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The Walking Dead - The Art Of The Living Dead


"The Walking Dead: Kapitel 1 - Gute alte Zeit"

Es ist schon irgendwie beindruckend, was ein augenscheinlicher Horrorcomic zu erreichen scheint. Aus einem Versuch, eine einfache Kritik zu schreiben, beginnt man die Häppchen, welche einem die Autoren und Filmemacher zuwerfen, für sich selber zu interpretieren und weiterzuspinnen. Ein Erfolg für jeden Autor und Filmemacher, wenn geneigte Leser oder Zuschauer ihre Geschichten interpretieren oder versuchen zu analysieren und somit in eine Welt eindringen, deren Gedankengänge man sich nie hätte träumen lassen.

Einer dieser Menschen, welcher sich dem Thema rund um die lebenden Toten angenommen hat, ist der ehemalige Chef des Kleinverlages Funk-O-Ton Robert Kirkman, welcher schon immer ein Fan des Horrorgenres war und vor allem die Zombie-Thematik schien ihn zu faszinieren. Dabei waren es nicht die Sorte von Filmen, in dem die Macher die Goreeffekte vor allem anderen setzten, sondern er liebte die Sorte von Filmen, welche den Terror viel subtiler und unterschwelliger verarbeiteten. Es waren Zombiefilme wie Interner Link"Dawn of the Dead" oder der leider recht unbekannte Interner Link"Shatter Dead", welche Kirkman begeisterten. Filme mit dramatischen Geschichten, welche die zwischenmenschlichen Beziehungen viel deutlicher zum Ausdruck brachten als all die anderen Filme des Genres. Interner Link"Shatter Dead", eine kleine Amateurfilmproduktion aus dem Jahre 1994, zeigt eine utopische Welt, in der die Lebenden mit den Toten zusammen ihr Dasein auf Erden fristen müssen, eine Idee, welche von Romero in ähnlicher Form in seinem neuen Interner Link"Land of the Dead" ebenfalls aufgegriffen wurde, wenn auch nicht so morbide und intelligent wie in Interner Link"Shatter Dead", bei dem die Lebenden mit ihren untoten Mitbürgern sogar Sex hatten.

Aber kommen wir zurück zu Robert Kirkman, welcher in Deutschland leider den wenigsten durch seine "Battle Pope"-Comics bekannt sein dürfte und im Jahre 2002 seine Projekte über Images Comics veröffentlichte. Leider verliefen die Abverkäufe seines Superhelden-Epos "Invincible" nur schleppend, als er aber dann seine Serie "The Walking Dead" aus dem Boden stampfte, trotzte er jeglichen Trends und schien bei Kritikern und Käufern gleich gut anzukommen.
"The Walking Dead" wurde zur meistgelobten US-Independent-Serie der letzten Jahre und Kirkmans Intention bestand nicht darin, dem Publikum das Fürchten zu lehren oder mit blutigen Zeichnungen anzuecken, sondern vielmehr zu untersuchen, wie Menschen mit extremen Situationen umgehen und wie sie sich durch solche Ereignisse verändern. Dabei unternimmt Kirkman nicht den Versuch etwas gänzlich Neues zu erschaffen, er orientiert sich sogar sehr stark an Romeros Trilogie und auch Interner Link"28 Days Later" wird zu Beginn zitiert.

