefilde war. Doch es kam anders. Die Andhera (Poster 1)Ramsays, hocherfreut über so viel Zuspruch, verloren keine Zeit und begannen die Produktion an einem weiteren Genrefilm. Interner Link"Andhera" ("The Darkness") heißt das Ergebnis, und auch wenn sich die Horrorelemente stark in Grenzen halten, so ist der Streifen doch ein schönes Beispiel für einen indischen Exploitationfilm.
Erzählt wird die zeitlose Geschichte eines feschen aber armen Mannes, der sich in ein hübsches Mädchen aus reichem Hause verliebt. Die Familie der jungen Dame ist darüber nicht nur wenig erfreut, nein, sie ist regelrecht entsetzt über so viel Ungemach. Dies bringen sie eindrucksvoll zum Ausdruck, indem sie die unvernünftige Frau brutal schlagen und ihrem mittellosen Verehrer kurzerhand in einem Sägewerk beide Hände amputieren. Der arme Mann verfällt in eine mittlere Depression, die sich schnurstracks zu einer schweren ausweitet, als seine verzweifelte Mutter, die sich aufopfernd um ihn gekümmert hat, stirbt. Was zuviel ist, ist zuviel, und so sieht man den guten Mann plötzlich mit brandneuen Extremitäten als Handersatz sein Unwesen treiben. Wenig überraschend gilt sein Zorn vor allem der Familie seiner Ex-Freundin, die er langsam aber zielstrebig ihrer gerechten Strafe zuführt.
Diese wenig originelle Geschichte hat sich Familienoberhaupt F. U. Ramsay höchstselbst ausgedacht, während Kumar daraus ein Drehbuch gebastelt hat. Die Regie teilten sich erneut Tulsi und Shyam. Auch die Kamera war in festen Ramsay-Händen (sie wurde bedient von Gangu und Keshu), doch für den sehr gelungenen Music-Score wurde Sonik Omi beauftragt. Man konnte halt nicht alles selber machen. Während der 133 Minuten Laufzeit macht "Andhera" einige Phasen durch. So beginnt der Streifen als eine Andhera (Video-CD-Cover 1)süße Liebesgeschichte, welche von einem ungemein niederschmetternden Drama abgelöst wird, nur um in kompromisslose Exploitation zu fußen. Neulinge auf dem Gebiet werden wohl entweder verärgert die Stirn runzeln oder atemlos und verblüfft dem regen Treiben auf dem Bildschirm folgen. Es ist mit Sicherheit eine gewöhnungsbedürftige Angelegenheit, so viele extrem unterschiedliche Genres in einem Film vorzufinden. Und dann wird natürlich auch noch getanzt und gesungen! Selbst Leute, die noch keinen einzigen indischen Film zu Gesicht bekommen haben, sind sehr wohl darüber informiert, dass ausgiebig gesungen und getanzt wird. Nun ist dieser plötzliche Wechsel in ausgelassene Musical-Bereiche sicher nicht jedermanns Sache, und ich gebe offen und ehrlich zu, dass auch ich im Vorfeld ein wenig skeptisch war. Doch schon "Andhera" (übrigens war "Andhera" der erste indische Film, den ich zu Gesicht bekam) hat mich eines Besseren belehrt. Denn die Musical-Nummern sind schön photographiert, erotisch angehaucht und sprühen regelrecht vor Lebenslust und positiver Energie. Auch finde ich diese Szenen keinesfalls störend, da sie recht gut in die Handlung eingebettet sind. Inzwischen bin ich schon so weit, dass ich jeder neuen Szene mit Vorfreude entgegen fiebere.
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Ein weiteres potentielles Problem mit indischen Horrorfilmen macht sich in der Gestalt des Comic Reliefs breit. Der Großteil der entsprechenden Filme wartet mit mehr oder weniger (eher weniger) lustigen Komikeinschüben auf, die anfangs noch mit Verwunderung zur Kenntnis genommen werden, jedoch bald schon zu nerven beginnen. Doch da heißt es Augen zu und durch, außer man ist gewillt, auf den großartigen Rest zu verzichten. Grundsätzlich kann man "Andhera" als solides B-Movie bezeichnen, da das Budget Andhera (Poster 2)offensichtlich in sehr niederen Regionen angesiedelt war. Unter dem technischen Aspekt betrachtet ist der Streifen trotzdem sehr in Ordnung. Die Musik unterstreicht das Geschehen auf nicht allzu aufdringliche Weise, und den Kameramännern gelingen einige schöne, stimmungsvolle Aufnahmen. Der Hauptdarsteller agiert teilweise zwar recht hölzern, schafft es aber immerhin, dass man Sympathie für ihn hegt und ihn schließlich sogar anfeuert, seine Peiniger zu bestrafen. Die Mädels sind allesamt hübsch und geben sehr angenehmes Futter für die Augen ab. Trotz der langen Laufzeit hatte ich nie das Gefühl, mich zu langweilen, oder verspürte gar den Drang, etwas vorzuspulen. Zwar kann man den Film nicht wirklich spannend nennen, aber er hat das gewisse Etwas, das ihn zumindest interessant macht. Exploitationfilmfans kommen großteils erst im letzten Drittel auf ihre Kosten, obwohl die Szene in Minute fünfzig, als der unliebsame Verehrer beide Hände abgesägt bekommt, schon mal aufhorchen lässt. Aber freut euch nicht zu früh, denn bevor das rotierende Sägeblatt sich durch sein Fleisch frisst, wird dezent abgeblendet. Was danach kommt, ist schon starker Tobak. Der arme, armlose Mann quält sich durch sein monotones Leben, wird verspottet und verprügelt. So etwas Niederschmetterndes habe ich selten zuvor gesehen - da verfällt man fast beim Zusehen in eine Depression. Aber dann, voilá, geht er in die Offensive, mit neuen, starken, metallischen Armen, die ihm helfen, seine Rache zu vollziehen. Wo zum Teufel er denn die Arme her hat, wird nicht erklärt (bzw. ging diese Information aufgrund der Sprachbarriere an mir vorbei). Aber sollen wir uns wirklich über solch irrelevante Details den Kopf zerbrechen und uns den Spaß am Film vermiesen lassen? Ich denke nicht. Also stellen wir uns einfach vor, eine Freundin von ihm (anscheinend der einzige Mensch, der nach dem Tod seiner Mutter noch zu ihm hält) hat einen Bekannten in einer geheimen militärischen Anlage, wo mit Cyborgs experimentiert wird. Und dieser hat nun unseren Helden mit neuen Greifwerkzeugen ausgestattet. Na also, geht doch! Im letzten Drittel des Filmes stattet der unerbittliche Rächer langsam aber zielstrebig seinen Peinigern einen Besuch ab, den diese nicht überleben werden. Die Art und Weise, wie die Bösewichter in den Tod geschickt werden, ist zwar weder besonders originell noch so wirklich kreativ. Aber dafür umso befriedigender. Ein Mann wird erstochen, ein zweiter wie ein Hund ertränkt, und ein dritter bekommt eine laufende Andhera (Video-CD-Cover 2)Säge aus nächster Nähe zu sehen ... der Rächer drückt ihn mit dem Gesicht voran in die rotierenden Blätter.
