Zu Beginn dieses Artikels wieder ein paar kleine, aber notwendige Anmerkungen: Das Subgenre des Mumienfilms verdankt seine Entstehung einzig und allein der Tatsache, dass die
Universal-Bosse für
Boris Karloff eine Rolle suchten, um an
"Frankenstein" anzuknüpfen. Nachdem es keinerlei alte Sagen oder Mythen über die Auferstehung einbalsamierter Toter gibt (im Gegensatz zu kulturell verwurzelten Vorstellungen von Vampiren oder Werwölfen), lag es wohl nahe, als

Dreh- und Angelpunkt die immer noch geheimnisumwitterten ägyptischen Dynastien auszuwählen.
Schon allein die Tatsache, dass Menschen in Tücher gewickelt, all ihrer Organe entledigt (das Gehirn wurde mittels Haken durch die Nase entfernt!) und in Sarkopharge gebettet wurden, lässt die Phantasie von Drehbuchautoren Kapriolen schlagen. So erscheint der nächste Schritt, diese Jahrtausende alten Mumien durch irgendeinen Hokuspokus ins Leben zu holen, nur nachvollziehbar.
Der erste hier vorliegende Film,
"The Mummy" (1932) von
Karl Freund, ist

auch gleich (wie so oft) der beste dieser Reihe und gilt als Meilenstein des
Universal-Horrors der 30er Jahre. Die Story ist dabei eigentlich Nebensache: Die Mumie des Priesters Imothep (
Karloff), der vor 3700 Jahren lebendig einbalsamiert wurde, wird 1921 gefunden und durch das zufällige Verlesen einer Formel wiederbelebt. Als Archäologe getarnt macht sich der alte Priester auf die Suche nach einer Engländerin, in der er die Reinkarnation seiner damaligen Liebsten sieht.
Regisseur
Freund, vormals Kameramann, inszenierte
"The Mummy" ohne große Schocks, in gemächlicher Ruhe wird die Handlung entwickelt, wunderbare Kamerafahrten (z. B. durch das menschenleere Museum) und die gute Besetzung lassen daraus ein poetisches Märchen entstehen. Erstaunlicherweise erfuhr dieser Streifen keine
Karloffsche Fortsetzung, erst 8 Jahre später tauchte die Figur wieder auf.
Tom Tyler, Serial-Recke der 30er und 40er Jahre, übernahm 1940 die Bandagen und schickte in
"The Mummy's Hand" (
Christy Cabanne) ein Archäologenteam auf Ausgrabungstour.

Als unterhaltsames B-Picture angelegt, vermag der Streifen durchaus zu unterhalten, eingestreute Comedyeinlagen lassen aber weniger Horror, dafür mehr Spannung durch Verfolgungsjagden aufkommen.
"Mummy's Hand" zeigt dabei exemplarisch das Problem des Mumienfilms auf: Das Ungeheuer selbst ist steif und ungelenk, kann ziemlich leicht aufgehalten werden und wirkt dadurch wenig bedrohlich. Um die Gefahr entscheidend zu vergrößern, muss ein Bösewicht (hier:
George Zucco) herhalten, der die Mumie für seine düsteren Zwecke benutzt. Vor diesem Dilemma stehen auch die drei Nachfolgeprodukte, die wiederum böse Oberpriester oder andere Miesepeter einbauen, um die Story über die Runden zu bringen.
Noch einmal muss
George Zucco einspringen, der in
"The Mummy's Tomb" (1942,
Harold Young) den titelgebundenen Untoten (diesmal
Lon Chaney Jr.) nach Amerika transportiert, um die Mitglieder einer Expedition ins Jenseits zu befördern. Um die 71 Minuten Länge zu erreichen, muss der Zuschauer dabei alte Reiseaufnahmen aus Ägypten ertragen und auch der Rest ist doch eher biederer Durchschnitt.
Der nächste Output dieser Reihe ist
"The Mummy's Ghost" (1944, Regie:
Reginald Le Borg), wieder mit
Lon Chaney Jr. in der Titelrolle. Endlich ins Leben geholt sucht er seine ehemalige Liebe, Prinzessin Annaka, was dem Zuseher allerdings weniger Freude bereitet. Viel doller geriet auch
Chaneys letzter Bandagenauftritt in
"The Mummy's Curse" (1945, Regie:
Leslie Goodwins) nicht, in dem er sich in Louisianas Sümpfen zu Studienzwecken wiederfindet. Netterweise werden hier ganze Szenenfolgen aus Vorgängerfilmen eingebaut, was zwar Kosten spart, den Zuschauern aber Deja-vu Erlebnisse nicht erspart.
Auch der letzte
Bud Abbott und
Lou Costello Film für
Universal entstand mit dem Mumienthema, nachdem das Komikerduo vorher schon alle klassischen Horrormotive
(Frankenstein und Werwolf 1948, Invisible Man 1951 und Jekyll/Hyde 1952) veralbert hatte. Der 1955 unter der bewährten Regie von
Charles Lamont entstandene
"Abbott and Costello meet The Mummy" zeigt die beiden tölpelhaften Helden auf der Suche nach einem geheimen Schatz, der, wie sollte es auch anders sein, von einer Mumie bewacht wird.
Wer auf Humor der derberen Art steht und Spaß an purem Blödsinn hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Erst Englands
Hammer Films kehrte mit
"The Mummy" (
"Die Rache der Pharaonen", Regie:
Terence Fisher) 1959 wieder zu den Wurzeln zurück, diesmal natürlich in Farbe und Breitwand. Die Handlung ist stark an
Freunds 1932er Vorlage angelehnt, beachtenswert bleibt bei diesem Remake die Besetzung (
Christopher Lee und
Peter Cushing), die wirkungsvolle Photografie
Jack Ashers sowie die wie immer liebevolle viktorianische Ausstattung. Dezidiert eingesetzte Schocks und hübsch - horromäßige Momente lassen
"The Mummy" in die A-Klasse aufsteigen (ohne umzufallen, versteht sich).