Als der Cop Rick Grimes nach einer Schießerei schwer verwundet wird und nach Wochen des Krankenhausaufenthaltes aus dem Koma erwacht, ist nichts mehr wie es war. Zombies bevölkern Nordamerika, vielleicht sogar die ganze Welt. Ursache: unbekannt. Das komplette wirtschaftliche und soziale Netz ist zusammengebrochen. Wer nicht zum lebenden Toten mutierte, befindet sich auf der Flucht. Die Großstädte sind völlig in der Hand der hungrigen Untoten. Nur auf dem Land scheint es noch einigermaßen sicher zu sein.
Auf der Suche nach seiner Frau und seinem siebenjährigen Sohn macht sich Rick auf den Weg nach Atlanta, wo er Hilfe erhofft. Jedoch entpuppt sich diese Stadt als Brutstädte der Toten und Rick kann um Haaresbreite dem sicheren Tod entkommen. Gerettet durch den jungen Plünderer Glenn macht sich Rick auf den Weg zu einer kleinen Kolonne von überlebenden, etwas abseits der Stadt. Nicht erwartend dass seine Familie noch lebt, laufen ihm wie durch ein Wundern seine Frau Lori und Carl in die Arme. Auch sein Kollege und bester Freund Shane hat es bis hierher geschafft und scheint sich bestens um seine Familie gekümmert zu haben. Doch der Momente des Glückes weicht schnell der Ernüchterung. Noch immer sind sie dort draußen, die Horde der lebenden Toten. Niemand weiß woher sie kommen und wieviel es sind. Auf Hilfe hoffend kampieren einige überlebende auf freiem Feld, jagen Wild und freuen sich über jedes Gramm Waschpulver oder Toilettenpapier, welches ihnen Glenn bei seinen halsbrecherischen Plünderungsversuchen aus der Stadt mitbringt. Doch Rick schätzt die Situation ganz richtig ein: Sie brauchen ein sicheres Versteck und Waffen. Letzteres finden sie nur im Hexenkessel selbst - in einem kleinen Laden in Atlanta. Aber es sind schlussendlich nicht die Zombies dort draußen, sondern die Angst und der Stress in den eigenen Reihen, die das "harmonische" Klima der überlebenden jäh erschüttert. Unvorsichtig und sich in Sicherheit wiegend werden Einige Opfer einer kleinen Gruppe Untoter, welche unbemerkt bis zu ihrem Camp gelangten und zollen ihren Tribut in Menschenfleisch. Aber auch Ricks bester Freund scheint allmählich durchzudrehen. Warnte ihn noch einer der Gruppenmitglieder, dass Shane einen Blick auf seine Frau geworfen hätte, scheint dieser mit dem plötzlichen Auftauchen seines Nebenbuhlers und der Abweisung durch Lori nicht zurecht zu kommen. Die Sache eskaliert und wieder einmal scheinen es nicht die Monster zu sein, vor denen sich der Mensch zu fürchten hat, sondern vor dem Ungeheuer im Menschen...