Die meiner Ansicht nach beste Szene von "Andhera" ist jedoch eine andere. Es handelt sich dabei um eine Traumsequenz, in der unser Held auf den Anführer seiner Widersacher trifft (entweder ist es der Vater oder der Bruder seiner Angebeteten, brutal gut gespielt von Imtiaz Khan). Es kommt zu einem Kampf in einem großartig ausgeleuchteten Raum voller ausgestopfter Tiere, begleitet von einem spannungsgeladenen Music-Score. Gegen Ende beginnt sich die Kamera schneller und schneller zu drehen, bis dem Zuseher fast ein Schwindelgefühl überkommt. Eine sehr effektive Szene, die man nicht so schnell wieder vergisst. Ebenfalls einen Blick wert ist das Finale, welches sich an den beliebten Spaghetti-Western aus Italien orientiert. In staubiger Wüstenlandschaft kommt es zum letzten Duell der beiden Kontrahenten, und gekämpft wird mit Pistolen, Messern und - natürlich - den eigenen Händen. Diese beeindruckende Szene wird mit gekonnter Nutzung der Location und ungewöhnlichen Kamerapositionen noch weiter aufgewertet.
"Andhera" wird wohl niemals als Klassiker in die Geschichtsbücher eingehen, aber es ist ein gut gemachtes, wenn auch etwas lang geratenes Rachedrama, das den einen oder anderen Blick durchaus wert ist. Vor allem aufgeschlossenen und risikofreudigen Fans, die vom üblichen Hollywood-Einerlei die Nase voll haben, möchte ich "Andhera" ans Herz legen. Man sollte die VCD problemlos bei einschlägigen Online-Shops ordern können (wie auch die der im Folgenden vorgestellten Filme), auch wenn diese nur in Vollbild und ohne Untertitel daher kommt. "Andhera" wurde im Jahre 1975 endlich veröffentlicht, nachdem ihm die indische Zensurbehörde zuerst eine Freigabe verweigert hatte. Ob die freigegebene Fassung zensiert wurde, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Diese schmerzhafte Erfahrung brachte die Ramsays an den Rand des Konkurses, doch glücklicherweise spielte der Streifen genug Geld ein, um nicht nur den drohenden Ruin abzuwenden, sondern auch um das nächste, ambitionierte Projekt in Angriff zu nehmen. Der Rest ist (indische) Filmgeschichte.

Darwaza
Schaurig-schöner Monsterhorror - DARWAZA (THE DOOR) (1978)
Der ansehnliche Erfolg von "Andhera" brachte die Ramsay-Horror-Maschinerie erst recht ins Rollen, trotz der schmerzhaften Querelen mit der staatlichen Zensur. Im Jahre 1978 war es soweit und Interner Link"Darwaza" ("The Door") erblickte das Licht der indischen Leinwände. Es war mit Abstand das ambitionierteste Projekt, das die Ramsays bis zu diesem Zeitpunkt in Angriff genommen hatten. Inszeniert wurde es einmal mehr vom nun schon erfahrenen Brüdergespann Tulsi und Shyam Ramsay, während das Drehbuch von Kumar Ramsay stammt. Es ist schwer vorstellbar, welchen Eindruck "Darwaza" anno 1978 in einem Indien, das mit Horror nicht allzu viel am Hut hatte, hinterlassen hat. Auch aus heutiger Sicht, fast schon dreißig Jahre nach Entstehung, beeindruckt der Film durch sein großartiges, ungeheuer stimmungsvolles Gothic Horror-Ambiente.
Darwaza (Szenenbild 1)Darwaza (Szenenbild 2)Darwaza (Szenenbild 3)
Darwaza (Szenenbild 4)Darwaza (Szenenbild 5)Darwaza (Szenenbild 6)
Es beginnt stilvoll wie in einem alten Hammer-Horrorfilm. Es ist dunkelste Nacht, ein Darwaza (Poster 1)Gewittersturm tobt, und eine Kutsche jagt, von Pferden gezogen, wie irre über den unebenen, nassen Boden. Ziel des Gefährts ist ein großes Anwesen, und kaum dort angekommen, betritt der Kutscher das Schlafgemach des älteren Hausherren (gespielt von Trilok Kapoor), der krank in seinem Bett liegt, ein schlafendes Kind an seiner Seite. Bevor Mitleid aufkommen kann, wird uns mittels eines Flashbacks signalisiert, dass dieser Mensch schwere Sünden auf sich geladen hat. Er hat nämlich befohlen, eine Hütte in Brand zu stecken, in der ein Priester der Göttin Kali gerade seine Gebete verrichtete. Während die Behausung ringsum in Flammen aufgeht, die Brandstifter hämisch lachen und die wütende Bevölkerung zum ohnmächtigen Zuschauen verurteilt ist, führt der Priester sein Gebet zu Ende ... und verbrennt hilflos bei lebendigem Leibe. Als die Hütte vollkommen niedergebrannt ist, wagt sich eine alte Frau aus der Menge und verflucht den Anführer, bevor die Aufregung sie übermannt und ihr Herz der Belastung nicht mehr standhält. Zurück in der Gegenwart: das Kind wird zur Kutsche gebracht, während der Fluch sein Tribut fordert und dem alten Mann das Leben zu entweichen scheint. Blitze zucken über den schwarzen Himmel und machen die Nacht zum Tag, und trotzdem sieht der Kutscher die Gefahr zu spät. Etwas lauert bei der Kutsche und tötet ihn mit spielerischer Leichtigkeit. Während dem Diener zusammen mit dem Kind die Flucht gelingt, fällt ein weiterer Diener des Hauses der unfassbar starken Kreatur zum Opfer.
Nach dem originell gestalteten Vorspann entfaltet sich die eigentliche Geschichte. Wir lernen das junge Liebespärchen Suraj Singh (Anil Dhawan) und Rachna (gespielt von der hübschen Shyamalee, die im Vorspann als Shamlee bezeichnet wird) kennen, die sich - nach Darwaza (Poster 2)einigen mehr oder weniger lustigen Episoden mit Rachnas neugierigem Vater - auf eine Reise begeben. Ziel der beiden ist ein abgelegenes Dorf, an dessen Rand sich ein altes, unheimliches Haus befindet. Wie unschwer zu erraten ist, handelt es sich natürlich um das Haus vom Beginn, und ich vermute mal, dass Suraj und das gerettete Kind der Eröffnungsszene ein- und dieselbe Person sind. Die beiden werden von dichtem Nebel, knarrenden Türen und einer mysteriösen, weißhaarigen Frau begrüßt. Als weniger freundlich erweisen sich die Dorfbewohner, die den Neuankömmlingen eher misstrauisch gegenüber stehen. Aber es kommt noch schlimmer: in der Umgebung treibt eine Gangsterbande ihr Unwesen, deren Anführer ein Auge auf Rachna geworfen hat. Und des Nachts schlurft eine grauenvolle, verunstaltete Kreatur durchs Dickicht, die alles tötet, was ihr über den Weg läuft ...
