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Interview mit Jonathan von der Heide
Mit "Van Diemen's Land" nimmt sich der australische Regisseur Jonathan auf der Heide einem dunklen Kapitel seines Heimatlandes an. Die wahre Geschichte des Alexander Pearce, der 1824 wegen Mordes und Kannibalismus gehängt wurde, ist auch wahrlich starker Tobak. In Zusammenarbeit mit I-On New Media präsentieren wir euch an dieser Stelle einen Auszug aus dem Booklet der deutschen DVD von "Van Diemen's Land", welcher seit dem 28.10.2010 als Teil der Störkanal-Reihe im Handel erhältlich ist.


Stellt dich bitte dem Leser vor.
Hallo, ich bin Jonathan auf der Heide, der Regisseur von "Van Diemen's Land". Ich wurde in Tasmanien geboren, welches früher auch als Van Diemen's Land bekannt war, lebe nun aber in Melbourne. Ich liebe Filme über alles, verbringe meine ganze Zeit damit Filme anzusehen, über Filme zu sprechen und Filme zu machen. Ich bin nun 31 Jahre alt und habe "Van Diemen's Land" inszeniert, als ich 29 Jahre alt war. Mein nächstes Projekt, an welchem ich zurzeit zusammen mit Oscar Redding (Hauptdarsteller in "Van Diemen's Land") schreibe, wird den Namen "Black Blood" haben. Es handelt sich dabei um eine Adaption des Dramenfragment Woyzeck, des deutschen Dichters Georg Büchner.
Dein Familienname ist ohne Zweifel ein Name mit deutschem Ursprung. Hast du direkte deutsche Wurzeln, oder wie kommst du zu diesem Familiennamen?
Der Name ist deutsch. Ich spreche jedoch kein Deutsch. Meine Vorfahren zogen 1850 von Hannover nach Süd-Australien. Ich war bis jetzt nur einmal in Deutschland, als ich vor ein paar Jahren in Berlin auf Besuch war. Ich habe den Aufenthalt in Berlin geliebt, es ist eine wundervolle Stadt!
Jonathan von der Heide
Wie ist es dazu gekommen, dass du ins Filmgeschäft eingestiegen bist?
Ich war schon immer vom Medium Film fasziniert und besessen von der Möglichkeit, damit in eine andere Welt entfliehen zu können. Diese Besessenheit veranlasste mich dazu, mich zuerst als Schauspieler zu versuchen. Ich habe sowohl Theater wie auch im TV gespielt. Mit der Zeit frustrierte mich dies jedoch zunehmend. All die Dinge, die hinter der Kamera geschehen, all die Termine für ein Vorsprechen und das Warten auf einen Rückruf des Agenten haben mir mein Herz gebrochen. Ich sehnte mich danach, wieder mehr Kontrolle über mein Leben zu haben. Der Wunsch als Regisseur zu arbeiten entstand somit aus dieser wachsenden Frustration heraus. Ich stellte fest, dass meine Zukunft hinter und nicht vor der Kamera ist.
"Van Diemen's Land" ist nicht dein erster Film, bei dem du dich mit dem realen Fall von Alexander Pearce beschäftigst, hast du zuvor doch einen Kurzfilm namens "Hell's Gate" in Szene gesetzt, welcher sich ebenfalls mit dieser Thematik auseinandersetzt.
Kannst du erklären, wie es dazu gekommen ist, dass du dich dazu entschlossen hast nach "Hell's Gate" mit "Van Diemen's Land" nochmals das gleiche Thema zu behandeln?
Der Kurzfilm war meine Abschlussarbeit, mit der ich 2007 die Filmschule erfolgreich beendet habe. Der Film ist 21 Minuten lang und half mir dabei, nach Investoren für meinen ersten Langfilm zu suchen. Dank des Kurzfilmes konnten wir interessierten Investoren zeigen, wie der fertige Film ungefähr ausschauen würde. Rückblickend kann man sagen, dass benötigte Geld zu organisieren war damals noch der leichteste Teil. Ich bin der Überzeugung, wenn man eine großartige Geschichte hat und von talentierten Personen umgeben ist, dann hat man einen Film bereits zur Hälfte in Kasten. Es half auch, dass beim Kurz- und beim Langfilm die gleiche Crew beteiligt war, was es für die Investoren einfacher machte uns ihr Vertrauen zu schenken und in unser Projekt zu investieren. Als wir dann noch einen Vertriebsdeal mit Madman Entertainment abschlossen, ging alles ganz schnell. Innerhalb von sechs Monaten hatten wir das benötigte Geld zusammen und konnten mit den Vorbereitungen beginnen. Unser Budget betrug 6 Millionen australische Dollar, was ungefähr 60000 US-Dollar entspricht. Genau ein Jahr, nachdem wir den Kurzfilm gedreht hatten, begannen wir mit der Arbeit an "Van Diemen's Land". Wir waren alle voller Enthusiasmus und ich denke das hat uns alle dazu getrieben, unser Bestes zu geben. Es war der absolute Wahnsinn, aber auch ein großartiger Spaß. Ich bin jetzt noch begeistert einen Film gemacht zu haben, der hoffentlich die Jahre überstehen wird.