Es ist wirklich unglaublich, was Autor und Schöpfer Robert Kirkman, sowie Künstler Tony Moore auf die Beine gestellt haben. Eine rund 140 Seiten starke Geschichte über Verlustängste, Familien- sowie Gruppenzusammenhalt, über ängste, Sehnsüchte und die ewig andauernde Frage nach einer möglichen Zukunft. Die auftretenden Zombies sind dabei meist nebensächlich, sie scheinen zwar die eigentlichen Auslöser für diese starken Emotionen zu sein, aber Kirkman rückt sie zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in den Vordergrund. Das Verhalten jedes einzelnen Protagonisten ist wichtiger als eine Horde untoter Monster, welche nach dem Fleisch ihrer Opfer lechzen. Als Leser wird man schnell in den Bann dieser tollen Schwarzweiß-Zeichnungen gerissen, denn Ricks Charakter erscheint von der ersten Sekunden an sympathisch und man drückt ihm die Daumen, dass er seine Familie findet. Bei der Umsetzung der ersten sechs Hefte, welche hier in einem edlen Paperback zusammengetragen wurden, konzentriert sich der Autor einzig und allein darauf, wie Rick versucht die Ruhe zu bewahren. Angetrieben von dem Drang, Frau und Kind wieder zu finden, begibt er sich auf eine lange Reise und wird förmlich in eine neuartige Welt geworfen, die ihn anfänglich stark zu überfordern scheint.
Hier könnte man Kirkman vorwerfen, dass dieser Antrieb zu schnell von ihm genommen wird, in dem er Rick seine Familie schon recht frühzeitig wieder in seine Arme schließen lässt und so richtig möchte man von diesem unheimlichen Glücksfall nicht überzeugt sein. Doch dies scheint nur ein kurzer und vielleicht rein subjektiver Ausrutscher, wenn man ihn überhaupt so nennen mag. Schlussendlich funktioniert die Story so wie sie ist, auf jeder Seite und baut von Blatt zu Blatt mehr an Spannung auf. Fast alle Charaktere erscheinen zu Beginn recht sympathisch und man vergisst schnell die Bedrohung um sich herum. Kirkman lenkt die Aufmerksamkeit komplett auf die zwischenmenschliche Ebene, rückt die Zombies weiter in den Hintergrund und zeigt auf, wie jeder für sich versucht mit den Dingen klar zu kommen. Dass 140 Seiten dies noch nicht komplett schaffen, sollte dabei jedem klar sein, aber von mal zu mal lernt man die Protagonisten besser kennen; ihre Schwächen und ihre Stärken. Man erlebt, wie sie über banale Dinge wie den Duft von Waschmittel debattieren, ob ein siebenjähriges Kind in diesen Zeiten einen eigene Waffe haben sollte und halten sich am Glauben fest, dass in Kürze Hilfe kommen wird. Diese Hoffnung macht sie blind für die Realität, der Glauben an Sicherheit im freien Feld macht sie verwundbar und man spürt das immer angespanntere Verhältnis zwischen Shane, Rick und seiner Frau. Das alles wird ruhig und gar schleichend erzählt. Hin und wieder lässt man eine wahre Bombe platzen und wirft mit wirklich tollen Einfällen um sich. So versuchen z.B. Rick und Glenn in Atlanta Waffen zu finden, müssen aber durch eine Horde von Untoten.
Nun wird die Frage aufgeworfen: Woher kennen die Zombies den Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten? Die Lösung scheint banal und doch logisch. Beide schmieren sich mit den vermoderten überresten eines Zombies ein, um wie einer von ihnen zu riechen. Und es funktioniert, die Zombies nehmen keine Notiz von den beiden stinkenden Menschen und so können sie in aller Ruhe einen Waffenladen plündern, doch als es anfängt zu regnen, fühlen sich beide in der Horde der Untoten nicht mehr so sicher.

Immer wieder schaffen es Autor und Illustrator den ruhigen, gar behaglich wirkenden Erzählstil von einem Moment zum anderen zu durchbrechen, bleiben aber stets bemüht, nie ins Klischeehafte abzudriften. Die Zombies werden nicht als Hassobjekte hingestellt und man weicht lieber einem Kampf aus, als sich unnötig in Gefahr zu bringen oder gar unnötige Munition zu verschwenden. Leser, welche sich von "The Walking Dead" eine blutrünstige Action-Story erhoffen, werden nach dem Genuss dieses Sammelbandes wahrscheinlich enttäuscht sein, müssen sich aber eingestehen, dass dieses Werk rein inhaltlich mehr zu bieten hat, als so mancher der heißgeliebten Zombiestreifen, die wir auf der Leinwand zu Gesicht bekommen. Die gesamte Geschichte läuft wie ein Film vor den Augen des Comiclesers ab und die Bilder sind dabei nur ein Anreiz, seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Grandios erzählt und markant gezeichnet, regt diese Geschichte uns zum Denken an. Das "was wäre wenn" wird in unseren Köpfen laut und unsere Gedanken werden sich überschlagen.
Jeder kann sich in diesem Szenario wieder finden. Die Frage ist nur, als welche Person. Glaubt ihr, ihr würdet wie Rick die Situation meistern oder doch eher eine negative Entwicklung durchmachen wie Shane? Oder aber findet ihr euch auf der leblosen Seite des Zaunes wieder? Egal wie ihr euch entscheidet, ihr habt euch Gedanken gemacht und das ist mehr als man in der heutigen Zeit von den meisten Menschen erwarten darf. Das Leben hat euch wieder, genießt es solange ihr noch könnt, denn im August geht es weiter und Cross Cult veröffentlicht den zweiten Band dieser atemberaubenden Geschichte. Wir werden dabei sein, um Rick und seine Familie auf ihren Weg in eine ungewisse Zukunft zu begleiten ...

"To be continued ..."




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