Wie schon "Andhera" versucht auch "Darwaza", viele verschiedene Geschmäcker zu bedienen. Aus diesem Grund fällt es etwas schwer, den Film eingefleischten Horrorfilmfans zu empfehlen. Denn auch wenn die Gruselsequenzen in "Darwaza" erstklassig in Szene gesetzt sind, so muss der geneigte Fan diverse andere Szenen über sich ergehen lassen. Zum Beispiel ist "Darwaza" auch eine romantische Liebesgeschichte, beinhaltet einige Komödien-Elemente, setzt zwischendurch etwas unmotiviert auf Action und begeistert (oder quält, je nachdem) den Zuseher mit den obligatorischen Musical-Einlagen. Nach dem großartigen Prolog setzt erst die eigentliche Geschichte ein, und die lässt sich mit der Entwicklung sehr viel Zeit. Eine Portion Geduld schadet somit garantiert nicht. In Minute 16 erfreut uns die erste von drei Sing- und Tanzeinlagen, wobei Suraj seine geliebte Rachna umsingt, erst im Auto, dann im strömenden Regen und schließlich in der Wohnung vor einem offenen Feuer. Romantikern wird dabei wohl warm ums Herz werden, auch wenn das Lied bestenfalls durchschnittlich ist. Für die zweite Musicalsequenz sorgt Rachna, die vor und in einem Fluss tanzt und singt. Die dritte Szene (vorgetragen von Anju Mahendru) besticht durch eine erotisch angehauchte, Darwaza (Poster 3)energiegeladene Choreographie, aber auch dieses Lied entpuppt sich leider nicht als Ohrwurm. Immerhin wirken die Musicalnummern nicht aufgesetzt, da sie schön in die Handlung integriert sind. Das Hauptproblem des Filmes liegt in der (zu) langen Laufzeit begraben. "Darwaza" ist zwar ein Horrorfilm, doch von den 126 Minuten hat bestenfalls ein Drittel etwas mit Horror zu tun. Zugegeben, dieses Drittel hat es wahrlich in sich, doch der Rest kann damit absolut nicht mithalten, vor allem, wenn man einen Gruselfilm erwartet. Zu bewundern gibt es unter anderem eine Kampfszene (recht nett choreographiert von Abdul Gani) inklusive Tritte, Karateschläge und dem schmerzhaften Einsatz einer Steinschleuder, einen Schwertkampf mit richtig großen Schwertern, diverse humorige Episoden und - ein nicht unwichtiger Punkt - einige so hübsche wie charismatische Mädchen, deren bloße Anwesenheit den Erotikfaktor in die Höhe schnellen lässt. Nichts davon ist wirklich aufregend, aber glücklicherweise auch niemals langweilig, und es ist schön anzusehen, als Überbrückung bis zur nächsten Gruselszene. Und in Sachen Horror setzen die Ramsays alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein, um dem Publikum das Fürchten zu lehren. Dichter, undurchdringlicher Nebel. Blitz und Donner. Wehende Vorhänge. Knarrende Türen. Versteckte Geheimgänge. Schaurige Katakomben. Riesige Spinnennetze. Ausgestopfte Tiere. Unheimliches Getier wie Eulen und Fledermäuse. Und, nicht zu vergessen, ein richtig beeindruckendes, abscheuliches Monster! Dieses "Ding" ist eine grotesk entstellte Kreatur mit langen, scharfen Krallen und einem Buckel. Über die dunkle, verrottet aussehende Haut trägt es zerfetzte Lumpen, und erst nach und nach wird uns diese Kreatur in all ihrer monströsen Pracht gezeigt, da sie lange Zeit in Schatten oder Nebelschwaden gehüllt bleibt. Der Blutpegel ist beinahe nicht-existent, was zum Großteil wohl auf die strengen Zensurbestimmungen zurückzuführen ist.
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Hatten die Ramsays bei "Andhera" schon das eine oder andere Mal mit Zooms und hektischen Schnitten experimentiert, so Darwaza (Poster 4)haben sie diese Technik nun fast perfektioniert. Einige Male bringen sie diese Technik sehr effektiv zum Einsatz, so z. B. bei einer Szene, in der eine im Schrank versteckte Leiche gefunden wird, sowie bei einer Monsterattacke in den Katakomben. Die schnellen Schnitte, kombiniert mit den aggressiven Zooms, sorgen ein wenig für Verunsicherung und Orientierungslosigkeit beim Zuseher. Eine der schaurig-schönsten Sequenzen zeigt eine hübsche Frau, die sich durch die unheimlichen Katakomben bewegt und eine mumifizierte Leiche findet. Mit einem Aufschrei weicht sie zurück ... direkt in die tödlichen Arme der lauernden Kreatur. Im exzellenten Finale konfrontieren uns die Ramsays mit dem vielleicht ambitioniertesten und aufwändigsten Spezialeffekt in all ihren Filmen. Es handelt sich um eine beeindruckende Transformationssequenz von Mann in Monster, welche mittels der klassischen Stop-Motion-Technik realisiert wurde. Sicher, im Zeitalter von CGI mag diese Technik veraltet und verstaubt erscheinen, doch beinhaltet sie zumeist weit mehr Charme als so manch seelenloser Effekt aus dem Computer. Wie Pete Tombs in seinem essentiellen Buch "Mondo Macabro" (Seite 87) anmerkt, dauerte es eineinhalb Tage, bis die Szene im Kasten war. Kein Wunder, dass die Ramsays in ihren Folgewerken auf solch aufwändige Effekte verzichteten.
Fans von Gothic Horror-Streifen á la Interner Link"Die Schlangengrube und das Pendel" (1967), Mario Bavas Interner Link"Baron Blood" (1972), oder die bereits erwähnten britischen Filme des Hammer-Studios, kommen bei "Darwaza" voll auf ihre Kosten. Insgesamt gesehen ist "Darwaza" aufgrund der vielen Nicht-Horror-Szenen eine etwas zwiespältige Angelegenheit, aber dank der unvergesslichen Gruselszenarien sollte man sich diesen frühen Ramsay-Klassiker auf keinen Fall entgehen lassen. Wer es doch tut, wird niemals wissen, was er versäumt (immerhin ein kleiner Trost).

Hotel
Invasion der Poltergeist-Zombies - HOTEL (1981)
Wie Eingangs schon erwähnt, haben es die lebenden Toten im indischen Genrekino nicht gerade einfach. Aber hin und wieder erheben sie sich glücklicherweise doch aus ihren Gräbern, um Grauen und Schrecken auf die Leinwände zu bringen und den Zusehern das Fürchten zu lehren. So geschehen im beachtenswerten Horrorschinken Interner Link"Hotel", inszeniert im Jahre 1981 vom - na? - Brüdergespann Tulsi und Shyam Ramsay. Als Produzent fungierte zur Abwechslung keiner der zahlreichen Ramsays, sondern ein gewisser Harish Shah. Das Drehbuch für den 'Suspense Thriller', wie uns der Slogan auf dem DVD-Cover-Artwork weismachen will, stammt in bewährter Weise von Kumar Ramsay, während Kiran für den Sound und Gangu für die Kamera zuständig war.