Drei weitere Hammer-Adaptionen sollten noch folgen, die allerdings qualitativ absinken und ihrem direkten Vorgänger nicht mehr das Wasser reichen können:
"Curse Of The Mummy's Tomb" (
"Die Rache des Pharao", Regie:
Michael Carreras) übergibt 1964 Dickie Owen die Bandagen und stellt ein gutes Beispiel für wenig inspirierte Filme des Studios dar. Ganz auf billige Effekthascherei hin in Szene gesetzt kann
Carreras der Thematik keine neuen Aspekte abgewinnen.
Wenigstens handwerklich gut gemacht ist
"The Mummy's Shroud (
"Der Fluch der Mumie", 1967) von
John Gilling, in dem wiederum
Dickie Owen in Mullbinden gewickelt die Besetzungsliste arg dezimiert. Einige nette Momente von Bedrohung und Spannung retten
Gillings Streifen vor dem Absturz ins Mittelmaß.
Als Nachzügler erreichte 1972 noch
"Blood From The Mummy's Tomb" die Kinos, der von
Seth Holt begonnen, aber aufgrund seines plötzlichen Ablebens durch
Michael Carreras ersetzt werden musste. Dieser Wechsel hat wohl mehr geschadet, denn das Ergebnis ist eine Mischung aus Blut und gähnender Langeweile.
Natürlich konnten Spaniens Giftköche bei dem Thema nicht widerstehen, so entstand 1973 unter der Regie von
Garlos Aured
"La Venganza de la Momia" (
"The Mummys Revenge") mit
Paul Naschy in der Hauptrolle. Ergebnis: Viel oberflächlicher Gore, wenig Erquickliches, typisch Paella.
Angelegt an
Bram Stokers Roman
"Jewel of the seven Stars", der auch schon beim 72er Hammerstreifen Pate stand, versuchte
Mike Newell 1980 mit
"The Awakening" (
"Das Erwachen der Sphinx") sein Glück. Obwohl sich der Kern der Handlung mehr

um die Reinkarnation eines Mumiengeistes dreht, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Genrekost für Freunde gepflegter Gruselunterhaltung.
Auch Goremaestro
Lucio Fulci versuchte sich 1982 an dieser Vorlage. Heraus kam so mit
"Manhattan Baby" eine sehr freie, aber blutige Bearbeitung, die schon von den Sets (New York) als Vorübung zu dem im selben Jahr entstandenen
"New York Ripper" gelten kann.
Zum Schluss noch ein Hinweis für einen Mumienfilm der etwas anderen Art. Der Film heißt
"Time Walker" von
Tom Kennedy aus dem Jahre 1982. Ein Außerirdischer läuft als Mumie in einem Kraftwerk herum. Dies langweilt den Zuschauer auf Dauer, da selbst die Morde so gut wie nicht gezeigt werden. Hier gilt also: Müll in Mull.
2000 Bernd Gastner
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von X-Rated.