Wie schon erwähnt basiert "Van Diemen's Land" auf der wahren Geschichte von Alexander Pearce, der 1824 wegen Mordes und Kannibalismus gehängt wurde. Was für einen Stellenwert hat diese Geschichte in der australischen Kultur?
Alles spielte sich vor ca. 200 Jahren ab, aus diesem Grund gibt es nicht viel Informationen darüber, was wirklich damals geschah. Fest steht, es handelt sich dabei nicht unbedingt um einen stolzen Augenblick der australischen Geschichte, darum wird sie auch von vielen wie ein dreckiges kleines Geheimnis behandelt. Viele erfundene Details verliehen der Geschichte über die Jahrhunderte hinweg einen fast schon mystischen Staus. Alexander Pearce wird von vielen als eine Art australischer Sweeney Todd betrachtet, der seine Mitgefangenen in die Wildnis lockte, um sie dort aufzufressen. Doch das alles stimmt so einfach nicht, darum wollte ich auch einen möglichst authentischen Blick auf die Ereignisse werfen, wie man es z.B. auch von einer Dokumentation erwarten würde. Die wahren Ereignisse sind auch so schon grausam genug, ohne dass man etwas dazu erfindet.
Jonathan von der Heide
Wann hast du das erste Mal von der Geschichte von Alexander Pearce gehört?
Ich denke ich war damals 18 Jahre alt. Ich war schockiert, dass ich zuvor noch nie etwas davon gehört habe. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass solch ein faszinierendes Kapitel der australischen Geschichte nicht bekannter war und keinem Mainstream-Publikum zugänglich gemacht wurde. Es gab zwar damals schon ein paar Hinweise und Referenzen in verschiedenen Songs und Büchern, aber die volle Geschichte wurde noch nie in einem Film behandelt. Ich war schon immer der Meinung, dass die Person, die diese Geschichte als Film in Szene setzen würde, ein Gewinner sein könnte. Jedoch hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages diese Person sein werde. Ich bin jetzt noch überrascht, dass niemand vor mir auf die Idee gekommen ist.
Wie nahe hält sich der Film nun an den wahren Ereignissen?
Alexander Pearce gab damals vier Geständnisse ab und schilderte alle Ereignisse in all ihren grausamen Details. Diese Geständnisse war für Oscar Redding (Anmk.: Co-Autor und Hauptdarsteller) und mich eine Art von Bibel und wir haben unser Drehbuch darauf aufgebaut, uns dabei so nahe wie möglich an die realen Ereignissen gehalten. Das wirklich Interessante an der Geschichte ist jedoch, dass es keine vollumfängliche Wahrheit gibt. Alexander Pearce ist der einzige Überlebende und alle seine Geständnisse unterscheiden sich in gewissen Details voneinander, was uns wiederum die Möglichkeit gab unsere eigenen Überlegungen in die Geschichte einzubringen. Trotzdem ist der Film so nahe wie möglich an der Realität und zeigt die Ereignisse so, wie sie sich damals wirklich zugetragen haben könnten.
Während der Arbeit an "Van Diemen's Land", hast du dir darüber Gedanken gemacht, ob du imstande sein würdest einen Menschen zu essen?
Natürlich. Der Film baut schließlich auf dieser Frage auf, handelt er doch von Männern, die zum Kannibalismus übergehen als sie keine andere Möglichkeit sehen, um zu überleben. Gerade Alexander Pearce wird von vielen als "verurteilter Kannibale" und als Monster betrachtet, doch ich wollte es mir in meinem Film nicht so einfach machen. Es war von Anfang an mein Ziel seine Person in einem differenzierten Licht darzustellen, zu zeigen, dass er mehr war, als nur ein Kannibale oder eben auch Monster. Hätte ich ihn einfach nur als Monster dargestellt, dann hätte ich es dem Publikum zu einfach gemacht, sich von seiner Person zu distanzieren. Aus diesem Grund zeige ich ihn auch als einen ganz normalen Menschen, um den Zuschauer dadurch mit der Frage zu konfrontieren, ob er in einer extremen Situation um Leben und Tod vielleicht nicht auch gleich wie Alexander Pearce reagieren würde. Ich bin der festen Meinung, dass die meisten dazu fähig wären, einen anderen Menschen zu essen, um sich dadurch vor dem Hungertod zu bewahren. Ob dies nun auch den Mord an einem anderen Menschen miteinschließt, diese Frage ist wiederum schwerer zu beantworten.
Ich bedanke mich für das Interview.
Interview geführt von Nando Rohner.
Mit freundlicher Unterstützung von I-On New Media.



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