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"Hotel" wird mit einer sehr schönen und gruseligen Vorspannsequenz eröffnet, in deren Anschluss uns die Protagonisten des Filmes langsam und bedächtig näher gebracht werden. Die Geschichte dreht sich um den einflussreichen Geschäftsmann Suraj (Navin Nischol), der ein schönes Beispiel dafür abgibt, dass Geld allein nicht glücklich macht. Vor einigen Jahren hat er sich im Bezirk Balipuram in eine hübsche Frau namens Sushma (Neelam Mehra) verliebt, doch deren Verbindung stand unter keinem guten Stern, da ihre Eltern eine Heirat rigoros ablehnten und Sushma jemand anderem (und reicherem) versprachen. Suraj liebt Sushma noch immer und kann sie nicht vergessen, und aus diesem Grund kommt er auf die glorreiche Idee, in Balipuram ein Hotel errichten zu lassen. Mit der Grundstückssuche wird der findige Makler Chhagan Patel (Ranjeet) betraut, der sich - begleitet von seiner wunderschönen Sekretärin Shabho (Prema Narayan) und Surajs Sekretär Lalwani (Sudhir) - sofort auf den Weg macht. Wie es der Zufall so will, gibt es in der ganzen Gegend nichts Passendes ... mit einer Ausnahme: ein großes Grundstück in guter Lage gehört einem Priester namens Vater Hotel (Poster)Benevolent (Krishnakant). Doch der ist an einem Verkauf nicht interessiert, handelt es sich bei der Liegenschaft doch um einen uralten Friedhof. Chhagan erweist sich als ein mit allen Wassern gewaschener Gauner, der vor nichts zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen. So lässt er Shabho als reiche Witwe agieren, die auf dem Grund ein großes Waisenhaus zu errichten beabsichtigt, was für die armen Kinder der umliegenden Region ein wahrer Segen wäre. Nach langem Überlegen willigt der gutgläubige Priester schließlich ein, nicht ahnend, dass Chhagan unter anderem einen angesehenen Anwalt bestochen hat, um ihn zu täuschen. Wenige Tage, nachdem der schicksalsträchtige Vertrag unterzeichnet wurde, kommt der Priester hinter den üblen Schwindel und regt sich so sehr auf, dass sein Herz stehen bleibt. Chhagan vergießt darüber keine Träne, hat er doch jetzt auch die Möglichkeit, sich die Kreuze und Grabmäler unter den Nagel zu reißen. Als die Grabarbeiten beginnen, stößt man sogleich auf einige verweste Leichname und Skelette, die jedoch - im Schutze der Nacht - in eine große Grube 'verlegt' werden. Und so schreitet der Bau des Hotels, unter der Leitung von Chhagan, zügig voran. Von all diesen dubiosen Vorkommnissen hat Suraj nicht die leiseste Ahnung, was auch auf seinen Freund Vijay (Rakesh Roshan) und dessen arbeitsscheuen Bruder Sanjay (Prem Krishan) zutrifft. Als das imposante Gebäude fertig gestellt ist, macht sich der sympathische Sanjay auf den Weg, um die letzten Arbeiten zu überwachen. Eines Tages wird er zufällig Zeuge eines Streits zwischen Chhagan und seinen Komplizen, der die unschönen, vergangenen Taten zum Thema hat. Es gelingt ihm, die belastenden Dokumente sicher zu stellen, doch als er das Hotel verlassen will, ist er von der gewissenlosen Bande umzingelt. Sanjay sucht sein Heil erst in der Flucht und dann in einem Versteck, doch dieses entpuppt sich als tödliche Falle. Die Gauner fallen über ihn her und prügeln ihn in einer brutalen und schockierenden Sequenz regelrecht zu Tode! Allerdings können sie die brisanten Dokumente nicht finden, da Sanjay (der an Ort und Stelle in der Scheune begraben wird) diese vorsorglich versteckt hat. Kurze Zeit später treffen Suraj und Vijay ein. Die beiden sind zwar anfänglich etwas verwundert darüber, dass Sanjay nirgendwo auffindbar ist, aber da er schon des Öfteren vor Arbeiten davongelaufen ist, machen sie sich keine weiteren Sorgen. Schließlich ist der Tag der großen Eröffnung gekommen, und wie auf ein geheimes Startsignal hin formieren sich mysteriöse Kräfte. Ein Erdrutsch macht die einzige Straße unpassierbar, die Telefonverbindungen brechen ab, die Lichter gehen aus, und aus der Scheune sind unheimliche Geräusche zu hören. Doch das war erst der Anfang, denn während die sonderbaren Kräfte durchs Hotel toben, erheben sich die Toten aus ihren Gräbern ...
Mit "Hotel" haben Tulsi und Shyam Ramsay einen schönen und streckenweise wunderbar atmosphärischen Horrorfilm geschaffen, der aber leider nicht völlig zu überzeugen vermag. Schuld daran ist hauptsächlich das ärgerliche Comic Relief, das mit fortschreitender Handlung mehr und mehr in den Vordergrund tritt. Gerade im letzten Drittel des Filmes sind diese Eskapaden gelinde gesagt schrecklich unpassend und zerstören teilweise sowohl die Spannung als auch die Stimmung. Die Schauspieler können zwar nicht völlig überzeugen, spielen aber insgesamt sehr ansprechend and schaffen es, den Charakteren Leben einzuhauchen. Besonders hervorzuheben sind Ranjeet als Chhagan Patel, der einen guten, hassenswerten Schurken abgibt, und Prema Narayan als Shabho, die vor allem als willkommenes Eye Candy fungiert. Navin Nischol und Rakesh Roshan machen ihre Sache ebenfalls recht gut, wobei vor allem letzterer einiges zum gelungenen Showdown beitragen darf. Rakesh Roshan hat sich übrigens in der Zwischenzeit zum erfolgreichen Regisseur gemausert und mit Indiens erstem Science-Fiction-Epos "Koi... Mil Gaya" ("I Found Someone"/"Sternenkind", 2003) ordentlich die Kassen klingeln lassen.
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"Hotel" beginnt langsam, bedächtig und zurückhaltend und lässt sich viel Zeit mit der Einführung der Charaktere und deren Motivation. Es dauert lange, bis man als Zuseher dahinter kommt, welch gewissenloses, über Leichen gehendes Monstrum Chhagan eigentlich ist. Für meinen Geschmack hätten drei anstelle von fünf Musicaleinlagen völlig ausgereicht, aber immerhin sind diese schön in die Handlung eingefügt und nett anzusehen. Besonders Shabho, die bei der Hoteleröffnung eine sexy Performance abliefert, bleibt im Gedächtnis haften. Wenn man sich mit der Tatsache anfreunden kann, dass es gut und gerne einhundert Minuten dauert, bis der Horror im "Hotel" so richtig beginnt, dann sollte man generell gesehen auf seine Kosten kommen. Zwar gibt es auch in den ersten beiden Dritteln des Filmes die eine oder andere Grusel- bzw. Schockszene (wie z. B. das Ausgraben und die anschließende Verlegung der Toten, Sanjays grausame Ermordung oder der unheimliche Hund des Priesters), aber der Spaß geht erst im letzten Abschnitt so richtig los, wenn das Hotel völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist und die unbekannten Kräfte in Erscheinung treten und nach Rache dürsten. Hier sind die Ramsays in ihrem Element, das kann man förmlich spüren. Denn während zuvor alles mehr oder weniger routiniert abläuft und sogar Hotel (DVD-Cover)ein paar eher langatmige Szenen die Spannung nicht gerade heben, so überzeugen die Horrorszenen einfach auf ganzer Linie. Es ist nur etwas schade, dass es so lange dauert, bis man endlich dort ankommt.
"Hotel" lebt großteils von der seltsamen Atmosphäre, und nicht nur deshalb erscheint der Film im Vergleich mit zeitgenössischen Werken eher altmodisch. Eine wichtige Rolle spielen neben dem stimmigen Music-Score vor allem die gekonnt eingesetzten (lauten) Sound-Effekte und die stetig laufende Nebelmaschine, die wohl Überstunden schieben durfte. Als Inspirationsquelle für "Hotel" diente den Ramsays wohl John Carpenters Interner Link"The Fog" ("The Fog - Nebel des Grauens", 1980). Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn die Regisseure auch Lucio Fulcis Interner Link"Zombi 2" ("Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", 1979) gesehen hätten, denn einige Szenen mit den unendlich langsam herumwandernden Zombies erinnern stark an diese Sternstunde italienischer Horrorfilmkunst. Auch wenn die lebenden Toten nicht allzu viel Screentime haben, so hinterlassen sie doch einen starken und memorablen Eindruck. Da die Inder ihre Toten grundsätzlich einäschern, handelt es sich bei den begrabenen Leichen um Angehörige einer anderen Religion (ich vermute mal dem Christentum). Ansonsten wäre es dem heimischen Publikum schwer gefallen, der Geschichte auch nur ein klein wenig Glauben zu schenken. Die Zombies von "Hotel" dienen ausschließlich als Werkzeug der Rache, weshalb sie auch keine ungustiösen Essgewohnheiten an den Tag legen wie Fulcis Fleischfresser. Von den wenigen Auftritten der lebenden Toten ist vor allem die Szene herausragend, als aus der Erde wühlende Hände ein potentielles Opfer festhalten, während die Zombies langsam aber unaufhaltsam näher schlurfen. Neben den Zombies sorgen auch diverse Poltergeist-Aktivitäten dafür, den Schuldigen die gesalzene (Hotel-)Rechnung zu präsentieren. So machen führerlose Autos Jagd auf ahnungslose Fußgänger, große Felsblöcke zerquetschen panisch Flüchtende, und ein armer Tunichtgut wird von einem Blitz zum Brikett verarbeitet. Ein Typ endet mit auf dem Rücken gedrehtem Gesicht, während andere erstochen oder aufgespießt das Zeitliche segnen. Sehr schön macht sich auch die Sequenz, in der ein Spiegel explodiert und sich die Splitter in den Körper des bedauernswerten Opfers bohren. Nicht schlecht, Herr Specht, aber da all diese Gewalttätigkeiten nicht wirklich ausgeschlachtet werden, sollten all diejenigen, die denken, dass der Erfolg eines Filmes von dessen Blutgehalt abhängt, eher einen Bogen um den Streifen machen. Das Make-Up der Zombies ist ganz nett und wird gruselig gut zur Geltung gebracht, indem die Untoten im Halbschatten bleiben oder von Nebelschwaden umweht werden.
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"Hotel" ist weder Tulsi und Shyam Ramsays bester noch deren unterhaltsamster Film, aber die langsam aufkommende Konkurrenz stecken sie damit immer noch locker in die Tasche. "Hotel" ist ein schöner, stimmungsvoller Horrorfilm, der trotz einiger Schwachpunkte gut unterhält und auf charmante Weise beweist, dass auch indische Zombies keine lieblichen Gesellen sind. Wem die Zombies in "Hotel" zu unspektakulär und harmlos sind, dem möchte ich Keshu Ramsays Interner Link"Dak Bangla" ("Rest House", 1987) ans Herz legen, dessen lebender Toter zwar eine telekinetisch begabte Mumie ist, welche aber deutlich blutiger und phantasievoller zu Werke geht als ihre ums Hotel streunenden Artverwandten.

Veerana
Vampyres Indian-style - VEERANA (LONELINESS) (1985)
Im Zuge der Veröffentlichung von "Andhera" haben die Ramsays die Veerana (Video-CD-Cover)staatliche Zensur ein erstes Mal gehörig zu Schmecken bekommen. Ein Geschmack, auf den sie wohl liebend gern verzichtet hätten, gingen damit doch auch Umsatzeinbußen einher (zumindest verzögerte es sich um viele Monate, bis das eingesetzte Kapital zurückfloss). Zehn Jahre später wiederholte sich das unrühmliche Spiel, denn mit ihrem neuen Film wagten sich die Ramsays erneut in zwiespältige Regionen vor. Interner Link"Veerana" ("Loneliness" bzw. "The Wilderness") wurde im Jahre 1985 gedreht, aber es sollten viele Vollmonde kommen und gehen, bis er endlich zur Veröffentlichung freigegeben wurde. 1988 kam "Veerana" schließlich ins Kino, und die Ramsays konnten sich über einen neuen, respektablen Hit freuen, auch wenn die grandiosen Einspielergebnisse eines "Purana Mandir" ("The Ancient Temple") unerreicht blieben. Was hat die Zensurbehörde nun denn diesmal so auf die Palme gebracht? War es Horror? War es Sex? Nein, es war die spekulative Verknüpfung dieser beiden Motive, was nicht wirklich überrascht, orientiert sich "Veerana" doch grundsätzlich am Erotik-Horror-Klassiker "Vampyres" ("Daughters of Dracula", 1974). Um keine falschen Hoffnungen zu wecken ... im Gegensatz zum Film von José Ramon Larraz ist "Veerana" erstaunlich zahm und blutleer, zumindest für uns abgehärtete Genrefreaks.
Veerana (Szenenfoto 1)Veerana (Szenenfoto 2)Veerana (Szenenfoto 3)
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Wie es sich für eine Ramsay Filmproduktion geziemt, beginnt "Veerana" mit einem "Bang" in bester Gothic Horror-Tradition. Wir befinden uns in einem düsteren Gewölbe und in einem steinernen Sarkophag liegt eine scheinbar leblose Frau. In einer Ecke sieht man einen mit Ketten an die Wand gefesselten Mann, der von seltsamen Gestalten in schwarzen Kutten umringt ist. Es handelt sich, wie man unschwer erahnen kann, um eine teufelsanbetende Sekte (zumindest sieht die übergroße Statue, der gehuldigt wird, ein wenig unserem Teufel ähnlich), und der gefesselte Mann ist für die undankbare Rolle des Opfers auserkoren. Das Sektenoberhaupt (ein bärtiger, wenig sympathischer Mann mit grimmigem Gesichtsausdruck) nähert sich dem Opfer, kurz darauf gefolgt von der Hexe Nikita (die Frau, die eben noch im Sarkophag lag), die um ihren Hals eine Kette mit einem seltsamen Amulett in Fledermausform trägt. Als sie dieses ruckartig entfernt, verwandelt sie sich unter Donnergetöse und Blitzgezucke (welches die riesigen Spinnennetze und herumliegenden Knochen gut zur Geltung bringt) in ein grässliches Monster. Mit gezücktem Dolch nähert sich Nikita dem um Gnade flehenden Opfer, doch Veerana (Poster 1)Gnade ist ihr ein Fremdwort. Sie sticht zu und die scharfe Klinge bohrt sich in seinen Leib. Nach dem fünften Stich ist diese furiose, sechsminütige Eröffnungssequenz zu Ende. Kurz darauf sehen wir einen attraktiven Mann (gespielt von Vijayendra) mit seinem Wagen durch Nacht und Nebel kurven und als er eine hübsche, verführerische Frau am Straßenrand erblickt (es handelt sich natürlich um Nikita), folgt er ihr ohne Umschweife in ein nahegelegenes Schloss. Nachdem sie einige düstere, unheimliche Räume durchquert haben, steht ein Schaumbad auf dem Programm. Nikita lässt die Hüllen fallen und steigt zum Mann in die große Wanne, sich ihres Opfers wohl schon sehr sicher. Doch es kommt anders. Zwar schnappt die Falle zu, doch das Opfer heißt Nikita, denn der Mann hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihrem unseligen Treiben ein Ende zu bereiten. Mit Hilfe eines Amuletts (dem sogenannten Om Trishul, eine sehr wirksame Waffe gegen das Böse, dessen oberer Teil der Zahl "30" ähnelt) hält er die zum Monster mutierte Hexe in Schach und drängt sie ins Freie, wo bereits ein wütender Dorfmob ganz begierig darauf ist, die mordlüsterne Kreatur auf dem nächstbesten Ast aufzuknüpfen. Des Nachts jedoch erscheinen die Sektenmitglieder und nehmen die tote Nikita mit. Denn mit Nikitas Tod ist das Böse noch lange nicht besiegt! Ziel der gottlosen Gruppe ist die Wiedererweckung der Hexe, und der Hohepriester hat einen ganz perfiden Plan dafür ersonnen. Er bringt die junge Jasmin (passender Weise gespielt von ... Jasmin) mit Hilfe einer Voodoo-Puppe in seine Gewalt und führt sie an den Sarkophag, in dem sich Nikitas Überreste befinden. Urplötzlich erwacht diese zum Leben, ihre Hand schießt aus dem Grab, und die Krallen legen sich wie ein Schraubstock um Jasmins zierliche Hand, womit auch der Bann gebrochen ist. Jasmin kommt zu sich und schreit sich die Seele aus dem Leib, doch sie hat der Hexe nichts entgegenzusetzen, die sie unerbittlich zu sich in den Sarkophag zieht. Jasmins Vater kommt genau zum rechten Zeitpunkt um zu sehen, wie sich der Deckel über seiner kreischenden Tochter schließt (eine sehr gelungene und intensive Sequenz!). Als Jasmin wenig später dem Sarkophag entsteigt, ist sie nicht mehr dieselbe. Sie ist nicht nur für seltsame Vorgänge im Hause ihres Onkels (Kulbushan Kharbanda) verantwortlich, nein, der Satansbraten spricht auch in Zungen und murkst spontan ihre Tante ab. Außerdem lockt sie unschuldige Männer in eine Falle, um sich an deren Blut zu laben. Das geht so lange gut, bis die Tochter des Onkels (gespielt von Shila Chadha) mit ihrem neuen Freund (Ex-Tarzan-Darsteller Hemant Birje) zurückkehrt ...
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"Veerana" ist ein routiniert inszeniertes Gruselspektakel, dessen erste halbe Stunde zum Besten zählt, was Tulsi und Shyam Ramsay bis dato gedreht haben. Dann jedoch trüben unnötige Comedy-Einschübe (darunter Satish Shah als ein dusseliger Horrorschriftsteller und Veerana (Poster 1)ein belangloser Kurzauftritt eines Zwerges ... pardon, eines kleinwüchsigen Menschen) und der ein oder andere Durchhänger ein wenig den Genuss, und auch auf der Darstellerseite sind einige Akteure nicht wirklich überzeugend (so hat der böse Hohepriester gute Chancen, einen Hauptpreis in der Kategorie Overacting zu erhaschen, während Shila Chadha sehr blass bleibt und so wenig schauspielern kann wie sie gut aussieht. Und sie sieht sehr gut aus. Diese negativen Punkte werden jedoch durch Jasmins grandiose Performance mehr als wettgemacht. Tatsächlich ist sie alleine schon ein guter Grund, sich "Veerana" anzusehen. Ihre "Verwandlung" vom unschuldigen, unscheinbaren Frauchen zum männermordenden, lasziven Sex-Vamp ist absolut sehenswert, und wann immer sie in Erscheinung tritt, beherrscht sie das Geschehen und degradiert ihre Kollegen fast schon zu Statisten. Auch wenn ihre Brüste natürlich den ganzen Film über bedeckt bleiben, so geizt Jasmin nicht mit ihren (zahlreich vorhandenen) Reizen, und es sollte ihr problemlos gelingen, das Blut der (heterosexuellen männlichen bzw. homosexuellen weiblichen) Zuseher in Wallung zu bringen. Sie strahlt pure Erotik aus, und das war wohl mit ein Grund, dass den Zensoren das Blut in gewisse Körperteile schoss und diese daraufhin den Film für sich alleine beanspruchen wollten.
Die eingestreuten Musicalszenen sind wiederum sehr schön choreographiert und bieten eine nette Abwechslung vom grausigen Geschehen. Höhepunkte diesbezüglich sind die erste Sing-und-Tanz-Szene, in der Jasmin nackt in einem Veerana (Poster 3)Schaumbad vor sich hin trällert und ihre langen Beine zur Schau stellt, sowie die dritte Sequenz am Strand, wo die Ramsays mit Farbfiltern experimentieren (das Ergebnis hat etwas Surreales an sich). Technisch gesehen gibt es an "Veerana" nicht viel auszusetzen. Kameraführung, Beleuchtung und Schnitt sind gut, die Musik ist fabelhaft und die ohrenbetäubenden Sound-Effekte rocken regelrecht das Haus und bringen des Nachbars Blut zum Gefrieren. Des Weiteren haben die Ramsays zahlreiche "Hommagen" an bekannte und beliebte Horrorklassiker in ihr Spektakel inkludiert. Die plötzliche Kopfdrehung um 180 Grad stammt natürlich aus Interner Link"The Exorcist" ("Der Exorzist"), während der über Jasmin wachende Hohepriester Erinnerungen an Interner Link"The Omen" ("Das Omen", 1976) weckt. Der Hund mit Menschenkopf aus "Invasion of the Body Snatchers" ("Die Körperfresser kommen", 1978) hat ebenso einen kurzen Auftritt wie die mutierenden Hunde aus John Carpenters Interner Link"The Thing" ("Das Ding aus einer anderen Welt", 1982). Und zum Drüberstreuen kann man eine dieser berühmten "Blinzle und du verpasst sie"-Szenen bewundern, wenn die Hexe Jagd auf einen flüchtenden Arzt macht. In diesem spektakulären Set-Piece sieht man, wie die Hexe durch die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos köpfelt ... und fast im selben Moment platzen dem guten Doktor die Augen aus Höhlen! Ich bin mir zwar nicht hundertprozentig sicher, aber ich vermute, dass dieser gorige Moment frech aus Stuart Gordons Fun-Splatter Klassiker Interner Link"Re-Animator" (1985) geklaut ist. Witzigerweise erinnert eine spezielle Sequenz, in der die schwarzgekleideten, mönchsartigen Sektenmitglieder mit gezückten Schwertern auf einen Mann losgehen, stark an die Attacke der Ringgeister auf dem Felsen im ersten Teil von Peter Jacksons Interner Link"The Lord of the Rings" ("Der Herr der Ringe", 2001 - 2003). Aber das kann wirklich nur ein lustiger Zufall sein.
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Apropos Sektenmitglieder ... diese seltsamen, schaurigen, zombieartigen Gestalten sehen herrlich abstrus und grotesk aus, da sie auf ihren Hälsen hässliche, verrunzelte, große, längliche Köpfe (ähnlich den Coneheads) tragen, die im Showdown spektakulär explodieren dürfen. Außerdem bewegen sie sich sehr, sehr wenig (oftmals sitzen sie überhaupt nur da und schaukeln leicht hin und her). Gruselig. Einige Szenen, speziell das Finale, wecken Erinnerungen an die trashigen, bunten italienischen Sword & Sorcery-Spektakel, was dem Streifen ein bisschen zusätzlichen Pepp verleiht. Abschließend sei gesagt, dass der Horror-Part wieder einmal allererste Sahne ist, und in Kombination mit den extralauten Sound-Effekten kommt er besonders wuchtig und effektiv zur Geltung.
"Veerana" ist ein sehr guter und ausgesprochen unterhaltsamer Film aus der Ramsay-Produktionswerkstätte, und wer an indischen Gruselschockern interessiert ist, kommt an "Veerana" (der in Amerika auch als "Vengeance of the Vampire" bekannt ist) keinesfalls vorbei. Ich kann ihn guten Gewissens empfehlen.

Mahakaal
A Nightmare in Bombay - MAHAKAAL (TIME OF DEATH) (1993)
Zum Ende ihrer mehr als zwanzigjährigen Regentschaft im Horrorgenre zogen die Brüder Tulsi und Shyam Ramsay noch Mahakaal (Poster 1)einmal alle Register ihres Könnens. Im Jahre 1993, also satte 21 Jahre nachdem ihr Debütstreifen "Do Gaz Zameen Ke Neeche" das Gesicht des indischen Horrorfilmes für immer verändert hatte, schufen sie eine spektakuläre Horrorshow, die ihresgleichen sucht. Leider konnte auch die fantastische Spookshow namens Interner Link"Mahakaal" die schmerzliche Tatsache nicht verbergen, dass die große Zeit des 'Doom Booms' zu Ende war. Zu viele billigst hergestellte Schundfilme á la Interner Link"Khooni Dracula" (1992) hatten in den vergangenen Monaten den Markt überschwemmt und die Zuschauer enttäuscht, die sich daraufhin natürlich lieber anderen Filmthemen zuwandten. "Mahakaal", dessen englischer Titel "Time of Death" lautet, floppte an den Kinokassen, ein Schicksal, das er mit vielen anderen Genrefilmen der frühen 1990er Jahre teilen musste. Nach der finanziellen Enttäuschung ihres ambitionierten Projektes kehrten die Ramsays den großen Leinwänden den Rücken zu und suchten ihr Glück im Fernsehen, unter anderem mit der populären "Zee Horror Show" (1993).
Doch zurück zu "Mahakaal", sozusagen die furiose Antwort der Ramsays auf Mohan Bhakris 1989 entstandenen Interner Link"Khooni Murdaa" ("Deadly Corpse"). Denn beide Filme basieren mehr oder weniger auf der erfolgreichen amerikanischen Slasherfilmsaga Interner Link"A Nightmare on Elm Street", welche 1984 von Horrormeister Wes Craven ins Leben gerufen wurde. "Mahakaal" orientiert sich konsequenterweise am gelungenen Original, welcher zusammen mit dem dritten Teil der Serie wohl die qualitative Spitze der langlebigen Slasherreihe einnimmt.
Mahakaal (Szenenfoto 1)Mahakaal (Szenenfoto 2)Mahakaal (Szenenfoto 3)
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"Mahakaal" beginnt schlicht und einfach fantastisch. Eine junge, verängstigte Frau bewegt sich verwirrt durch einen bizarren Korridor mit von der Decke hängenden Ketten und sich von selbst öffnenden Türen. Dazu lassen die Ramsays einen genialen Mix aus dröhnender Musik und ohrenbetäubenden Soundeffekten auf den Zuseher los, der den Vergleich mit Dario Argentos Interner Link"Suspiria" (1977) oder Norman J. Warrens Interner Link"Suspiria"-Hommage "Terror" ("Killing House", 1978) nicht zu scheuen braucht. Auch die wunderbare Ausleuchtung, mit ihrer unheimlichen Kombination von Rot- und Blautönen, erinnert an Argentos Meisterwerk der Horrorfilmkunst. Noch während man fasziniert auf den Bildschirm starrt, wird die Frau plötzlich von einer Hand gepackt, über die ein gefährlich aussehender Klingenhandschuh gestreift ist. Der jungen Frau gelingt es, sich schreiend loszureißen, und während sie den Korridor entlang läuft, verfolgt sie das teuflische Lachen der monströsen Kreatur. Sie findet ein Versteck, kauert sich zusammen, wagt nicht zu atmen ... und die Hand schießt ins Bild und packt ihre Schulter. Ein toller Schockmoment, Mahakaal (Video-CD-Cover)der die wenigen Kinobesucher wohl aus ihren Sesseln aufspringen hat lassen. Wieder reißt sie sich los, doch es gibt kein Entrinnen. Wo immer sie auch hingeht, der mysteriöse Killer ist - wie bei der Story vom Igel und vom Hasen - schon da. Im selben Moment, als sich die tödlichen Klingenfinger in ihren Bauch bohren, erwacht die Frau schreiend in ihrem Bett. Nur ein Albtraum, natürlich. Aber wieso ist ihr Nachthemd aufgeschlitzt? Und wieso befinden sich auf ihrem Unterarm vier Schnitte, und zwar an der Stelle, an der sie im Traum von der Klingenhand gepackt wurde?
Nach diesem grandiosen Auftakt lernen wir die Hauptprotagonistin des Filmes kennen. Es handelt sich um den hübschen Teenager Anita, überzeugend gespielt von Archna Pooran Singh. Die sympathische Frau lebt in einem Haus mit ihren Eltern, besucht die Universität, und ist in ihren feschen Freund (Karan Shah) verliebt. Das Leben ist schön, wären da nicht die unheimlichen Träume, die sie und ihre Freundin (das Mädchen vom Beginn) quälen. Als die Clique übers Wochenende einen Abstecher in ein Hotel namens Arvino macht, passiert das Unfassbare. Anitas Freundin stirbt einen grausigen Tod, und ihr Freund, der dem Geschehen hilflos beiwohnte, flüchtet in Panik. Für Anitas Vater (Kulbhushan Kharbanda), den Polizeichef des Ortes, steht fest, dass der grausame Mörder nur ihr abgehauener Freund sein kann, der auch nach kurzer Zeit gefunden und verhaftet wird. Doch als auch dieser in seiner Zelle einen seltsamen Tod erleidet und Anitas Träume sich nach und nach verschlimmern, legt der Polizist ein auffallend komisches Verhalten an den Tag. Welch dunkles Geheimnis will er vor der Familie verbergen? Wieso ist der verunstaltete Traumdämon ausgerechnet hinter Anita her? Und wie soll man etwas aufhalten, für dessen Macht es keine Grenzen zu geben scheint ...
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Wenn ihr, liebe Leser, zu der großen Fangemeinde der Interner Link"A Nightmare on Elm Street"-Filme zählt, dann solltet ihr von Interner Link"Mahakaal" schlicht und einfach begeistert sein. Ich behaupte nicht, dass der von Tulsi und Shyam Ramsay inszenierte Streifen besser ist als die Mahakaal (Poster 2)Vorbilder, aber er macht (zumindest) ebenso viel Spaß, und - was noch wichtiger ist - er zelebriert den (Traum-)Horror mit einer Kreativität, einem Einfallsreichtum und einer Frische, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Zudem erlangt der Streifen eine Eigenständigkeit, die weit über einen bloßen Abklatsch hinausgeht. Es mag ja sein, dass "Mahakaal" auf den ersten Blick wie ein x-beliebiges Rip-Off aussieht, doch wenn man sich den Streifen etwas näher zu Gemüte führt, dann erkennt man, dass der Schein trügt. Denn Tulsi und Shyam Ramsay spielen regelrecht mit der Vorlage. Sie nehmen allseits bekannte und beliebte Szenarien als Ausgangspunkt, um danach neue und originelle Wege zu beschreiten. Es gibt mehrere Szenen, deren Beginn fast identisch mit den entsprechenden Sequenzen in Wes Cravens Kultklassiker ist, nur um dann aus der - scheinbar - vorgegebenen Richtung auszubrechen. Als Beispiele seien stellvertretend nur zwei Set-Pieces angeführt. Das erste betrifft den unschuldig im Gefängnis sitzenden Liebhaber des ersten Opfers. Er bekommt Besuch vom sadistischen Traumkiller, der mit seinen Messerfingern die lehmigen Wände der engen Zelle aufschlitzt. Durch die entstandenen Spalten schlängeln sich unzählige Schlangen, bis der Boden der kleinen Zelle fast bedeckt ist (Zuseher mit einer Schlangenphobie werden daran ihre helle Freude haben). Die Giftschlangen fallen dann erwartungsgemäß über den hilflosen Mann her. Die zweite Szene betrifft Anita, die in ihrer Klasse einschläft und prompt von ihrer toten Freundin träumt, die - umhüllt von einem durchsichtigen Leichensack - ihren Namen ruft. Anita folgt der Blutspur in einen unheimlichen Lagerraum voller riesiger Eisblöcke und trifft dort auf ihre Freundin, die sich aber ein wenig verändert hat, und das nicht zu ihrem Vorteil. Wie eine Furie greift sie Anita an, wild grimassierend und mit einem grässlichen Lachen, das ein wenig an die besessenen Frauen aus Sam Raimis Interner Link"The Evil Dead" ("Tanz der Teufel") erinnert. Nach kurzem Kampf gelingt es Anita, die Angreiferin zurückzuschubsen, und diese stolpert genau in einen der von der Decke hängenden Haken, mit dem die Eisblöcke transportiert werden. Langsam wird sie von der Vorrichtung, die sich in ihren Rücken gebohrt hat, weggezogen und entschwindet im nebeligen Teil des Raumes, immer und immer wieder Anitas Namen rufend. Eine höchst beeindruckende, atmosphärische Sequenz, die weit über die Wirkung des Original-Traumes hinausgeht.
Die Schauspieler machen einen guten und glaubwürdigen Job, besonders Archna Pooran Singh als Anita überzeugt als sympathische Heldin. Gangu Ramsays Kamera fängt das Geschehen perfekt ein und präsentiert teilweise wunderbare Bilder, begünstigt durch die famose Ausleuchtung, die mehr an Mahakaal (Poster 3)europäische Horrorfilme der 1960er und 1970er Jahre erinnert als an amerikanische Vorbilder. Die Regie von Tulsi und Shyam Ramsay (basierend auf einem Drehbuch von Y. V. Tyagi (Pammi)) ist versiert und wohl eine ihrer besten Arbeiten überhaupt. Anand Milind steuert die effektive Musik bei (wobei ein Stück eine schöne Variation des Nightmare-Themas ist), die großteils mit Piano und Gitarren glänzt, aber auch ein Frauenchor kommt schon mal wirkungsvoll zum Einsatz. Mit "Mahakaal" zogen die Ramsay-Brüder alle Register ihres beträchtlichen Könnens und bewiesen nachhaltig, dass sie im Laufe ihrer Karriere einiges dazugelernt haben. Es ist einfach schön anzusehen, mit welcher Frische und Kreativität hier zu Werke gegangen wurde. Denn auch wenn die indische Zensur im Laufe der 1980er Jahre etwas gelockert wurde, einen indischen Splatterfilm habe ich bis dato noch nicht zu Gesicht bekommen. Am nächsten kommt dem wohl Keshu Ramsays Mumien/Zombie-Epos Interner Link"Dak Bangla" ("Rest House") aus dem Jahre 1987, dessen Finale dem geneigten Zuseher einige richtig blutige Momente beschert. "Mahakaal" setzt nicht auf Gore, sondern auf Einfallsreichtum und Kreativität, und die wunderbar gestalteten Set-Pieces überzeugen auch ohne übermäßigen Blutfluss auf allen Linien. Die Ramsays ließen es sich nicht nehmen, einige weitere Klassiker des Horrorgenres gekonnt zu zitieren (siehe auch "Veerana"). Genrefilmfans werden sicher großen Spaß an den Verweisen zu "The Evil Dead" ("Tanz der Teufel"), George A. Romeros Interner Link"Day of the Dead" ("Zombie 2 - Das letzte Kapitel", 1985) und James Camerons Interner Link"The Terminator" (1984) haben. Einige Gothic Horror-Momente gibt es auch wieder zu bewundern, zum Beispiel in der Szene, als eine Frau einen schmalen Korridor entlang läuft, dessen Boden mit Knochen bedeckt ist und an dessen Seite aufgerichtete Skelette stehen. Aber ansonsten ist der Streifen sehr modern und keineswegs altmodisch, wie viele andere Filme der Ramsays. Ein großartiges Finale in einer Folterkammer rundet "Mahakaal" adäquat ab und bedient auch die Fans etwas härterer Kost, da sich unter anderem Mahakaal (Poster 4)eine Axt in einen Schädel bohrt und jemand beide Beine amputiert bekommt, nur um mit den blutigen Stümpfen weiter herumzukrabbeln.
So gut "Mahakaal" auch ist (und er ist meiner Ansicht nach großartig!), so will ich doch nicht verschweigen, dass die eine oder andere unnötige Ärgerlichkeit den Genuss des Streifens ein klein wenig trübt (und ich meine damit keinesfalls die netten, flotten Musical-Nummern). Der Subplot mit einem lästigen Verehrer, der es auf Anita abgesehen hat, bringt die Story nicht voran und dient lediglich dazu, ein paar Kampfszenen zu präsentieren, die allerdings gar nicht mal so schlecht choreographiert sind. Am Nervigsten ist definitiv der Comic Relief mit einem Michael Jackson-Imitator, aber auch diese Szenen halten sich glücklicherweise in Grenzen. Mit "Mahakaal" habe ich bis dato vier asiatische Variationen der "A Nightmare on Elm Street"-Geschichte zu Gesicht bekommen. Bei den anderen handelt es sich um den bereits erwähnten Interner Link"Khooni Murdaa" ("Deadly Corpse"), sowie die beiden indonesischen Vertreter "Ranjang Setan" ("Satan's Bed", 1986) und "Perjanjian di malam Keramat" (1991). "Mahakaal" ist jedoch, mit Respektabstand, der beste und unterhaltsamste, und gleichzeitig ein mehr als würdiges Ende des fast zehn Jahre andauernden 'Doom Booms', für dessen Beginn die Ramsays selbst hauptverantwortlich waren. Aber auch gute Dinge kommen zu einem Ende und es ist eine Freude zu sehen, dass die Ramsays nicht langsam in der Versenkung verschwanden, sondern sich spektakulär und mit erhobenem Haupt mit einem kleinen Meisterwerk des indischen Horrorkinos (fürs Erste) verabschiedeten.

Nachwort

Ich hoffe, das Lesen dieses Artikels hat ähnlich viel Spaß gemacht wie das Schreiben durch meine Wenigkeit. Die hier besprochenen Filme kann man übrigens bei diversen indischen Online-Shops wie z. B. WebMall India oder Ultra India beziehen, zum überwiegenden Teil als (spottbillige, jedoch nicht untertitelte) VCDs (als Ausgleich sind die Versandkosten der Shops jedoch exorbitant hoch). "Hotel" ist sogar als englisch untertitelte DVD erhältlich! Hin und wieder findet auch der eine oder andere Film seinen Weg nach eBay, allerdings meist stark überteuert. Für all diejenigen, die tiefer in die Materie eintauchen wollen bzw. die auf den Geschmack obskurer indischer Früchte gekommen sind, zwei (hoffentlich) gute Nachrichten. Erstens wird das amerikanische Kultlabel Mondo Macabro in nicht allzu ferner Zukunft drei indische Ramsay-Schätze auf DVD veröffentlichen. Angekündigt sind die Klassiker "Purana Mandir", "Veerana" und "Bandh Darwaza" ("The Closed Door", 1990). Und zweitens bin ich gerade fleißig dabei, einen zweiten Artikel auf die Beine zu stellen. Dieser wird nicht nur ein Licht auf weitere Ramsay-Spektakel wie Keshus fantastischen Mumienschocker Interner Link"Dak Bangla" ("Rest House") werfen, sondern auch Mohan Bhakris "Nightmare"-Rip-Off Interner Link"Khooni Murdaa" ("Deadly Corpse"), Vinod Talwars grotesken Pfotenhorror Interner Link"Khooni Panja" ("Deadly Hand", 1991) und Ram Gopal Varmas Blockbuster Interner Link"Bhoot" ("Ghost") etwas näher beleuchten. Um es mit Wigald Bonings Worten zu sagen: Bleibt neugierig!




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